Nach der Kritik eines Entwicklers verteidigen Spieler das Rückgabe-System von Steam. Dabei gibt es seit Jahren Vorschläge für eine Lösung, mit der beide Seiten glücklich sein könnten.
Das ist gerade der Konflikt: Zoroarts, der Solo-Entwickler hinter dem Spiel „Paddle, Paddle, Paddle“ schlägt aktuell Wellen mit seiner Kritik am Refund-System von Steam. Er bemängelte auf X, dass Spieler sein Spiel schnell durchzocken und dann innerhalb des 2-Stunden-Fensters zurückgeben würden – obwohl es ihnen eigentlich gefallen hätte.
Eine ähnliche Diskussion gab es 2021 um das Horror-Spiel Summer of ’58. Der Entwickler, Emika Games, zog sich damals sogar für unbestimmte Zeit aus der Spieleentwicklung zurück.
Der aktuelle Post entzweit gerade allerdings die Gaming-Community. Denn während einige dem Entwickler beispringen, und das Verhalten solcher Spieler ziemlich mies finden, sehen andere das deutlich kritischer. Immerhin gilt die Refund-Policy von Steam als sehr kundenfreundlich – etwas, das vielen gerade jetzt umso wichtiger ist. Immerhin erinnern uns Gaming-Firmen links und rechts daran, dass uns eigentlich gar nichts gehört.
Da jetzt das Rückgabe-System von Steam anzugreifen, kommt bei manchen gar nicht gut an. Der ein oder andere findet sogar drastische Worte: Solche Rückgaben seien einfach die gerechte Strafe dafür, ein kurzes Spiel gemacht zu haben. Würde man ein besseres Spiel machen, würden es die Leute auch nicht zurückgeben, so die Logik.
Erfahrung oder Preis-Leistungs-Sieger?
Was wäre die Lösung? Die liegt eigentlich auf der Hand: Steam könnte ein separates Rückgabe-System für sehr kurze Spiele einführen. Wie genau, dafür gibt es mehrere Optionen:
- Das Rückgabe-Fenster könnte abhängig von der erwarteten Spielzeit sein. Liegt die bei unter 2 Stunden, würde das Rückgabe-Fenster beispielsweise auf die Hälfte der erwarteten Spielzeit schrumpfen.
- Die Rückgabe könnte abhängig vom Fortschritt gemacht werden. Hätte der Spieler einen bestimmten Punkt im Spiel erreicht, wäre dann keine Rückerstattung mehr möglich. Das könnte über ein Achievement getrackt werden. Aufwendiger wäre eine manuelle Prüfung, etwa, ob der Spieler die Credits gesehen hat.
Grundsätzlich gibt es also Möglichkeiten, wie der starke Verbraucherschutz von Steam erhalten bleiben könnte, ohne dass kleine Indie-Entwickler auf der Strecke bleiben.
Natürlich ist nicht auszuschließen, dass damit auch wieder neue Probleme entstehen würden. So müsste erst einmal erklärt werden, was überhaupt die erwartete Spielzeit ist, und wer sie bestimmt. Außerdem könnten schnellere Spieler profitieren, während langsamere das Nachsehen hätten.
Können Entwickler nicht einfach längere Spiele machen? Das wäre zumindest in den Augen mancher Spieler die naheliegendere Lösung. Das dürfte jedoch gerade für Solo-Entwickler oder sehr kleine Indie-Studios nicht so einfach umzusetzen sein.
Schließlich steckt hinter der Spieleentwicklung ein Haufen Arbeit, und kleinere Entwickler arbeiten oft in ihrer Freizeit an Projekten. Da kann auch nur etwas zusätzlicher Content schnell zur Mammut-Aufgabe werden. Gerade packende Story-Spiele könnten sogar darunter leiden, wenn die Spielzeit künstlich in die Länge gezogen wird.
Am Ende dürfte es auf eine Grundsatz-Diskussion herauslaufen: misst man den „Wert“ eines Spiels daran, wie viel Spielzeit man für sein Geld bekommt, oder zählt die Erfahrung – egal, wie kurz sie sein mag?
Jetzt seid ihr gefragt: Rechnet ihr beim Spielekauf akribisch nach, wie viel Spielzeit ihr pro Euro bekommt, oder seid ihr eher Team Erfahrung? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!
Ein Entwickler sah das Problem der kurzen Spiele sogar als Herausforderung, und schuf ein Spiel, mit dem er Spieler dazu herausforderte, es zurückzugeben. Was es damit auf sich hatte, könnt ihr hier auf MeinMMO nachlesen: Eigenartiges Spiel auf Steam will, dass ihr es zurückerstattet – Wenn ihr es schafft
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