Eine Spielleiterin zu Dungeons & Dragons berichtet der Community, wie sie anhand einer Unterhaltung feststellen konnte, dass sie einen Kollegen definitiv nicht zu ihren Tabletop-Sessions einladen wird. Die Community kennt ähnliche Szenarien, woran deutlich wird, was einen Problemspieler wirklich ausmacht.
Wieso entschied sich die Spielleiterin, ihren Kollegen nicht einzuladen? Die Spielleiterin Lunetheart berichtete der Community auf Reddit von einer Unterhaltung mit einem Arbeitskollegen, als das Thema Dungeons & Dragons aufkam.
„Das klingt vielleicht gemein, aber hear me out”, startet sie, bevor sie erklärt, warum sie das Thema schnell bereute. Sie habe sich mit ihm über das Spiel unterhalten, bevor ihr Kollege äußerte, dass er auch Interesse daran habe.
Auf Nachfrage von Lune schwärmte dieser davon, dass er einen christlichen heiligen Charakter spielen würde, was sie zunächst für eine potenzielle Möglichkeit hielt. Allerdings rutschte seine Charakterbeschreibung in eine Richtung, die sie dieses Angebot bereuen ließ.
Er erklärte, wie sein Charakter anderen Spielern in Tavernen etwa das Trinken verbieten würde, „weil das gute Christen nicht tun”, und dass er von allen erwarten würde, sich an die Gebote seines Gottes zu halten.
Während Lune offen für religiöse Charaktere sei, hätte sein Heiliger keine andere Persönlichkeit, als anderen Spielern mit dieser Begründung, Dinge zu verbieten. Der Kollege hätte sich so in Rage geredet, dass auch Lunes erste Vermutung eines Scherzes schnell eines Besseren belehrt wurde und sie sich schließlich dazu entschied, das Thema nicht erneut aufzubringen.
Die Spielleiterin fragte daraufhin die Community, ob es weitere Personen gibt, die nach der ersten Unterhaltung über Dungeons & Dragons direkt wussten: „Oh, dich würd ich niemals an meinem Tisch spielen lassen.“ Und da gibt es einige.
Viele Spielleiter erledigen ihre „Session Zero“ bereits im Kopf
Wie reagiert die Community auf die Geschichte der Spielleiterin? Anhand der über 3.600 Upvotes und über 1.000 Kommentare scheint die Spielleiterin mit dieser Erkenntnis nicht allein zu sein. Eine Menge Leute aus der Community kennen das Gefühl, von dem sie spricht, was dazu führte, dass sie sich nach der ersten Unterhaltung mit potenziellen Mitspielern von der Idee verabschieden wollten.
Die größten „Red Flags“ aus der Reddit-Community entspringen zwar unterschiedlichen Situationen, denen man aber ähnliche Archetypen von Problemspielern zuordnen kann:
- Chaos-Fetischisten: „Er erzählte mir ausführlich, wie er bei jeder Session alles in seiner Macht Stehende tun würde, um die Kampagne komplett entgleisen zu lassen. Ich sagte: ‚Haha, jaaa …‘ und lud ihn nicht ein.” (NightOnTheSun)
- Murder-Hobos: „Ich habe nach einigen seiner Charaktere gefragt und erfahren, dass er ausschließlich ‚chaotische Murder-Hobo-Goblins‘ spielt, deren einzige Aufgabe darin besteht, den Plänen des restlichen Teams entgegenzuwirken. (cursearealsword02)
- Eine „Spieler vs. Spielleiter”-Mentalität: „Ich kannte jemanden, der der Meinung war, es sei die Aufgabe der Spieler, jede Geschichte, die der Spielleiter entworfen hatte, zu sabotieren. Er versuchte, wichtige NPCs zu töten, wichtige Gegenstände zu zerstören oder die Gruppe einfach von einem vorgegebenen Abenteuer abzubringen. Die Frustration des Spielleiters und die Mühen, die dieser auf sich nehmen musste, waren für ihn der Spaß.” (Shiroiken)
- Romantik-Simulator-Fans: „Es stellte sich heraus, dass sie eine Romanze mit Astarion aus BG3 haben wollte, allerdings lieber als Tabletop-Spiel statt als Videospiel, weil es dort ‚mehr Dialogoptionen‘ gäbe. Sie verlor sofort das Interesse, als ich sagte, dass ich am Spieltisch nichts mache, was über jugendfreie Romantik hinausgeht.” (keelekingfisher)
- Absolute Rollenspiel-Verneiner: „Ein Kollege hat erzählt, dass er Lust hätte, mitzuspielen, fügte aber sofort hinzu: ‚Ja, aber ich mache keine lustigen Stimmen oder so einen Quatsch, und wenn das jemand anderes macht, Mann, das ist doch blöd, damit kann ich nicht umgehen.‘“ (UnerringCheez-it)
Was für Erkenntnisse können Spieler und Spielleiter aus diesen Erfahrungen ziehen? Anhand der vielen Geschichten, die Spieler und Spielleiter bereits erlebt haben, konnten einige Veteranen wichtige Lektionen erlernen. Der Spieler arm1niu5 hebt hervor, dass das Beispiel von Lune und den vielen anderen Erfahrungen grandiose Beispiele dafür sind, wieso eine Session Zero so wichtig sei.
