MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz durfte für die Grindfest-Themenwoche 2026 in Persist Online reinspielen und mit Benjamin Zuckerer (Geschäftsführer von CipSoft und Lead Product Manager) über das Zombie-MMO sprechen.
Entlassungen, Projekt-Einstellungen, Studio-Schließungen, Preis-Erhöhungen – aktuell macht es nur selten Freude, die täglichen Meldungen aus der Games-Branche zu verfolgen. Umso schöner ist es, dass ein Studio aus Regensburg die derzeitige Krise komplett umschiffen und die erfolgreichste Ära der 25-jährigen Unternehmensgeschichte feiern kann.
Ich meine natürlich CipSoft, die Macher von Tibia. Wir hatten darüber berichtet, dass 2025 das erfolgreichste Jahr der Studio-Geschichte war. Vor ein paar Tagen verriet mir Benjamin Zuckerer, einer der Geschäftsführer von CipSoft sowie der Lead Product Manager für Persist Online, dass man diesen Erfolg in diesem Jahr wohl noch toppen kann.
Während anderswo Mitarbeiter entlassen werden, stellt CipSoft ein. Allein etwa 20 Leute in diesem Jahr. Mittlerweile arbeiten also um die 120 Menschen für CipSoft, und das Team dürfte in Zukunft noch weiter wachsen.
In dieser Woche erwarten euch jeden Tag spannende Artikel rund um das Thema MMORPG. Mit dabei: nostalgische Rückblicke, spannende Analysen namhafter Branchen-Veteranen, Ausblicke auf kommende Online-Rollenspiele und launige Streams.
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Man möchte sich in Regensburg jedoch nicht auf dem aktuellen Erfolg und der Beliebtheit des MMO-Dauerbrenners Tibia ausruhen. Irgendwann soll ein zweites Online-Rollenspiel dazustoßen. Die Ankündigung von Persist Online erfolgte vor etwas mehr als zwei Jahren.
Hinter Persist Online steckt ein Online-Rollenspiel, das euch in eine von Hand designte, urbane Zombie-Apokalypse wirft und auf Third-Person-Action, Überleben, Crafting und Gildenkämpfe um bestimmte Zonen setzt.
Für unsere Grindfest-Themenwoche 2026 durfte ich mich jetzt erstmals in die Zombie-Apokalypse stürzen und im Anschluss mit Benjamin über meine Erfahrungen sprechen.
Sanfter Einstieg in eine tödliche Welt
Wenn man eine Alpha-, Beta-, Playtest- oder Early-Access-Version eines MMOs erstmals startet, weiß man nie, was einen erwartet. Gerade in der jüngeren Vergangenheit wirkten viele der Spiele, die vorab auf meiner Festplatte gelandet sind, noch sehr roh und unfertig. Man merkte an jeder Ecke, das wichtige Systeme und Features noch fehlen, die eigentlich zur Kern-Gameplay-Erfahrung gehören.
Persist Online entwickelt in der aktuellen Pre-Alpha-Version hingegen bereits einen schönen Flow. Erst stellt ein knackiges Einzelspieler-Tutorial wichtige Grundlagen vor. Danach landet man in einem von einer NPC-Fraktion geschützten Stützpunkt, in dem man über die nächsten Stunden hinweg mit immer neuen Quests und Zielen versorgt wird.
Über die Quests lernt man mit der Zeit die verschiedenen Werkzeuge und Systeme wie das Crafting kennen. Zudem führen sie einen Schritt für Schritt immer weiter von der Basis weg. Zum Verständnis: Die Welt von Persist Online ist in Ringe aufgeteilt, die sich von der ersten Basis aus ausbreiten. Je weiter weg, je höher quasi die Stufe des Rings. Je höher die Stufe, desto gefährlicher die Gegner und desto wertvoller die Beute und farmbaren Ressourcen.
Recht früh begrüßt Persist Online neue Spieler mit einer schick inszenierten Ingame-Sequenz, die das Zombie-Setting vorstellt und auf das kommende Abenteuer einstimmt. Im Interview spreche ich mit Ben kurz darüber und er muss schmunzeln:
„Es ist das erste Mal, dass wir das in der Form gemacht haben als Studio. Und um mal zu spoilern, wie lange es dauert, bis man diesen 1 Minute und 30 Sekunden langen Clip am Anfang hat … das hat knapp 6 Monate Arbeitszeit gekostet.“ Vergleichbare Anekdoten hört man auch von deutlich größeren Studios wie Blizzard. Jede Sekunde CGI-Sequenz ist aufwendig und teuer.
