Aion 2 ist gar nicht so kostenlos: die wahre „Rechnung“ klickt ihr schneller weg als ihr denkt

Aion 2 Stresstest

Aion 2 ist offiziell kostenlos, wenn man mal vom Battle Pass, Abo und Ingame-Shop absieht. Die wahre „Rechnung“ zahlt ihr aber tatsächlich an anderer Stelle: mit der Datenschutzerklärung. Wichtig ist jedoch: Diese „Rechnung“ ist nicht exklusiv für Aion 2, sondern spielt bei vielen Online- und Offline-Spielen eine wichtige Rolle.

Aion 2 ist mittlerweile auch bei uns offiziell auf dem PC gestartet und lässt sich wahlweise über Steam oder den hauseigenen Launcher starten.

Die meisten wollen nach Release endlich in das Spiel starten und klicken die ersten Warnungen und Hinweise am liebsten schnell weg. Dazu gehört in der Regel auch die „Privacy Policy“. Aus Perspektive von Datenschützern ist das die eigentliche Rechnung, die ihr für das offiziell kostenlose Spiel bezahlen müsst. Und das gilt nicht nur für Aion 2, sondern für viele tausende Spiele, die ihr tagtäglich spielt.

Aion 2 setzt auf umstrittenes „Device Fingerprinting“

Wozu braucht es so eine Datenschutzrichtlinie? Hersteller wie NCSoft nennen relevante Dinge explizit in der Datenschutzerklärung, um sich rechtlich gegen Klagen abzusichern. Mit dem Akzeptieren der Datenschutz- und Nutzungsbedingungen erklärt ihr euch dann damit einverstanden.

Was ist besonders relevant? Der vermutlich relevanteste Punkt in der umfangreichen Erklärung von Aion 2 ist das sogenannte „Geräte-Fingerprinting“, welches ausdrücklich genannt wird.

Dabei werden bestimmte technische Merkmal eures Geräts kombiniert, um euch eindeutig zu identifizieren. Das Problem daran ist, dass dieses Fingerprinting extrem schwer zu blockieren ist und oft dazu genutzt wird, um Nutzer dauerhaft und über mehrere Systeme hinweg zu tracken.

Wichtig ist: Device Fingerprinting funktioniert ohne das Speichern von klassischen Cookies. Daher ist die Speicherung grundsätzlich nur mit ausdrücklicher, informierter Einwilligung (Opt-in) zulässig. Die Seite Dr-DSVGO schlüsselt das ausführlich auf.

Was gibt es sonst noch? Ebenfalls relevant ist die Telemetrie im Spiel. Entwickler erfassen lückenlos, in welchen Bereichen ihr unterwegs seid, wo Charaktere sterben, welche Items gekauft werden und wie lange Sessions dauern. Das dient in den meisten Fällen dem Balancen von Spielen und der Optimierung des Gameplays.

Hinzu kommen aber auch diverse Werbenetzwerke, die ebenfalls im Spiel stecken. Das Magazin Gameindustry.eu hat das ausführlich analysiert: Google Analytics und Doubleclick-Netzwerk mit Werbe-ID für die Identifikation, dauerhafte Cookies und einer einzigartigen ID, der jede Person zugeordnet wird. Bestimmte Tracking-Inhalte sollen außerdem direkt eurer Steam-ID zugeordnet werden.

Viele Publisher und ihre Spiele setzen auf ähnliche Praktiken

Ist Aion 2 da alleine? Nein, und das ist ein wichtiger Punkt, den man wirklich im Blick haben sollte. Auch andere Spiele beziehungsweise deren Publisher setzen auf ähnliche Praktiken und das bereits seit vielen Jahren. Anstelle von Aion 2 könnten wir auch jedes andere kostenlose MMORPG, MMO oder beliebige Spiel auf Steam nehmen.

Nahezu jedes moderne Online-Spiel und jeder Publisher betreibt Profiling. Dabei wird das Verhalten innerhalb und außerhalb des Spiels ausgewertet, allerdings mit unterschiedlicher Zielsetzung. Die „Rechnung“ für den Nutzer ist am Ende sehr ähnlich, weil es sich dabei mehr oder weniger um Industriestandards handelt.

