Streamerin droht, Leute zu erschießen – Twitch hebt permanenten Bann auf, weil sie „Reue zeigt“

Streamerin droht, Leute zu erschießen – Twitch hebt permanenten Bann auf, weil sie „Reue zeigt“

Der ehemalig Speedrun-Star Narcissa „NarcissaWright“ Wright hat eine aufwühlende Zeit auf Twitch hinter sich: Nach einem temporären Bann drohte sie damit, Leute im Twitch-Hauptquartier zu erschießen. Daraufhin erhielt sei einen permanenten Bann von Twitch: Doch jetzt zeigt der Streaming-Dienst Gnade.

Warnung: Der Artikel behandelt die Themen Amoklauf und Suizidgedanken. Wenn solche Themen für euch unangenehm sind, dann solltet ihr diesen Artikel meiden.

Wer ist die Streamerin?

  • Narcissa Wright war unter dem Name „CosmoWright“ schon mit 17 Jahren für Speedruns in Zelda bekannt. Von 2006 bis 2015 fesselte sie Zehntausende an den Bildschirm und hatte für die damalige Zeit einen großen Erfolg im Gaming. 2014 beendete sie „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ in 16 Minuten und 10 Sekunden.
  • Im November 2015 outete sich Wright als Transgender-Frau und begann ihre Transition. Auf Twitch entfernte sie sich vom Speed-Running. 2018 wurde ihr Kanal, der nur noch wenig hundert Zuschauer hatte, für Jahre gesperrt.
  • 2022 macht sie wieder von sich reden, aber nicht mit ihren Künsten in Zelda, sondern mit ihrem Auftreten auf Social Media.
Die 5 größten Twitch-Banns, die für viel Aufsehen gesorgt haben

Streamerin kriegt Bann, weil Troll sie reinlegt – Rastet völlig aus

Was führte zu dem Perma-Bann auf Twitch? Die Streamerin war nach 4 Jahren wieder auf Twitch unterwegs und hatte in einem ihrer ersten neuen Streams irrtümlich ein anstößiges Bild über ihren Twitch-Kanal Stream gezeigt. Dafür hatte sie von Twitch einen temporären Bann erhalten. Ein Troll hatte sie reingelegt und dazu gebracht, das Bild zu zeigen. Das machen Trolle manchmal – das ist etwa dem Streamer Forsen passiert.

Auf den temporären Bann von Twitch kam die Streamerin aber überhaupt nicht klar. Sie postete völlig irre Sachen auf Twitter. Der schlimmste Tweet kam am 22. März. Da sagte sie, sie möchte sich selbst umbringen und Leute im Twitch-Hauptquartier erschießen.

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Der Tweet führte zum permanenten Bann auf Twitch. (via inven)

Dafür gab es einen permanenten Bann. Der Bann durch Twitch musste eigentlich zwingend erfolgen:

  • „Selbsttötung“ ist ein hochsensibles Thema auf Twitch – schon für „Selbstverletzung“ wurden Streamer permanent gebannt und da ging es nur darum, dass sich ein Streamer regelmäßig eine Tastatur über den Schädel zog.
  • „Amokläufe“ sind eines der wenigen Themen, die in der selben „Bann“-Liga spielen wie Selbsttötung. 2018 schrieb ein Amoklauf im Hauptquartier von YouTube weltweite Schlagzeilen. In den USA sind solche „Mass-Shootings“ eine reale Bedrohung.

Die Streamerin erhielt daher einen permanenten Bann von Twitch, der nur durch einen erfolgreich Appeal, einen Widerspruch aufgehoben werden kann.

Twitch verwandelt Perma-Bann in Monats-Bann

Das ist jetzt die neue Entwicklung: Die Streamerin zeigte am 29. März die Nachricht von Twitch, dass ihr permanenter Bann in einen Bann umgewandelt wurde, der nach 22 Tagen abläuft. Sie wird also einen „Ein-Monats“-Bann erhalten.

So einen Bann bekam etwa auch MontanaBlack, als er Neanderthaler-Rufe gegen Frauen ausstieß.

Twitch sagt, der permanente Bann sei an sich angemessen. Aber in Anbetracht der Einzelheiten des Falls und der Tatsache, dass sie Reue zeige, habe man bei Twitch entschieden, die Strafe zu mildern.

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Das steckt dahinter: Das ist ein schwieriger Fall für Twitch. An sich ist der Tweet der Streamerin gleich ein doppelter Grund für eine permanente Sperre:

  • Die Androhung von Gewalt gegen sich selbst oder andere ist eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf.
  • Das könnte einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, wenn man hier Gnade zeigt.
  • Wenn es dafür keinen permanenten Bann gibt, wofür soll es dann einen geben?

Andererseits kam die Drohung nicht über Twitch, sondern über eine andere Plattform und war mit einem „hahahaah!!“ markiert. Ohnehin wirkt die Streamerin auf Twitter instabil – sie nennt das „geistig flexibel.“

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Aus Sicht der Streamerin ist sie „geistig flexibel“, eine Sünde in der heutigen Zeit.

Aus ihrer Sicht wurde sie dafür bestraft, in einem Moment ihre Gedanken mitzuteilen – hatte aber keine Absicht, die in irgendeiner Form umzusetzen. Sie betont, sie habe nicht mal eine Schusswaffe.

In den Tweets nach dem Perma-Bann wechselt die Streamerin zwischen extremen Gefühlen:

  • Einerseits fühlt sie sich ungerecht behandelt und glaubt in einer kalten Albtraum-Welt zu leben, bei der ihr noch die letzte Möglichkeit genommen wurden, mit Leuten zu interagieren.
  • Sie betont, dass sie gerade eine extrem schwierige Phase durchmache und für etwas bestraft wurde, dass sie gar nicht willentlich gemacht habe, werde hier „zerstört und ent-plattformt“.
  • Immer wieder sagt sie, wie sehr sie den Stream für sich selbst braucht und das Streamen vermisst. Alternativen zu Twitch gäbe es nicht so richtig.

Offenbar hat Twitch hier tatsächlich nicht die Aussage isoliert betrachtet, sondern alles drumherum und kam zum Entschluss, dass das Verhalten von Wright keine permanente Sperre rechtfertigt.

Twitch hat immer wieder betont, dass man bei Banns immer den Kontext beachte. Das führt aber zu einer permanenten Diskussion um die oft seltsam anmutende Bann-Politik des Streaming-Dienstes:

Twitch-CEO erklärt: Warum manche gebannt werden, andere nicht – Das Reiz-Thema

Wen dunkle Gedanken plagen, der kann sich unter den Telefonnummern 0800/111 0 111 und 0800/11 0 22 an die Telefonseelsorge wenden – das ist bundesweit und kostenfrei.
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