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Mass Effect: Andromeda Review – Das BioWare-RPG im XXL-Test

Mass Effect: Andromeda Review – Das BioWare-RPG im XXL-Test

Besser als der Hate, schlechter als der Hype

Mass Effect- Andromeda: Die Schattenseite, kein Spiel ohne Kritik

Wer bis hierhin gelesen hat, der könnte sich wohl fragen, ob Mass Effect: Andromeda eine reine Spieleoffenbarung ohne Fehler ist. Und das ist es definitiv nicht. ME:A hat seine schlechten Seiten und die möchte ich gesondert auflisten.

Fehler bei den Animationen

Es wurde schon viel diskutiert und belächelt, aber ich erwähne es dennoch erneut. Mass Effect: Andromeda hat einige Probleme mit den Gesichtsanimationen der Menschen. Oft wirken sie hölzern und deplatziert. Aber auch andere Animationen haben gelegentlich Fehler. Manchmal sind Charaktere falsch platziert oder stehen reglos in steifer Pose einfach im Raum. Es ist insgesamt selten der Fall, aber doch jedes Mal auffällig.

Mass Effect Andromeda Sara Ryder

Holzgesicht Sara zeigt selten Emotionen im Gesicht – zum Glück macht die gute Sprecherin das wett.

Bruch der Immersion

Während man bei den Entwicklern großen Wert darauf gelegt hat, den Alienvölkern eine interessante Kultur zu geben und diese Stück für Stück zu erklären, gibt es ein paar Punke, die einen „Hardcore“-Science-Fiction-Fan aus der Immersion reißen könnten. Diese Fehler in Logik und Präsentation sind selten, aber dafür ärgerlich, weil sie Fans sofort ins Auge fallen.

Nehmen wir die Angara als Beispiel. Recht früh nach dem Erstkontakt treffen wir eine Truppe Wissenschaftler dieser Aliens. Sie sind erfreut über unseren Besuch und machen deutlich, dass sie noch niemals einen Menschen oder andere friedliche Spezies getroffen haben. Das würde überzeugender klingen, wenn sie nicht einen Bildschirm hätten, auf dem offensichtlich arabische Zahlen zu sehen sind. Seltsam für jemanden, der niemals mit Leuten aus der Milchstraße Kontakt hatte.

Die Angara handeln nicht mit Credits, sondern durch einen Austausch von Waren. Das wird sogar explizit von einigen NPCs erwähnt. Umso verwunderlicher ist es, dass ich – direkt beim ersten Besuch auf dem Angara-Planeten– bereits mit Credits bezahlen und handeln kann. Klar, das „ist nur Engine“ – aber sie ist falsch und verwässert die Story.

Mass Effect Andromeda Peebee Bugged

Na, Peebee? Sieht gemütlich aus, was du da machst. Ein klarer Fehler.

Aber auch an anderer Stelle bricht die Immersion. In einer interessanten Nebenquest jagen wir eine menschliche Frau, die aus dem Cryoschlaf erwacht ist und eine ansteckende Krankheit in sich trägt, die schon bald ein Massensterben auslösen könnte, wenn die Krankheit ausbricht. Weil zu den Begleiterscheinungen der Krankheit auch Paranoia gehört, fliegt diese Frau vom Nexus mit einem gestohlenen Shuttle. Das Shuttle wird von einem Techniker noch beschädigt, sodass wir sie verfolgen können.

Der Haken an der Sache: Das Shuttle ist nun am anderen Ende der Galaxis. Wir reden hier nicht von einem Raumschiff, das wir verfolgen, sondern von einem kleinen Shuttle, das für den Transit zwischen zwei Schiffen oder der Landung von Raumstation auf die Oberfläche eines Planeten gedacht ist. Dass man mit so einem Shuttle die ganze Galaxis durchquert, ist unlogisch und beknackt.

Inventarführung

Das Inventar von ME:A ist eine Katastrophe. Es ist unübersichtlich und die Handhabung muss von einem Entwickler kommen, der Menschen und ihre Lebenszeit verachtet. Es gibt ein Inventarlimit, das zwar relativ groß ist, das Spiel verrät aber nie so wirklich, welche Gegenstände nun zu diesem Limit zählen und welche nicht. Das findet man umständlich heraus, wenn man Zeug einfach wahllos verkauft.

