Amy Hennig bei Paramount Games: Sie prägte PlayStation-Exclusives, aber wirkt seit 15 Jahren wie verflucht

Amy Hennig im IGN-Interview

Mit der Ankündigung des Paramount Game Studio zeigt das Hollywood-Schwergewicht, dass sie Gaming ernst nehmen. Die kreative Führung übernimmt Amy Hennig, die Uncharted erschuf und als eine der wichtigsten Autorinnen der Branche gilt.

Amy Hennig im Überblick: Die Videospiel-Autorin und -Direktorin gilt als eine der einflussreichsten Frauen der Gaming-Branche – eine von denen, die es geschafft haben, sich in dem von Männern dominierten Feld durchzusetzen.

Nach ersten Stationen bei Atari und EA machte sie sich einen Namen mit dem Action-Adventure Legacy of Kain. Als Designerin prägte sie maßgeblich die düstere Atmosphäre, für die die Reihe bis heute bekannt ist. Für die meisten ist Hennig aber vor allem eines: die Frau hinter Uncharted.

Hennig machte Naughty Dog zum First-Party-Darling von Sony

Als Creative Director und Chefautorin der Uncharted-Reihe legte Hennig den Grundstein für die Sony-Blockbuster, wie wir sie heute kennen. Vor Uncharted war Naughty Dog bekannt für kunterbunte Platformer mit ikonischen (und monetarisierbaren) Maskottchen wie Crash Bandicoot oder Jak and Daxter.

Mit Uncharted wollte das Studio zwar die Kreativität und den Humor beibehalten, sowie sich von den eher farblosen und allzu ernsten First-Person-Shootern abgrenzen, die damals alles dominierten. Gleichzeitig bot die PlayStation 3 völlig neue technische Möglichkeiten, die es auszureizen galt.

Hennigs Vision für Uncharted war ein spaßiges Action-Adventure mit einer – für die damalige Zeit – realistischen Grafik und einem Normalo als Protagonisten, mit dem man sich leicht identifizieren kann. Eine Art spielbarer Film, bei dem der Spieler jedoch die volle Kontrolle hat, statt nur zuzusehen.

Während Uncharted noch eingeschränkt war durch zeitliche Vorgaben und technische Möglichkeiten, konnte das Sequel die Vision des Originals schließlich richtig zum Strahlen bringen. Es gilt bis heute als eines der besten Spiele überhaupt und erhielt wie auch Teil 3 zahlreiche GOTY-Auszeichnungen.

Der Erfolg der Uncharted-Reihe machte Naughty Dog zum Aushängeschild der First-Party-Titel für die PlayStation und prägte die Formel der Sony-Blockbuster: cineastische Singleplayer-Action mit starken Charakteren.

Mit Uncharted 4 folgte der Bruch mit Naughty Dog. Das Spiel, wie wir es heute kennen, unterscheidet sich deutlich von Hennigs ursprünglicher Vision.

Video starten
Uncharted 4 – PS4-Trailer

Was wurde eigentlich aus …?

Nach Uncharted – so ging es weiter: Hennigs Arbeit nach Naughty Dog scheint bislang unter keinem guten Stern zu stehen. Betrachtet man ihre Spiele-Credits auf Moby Games, sieht man: viele Danksagungen, wenig echte Beteiligung.

  • Für EA arbeitete Hennig wohl an einer Art Uncharted im Universum von Star Wars, doch laut einem großen Insider-Bericht verzettelte man sich bei „Project Ragtag“ und EA glaubte nicht an die Singleplayer-Vision.
  • 2019 ging Hennig zu Skydance Media, das später mit Paramount verschmelzen sollte, um dort eine Gaming-Division aufzubauen. Doch arbeitete sie als Creative Director und führende Autorin an Marvel 1943: Rise of Hydra. Über das Action-Adventure gibt es jedoch seit Jahren kaum Neuigkeiten, zuletzt wurde das Spiel auf einen unbekannten Zeitpunkt verschoben.
  • Forspoken ist eines der letzten großen Spiele, an denen Hennig beteiligt war, wenn auch nur an einem frühen Story-Konzept. Doch der Titel litt unter dem „Buffy-Syndrom“ und fiel 2023 bei Kritikern und Spielern durch.

In der Zwischenzeit äußerte sich Hennig auch zunehmend kritisch über die Spiele-Industrie. 2016 kritisierte sie den üblichen Crunch in der Spiele-Entwicklung und forderte ein Umdenken (via GameStar). Gegenüber GamesIndustry.biz zeigte sie sich besorgt über den Live-Service-Fokus der AAA-Industrie und seine Auswirkungen auf das klassische Story-Telling.

„Um Himmels willen, lasst die Frau einen Sieg haben“

Wie sieht die Zukunft aus? Als Creative Director des frisch fusionierten Paramount Games Studio könnte sich das Blatt für Amy Hennig endlich wenden, nachdem sie 15 Jahre lang regelrecht verflucht zu sein schien. Die Kommentare unter einer Ankündigung auf X zeigen: Hennig hat immer noch einen Platz im Herzen vieler Gamer.

  • Elvick hofft: „Um Himmels willen, lasst die Frau einen Sieg haben. Sie ist verflucht seit Neil [Druckmann, Anm. d. Red.] sie bei Naughty Dog rausgeschmissen hat.“
  • Noah fragt sich: „Ich liebe Amy Hennig, aber mein Gott… ihr letztes Spiel war 2011 (Uncharted 3). Was zur Hölle ist da los, dass sie nicht bei einem Projekt bleiben zu können scheint oder nichts raus bekommt? Es sind 15 Jahre.“

Amy Hennig hat zweifelsfrei bewiesen, dass ihre kreativen Visionen das Potenzial haben, große Erfolge zu generieren und Spiele zu erschaffen, die über Jahrzehnte im Gedächtnis bleiben. Nun bleibt abzuwarten, ob Paramount ihr tatsächlich die kreative Freiheit (und das Budget) zugesteht, um sie auch wirklich zu verwirklichen.

Ihre neue Rolle könnte nun darüber entscheiden, wie Amy Hennig letztlich in die Gaming-Geschichte eingehen wird: Mit einem fulminanten Comeback, oder als jemand, der irgendwannmal etwas Großartiges erschaffen hat. Peter Molyneux hat damals die Göttersimulationen erfunden, im April veröffentlichte er das wohl letzte Werk seiner Karriere.

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
Inline Feedback
Alle Kommentare anzeigen
0
Sag uns Deine Meinungx