Die neuste Version von World of Warcraft wurde auf der BlizzCon angekündigt. Doch die Menge an Negativität lässt MeinMMO-Dämon Cortyn verzweifeln.
Wie man es auch dreht und wendet, die Fülle an Ankündigungen auf der BlizzCon 2026 war ein Fest. Vor allem Blizzard-Veteranen haben so viele Ankündigungen sowohl zu modernen als auch zu alten Spielen bekommen, dass im Grunde für jede und jeden etwas dabei war.
Entsprechend sah ich mir die Ankündigung von World of Warcraft Forever an und auch jedes einzelne der Panels, in denen auf Details eingegangen wurde.
Am Ende der BlizzCon dachte ich mir: Ey, da haben sie aber einen Volltreffer gelandet. Selbst als WoW-Fan, der eigentlich mit Classic mehr so richtig viel anfangen kann, war mir klar: Die sind „All-In“ gegangen um der Community dieses Uralt-Spiels etwas zu bieten, das über Jahre und vermutlich Jahrzehnte Bestand haben wird.
Mein naives Dämonenhirn dachte also, frei nach Onkel Barlow, dass die Classic-Fans glücklich und beseelt über die Wiesen hüpfen würden und sich weinend in den Armen liegen, dass ihr großer Traum von „Classic+“ mit Forever doch noch in Erfüllung gehen wird.
Und ja, viele freuen sich und sind begeistert. Sowohl in meiner Retail-Gilde als auch in meinem privaten Freundeskreis sind viele – auch einige, die seit Jahren kein WoW mehr spielen – die sich sagen: „Okay, das muss ich spielen. Das ist der Punkt meiner Rückkehr.“
Eine laute Gruppe, die anderen keinen Spaß gönnt
Es scheint aber eine Gruppe von Leuten zu geben, die mit maximaler Lautstärke gerade versucht, allen anderen den Spaß und die Vorfreude zu vermiesen.
Meine Fresse, hab ich wirklich depperte Takes in den letzten Tagen gehört und gelesen. Ein paar meiner liebsten Aussagen, leicht paraphrasiert:
„WoW Forever ist Mist, weil es Vor- und Nachnamen gibt. Ich will nicht, dass mir ‘Schwanzus Longus’ über den Weg läuft.“
Ja. Wow. Stimmt natürlich. Dass manche WoW-Spieler sich beknackte Namen geben, hängt natürlich damit zusammen, ob es Vor- und Nachnamen gibt. Bisher ist uns allen natürlich noch nie ein depperter Name wie „Mástêrkîllór“ oder „Schwanzuslongus“ über den Weg gelaufen. Das geht natürlich nur mit Vor- und Nachnamen.
„WoW Forever verändert so viel. Neue Grafik, neue Modelle, neue Gebiete. Das ist gar nicht mehr mein Classic.“
Auch hier: Ja. Natürlich. Exakt das ist die Idee von WoW Classic+. Es muss Änderungen geben. Es muss neue Gebiete geben. Es muss kleine Überarbeitungen von Klassen geben, damit die alle einen sinnvollen Platz im Spiel haben. Es braucht eine Handvoll von ausgewählten, genau abgewägten Modernisierungen. Es braucht neue Inhalte. Denn wenn man das nicht will, dann will man auch kein Classic+. Dann will man Classic.
Dieses Meme trifft es eigentlich wieder gut:
Das Aufregen über die Kosten
Die Menge an Hirnakrobatik, die ich unter verschiedenen YouTube-Videos sehe, ist ebenfalls verwunderlich. Es gibt offenbar wirklich Leute, die sich darüber aufregen, dass das neue Volk in WoW Forever Geld kostet. Dabei blenden sie offenbar vollständig aus, dass WoW Forever in seiner Grundversion – abgesehen vom Abo – eben nichts kostet. Es gibt sogar eine Gruppe, die tatsächlich meint, sie hätte lieber 50 € bis 60 € auf den Tisch gelegt und WoW Forever als „Erweiterung“ gekauft, anstatt dass man nur ein einzelnes Volk für 30 € kauft.
Nur um sich das nochmal auf der Zunge zergehen zu lassen: Es gibt Leute, die hätten lieber gewollt, dass alle das Doppelte zahlen anstatt nur die Personen einen deutlich kleineren Beitrag, die unbedingt das neue Volk wollen.
Da hab ich nicht einmal mehr passende Worte für.
Das Ganze erinnert mich an einen Tweet, der genau dieses Verhalten von einigen Leuten schon vorhergesagt hatte und deutlich sarkastisch im Vorfeld schrieb:
Leute, wenn Classic Forever nicht exakt das ist, was ICH will und nicht EXAKT die Features hat, die ich will und nicht exakt die Features AUSSCHLIEßT die ich nicht mag, basierend auf MEINER Definition davon, was ein Classic Forever sein sollte, dann schreibe ich einen bösen Reddit-Beitrag!