Auch die Beschriftung der Gegenstände scheint wahllos und seltsam. Warum ist die Pistole, die kaum Schaden verursacht und verzieht, als würde man einen Raketenwerfer abfeuern „superselten“ und das Sturmgewehr mit den hohen Schaden und perfekter Stabilität „gewöhnlich“? Die Logik dahinter habe ich noch nicht ganz begriffen – und ich glaube auch nicht, dass das noch geschieht.

Mass Effect Andromeda Inventory

Das Inventar direkt aus der Hölle. Wer da etwas finden will, sollte Urlaub einreichen.

Schwankende Schwierigkeit

Ich spiele das Spiel auf „normal“ und bin primär auf Biotic und Technik spezialisiert. Die Schwierigkeit scheint stark zu schwanken. Während es einige Missionen gibt, in denen ich mich echt gefordert fühle, von Deckung zu Deckung hüpfe, Plattformen überspringe und Feinden im Nahkampf zu Leibe rücke, ist das nicht immer der Fall. Gelegentlich reicht auch eine einzige biotische Explosion, um eine komplette gegnerische Truppe zu vernichten. Die Balance scheint mir hier nicht optimal zu sein und im Nachhinein wäre es wohl klüger gewesen, den Schwierigkeitsgrad meines Spielstands anzuheben (was während des Spiels möglich ist).

Spielabstürze – Erzwungen und Ungewollt

In meinen knapp 50 Stunden Spielzeit ist das Spiel insgesamt 2 Mal mit einer Fehlermeldung abgestürzt und 2 Mal sogar komplett ohne Meldung. Das ist jedes Mal passiert, wenn ich von einem Planeten zurück auf die Tempest wollte. Im Grunde ist das nicht weiter schlimm, denn das Spiel hat immer genau vorher gespeichert – wenn das mal nicht der Fall sein sollte, könnte es aber ärgerlich werden.Weniger zu verzeihen sind die Augenblicke, in denen ich mich mit Ryder „festbugge“. Da wir mit einem Druck auf STRG fast jede Kiste erklimmen können, habe ich davon auch regen Gebrauch gemacht. Gerade auf dem Nexus rate ich davon aber ab. An drei Stellen konnte ich auf Kisten klettern, kam aber nicht mehr von diesen herunter und war gezwungen, das Spiel neu zu starten. Wer da in so einer Situation abspeichert, beißt sich danach wohl in den Hintern.

Die deutsche Synchro

Ich gebe den meisten Synchronisationen immer eine faire Chance, aber Mass Effect: Andromeda ist einfach nicht gut. Zwar kann ich mich über die Hauptsprecher kaum beschweren, aber gerade die Nebencharaktere wirken im deutschen, als würden sie oft einfach nur Sätze vorlesen, ohne die Situation zu kennen. Besonders die Kroganer und Turianer klingen… merkwürdig. Nicht kroganisch bzw. turianisch. Ich kann nur zur englischen Originalfassung raten – im Zweifelsfall mit Untertiteln.

Keine gottverdammte Minimap

Es ist mir absolut schleierhaft, wie so ein Feature fehlen kann. Zwar hat man oben am Bildschirmrand einen groben Kompass mit einigen Navigationspunkten, aber eine vernünftige Minimap hätte dem Spiel gut getan. Ich verstehe, dass die in Remnant-Höhlen eher die Atmosphäre beeinträchtig hätte, aber an der Planetenoberfläche vermisse ich sie. Oder auf dem Nexus. Oder überall sonst. Grr. Nachbessern, BioWare.Mass Effect Andromeda Team

Balance zwischen Kampf und Story

Für mich als Fan von Dialogen ist es ein Paradies, wer aber auf Action ohne Pause steht, könnte sich daran stören. Andromeda hat mitunter recht lange Passagen, in denen nur gesprochen und debattiert wird. Zwar sind die Dialoge gut und haben spannende Enthüllungen, wer jedoch gerne und immer auf Feinde ballern will, muss auch mal eine halbe Stunde „Laberlaber“ einplanen. Ich persönlich habe das geliebt, weiß aber, dass es einigen zu langweilig sein könnte.

Obwohl die Liste der Fehler nun lang ist, sind es in Anbetracht des Gesamtwerks Kleinigkeiten. Sie schaffen es nicht, den Spielspaß nachhaltig zu mindern – sollten aber dennoch Erwähnung finden.


Auf der letzten Seite findet Ihr das Fazit.

Cortyn

Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!

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