Generell kann die Community auf Reddit die Entscheidung der Spielleiterin nachvollziehen, den Kollegen nicht einzuladen, will ihn aber auch für seine Transparenz loben. Genauso wie die Unterhaltung sollte eine Session Zero auch ablaufen, und hätte der Kollege seine Vorstellung nicht genau kommuniziert, wäre es spätestens am Tisch für alle Beteiligten keine schöne Erfahrung geworden.
Ein Spieler schafft es, die Erwartungen an Dungeons & Dragons und wie sie missverstanden werden, perfekt auf den Punkt zu bringen. Denn laut WWalker17 ist das oft kommunizierte Verkaufsargument von D&D „Du kannst alles tun, was du dir vorstellen kannst“ irreführend und wird oft verwechselt mit „Ich werde all die verrückten Dinge tun, die ich im echten Leben nicht tun kann, weil diese Person gesagt hat, dass das in D&D erlaubt ist“.
21stCenturyGW erklärt dementsprechend: „Alle scheinen immer den zweiten Satz zu übersehen: Du kannst alles tun, was du dir vorstellen kannst. Die Welt wird dann entsprechend darauf reagieren.”
Leider gibt es viele Möglichkeiten, wie man (versehentlich) zu einem Problemspieler in Dungeons & Dragons werden kann. Auch MeinMMO-Redakteurin Caro bedient eigentlich alle Voraussetzungen, um mit ihrer düsteren Klischee-Hexenmeisterin ihre Freunde zu vergraulen, doch achtet bewusst darauf, nicht nervig zu werden: Ich bin die düstere Klischee-Hexenmeisterin in unserer D&D-Gruppe, schaffe es aber damit nicht allen auf die Nerven zu gehen
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Halte ich eigentlich nicht für problematisch. Ich finde generell sollten sich heilige Charaktere schon durch einen gewissen Eifer auszeichnen. Das steht bei D&D auch bei Göttern teils dran. Lockert das Spiel auf. Als DM hat man eher das Problem Spieler zum Handeln zu Animieren.
Wenn das im Spiel irgendwann störend wirkt, kann man zb die Tavernen Besucher ihn verkloppen lassen X vs 1. Das wäre sogar recht realistisch. Dann kann er sich überlegen wie er beim nächsten Mal vorgeht. Quasi soziale Erziehung im RP. 😉
In einer Welt wie den meisten DND-Settings in denen es mehrere Götter gibt und Polytheismus komplett normal ist, ist: “Ich erwarte dass alle sich an die Gebote MEINES Gottes handeln” nicht unbedingt normal.
Klar KANN man auch missionarischen Eifer haben, in einem Polytheismus, noch dazu innerhalb einer Gruppe, finde ich nur missionarischen Eifer eher störend und auch nicht zwingend settingimmersiv
Da fehlt, in meinen Augen, das Hineinversetzen in eine polytheistische Gesellschaft, weil das viel “Monotheismus-Brille” is.
Da hast du evtl meine Aussage falsch verstanden. Es geht doch nicht darum das man sich mit der “heiligen” Meinung durchsetzt, sondern das man diese Meinung verfolgt. (Genau das hab ich auch im OT beschrieben) Das sind 2 verschiedene Dinge. In D&D liest man öfter in der Beschreibung von Göttern das die Anänger Zelots sind auf deutsch Eiferer. Das kollidiert nicht mit Polytheismus und ist Teil von D&D.
Ums mal praktischer zu sagen, von einem Kleriker erwarte ich das der versucht Leute von seinem Standpunkt zu überzeugen. Wer als Kleriker “nur” im Kampf heilt, spielt seinen Kleriker nicht aus.
“finde ich nur missionarischen Eifer eher störend und auch nicht zwingend settingimmersiv”
Die Spieler sollen ihre Rolle auch spielen und nicht DM railroading machen. Ein DM der sich an fest an sein Setting klammert und den Spielern keinen Freiraum einräumt macht kein gutes RP.
Ich stimme dir insoweit zu, daß bestimmte Verhaltensweisen störend für das RP werden können, aber auch dazu hatte ich bereits etwas geschrieben, was man da tun kann, ohne mit Verboten oder Ausschlüssen arbeiten zu müssen.