Für Housing muss man in World of Warcraft oft viel Zeit aufwenden und grinden. Das ist durchaus so gewollt, erklärt uns eine Blizzard-Entwicklern im Interview.
Wir von MeinMMO hatten die Möglichkeit, ein Interview mit einer Entwicklerin von World of Warcraft in Berlin zu führen. Im Gespräch mit Joanna Gianulis (Senior UX Designer), die viel am Housing von World of Warcraft gearbeitet hat, ging es vornehmlich genau um dieses Thema: die Spielerbehausungen und soziale Features. Wir haben einen kleinen Blick auf die Zukunft erhascht, ein Problem der RP-Community angesprochen und auch erfahren, warum manche Housing-Items so schrecklich lange zu farmen dauern – denn das ist genau so gewollt.
Hinweis: Das Interview wurde für die redaktionelle Aufarbeitung an einigen Stellen für bessere Lesbarkeit gekürzt. Kontext ist an keiner Stelle verlorengegangen.
Anna Alberg von MeinMMO: Kürzlich haben wir von dem „Prop Hunt“-Spiel erfahren und bin ziemlich aufgeregt, weil ich diese sozialen Minispiele liebe. Daher frage ich mich: Plant ihr mehr von diesen Evergreen-Minispielen in World of Warcraft? Wie so eine Art sozialer Treppunkt, wo die Spielerinnen und Spieler gemeinsam Minispiele spielen können und sich Belohnungen verdienen können – vielleicht sogar Hearthstone in WoW spielen können.
Joanna Gianulis: „Das Team, das an Prop Hunt arbeitet, sucht immer nach neuen Wegen, um WoW spielen zu können. Das ist etwas, das auf jeden Fall diskutiert wird, aber ich weiß nichts zu den spezifischen Inhalten, die sie planen. Ich weiß, dass sie gerade sehr fokussiert darauf sind, Prop Hunt zu machen. Aber wir hatten ja auch so Dinge wie Plunderstorm und wir suchen immer nach neuen Arten, wie die Leute WoW erleben können.“
War das Housing-System immer als so gigantisch geplant? Oder ist es über Zeit gewachsen, etwa basierend auf Community-Feedback?
„Ich würde sagen Ja und Ja. Ich glaube, wir wollten immer, so viel machen, wie nur möglich. Wir wussten, dass wir hier wirklich gute Arbeit abliefern mussten. Denn es ist schon so viel Zeit vergangen, seitdem die Spielerschaft Housing haben wollte, dass wir wussten: Wenn wir es endlich veröffentlichen, muss es gut sein. Und die von uns, die schon früh daran arbeiten durften, wollten auch, dass es richtig gut wird – wir sind ja selbst auch Spieler. Wir hatten all diese Ideen und dachte uns: Lasst uns einfach mal schauen, ob wir das umsetzen können.
Wir hatten erst die Erwartung, dass wir es ein wenig kleiner machen müssen, aber dann dachten wir uns: ‘Nein. Das ist gut. Genau so machen wir weiter.’
Genau das gleiche ist dann auch passiert, als die Community es dann selbst spielen konnte. Die hatten Ideen, dass man noch dieses und jenes brauchte. Wir hörten das und dachten uns: ‘Ja, stimmt! Lasst uns das auch noch machen.’ Viele Leute haben wirklich hart daran gearbeitet, weil sie diese Dinge auch im Spiel sehen wollen.“
Eine Frage zur Rollenspiel-Community in WoW. Die haben sich ja sehr auf das Housing gefreut, weil sie Häuser für ihre Events und so bauen können. Aber aktuell gibt es ein Limit, wie viele Charakter gleichzeitig in einem Haus sein können. Plant ihr, dieses Limit anzuheben?
„Ich weiß, dass wir versucht haben, das Limit so hoch anzusetzen, wie wir sicher vertreten konnten. Wir haben hier mit einem Wert angefangen, von dem wir zuversichtlich waren, dass es funktioniert. Wahrscheinlich könnten wir es noch anheben, aber wir wollten erst sicherstellen, dass es in der aktuellen Version funktioniert. Weil wir wollen auch nicht, dass Leute unser Spiel zum Absturz bringen oder die Leute Probleme mit Verbindungsabbrüchen haben. Wir wollten erst einmal sicherstellen, dass alles funktioniert.
Und dann, wenn es veröffentlicht ist, die Leute es spielen und alles gut klappt, dann können wir es langsam anheben. Ich weiß, dass das auf jeden Fall etwas ist, das wir im Auge behalten. Wir haben Leute, die all diese Zahlen berechnen, damit es irgendwie funktioniert.
Die große Sache, an der wir gerade arbeiten, ist die Außen-Beleuchtung, um sicherzustellen, dass das den Server nicht zum Zusammenbruch bringt.
