MeinMMO-Dämon Cortyn verliert sich in einem „neuen“ Anime-Genre, das vermeintlich unpassende Themen mischt. Grausame Brutalität und Romantik.
Die Welt der Anime ist bunt und die Unterteilung in Genres ist meistens relativ einfach. Wenn man an Anime die Tags „Isekai“ oder „Harem“ oder „Shounen“ sieht, dann weiß man in aller Regel, was man zu erwarten hat. Doch das muss nicht immer der Fall sein.
In den letzten Monaten hat aber ein Genre zwei interessante Vertreter bekommen, die ich so gar nicht richtig zuordnen kann. Eigentlich sind es typische Yuri-Anime, doch sie machen etwas anders: Extreme Brutalität und Grausamkeit. Eine Mischung, die auf den ersten Blick absurd wirkt und doch so wunderbar funktioniert.
Inhaltswarnung: In diesem Artikel geht es um sensible Themen wie Depressionen und Suizid. Wenn euch solche Themen zusetzen, dann lest bitte nicht weiter.
Falls dich selbst dunkle Gedanken plagen: Du bist nicht alleine, es gibt Hilfe. Zum Beispiel bei der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder der Online-Seelsorge, die auch über den Chat funktioniert. Beides ist kostenlos und gilt bundesweit.
Der sichere Tod, sobald man wieder leben will
Die erste Serie ist „This Monster Wants to Eat Me“, über die ich schon ausführlich geschrieben habe. Es ist eine recht düstere Geschichte über eine Oberschülerin, die sich den eigenen Tod herbeisehnt. Nahezu jeden Tag träumt sie davon, dass das Meer sie endlich verschluckt und sie wieder mit ihrer Familie vereint ist.
Ein Wunsch, der in greifbare Nähe rückt. Denn eine Meerjungfrau – und zwar die gruselige, monströse Variante – will ihr diesen Wunsch erfüllen, sobald sie „reif“ ist und „besser schmeckt“, also von ihrer Depression befreit ist. Das düstere Ziel der Reise: Erst wenn die Schülerin ihren Lebenswillen und die Freude wiedergefunden hat, wird sie endlich getötet.
Zwar gibt es nur wenige Kämpfe, doch jene, die vorkommen, sind ziemlich brutal. Es gibt eine Menge Blut und Gewalt, die auf den ersten Blick so gar nicht zu einer Serie mit starken sapphischen Tönen passen will und sich doch zu einem unerwartet interessanten Kunstwerk mischt. Die Thematik ist im Kern so düster, dass selbst die kurzen Auflockerungen durch Comedy sonderbar verzerrt wirken.
Für mich ist das eine Geschichte, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, auch wenn die Handlung recht kurz ist.
Magieschülerinnen, die um ihr Leben kämpfen
In eine ähnliche Kerbe schlägt eine Serie aus der aktuellen Saison, nämlich „I Want to Love You Till Your Dying Day“, auch wenn das Ausgangsszenario ein wenig Augenrollen bei mir ausgelöst hat:
In einem Waisenhaus mit dazugehöriger Schule werden magiebegabte Kinder ausgebildet, sodass sie zu kompetenten Magiern werden. Das Land befindet sich jedoch aktuell im Krieg und aufgrund der Effizienz der Magier, werden auch die Protagonistinnen immer wieder mobilisiert und müssen ausrücken.
Die Kämpfe sind effektvoll und brutal. Gelegentlich fliegt mal ein abgetrennter Arm über den Bildschirm und Körper werden in der Mitte zweigeteilt, oft mit recht expliziter Darstellung.
Als die Zimmergenossin der Protagonistin zu Beginn der Handlung stirbt, bekommt sie kurz darauf eine neue Partnerin zugeteilt – ein deutlich jüngeres Mädchen, um dessen Existenz sich Legenden ranken. Denn sie soll unsterblich sein, immer wiedergeboren werden und das Land schon seit vielen Jahren verteidigen.
Etwas, das korrekt ist: Denn auch wenn ihr Körper in Schlachten getötet, zerfetzt und zerstückelt wird, belebt sie sich anschließend aus den Einzelteilen wieder.
Eine Genre-Mischung, die einfach funktioniert
Es ist diese Mischung, die ich absolut faszinierend finde. Das eher ruhige, emotionale Yuri-Setting – egal ob es um eher schwesterliche Zuneigung oder romantische Liebe geht, vermischt mit explizit dargestellter Brutalität, die man sonst nur in harten Action- oder Horror-Serien erwartet. Dazu noch wirklich düstere Themen wie Suizid, Depressionen oder der Tod von Angehörigen. Das alles erschafft eine so sonderbare Mischung aus Genres, die eine ganze Menge in mir auslöst.
Das übt eine ungeheure Faszination aus und ist ein Genre-Mix, von dem ich merke, dass ich davon gar nicht genug bekommen kann. Dafür habe ich sogar jetzt mehrfach meine eigene Regel gebrochen, Serien doch erst zu schauen, wenn sie vollständig erschienen sind – es geht einfach nicht. Der Reiz ist zu groß.
Und ja, ich weiß natürlich. Vollkommen „neu“ ist diese Genre-Mischung auch nicht. Happy Sugar Life ging in eine ähnliche Richtung und auch in Blood-C gab es eine Menge Gewalt. Doch diese „neue“ Generation von Anime scheint hier noch einen Schritt weiterzugehen.
Falls euch das alles zu düster ist und ihr lieber beim Anime-Schauen vor allem mit amüsanten Themen konfrontiert werden wollt, haben wir hier eine schöne Liste für euch: 5 Anime mit Frauen, die sich ganz doll lieb haben
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