MeinMMO-Dämon hat sich nach langer Abstinenz wieder Star Wars zugewandt. Ein älteres Spiel hat ein neues Feuer entfacht.
Star Wars und ich, wir haben eine schwierige Beziehung. Damals als Kind, da haben mich die Filme fasziniert. Sowohl die „ganz alten“ (Episode IV bis VI) und auch die „etwas neueren“ (Episode I bis III).
Vor allem das MMORPG Star Wars: The Old Republic hat meine Freunde und mich damals lange gehalten und war einfach ein wahrgewordener Traum – zumindest für eine Weile.
Doch wie so viele andere auch, wurde ich durch die neueren Filme verschreckt und meine Leidenschaft für das Universum drastisch abgeschwächt. Episode VII bis IX waren einfach schlecht. Logikfehler ohne Ende, wenig überzeugende Charaktere und eine Zerstörung bisher etablierter Lore, die man sonst nur vom Kerkermeister aus World of Warcraft kennt.

Daraus folgend habe ich Star Wars lange Jahre den Rücken gekehrt.
Weil jetzt aber der Launch eines neuen MMORPGs ansteht, das meine Zeit sicher für Wochen binden wird, dachte ich mir: „Cortyn, du hast einen riesigen Pile of Shame an Spielen, die du nie angerührt hast. Jetzt oder nie.“
Also habe ich exakt das getan und mich an „Star Wars Jedi: Fallen Order“ gesetzt. Das Spiel war irgendwann mal bei PS+ als Gratis-Spiel dabei und vergammelte seither in meiner Sammlung.
Eigentlich dachte ich mir, dass ich das vielleicht drei bis vier Stunden zocke und dann zu dem Schluss kommen würde, dass es nichts für mich sei und ich es dann einfach „abhaken“ kann.
Aber falsch gedacht. Jedi: Fallen Order war für mich das bisher wohl beste „Star Wars“-Spiel, das ich je gespielt habe.
Cal Kestis hat die Order 66 überlebt
Die Story ist leicht erklärt. Der junge Cal Kestis ist gerade Padawan beim Jedi-Orden, als die verhängnisvolle Order 66 vom frisch aufblühenden Imperium verkündet wird. Cals Meister stirbt, schafft es jedoch noch, den jungen Padawan in eine Rettungskapsel zu setzen und die Flucht zu verschleiern.
Jahre vergehen und Cal lebt verdeckt auf einem Müll-Planeten, um dort alte Raumschiffe für das Imperium zu zerlegen und sich einen Lebensunterhalt zu verdienen. Zumindest bis zu dem Tag, als das Imperium die Inquisition schickt, weil es eben Gerüchte eines überlebenden Machtnutzers gibt.

Cal muss einige arge Verluste hinnehmen, ihm gelingt aber erneut die Flucht – nur, dass das Imperium ihm mit Sith-Inquisitoren jetzt auf den Fersen ist.
Viel mehr möchte ich zur Story nicht verraten, nur noch so viel: Cal findet etwas, das die Hoffnung mehrt, noch weitere Jedi finden und den Orden womöglich retten zu können. Etwas, das auch das Imperium in die Finger kriegen will.
Tomb Raider, aber mit Lichtschwert
Im Kern hat Jedi Fallen Order einen richtig schönen Gameplay-Mix, wie man ihn nur noch selten sieht. Actiongeladene Lichtschwerkämpfe (natürlich mit Blaster-Reflexionen und heroischen Finisher-Moves) wechseln sich mit Erkundung und Rätseln ab. Denn jeder der 5 Planeten beherbergt viele alte Tempel und Ruinen, voll von Geheimnissen.
Das Erkunden und Kämpfen belohnt mit Erfahrungspunkten, die dann bei der Meditation für neue Fähigkeiten ausgegeben werden können. Macht-Schub, Lichtschwert-Wurf, Slow-Motion bei perfektem Ausweichen – das ist alles nichts atemberaubendes, man kennt es aus vielen Spielen, doch jede einzelne Fähigkeit ändert, wie sich Kämpfe spielen. Es fühlt sich wirklich so an, als würde man Stück für Stück von einem Padawan zum richtigen Jedi.
Jeder der Planeten fühlt sich fremdartig und interessant an. Egal ob es die Eiswelt von Ilum ist, auf der Jedi ihre Kyberkristalle bekommen, der Waldplanet Kashyyyk auf dem die Wookies leben oder Dathomir, auf dem ein Stamm sonderbarer Machthexen Nekromantie betreibt. Das ist alles so unterschiedlich und trieft doch aus jeder Pore mit dem Star-Wars-Feeling, das ich in den neueren Filmen so vermisst habe.
Das einzige Manko, das mir negativ aufgefallen ist: Es gibt eine Menge „Backtracking“, auch wenn zahlreiche Abkürzungen die Wege beschleunigen. Doch häufig bekommt man eine bestimmte Fähigkeit, wie etwa den Doppelsprung, erst später im Spiel um dann eine Kiste in einer früheren Region erreichen zu können. Dass in diesen Kisten dann ganz oft nur der siebzehnte Skin mit grässlichen Farben für das eigene Raumschiff ist, nervt ein wenig – aber hey, das muss man ja nicht machen. Ich allerdings schon, denn mein Vervollständigungstrieb ist leider zu ausgeprägt.
Obwohl Jedi: Fallen Order jetzt schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist es ein richtig gutes, rundes Spiel. Für mich ist es ein wenig ein „Tomb Raider, aber mit Lichtschwertern“ und das meine ich im bestmöglichen Sinne.
Eigentlich dachte ich, ich bekomme nur ein wenig milde Unterhaltung, bis ich mich einem anderen Spiel zuwenden kann. Doch am Ende war die Reise mit Cal Kestis so packend und intensiv, dass ich gar nicht anders konnte, als mir auch den Nachfolger „Star Wars Jedi: Survivor“ direkt zu kaufen, selbst wenn ich gar nicht mehr dazu komme, den jetzt noch zu spielen. Aber das ist dann wohl ein Fall für den nächsten Versuch, meinen Pile of Shame abzuarbeiten …
Bis dahin schaue ich mir die schockierendsten Wendungen von Star Wars an.
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