Wer hat eigentlich beschlossen, dass Barbaren in Dungeons & Dragons immer Vollidioten sein müssen?

Grog aus Vox Machina

Barbaren sind eine durchaus beliebte Klasse in Dungeons & Dragons, weil sie ordentlich austeilen und einstecken können und ihre Wut sie zu wahren Bestien im Kampf macht. In vielen Fällen muss darunter ihre intellektuelle Ausprägung leiden … Aber muss sie das wirklich?

Was macht Barbaren wirklich „dumm“? Barbaren in Dungeons & Dragons funktionieren vor allem durch ihre Kraft, Konstitution und ihr Geschick. Im Kampf befinden sie sich oftmals mittendrin oder an vorderster Front, um durch ihre Wut und Stärke zu einer kleinen, aber heftigen Einmannarmee zu werden.

Aus diesem Grund erhalten diese 3 Attribute bei der Punkteverteilung auch die meiste Liebe, um möglichst effektiv zu sein. Was daraus folgt: Attribute wie Weisheit oder Intelligenz bleiben daher (nett ausgedrückt) etwas auf der Strecke. Sie werden zum „Dump-Stat“. 

Doch bedeutet eine unterdurchschnittliche Intelligenz, dass ein Barbar absolut hohl sein muss?

Auch Grog aus Vox Machina ist ein Barbar mit einer soliden Intelligenz von 6:

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The Legend of Vox Machina – Trailer zum animierten DnD-Abenteuer

„Dumme“ Barbaren sind nicht weit genug gedacht

„Dumme“ Barbaren sind eine stereotypische Interpretation des von Wut geleiteten und ungebildeten wilden Barbaren, der zuerst zuschlägt und danach nachdenkt, wenn überhaupt. Aber nicht nur Barbaren sind von solchen Stereotypen betroffen. Auch der horny Barde, der stoische Paladin, der nerdige Magier und der edgy Hexenmeister fallen darunter, wovon ich mich mit meiner Hexenmeisterin auch nicht ganz freisprechen kann.

Solche Charaktere können durchaus Spaß machen und haben ihre Daseinsberechtigung, wenn ein Spieler einen derartigen Charakter wählt. Allerdings sollte bewusst sein: Nur weil manche Klassen ihre Vorurteile haben, muss man diese nicht erfüllen, um einen stimmigen Charakter zu schaffen.

Barbaren mögen zwar Stärke über Intelligenz priorisieren, doch das bedeutet nicht, dass sie Idioten sind – keinesfalls. Barbaren können auch ein durchaus kluges Köpfchen besitzen, das andere zum Staunen bringt. 

Barbaren können kampferprobt und starke Taktiker und Strategen sein. Sie können besonders gut darin sein, Spuren zu lesen, außerhalb von Zivilisation zurechtzukommen und aus ihrer Erfahrung heraus starke Pläne zu schmieden. 

Hier können vor allem Talente wie beispielsweise „Aufmerksam“, „Gewölbeforscher“ oder auch „Koch“ für mehr Skill und Persönlichkeit sorgen, wenn es die Backstory allein noch nicht ganz hergibt.

Außerdem können sie, wenn sie sowieso in der Lage sind, die eigene Wut zu entfesseln, generell eine starke emotionale Intelligenz besitzen. Genau wie der Barbar aus unserer Gruppe, den ich hier einmal als Beispiel nennen will.

Keine hohe Intelligenz und trotzdem der Verstand eines Kriegers und eines besten Freundes

Der Barbar aus unserer Gruppe besitzt mit seiner Intelligenz von 8 einen unterdurchschnittlichen Intellekt und ist trotzdem eins der stärksten Mitglieder, wenn es darum geht, eine Strategie im Kampf zu finden. Sein Leben lang hat er mit Kämpfen verbracht, die ihm ein großes Verständnis für Taktik beschert haben, sowie das Wissen, auf was man besonders achten muss, wenn man in Sicherheit rasten will.

Der Barbar in unserer Gruppe ist kein Haudrauf ohne Plan oder eine reine Kampfmaschine, sondern ein Beschützer, ein Stratege und ein wirklich starker Freund. Ein perfektes Beispiel, dass Stärke nicht nur in den Muskeln sitzt, sondern auch im Herzen.

Wer bereit ist, seinen Barbar nicht nur als „Haha, Hihi, Idiot mit Axt“ zu spielen, sondern auch auf Talente, Freundschaft und Lebenserfahrung schaut, kann einen wirklich starken Charakter schaffen, der seiner Gruppe nicht nur im Kampf in Erinnerung bleibt.

(Grüße gehen raus an Bloodhoof, Ozen denkt an dich.)

