Entwicklerin eines schwarzen MMORPGs aus Deutschland wird angefeindet, weil sie weiß ist

Entwicklerin eines schwarzen MMORPGs aus Deutschland wird angefeindet, weil sie weiß ist

Das MMORPG „The Wagadu Chronicles“ beschäftigt sich mit afrikanischer Mythologie und Kultur. Der Gründer des Projekts sagt, sein Studio ist von Schwarzen gegründet und finanziert. Doch gab es jetzt auf Twitter heftige Anfeindungen gegen eine nicht-schwarze Künstlerin, die am Projekt als Art Director mitarbeitet. Ihr wurde vorgeworfen, Afrikaner auszunutzen. Der Chef des MMORPGs schreitet ein.

Gegen wen richten sich die Vorwürfe?

  • Auf Twitter wurde die Künstler Iga „Igson“ Oliwiak angefeindet.
  • Sie arbeitet als Art Director für das MMORPG The Wagadu Chronicles. Das Indie-MMORPG wird von dem Studio „Twin Drums“ entwickelt, das seinen Sitz in Berlin hat. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr mit über 500.000 € gefördert (via bmvi.de). Die Mitarbeiter des Studios sind über die Welt verstreut, von Japan bis Kanada.
  • Oliwiak ist eine der Nicht-Schwarzen, die zum Team gehören. Und offenbar war das der Hauptgrund, warum sie so heftig angefeindet wurde.

Künstlerin wird als „Bitch mit Dreads“ beschimpft, die ihre dreckigen Fantasien auslebt

Was sind die Vorwürfe gegen die Künstlerin? Wie die Künstlerin auf Twitter mitteilt, hat sie am letzten Wochenende einige hässliche Vorwürfe erhalten.

Im Wesentlichen wird ihr vorgeworfen, die afrikanische Kultur „auszunutzen und von ihr zu profitieren“, indem sie als Weiße die Afrikaner in einen Fetisch verwandelt. Ihr wird vorgeworfen, als Missionarin in Afrika gearbeitet zu haben – das sei eine Fortsetzung des Kolonialismus.

Kulturelle Aneignung: Damit wird die Übernahme von kulturellen Ausdrucksformen, Geschichte oder Artefakten von Trägern einer anderen Kultur bezeichnet. Meistens wird damit die Übernahme der Kulturelemente einer „Minderheitskultur“ durch eine „dominante Kultur“ gemeint. Mehr zu dem Thema findet ihr auf Watson.

Sie sagt, in einigen sich wiederholenden Nachrichten wurde sie als „White Bitch with dreads“ beschimpft, als weiße Schlampe mit Dreadlocks.

Der Hass auf sie geht von dem Beitrag von einer 17-jährigen auf Twitter aus, die ihr am 6. August vorwarf, „geschützte Frisuren“ zu verwenden und sich selbst „eklige Stammes-Fantasien“ zu erfüllen, indem sie sich selbst in ihre Kunst hineinmalt als „sehr kaukasische Person“.

Sie forderte die Künstlerin auf „Bleib von meinem Volk weg, du stinkst.“

Der Tweet mit diesen Vorwürfen erhielt knapp 5000 Likes, das zog also durchaus weite Kreise für ein Indie-MMORPG.

Gründer des Studios kritisiert „Twitter-Empörungs-Mechanik“, steht hinter jedem Team-Mitglied

So reagiert das MMORPG: Der Gründer des Studios hinter dem MMORPG, Allan Cudicio, stellte sich in einem Tweet vom 8. August voll auf die Seite der Künstlerin. Er sagte (via twitter):

  • Er hatte seinen damals Business-Partner verloren, als der erfuhr, dass Allan Cudicio selbst ein queerer Mann war. Dadurch habe er ein Jahr Arbeit verloren
  • Iga wäre daraufhin eingesprungen und hätte das Projekt aus vollem Herzen unterstützt

 „Leider kam übers Wochenende viel Hass und Gift gegen Iga, eine unserer engsten nicht-schwarzen Mitarbeiterinnen. Mir bricht es das Herz, wenn ich sehe, was für eine leidenschaftliche, sensible und respektvolle Verbündete sie war.“

Laut dem Gründer sei der Vorwurf, jemand wolle Profit aus dem „schwarzen Volk“ schlagen, völlig falsch – genau das Gegenteil sei der Fall.

Die Mission von Twin Drums sei es, schwarzen/POC-Entwicklern in der Gaming-Industrie zu helfen, nach oben zu kommen. Da müsse man sich nur das Team des MMORPG anschauen.

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Beim Studio „Twin Drums“ arbeiten schwarze und nicht-schwarze Menschen gemeinsam an dem MMORPG The Wagadu Chronicles.

Der Gründer sagt: Er glaube zwar, dass einige der Vorwürfe mit einer guten Absicht kommen, aber wer schwarze Entwickler unterstützen will, solle sich doch bitte doppelt Mühe dabei geben, seine Vorwürfe zu überprüfen.

Die Aussage, Iga habe als „Missionarin in Afrika“ gearbeitet, bezeichnete Allan Cudicio als komplette Lüge. Wenn sich die 17-jährige Twitter-Nutzerin wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt hätte, hätte sie gesehen, wie viel Mühe und Respekt in der Arbeit des Teams steckten.

Wer dem Team wirklich helfen wolle, solle den Kontakt mit den Entwicklern aufnehmen. Man sei offen für Feedback. Wer aber nur die „Twitter-Empörungs-Mechanik“ nutzen wolle, ohne sich um das Thema zu scheren, dem könne er nur sagen: Er stehe hinter jedem einzelnen Mitglied seines Teams.

Mehr zu Wagadu Chronicles lest ihr hier. Das Spiel wird sogar von Riot Games unterstützt:

So gut kommt Wagadu Chronicles an, das neue deutsche Afro-MMORPG

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