Zombie-Reihe wollte nächsten Teil zu großem MMO machen, zog Notbremse, weil bereits der Versuch „Menschen verschlungen“ hat

State of Decay 3 großer Zombie

Große Spiele zu entwickeln, ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn es sich um MMOs handelt. Das merkte auch der Entwickler einer Zombie-Reihe, auf deren Fortsetzung Fans seit 6 Jahren warten, weil man die Vision ändern musste.

Um welche Reihe geht es? Mit State of Decay hat Entwickler Undead Labs bereits 2 Zombie-Spiele geliefert, bei denen ihr im Koop eine durch Untote verseuchte Welt erkunden, Überlebende retten und auch Basen bauen könnt. Bereits 2020 kündigte man State of Decay 3 an.

Doch auf den 3. Teil der Reihe warten Fans bis heute, er soll aber 2027 erscheinen. In einem neuen Interview spricht der aktuelle CEO von Undead Labs, Philip Holt, über die Wartezeit und erklärt, dass man eine große Vision abbrechen musste: Ursprünglich wollte man aus dem neuesten Teil machen ein großes MMO.

Video starten
Nach 4 Jahren gibt es endlich Lebenszeichen von State of Decay 3 mit einem neuen Trailer

Eine zu große Vision

Was war das Problem während der Entwicklung? In einem Interview mit GamesIndustry.biz erklärt Holt, dass zum ersten Trailer-Release des dritten Teils im Jahr 2020 nur eine Handvoll Entwickler am Spiel gearbeitet haben. Die Mehrheit des Teams unterstützte weiter State of Decay 2 bis ins Jahr 2024. Zudem gab es in der Entwicklung eine kreative Neuausrichtung.

Man plante anfangs mit einer MMO-Struktur. So soll der Gründer des Studios, Jeff Strain (der seit 2019 nicht mehr Teil des Studios ist), die Vision gehabt haben, ein MMO und die ultimative Zombie-Apokalypse im globalen Maßstab zu entwickeln. Diese Idee beendete man aber und schrieb das Spiel neu. Laut Holt soll die aktuelle Version also erst Ende 2022 beziehungsweise 2023 gestartet worden sein.

Die MMO-Vision wurde also nach knapp 2 Jahren gekippt und man richtete sich eher wie bei den Vorgängern aus. Holt selbst betont im Interview, wie schwer es ist, ein MMO zu entwickeln, und zollt den erfolgreichen Studios Respekt: Eine der Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, ist, wie viel Respekt ich vor Teams habe, die erfolgreiche MMOs entwickeln, denn ich habe gesehen, wie sie Menschen regelrecht verschlingen.

Abseits davon hofft er aber, dass State of Decay 3 ein erfolgreiches Leben haben wird. Er glaubt zudem, dass das nächste Projekt des Studios schneller fertig werden dürfte. Seit Juli 2026 ist Undead Labs übrigens wieder unabhängig und von Microsoft getrennt.

Warum ist es so schwer, ein MMO zu entwickeln? Große AAA-Spiele brauchen heutzutage viele Jahre, bis sie veröffentlicht werden. Das liegt unter anderem an komplexeren Detailgraden und dem fortschreitenden Stand der Technik. Dadurch steigen aber auch die Kosten und es besteht immer die Gefahr, dass ein Spiel niemals erscheint und zu einem Millionengrab wird.

Anders als AAA-Spiele, die nach ihrer Veröffentlichung häufig abgeschlossen sind oder nur noch vereinzelte DLCs erhalten, sind MMOs im Kern darauf ausgelegt, als Service-Games über viele Jahre zu funktionieren. Man braucht also entsprechend viele Inhalte (auch schon für die Zeit nach dem Start vorbereitet), stetigen Support und regelmäßiges Nacharbeiten durch Patches.

Dadurch wird jedes MMO mit moderner Technik mit Blick auf das Budget und die Entwicklungszeit automatisch zum AAA-Projekt oder stellt diese sogar in den Schatten (abgesehen von Leuchtturm-Spielen wie GTA VI).

Die vielen Jahre Entwicklung müssen aber natürlich bezahlt werden. Das geht nur mit regelmäßigen Einnahmen oder einem spendablen Publisher. Letzteres ist heutzutage aber extrem schwierig. Es finden sich kaum noch Unternehmen, die ein risikobehaftetes MMO-Projekt finanzieren möchten. Das mussten vergangenes Jahr auch erfahrene Entwickler wie Jack Emmert und Greg Street auf bittere Art erfahren.

Für eine eigene Finanzierung braucht man indes ein aktives Spiel mit einer starken Community, die konstant ausreichend hohe Einnahmen generiert. Die aufzubauen und zu halten ist jedoch sehr schwierig. Sinken die Spielerzahlen und Umsätze zu stark, bedeutet das schnell das Aus für das MMO und im schlimmsten Fall für das ganze Studio.

Da hilft es auch nicht, dass man nicht nur mit den vielen anderen Service-Games um die Freizeit der Spieler konkurriert, sondern auch mit Social Media und Angeboten wie Netflix oder Amazon Prime.

Während Spiele wie State of Decay 1 und 2 also weiterhin Einnahmen generieren können, weil sie weiter zum Kauf zur Verfügung stehen, kann ein totes MMO das nicht. Dass Undead Labs der MMO-Vision also früh den Stecker gezogen hat, bevor man von den eigenen Ambitionen zerdrückt wird, kann für das Studio eine gute Idee gewesen sein.

Aber was sagt ihr zur Entscheidung des Studios? Hättet ihr euch ein neues Zombie-MMO gewünscht oder seid ihr froh, dass sich Undead Labs seinen bekannten Stärken widmet? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare. Wieso es heutzutage schwer ist, ein MMORPG zu entwickeln, erfahrt ihr hier: 6 MMO-Legenden verraten, warum es heute so schwer ist, ein erfolgreiches MMORPG zu machen

Kommentare

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
1 Kommentar
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
themrc

State Of Decay 1 und 2 waren solide Spiele im AA-Bereich und ich hatte einige Stunden Spaß darin, mehr aber leider auch nicht.
Als solche waren sie auch nicht übermäßig erfolgreich. Sich dann an eine MMO-Version zu wagen, wäre vermutlich fatal geendet. War also eine gesunde Entscheidung, bei seinen Leisten zu bleiben. Schauen wir mal, welche Neuerungen SoD3 dann bringen wird.

1
0
Sag uns Deine Meinungx