Der erste Ring um den Stützpunkt ist also noch nicht allzu schwer. Mit wenigen Schüssen oder Schlägen fallen die Untoten besiegt zu Boden. Mit Verbänden und Schmerzmitteln hält man die Lebenspunkte auf einem gesunden Niveau.
Dennoch sollte man die Gehirnmampfer nicht unterschätzen. Häufig kommen sie in großer Zahl vor. Ein unvorsichtiger Schuss mit der Schrotflinte und man lockt mit dem Knall eine ganze Meute an. Gleiches gilt, wenn eine Banshee bei Sichtkontakt ihren schrillen Schrei raushaut. In engen Bereichen wie einem Treppenhaus kann einen die Überzahl schnell überwältigen.
Später trifft man aber auch bewaffnete Raider und potente Mutanten, die einem das Überleben schwer machen – vor allem in den jeweiligen Elite-Varianten und wenn plötzliche schädliche Statuseffekte auf einem wirken, für die man keinen passenden Konter dabei hat.
Ein Hauch von Oblivion
Dass Persist Online schon in den ersten Stunden einen gewissen Flow entwickelt, liegt auch an der Charakterprogression. Die funktioniert wie in beispielsweise Elder Scrolls IV – Oblivion: Man levelt das, was man nutzt. Setzt ihr also eine bestimmte Waffenart ein, etwa eine Schrotflinte oder eine Axt, levelt ihr die zugehörigen Bereiche, steigt Stufen auf und erhaltet Punkte, die ihr in Skills sowie passive Boni stecken könnt.
Das gleiche Prinzip kommt aber nicht nur bei den Waffen zum Einsatz, sondern auch bei der Ausrüstung, beim essenziellen Ausdauer-Wert und bei allen Werkzeugen. Wer also viel angelt, verbessert seine Angelfertigkeit sukzessive und kann so beispielsweise einen Bonus für die Angelbeute freischalten oder die Angeldauer verkürzen.
Man kann aber auch mit einer Brechstange Autos aufstemmen, mit einem Messer Tiere ausnehmen, mit einer Axt Bäume fällen, mit Dietrichen Schlösser knacken und … und … und. Zehn Berufe-Fertigkeiten gibt es insgesamt, und teils gewähren diese sogar aktive Skills, die in Kämpfen sehr nützlich sind. Beispielsweise kann man nur über diese Perks einen aktiven Ausweich-Skill erhalten – den gibt es standardmäßig nicht.
Zur Charakterprogression gehört das besondere Ausrüstungssystem von Persist Online. Ben erklärt uns das so:
Die Items bei uns – Waffen, Rüstungen und so weiter – sind alle einzigartig. Jedes Item, das droppt, ist ein Unikat. Du wirst nicht zweimal das gleiche Item bekommen. […] Die interessanteren Gegenstände bringen dabei Modifikationen mit, wobei die Qualität die Zahl der Modifikationen bestimmt. Das interessante ist, sich ein Setup aufzubauen, bei dem die Items bestmöglich miteinander harmonieren.
Die Mods werden dabei hochgelevelt und freigeschaltet, während man spielt und sie im Kampf nutzt. […] Das heißt, ich kann meine Ausrüstung, während ich spiele, allein dadurch schon verbessern.
Benjamin Zuckerer im Interview mit MeinMMO
Ergänzt wird dieses System durch das Crafting, das es den Spielern ermöglicht, genau die Waffe oder Rüstung zu erstellen, die die optimalen Werte und Modifikationen für den eigenen Spielstil mitbringt.
Solche Minmaxing-Möglichkeiten findet man aber nicht nur bei der Ausrüstung, sondern auch bei Berufen wie dem Kochen. Wer für die kniffligen Endgame-Herausforderungen das bestmögliche Bufffood herstellen möchte, arbeitet sich durch eine regelrechte Kette von Arbeitsschritten und Mahlzeitverfeinerungen.
Ein Safehouse, das Tempo rausnimmt
Auch wenn sich Persist Online in den ersten Stunden meist fluffig runtergespielt hat, gibt’s ein zentrales Feature, das den Flow immer wieder kurz unterbricht: der Besuch der Junction Station im heimischen Stützpunkt. Das ist quasi das Safehouse, ein zentraler Ort, um Items vom Inventar ins Lager zu packen, Schrott in nützliche Ressourcen umzuwandeln, Gegenstände herzustellen, Ausrüstung aufzuwerten und Charaktere auf Missionen zu schicken.
