MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz hat nach längerer Pause mal wieder in zwei Online-Rollenspiele auf Steam reingeschaut, mit denen er schon viel Spaß hatte. Die Rückkehr war in beiden Fällen schmerzhaft.
Um welche Spiele geht es?
- Where Winds Meet gehörte für mich 2025 zu den besten Spielen des Jahres, wodurch ich es mit großer Freude sogar zweimal zum Launch durchgespielt habe. Im Juni hatte ich nach längerer Pause endlich etwas Zeit, um mir die jüngste Erweiterung anzuschauen – so zumindest der Plan.
- Auch Throne and Liberty hat eine neue Erweiterung erhalten, die den Umfang des MMORPGs noch einmal mächtig aufbohrt. Beim Launch im Oktober 2024 hatte ich für einige Wochen durchaus meinen Spaß mit dem Spiel. Mit der ersten Erweiterung brachte ich vergangenes Jahr dann meinen Charakter auf die neue Maximalstufe. Nach dem Start von „The Frozen Divide: Nix“ wollte ich jetzt erneut schauen, was sich seit meinem letzten Besuch getan hat.
Spoiler: Obwohl mir die zwei Online-Rollenspiele beim jeweiligen Launch Spaß machten und ich mich daher auch auf die Rückkehr gefreut hatte, war das erneute Aufeinandertreffen in beiden Fällen vor allem eines: frustrierend.
Weniger ist mehr
Was ist das Problem? Where Winds Meet und Throne and Liberty lassen sich hier prima in einen Topf werfen, weil ich bei beiden Spielen an vergleichbaren Schmerzpunkten abgeprallt bin – und diese Schmerzpunkte sind leider ganz typisch für Online-Rollenspiele aus Asien. Ähnliches ist mir in den vergangenen Jahren beispielsweise auch in Lost Ark aufgefallen.
Als ich nach langer Pause also mal wieder in Where Winds Meet beziehungsweise Throne and Liberty einloggte, erwartete mich in beiden Spielen das Folgende:
- Begrüßungsbildschirme mit Hinweisen auf die zig gerade laufenden Events, Battlepässe und Shop-Angebote
- Interfaces voller roter Punkte, die auf abholbare Belohnungen oder wichtige Updates hinweisen
- Ein Postfach voller Nachrichten von den Entwicklern, mit zahllosen weiteren Belohnungen, die ich mir während der Pause automatisch verdient hatte oder mit denen die Entwickler Wiedergutmachung für beispielsweise Server-Offline-Zeiten leisten wollen
- Zig unbekannte Menü-Fenster für neue Progressionssysteme, für die sich oder über die sich zahllose neue Belohnungen freischalten lassen

In beiden Fällen dauerte es locker jeweils 2 Stunden, bis ich alles gesichtet, alle Belohnungen abgeholt und meinen Charakter mit den wichtigsten Upgrades versorgt hatte. Doch auch danach konnte ich mich noch nicht wirklich voll ins Gameplay stürzen.
Sobald ich auch nur ein paar Schritte ging und eine Quest abschloss, blinkte und blonkte es an jeder Ecke. Stufenaufstieg! In gleich mehreren Fortschrittspfaden hagelte es neue Belohnungen, andere rote Punkte wiesen plötzlich auf frisch gemeisterte Erfolge hin. Erneut verbrachte ich mehrere Minuten in den Menüs. Mit Spaß hatte das leider gar nichts zu tun.
Doppelt bitter ist dabei: Diese Art der Erfahrung wird in asiatischen Online-Rollenspielen fundamental durch den Versuch verschärft, Rückkehrer und Neulinge durch zig parallel laufende Events, Belohnungssysteme und Progressionshilfen so schnell wie möglich zu den aktuellsten Inhalten zu bringen.
Oder anders formuliert: Die Entwickler wollen mir die Rückkehr erleichtern und erreichen durch die Masse an Systemen und Belohnungen genau das Gegenteil: Ich fühle mich gleichermaßen verloren und erschlagen; will doch nur spielen, muss mich aber ewig durch Menüs wühlen.
Natürlich kämpfen auch westliche Online-Rollenspiele damit, Rückkehrer und Neulinge an Bord zu holen. Vor allem, wenn sie über viele Jahre lang um neue Inhalte erweitert wurden. In ein WoW, ESO oder Guild Wars 2 komme ich jedoch deutlich schneller wieder rein als es bei den asiatischen Pendants der Fall ist.
Mich haben Where Winds Meet und Throne and Liberty dadurch jetzt auf jeden Fall verloren.
Ich bin sehr gespannt, wie kommende Asia-Titel wie Aion 2, ArcheAge Chronicles, Chrono Odyssey oder Honor of Kings: World diesen Balance-Akt meistern werden. Zumal diese Spiele oft genug noch viele weitere typische Fehler respektive Eigenheiten besitzen, durch die sie bei westlichen MMO-Fans immer wieder und wieder anecken.
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