Also ja, eines nach dem anderen, aber wir schauen immer, ob wir all diese Dinge langsam steigern können, damit die Spielerinnen und Spieler immer mehr machen können.“
Harter Grind ist manchmal ein Muss, damit sich Belohnungen wertvoll anfühlen
Einige Gegenstände im Housing benötigen aktuell alte Währungen, wenn man sie kaufen will – und dann hat man sie nur ein einziges Mal. Wenn ich richtig viel von einem Item haben will, dann weiß ich, dass ich Stunden um Stunden dafür farmen muss.
Habt ihr über ein alternatives Freischaltungssystem nachgedacht, bei dem man ein Item vielleicht nur einmal freischalten muss, etwa eine Blaupause, und dann kann man es durch Crafting-Materialien wie Holz herstellen oder so? Oder vielleicht eine einheitliche Währung, mit der man das Zeug aus den ganzen alten Erweiterungen kaufen kann? Gibt es da Pläne, um das etwas weniger grindig zu machen?
„Zumindest nicht aktuell, aber ich weiß, dass sie das im Blick behalten. Den Designern für die Belohnungen war es sehr wichtig, dass sich das System so anfühlt, als wäre es eines, das es schon lange gibt. Es sollte wichtig sein, alte Inhalte zu besuchen und diese zu absolvieren. Und wir sehen, dass genau das geschehen ist. Wir sehen Leute, die spielen Content, den sie seit 10 Jahren nicht mehr besucht haben und dabei Spaß haben. Wir wollen diese Art von Gameplay wirklich ermutigen. Wir wollen auch, dass man für einige der Dekorationen hart arbeiten muss, weil du dich dann besser fühlst, wenn du es bekommst – wenn du es dann in deinem Haus hast und damit prahlen kannst, weil du weißt, dass du dafür hart gearbeitet hast.
Aber wir fügen auch immer wieder neue Rezepte für die Handwerker hinzu, denn wir wollen auch, dass die eine Menge zu tun haben. Weil du über Holz und andere Materialien gesprochen hast – da kommen definitiv noch weitere Rezepte.
Es wird so sein, dass du vielleicht nicht diese Kerze in Boralus farmen willst, aber es gibt eine herstellbare Alternative, die du dann stattdessen benutzt.“
In alten Erweiterungen gibt es eine Menge Dekorationen, die man noch nicht bekommen kann. Wenn man so durch die alten Häuser der Erweiterungen sieht, denkt man sich, dass man dieses oder jenes haben will, von verschiedenen Völkern und Fraktionen. Plant ihr, da noch mehr zu bringen?
„Wir haben eine gigantische Liste, nur an Dingen, die wir selbst wollen. Wir arbeiten diese große, interne Liste ab. Wenn wir Listen von Spielern sehen, etwa in den Foren, mit all den Dingen, die sie sich wünschen, dann notieren wir uns das.
Es ist nur einfach so viel, dass wir eine Auswahl treffen müssen an dem, was wir tun können.
Aber um das zu sagen: Bei allem, von dem du denkst ‘Das wäre wirklich cool!’, sei dir sicher, wir standen auch schon davor und dachten uns das gleiche.“
Neue Features wie Copy&Paste
Vielleicht kann man ja so ein Feature machen, dass man Gegenstände anklickt in der Welt und dann sieht man direkt, wo man das bekommen kann.
„Wir haben ein tolles, neues Feature, das bald kommt, den Inspizieren-Modus. Wenn du etwa im Haus eines Freundes bist und etwas tolles siehst, kannst du zum Beispiel einfach auf das Sofa klicken und es öffnet sofort den Katalog an der richtigen Stelle, sodass du sehen kannst, wie man den Gegenstand bekommt. Du kannst das schon im Interface sehen, der Button ist schon da, sagt aktuell aber noch „Bald verfügbar“.“
Wird es möglich sein, mehr Gegenstände gleichzeitig zu platzieren? Denn aktuell ist es so, wenn ich 10 Kerzen aufstellen will, dann muss ich 10-mal in den Katalog und diese einzeln in das Haus ziehen. Das ist ziemlich repetitiv.
„Wir schauen uns gerade viele Features an, die wohl vor allem den Hardcore-Dekorateuren helfen werden. Ion [Hazzikostas, der Game Director] hat kürzlich über ‘Kopieren und Einfügen’ gesprochen. Daher ist mein Job gerade, herauszufinden, wie genau das funktionieren wird. Was wäre am hilfreichsten für unsere Spielerschaft? Weil es gibt viele unterschiedliche Wege, auf die wir das machen können. Das mag vielleicht wie ein simples Tool klingen, aber da gibt es viele kleine Details, die entschieden werden müssen. Zum Beispiel: Kopiert es auch die Einfärbung? Kopiert es die Ausrichtung? An diesen Details arbeiten wir gerade.