Zu diesen weitverbreiteten Praktiken gehören etwa:

  • Transaktionsdaten: Kaufhistorie von Spielen, In-Game-Käufen und Abonnements.
  • Technische Gerätedaten & Logfiles: IP-Adresse, Device-ID, Betriebssystem, Browsertyp, Ad-ID (Werbe-ID) und Fehlerprotokolle.
  • Gameplay- und Nutzungsdaten: Spielzeiten, genutzte Features, Sterbeorte, beliebte Kampforte, besuchte Webseiten und Interaktionen mit der Plattform.
  • Tracking-Tools von Drittanbietern: Nutzung von Standard-Marketing-SDKs (wie dem Facebook SDK/Pixel) zur Messung von Werbekampagnen und für Social-Media-Logins.

Selbst Hardware-Fingerprinting ist grundsätzlich stark verbreitet, wenn es um kompetitives Gaming geht: Firmen wie Riot nutzen das explizit, um zu verhindern, dass sich Cheater erneut ins Spiel einloggen oder einfach einen neuen Account anlegen. Dabei kann es aber auch unschuldige Spieler erwischen, die versehentlich gebannte Hardware gekauft haben.

Selbst Indie-Spiele, die auf die Unreal Engine oder die Unity Engine setzen, verwenden oft Tracking- und Analyse-Tools, die in der Software bereits eingebaut sind, um Entwickler zu unterstützen. Und wenn am Ende nur automatisierte Crash-Berichte verschickt werden.

Solche Praktiken kann man gut oder schlecht finden, es ist aber in den meisten Fällen einfach zu einem Standard geworden. Selbst in Buy2Play-Titeln wie The Witcher 3 stecken umfangreiche Analyse-Tools der Entwickler, die etliche Daten abfragen (via steamcommunity.com).

Ein Selbstschutz gegen das Sammeln von Daten ist bedingt möglich

Kann man sich dagegen überhaupt schützen? Die Frage ist schwer zu beantworten. Wollt ihr ein Spiel wie Aion 2 unbedingt spielen, führt kein Weg an der Datenschutzerklärung vorbei und ihr müsst euch explizit dazu bereit erklären, eure Daten an den Entwickler abzutreten. Macht ihr das nicht, beendet sich das Spiel in der Regel von selbst.

Es gibt aber auch Leute, die das alles nur halb so wild sehen, da ständig eure Daten abgefragt werden: Sei es nun, wenn ihr euch ein Eis aus der Tiefkühltruhe holt, euren PC startet oder auf eurem Handy ein YouTube-Video anschaut.

Eine Möglichkeit, die es aber tatsächlich gibt: Ihr könnt mit sogenannten Hosts-Listen bestimmte Online-Abfragen gezielt blockieren, etwa Anfragen von Google Analytics, von Facebook oder anderen Tracking-Diensten. Solche Schutzmaßnahmen sind aber oft kompliziert und müssen regelmäßig angepasst werden, da sich die Zieladressen der Anfragen ab und an anpassen, wenn etwa Google seine Server umstellt.

Hosts-Listen leiten bestimmte Anfragen von eurem System automatisch auf die IP-Adresse 0.0.0.0 um, sodass keine Anfrage stattfinden kann.

Eine Hosts-Liste ist daher wie ein Katz-und-Maus-Spiel: Eine Zeit lang klappt es einwandfrei, dann ist die andere Seite wieder besser. Hinzu kommt: Blockiert ihr die falsche Online-Adresse, funktioniert im schlimmsten Fall entweder das Spiel nicht oder ihr landet auf einer Bann-Liste. Für reine Offline-Spiele sind solche Maßnahmen daher am praktischsten, für Online-Spiele oftmals weniger.

Aion 2 ist ein umfangreiches, komplexes Themenpark-MMORPG für den PC. Mit unseren Tipps im Einsteiger-Guide fällt euch der Start ins Atreia-Abenteuer spürbar leichter. Mehr dazu auf MeinMMO: Aion 2: Einsteiger Guide – 30 Tipps, die euch den Start spürbar erleichtern

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