Und exakt das scheinen eine ganze Menge Leute gelesen zu haben, um es für einige Tage zum Kern und einzigen Daseinszweck ihrer Persönlichkeit zu machen.
An dieser Stelle kann ich euch auch ein Video vom Kanal Entenburch ans Herz legen, der auf einige Punkte mehr eingeht:
Kritik und Skepsis ist okay, in einem gesunden Ausmaß
Sicher: Es gibt Punkte, über die kann man diskutieren. Die kann man kritisieren und hinterfragen. Ob man die Himmelsgeborenen wirklich für einen sinnvollen Zusatz für Classic+ hält, darüber kann man debattieren. Rein „gefühlt“ finde ich sie auch ein wenig unpassend, aber daran scheitert WoW Forever für mich nicht. Vor allem, wenn man weiß, dass im modernen WoW knapp 38 % aller Charaktere auf dem maximalen Level ein Elfen-Charakter sind (siehe DataForAzeroth). Da ist es einfach logisch, dass Blizzard ein weiteres Elfen-Volk bringt, das dann beiden Fraktionen zugänglich ist.
Aber auch hier gilt im Zweifelsfall: Keiner muss es spielen.
Wenn man sich World of Warcraft Forever im Detail anschaut, dann beweist Blizzard hier vor allem eines: Viel Verständnis für die Community und eine Menge Fingerspitzengefühl, was Änderungen und Neuerungen angeht. Bei so ziemlich allem, das irgendwie kontrovers oder spaltend sein könnte, gibt es die Option, das auszuschalten.
- Jemand möchte die absolut fantastischen, neuen atmosphärischen Licht-, Nebel- und Wasser-Effekte nicht sehen? Kann man deaktivieren.
- Ihr findet Transmog blöd und wollt alle anderen Charakteren sofort an ihrer Clowns-Kleidung erkennen? Ihr könnt es deaktivieren.
- Ihr möchtet nicht, dass Quests euch auf der Karte anzeigen, wo ihr dafür hinmüsst? Kann abgeschaltet werden.
Egal wie ich es drehe und wende: Mit WoW Forever hat Blizzard eine so klare Vision gezeigt, einen so durchdachten und vernünftigen Pfad, der das Classic-Gefühl bewahren und in eine buchstäblich „ewige“ Zukunft führen soll, dass ich da als Retail-Fan schon ein bisschen neidisch bin und mir eine ähnliche Klarheit wünsche.
Wenn WoW Forever nicht euer Spiel ist, zieht einfach weiter
Wenn jemand also jemand wirklich mit voller Überzeugung und nach Begutachtung aller Fakten denkt, dass Blizzard mit WoW Forever gerade einen großen Fehler begeht und kaum jemanden damit ansprechen wird: Nein. Ihr liegt falsch. Vielleicht wäre es gut, mal einen Schritt zurückzumachen und sich genau anzuschauen, mit wie viel Liebe und Verständnis für möglichst alle Fans Blizzard hier versucht hat, etwas abzuliefern, das WoW für eine „alte“ Generation – die mit Retail nichts anfangen kann, aber Classic einfach bis ins letzte Detail durchgespielt hat – in die nächsten zehn oder zwanzig Jahre tragen wird.
So. Das musste mal wieder raus. Mir ist egal, ob die lauten, unzufriedenen Leute ein Fan von Classic, ein Fan von Retail oder einfach Teil der verbitterten Ex-Spielerschaft ist, die seit 10 Jahren sowieso gar kein WoW mehr spielt, aber einfach nicht von dem Spiel loskommt und zu allem noch eine Meinung haben muss. Aber mein Tipp: Fasst mal wieder Gras an. Danach spielt ein Spiel, das euch Freude bereitet. Und wenn das nicht geht: Versucht doch wenigstens Freude an Dingen zu finden, auch wenn sie nicht zu 100 % nur für euren ganz persönlichen Geschmack entwickelt wurden.
Wie groß die Unterschiede von WoW Forever im Vergleich zu einem puren Classic, aber auch Retail sind, das hat unser Karsten in diesem Artikel aufgeschlüsselt: Es gibt über 1.000 neue Quests und viele davon sind sogar während der Level-Phase schon spielbar.
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Kommentare
Die meisten Meckern aber auch nur, weil Sie hoffen genug Krach zu machen. Das Blizzard am ende es “kostenlos” nachschiebt und ich wette es werden dann kaum welche davon diese Rasse spielen
Es geht also den meisten ums prinzip
Danke Cortyn. Genau so.
Kritik an Forever ist wichtig. Aber dieses „Es ist neu, also ist es kein Classic+“ führt das ganze Konzept ad absurdum.
Wenn sich nichts ändern darf, braucht man kein Plus.
Und wenn uns dadurch ein paar von diesen Leuten erspart bleiben: umso besser.