Wir wollen sicherstellen, dass das, was wir erschaffen, am Ende die bestmögliche Version für unsere Spieler ist.“
Ich bin ja in einer großen Gilde. Und jedes Mal, wirklich jedes Mal, wenn wir raiden, machen wir gemeinsam ein Foto. Wie cool wäre es denn, wenn wir diese Bilder in einen Bilderrahmen im Spiel packen könnten und dann in unser Haus hängen. Habt ihr darüber schon einmal nachgedacht?
„Das ist etwas, das uns schon einige Leute gefragt haben, das ist also definitiv auf unserem Radar. Aber das ist technisch ein wenig schwieriger. Aber ich würde sagen, wenn das etwas ist, das die Spieler wollen und nach dem sie immer wieder fragen, dann werden wir das in Betracht ziehen.
Bedenke auch, dass Housing ein Evergreen-Feature sein wird. Wir werden als quasi immer neue Sachen hinzufügen. Die Frage ist immer nur, was wir zuerst angehen.“
Wenn man in WoW leben müsste …
Jetzt kommen wir zu ein paar persönlichen Fragen, die auch ein wenig lockerer sind. Wenn du in World of Warcraft leben müsstest: Welches Volk wärest du, welche Klasse und wo würdest du leben?
„Ich spiele eine Nachtelf-Jägerin, daher vermutlich das, denn ich habe gerne Haustiere. Wo ich leben würde, das ist schwer, denn ich mag es eigentlich überall. Ich ging zuerst in die Allianz-Nachbarschaft, aber dann habe ich mein Horde-Haus bekommen und hab es wirklich gemütlich gemacht und steh jetzt total darauf. Das ist wirklich schwer zu entscheiden.“
Und wenn du in alten Erweiterungen leben müsstest? Also nicht in den Nachbarschaften, sondern irgendwo in der ganzen Welt.
„Ich mag es eigentlich überall in Nordend, denn das war so meine erste Erweiterung, die ich komplett durchgespielt habe. Ich mag auch Schnee, was gut ist, denn hier in Berlin schneit es gerade.“
Hast du ein persönliches Wunsch-Feature, das es niemals ins Spiel geschafft hat?
„Ganz ehrlich, ich glaube, dass das alles nur Dinge sind, die es noch nicht ins Spiel geschafft haben. Zum Beispiel das zuvor angesprochene „Kopieren und Einfügen“ wollte ich schon vor einer ganzen Zeit – aber wir mussten uns darauf konzentrieren, andere Features zu veröffentlichen. Aktuell freue ich mich sehr auf Haustiere. Ich glaube, das habe ich schon sehr früh [zum Team] gesagt: ‘Kann ich Haustiere in meinem Haus haben?!’
Es gab viele Dinge, die ich wollte und die wir schon umgesetzt haben. Es ist wirklich fantastisch das als Spielerin und als jemand, der daran arbeitet, zu erleben.
Aber ich glaube, das ist auch, was das Housing so toll macht. Das ganze Team ist wirklich leidenschaftlich. Daher arbeiten wir alle an Dingen, die wir selbst als Spielerin oder Spieler sehen wollen.
Jeden Tag kommt eigentlich jemand und sagt: ‘Können wir dies oder das machen?’ Das ist einfach schön, weil alle das irgendwie lieben.“
Danke für das Interview!
In World of Warcraft ändert sich mit Midnight eine ganze Menge. Nicht nur das Housing ist eine große Neuerung, auch im PvE gibt es drastische Veränderungen – wie etwa bei der Beschaffung von Ausrüstung. Um euer Equipment mit Aufwertungen zu versehen, müsst ihr künftig Gold zahlen.



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Mir ist es mit dem Housing genauso ergangen, wie cih es erwartet hatte: zu beginn habe ich gegrindet wie wahnsinnig, um die Einrichtungsgegenstände zu bekommen, die ich benötigte um meine Housing-Vision umzusetzen. Nun habe ich ein sehr detailliertes, tolles Haus eingerichtet und nun war’s das für mich mit dem Housing. Ich bin im Gebiet komplett alleine und hab enoch nie irgendeinen anderen Spieler gesehen. Überall stehen ganz einfache Häuser herum, aber alles wirkt komplett verlassen. Ich weiß nun auch nicht, warum ich höhere Level für das Haus freischalten sollte, weil es ist bereits jetzt sehr schön. Wozu mehr Zimmer oder eine Burg daraus machen? Zu Beginn ist Hpusing wirklich spaßig, aber zum Ende gibt’s eigentlich nichts mehr zu tun und man spürt, wie einsam man dort ist….
