MeinMMO-Dämon Cortyn muss sich entschuldigen und zwar bei den deutschen Vertonungen von Anime. Denn die können doch echt gut sein.
Anime sind eine meiner großen Leidenschaften. Als Kind wurde ich von den Serien auf RTL2 geprägt, habe im Grunde jeden Tag Sailor Moon, Dragon Ball und Digimon (das natürlich viel cooler war als Pokemon) gesehen.
Zum japanischen Original von Anime bin ich über MMORPGs gekommen. Mein erstes MMORPG war damals Silkroad Online in seiner ursprünglichen Fassung. Da es dort nur internationale Server gab, war ich mehr oder minder gezwungen, Englisch zu schreiben. Im Nachhinein hat mir das richtig gut getan, denn sonst wäre ich über „Schulenglisch“ vermutlich nie hinausgekommen.
Japanische Anime, weil ich mich auf Englisch unterhalten musste
In Silkroad Online hatte ich einen Anime-Nerd in der Gilde, der mir von neuen Anime aus Japan vorgeschwärmt hatte. Das waren Serien, die gerade noch live im TV liefen, was damals hieß: Falls das überhaupt synchronisiert wird, dann dauert das noch Jahre. Jahre, die ich aber nicht warten wollte, denn der Mitspieler hatte mich ganz heiß auf „Bleach“ gemacht, das damals lief.
Also blieb mir nur eine Wahl: Die Serie mit japanischer Synchro und Untertiteln schauen. Damals gab es die „Fan Dubs“, also von Fanseiten erstellte Untertitel, damit man alles verstehen konnte, ebenfalls oft nur auf Englisch (fragt bitte nicht, wie man damals an die Anime-Episoden gekommen ist).
Am Anfang fand ich die japanische Synchro anstrengend, doch ich habe mich mehr und mehr darin verliebt. Ich mochte, wie viel Gefühl die japanischen Stimmen in ihre Darstellung legten, wie emotional und dramatisch alles war. Kein Wunder, ähneln Anime in ihren Erzählungen und der Sprechweise doch häufig eher einem Theaterspiel als einem „realen“ Gespräch.
Daher lautete seit Jahren meine Einstellung: Wenn ich die Wahl habe, dann schaue ich Anime immer mit den japanischen Stimmen.
Neue Serien sind oft echt stark, auch auf deutsch
Doch ich muss einfach anerkennen: Die deutsche Synchro-Landschaft bei Anime ist besser geworden. Viel besser. Nachdem eine Freundin mich vor einigen Tagen darauf gestoßen hat, habe ich mir in den letzten Tagen noch einmal Oshi no Ko auf Crunchyroll angeschaut, um der deutschen Synchro eine Chance zu geben.

Ich war positiv überrascht, regelrecht begeistert. Sogar einer der Songs der Band war eingedeutscht worden und das klang wirklich solide. Dazu war die Lokalisierung passend, indem man hier und da ein paar Begriffe der Jugendsprache einbaute und man das Gefühl bekam: Da hat sich jemand bei der Übersetzung wirklich richtige Gedanken gemacht, dass das Gesamtwerk im Deutschen funktioniert.
Und ja, ich weiß: Es gibt schlechte, deutsche Synchros. Egal, ob jemand jetzt das Paradebeispiel von „Sasuuuuke“ auf den Lippen hat, sich an einige der schlimmen Pokemon-Filme erinnert oder an die so oft unpassenden, erwachsenen Sprecher, die irgendwelche Kinderrollen sprechen mussten und dabei auch so motiviert klangen, als würden sie gerade all ihre Lebensentscheidungen noch einmal überdenken und bereuen.
Doch vieles davon ist auch eines: Schlicht alt. Anime als Kunstform sind inzwischen weitaus mehr verbreitet und auch die Landschaft an deutschen Synchronstimmen, die gerade in diesem Bereich arbeiten, ist viel besser geworden.
Ähnlich gut wie Oshi no Ko fand ich auch die deutsche Synchro von Love is War, auch wenn die erst mit der zweiten Staffel beginnt.
Ich glaube, ich werde mir in den nächsten Wochen und Monaten nochmal ein paar meiner absoluten Lieblingsserien vornehmen und mir auch auf Deutsch anschauen, ob sie genau so gut sind.
Doch bis dahin: Tut mir leid, deutsche Anime-Synchros und alle, die daran beteiligt waren. Ich habe das in der Vergangenheit immer ein wenig belächelt und wurde nun belehrt.
Falls ihr, wie ich, vor allem eine Zeit erlebt habt, in der man vor schrecklichen deutschen Synchros geflohen ist, die dem Original gar nicht versuchten, gerecht zu werden: Gebt den neueren Synchros mal eine Chance.
Ja, ich bevorzuge noch immer das japanische Original und das wird sich auf absehbare Zeit wohl auch nicht ändern. Zum einen, weil ich inzwischen recht viele Lieblinge unter den japanischen Sprechern habe, und zum anderen, weil ich mir so auch nach vielen Jahren einreden kann, dass ich ganz bestimmt noch ein bisschen Japanisch dabei lerne.
Aber ich habe nun ein paar wirklich tolle Beispiele gesehen (und gehört), bei denen die deutsche Synchro, die ich still und heimlich seit mehreren Jahrzehnten belächelt habe, mich davon überzeugt hat: Das hat sich gewandelt. Inzwischen gibt es richtig gute, tolle deutsche Synchros, oft auch mit einer sehr unterhaltsamen Lokalisierung.
Falls ihr selbst mal in ein paar Serien mit echt guter, deutscher Synchro reinschauen wollt: Hier sind 5 Anime, die auch auf Deutsch richtig gut sind.
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