Was denkt ihr? Müssen Barbaren aus Dungeons & Dragons wirklich dumm sein? Oder habt ihr einfach Spaß daran, einen Idioten zu spielen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

Ein Spieler hatte auch Bock, in seiner D&D-Kampagne draufzuhauen, aber mit einer ganz besonderen Waffe. Sein Spielleiter, so wie weitere Dungeon Master, fanden die Idee jedoch gar nicht so prickelnd: Dungeon Master verbieten Spieler seine Lieblingswaffe in D&D, eskaliert in fetter Diskussion am Tisch und in der Community

Kommentare

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12 Kommentare
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IC3GH05T

Also ich mag Charaktere die aus der Rolle fallen und etwas ganz einzigartiges sind oder zumindest etwas persönliches. ABER wichtig ist, dass der Charakter passend zu dem gespielt wird was er ist. Damit meine ich, dass mir als Spielleiter niemand mit Intelligenz 6 die ballistische Kurve eines Geschosses berechnet. Genauso wie jemand mit Stärke 10 keine Felsen durch die Gegend trägt.

Man kann natürlich noch viel rausholen, wie bei dem hier genannten Barbar. Mit Intelligenz 8 ist er nicht geistig eingeschränkt sondern eher auf dem Niveau vieler Menschen die dennoch beim Militär Karriere machen konnten. Gerade wenn er passende Skills dazu lernt die seine militärische Fokussierung bestärken und er eine passende Backstory hat macht es absolut Sinn, dass er vielleicht vieles nicht versteht aber dafür ein taktisches Genie ist.

Tatsächlich gibt es dazu sogar im Regelbuch grobe Vorgaben wie diese Werte im RP zu behandeln sind. Natürlich wie immer mit Ermessensspielraum. Das ist allerdings die wahre Erklärung dafür, warum die meisten Barbaren als “dumm aber lustig” und mit viel Herz gespielt werden. Denn sie opfern bei den Stats so viel wie möglich auf Intelligenz, da ihnen der Wert überhaupt nichts bringt. Der Humor entsteht dann dadurch, dass der Kampf an sich meist sehr langweilig als Barbar in D&D ist. Denn die meisten Unterklassen sind im Prinzip nur “Ich geh in Rage. Ich hau den Gegner.” ohne dass er viel andere Optionen hat. Deshalb muss man sich umso mehr ein cooles RP überlegen um am Tisch nicht einzuschlafen.

IC3GH05T

Ich weiß genau was du meinst 😀 Ich mag es tatsächlich aber auch sehr wenn der Barbar seine Rage selbst so gut beschreibt (und die anderen Spieler). Das hatte ich auch mal, dass jeder am Tisch plötzlich selbst beschieben hat was er/sie macht und mich dann immer fragend ansieht ob das so okay ist und ob sie auf irgendwas würfeln müssen. Fand ich sehr schön XD

Sirhc8181

Musst du nicht, ich finde du machst deinen Part wunderbar. Besonders mit deinen würfeln als “paid-actor” <3

Sayashem

Ich war das und ich mach ihn noch dümmer wenn ihr nicht aufhört zu meckern.

evilsohn

Ich denke, das Klischee des starken, dummen Barbaren stammt aus der Zeit, in der auch der Klischee-Nerd entstand, und diente als Spiegel dessen. Wer schlau ist, muss schwach sein und wer stark ist, kann nicht schlau sein.
Dass es auch anders geht zeigte Conan ja bereits in den 1920/30ern… (die Realität zeigt es ja auch hin und wieder 😉)

Dass bei der Aufzählung der Stereotypen anderer Klassen ausschließlich der Horny Barde Erwähnung findet sehe ich allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge:
Einerseits zeigt es, dass sich hoffentlich das ursprüngliche, in Deutschland typische, Klischee des Nervigen Barden der ein furchtbarer Musiker ist (vermutlich hauptsächlich durch Troubadix aus den Asterix Comics etabliert) langsam in Vergessenheit gerät.
Andererseits ist es wieder einmal etwas, was in Amerika etabliert wurde und jetzt vom Rest der Welt mit offenen Armen absorbiert wird.
Und sind wir mal ehrlich, sowohl der Horny Barde als auch der Troubadix, sind Stereotypen, die kein Mensch braucht.

Mithrandir

Der Horny Barde hat neben dem anstrengenden Charaktertrope ja auch noch einen weitverbreiteten Regel-Aberglauben mit dabei. Den: “Wenn ich eine 20 würfle ist es egal, wie absurd, es gelingt dann dennoch, Lol”-Trope. Aber allem “Frei spielen” zum Trotz: Etwas was absurd oder eigentlich nicht angedacht ist sollte nicht wegen einem einzelnen Würfelwurf auf einmal dennoch gelingen.

Wenn NSC A die Spielergruppe hasst, wird er/sie sich nicht in den Barden verlieben wegen einer 20. Genausowenig wie man ein “Unzerstörbares und Unknackbares Schloss mit einem Rätsel das man lösen muss” einfach mit ner 20 knacken kann undundund.

evilsohn

Bin da voll bei Dir – wenn ein Charakter beim Versuch über eine Grube zu springen den Wurf verpatzt und deshalb 900 m in die Tiefe stürzt, dann rettet ihn auch keine Nat 20 bei einer Abrollen Probe 😂
Und man kann auch nicht mit einer Nat 20 nicht über ein Hochhaus springen. 🤦‍♂️

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