Es gibt unzählige Housing-Communities mit aktiven Nachbarschaften, die alle paar Tage irgendwelche sozialen Ereignisse veranstalten. Wenn du Spaß am Housing hast, such dir eine solche Community oder Gilde. In öffentlichen Nachbarschaften ist die Chance eben recht hoch, dass viele das Feature links liegen lassen – es ist ja auch optional.
Die Wahrscheinlichkeit, dass du in einer aktiven, öffentlichen Housing-Nachbarschaft landest, ist halt ähnlich hoch, als wenn du mit 50 zufälligen WoW-Spielern zusammengeworfen wirst und dann hoffst, dass darunter 49 Leute sind, die Pet-Battles genau so sehr lieben wie man selbst. Das ist einfach unrealistisch.
Dein Vorschlag mag in Sachen einsame Wohngegend zutreffend sein, allerdings weiß man ja bei der Auswahl des Areals ja nicht, ob und wie stark eine Gegend frequentiert wird. Ich bin heute in keiner Gilde mehr, diese Zeiten sind vorbei, auch weil ich Gruppencontent uninteressant finde.
Abgesehen von der Wohngegend ist mir dennoch nicht ganz klar, wie Blizzard das Housing interessant halten will. Klar könnten noch Dinge kommen (z.B. Pets und Mounts ins Housing integrieren). die den Spieler für eine Weile beschäftigen, aber wie oft soll man sein Haus immer wieder neu aufbauen und umräumen?
Wie machst du das bei dir zuhause? Einmal Haus und Garten eingeräumt und dekoriert und das wars für immer und bis in alle Ewigkeit? Keine neuen Bilder, Fotos, Deko, Möbel, Teppiche, Erinnerungsstücke, etc.? Nie mehr?
Wie machst Du das Zuhause? Einmal im Monat umziehen, um die Wohnung oder das Haus neu einrichten zu können?
Warum hartes Grinden wichtig ist? Damit Spieler Zeit im Spiel verbringen. Klar, verkauft wird es dann mit dem Spruch, dass es sich wertig anfühlen soll. Aber sind digitale Gegenstände jemals wirklich wertig?
Tatsächlich führt das Housing nur dazu, dass Erweiterungen immer kleiner werden, da Housing zu 100% in den jeweiligen Content mit einberechnet wird. Wir sind ja mittlerweile nur noch bei lächerlichen 4 (kleinen) Gebieten pro Erweiterung angekommen. Und später gibt es dann den obligatorischen “geheime Zusatzinsel” Patch, wo wir dann auch nochmal im Kreis rennen dürfen.
Wer sich nicht für Housing interessiert, für den ist WoW leider beendet.
Wow ist nur noch eine Mischung aus Disney+ und Ikea Småland, für 6 – 12-jährige.
Die “4 (kleinen) Gebiete” wie du sie nennst, haben alle jeweils die Größe von mehreren Classic-Gebieten kombiniert. Die sind riesig im Vergleich zu den Gebieten, die es etwa in Nordend, der Scherbenwelt oder auch Battle for Azeroth gab.
Das Team, das am Housing arbeitet, ist übrigens ein komplett neues Team, das vor einigen Jahren neu dazugeholt wurde. Da wird nicht auf anderen Content verzichtet.
Ich finde auch das Argument, dass “Erweiterungen immer kleiner werden” und weniger Content haben, schon ein wenig absurd, wenn WoW seit rund 3 Jahren alle 6-8 Wochen einen Patch mit neuen Inhalten hat.
Das Disney-Argument … ja, da braucht man wenig zu sagen. Schau dir mal das neuste Cinematic an, wenn du das wirklich denkst.
Verstehe ich nicht, jedes MMO ist Grind – früher noch mehr als heute, gerade bei WoW (das sagt dir jemand, der in Classic Thunderfury hatte). Und woran machst du fest, dass die Erweiterungen durch Housing kleiner werden – es gibt noch keine, die das belegen würde.
Zu den Gebieten: ich finde schon, dass man spürbar schneller durch so ein Addon progressed als früher, aber die Gebieter sind nicht kleiner und vor allem: sie sind auch später noch relevant, oder warst du mit Stufe 80 zu WOTLK Zeiten nochmal der Borean Tundra oder im Howling Fjord? Ich könnte mich zumindest nicht dran erinnern, dass das so war.
WoW ist heute deutlich zugänglicher als früher und die Stories sind deutlich polierter als früher, sowohl was den, nennen wir es “familienfreundlicheren” Part angeht, als auch das, was deutlich düsterer ist.
Vermutlich wirken die neuen Gebiete für manche nur kleiner, da diese (früher oder später) Turboschnell überflogen werden können.
Hm?
https://youtu.be/CoJgQA4Uhks?si=o4ukP9Y_6vF-OdF6