Sobald also das Inventar voll ist oder man etwas herstellen möchte, rennt man zur Station, löst so einen kurzen Ladebildschirm aus und landet in einer reinen Menü-Struktur, über die man die verschiedenen Bereiche wie das Einsatz-Zentrum, die Küche, Schmiede oder die Rüstkammer erreicht. Dort führt man dann Aktionen aus, räumt das Inventar auf, weist Charaktere zu und startet Aufgaben.
Die ganzen Bereiche lassen sich dann mit der Zeit noch verbessern, um beispielsweise Zugang zu besserer Ausrüstung zu erhalten oder die Arbeitsschritte für den jeweiligen Bereich effizienter zu gestalten. Missionen, die Aufwertung von Räumen und alle Crafting-Produktionen finden nämlich in Echtzeit statt. In dieser Zeit ist der zugewiesene Charakter blockiert und steht fürs Erste nicht für eine Zombie-Jagd zur Verfügung.
Im ersten Augenblick fand ich das ganz schön doof. Ich hatte zu dieser Zeit nur einen Charakter, wollte eigentlich wieder raus in die Welt und blickte auf einen 5 Minuten langen Timer. Erst später merkte ich, dass ich diese künstliche Blockade durch einen schnell erstellten, zweiten Charakter umgehen kann. Im Gespräch mit Ben erfahre ich, dass Persist Online darauf ausgelegt ist, sich eine regelrechte Familie aus Helden zu erstellen.
Es ist wichtig, seine Charaktere für unterschiedliche Aufgaben zu optimieren. Du kannst einen für PvP optimieren, einen fürs Farmen von Ressourcen, einen für PvE. Du kannst sie quasi für verschiedenste Dinge optimieren und spielst daher mittelfristig wahrscheinlich mehrere Charaktere auf ein hohes Level.
Benjamin Zuckerer im Interview mit MeinMMO
Ben fügt an, dass das Safehouse noch eine riesige Baustelle ist und dort noch viel passieren wird, damit auch dieser Teil von Persist Online optisch ansprechend, übersichtlich und ein fester Bestandteil der Tutorial-Phase ist.
Zudem erklärt der Entwickler, dass man zwar mit jedem Charakter die Quests durchlaufen muss, das Leveln aber dennoch spürbar schneller ausfällt, weil später erstellte Familienmitglieder von den bereits etablierten Fortschritte profitieren – etwa durch Zugang zu deutlich stärkerer Ausrüstung.
Im Laufe eures Abenteuers könnt ihr euch fest einer von zwei NPC-Fraktionen im Spiel anschließen. Jede Fraktion hat ein Einflussgebiet. Eine umkämpfte Zone befindet sich zwischen den beiden Streithähnen. Ihr könnt in dieser Zone an der Seite verbündeter NPCs gegen die andere Seite kämpfen und für euer Team Aufträge abschließen.
Wenn ihr euch bei einer Fraktion der späteren Ringe ausreichend verdient gemacht habt, dürft ihr übrigens deren Safehouse nutzen. Allein dafür lohnt es sich schon, sich einer der Fraktionen anzuschließen und ihre Aufträge zu erfüllen.
Weniger Fortnite, mehr Tibia
Als ich vor zwei Jahren das erste Mal mit CipSoft über Persist Online sprach, war der Fornite-eske Look noch ein Thema. Die Optik des Spiels hat sich seitdem jedoch spürbar gewandelt. Der neue Cel-Shading-Stil passt gut zum urbanen Zombie-Setting, verpasst dem Spiel eine eigene Identität und lässt immer wieder erahnen, wie es dort vor der Apokalypse ausgehen hat und was mit den Bewohnern passt sein muss.
Zum finalen Start sollen übrigens acht Ringe mindestens inhaltsfertig sein, eventuell sind dann auch schon die Ringe 9 und 10 enthalten, wenn auch nicht mit allen geplanten Herausforderungen. Schon jetzt soll man laut Ben ein, zwei Monate brauchen, um sich durch den aktuellen Alpha-Content zu spielen (je nach Tempo und Zeitinvestition pro Tag).
Dass der Umfang ab jetzt nur noch mehr wird und dass man sich irgendwann für Monate und Jahre in dem Spiel verlieren kann, daran zweifle ich nicht. Mit Tibia beweisen die MMO-Experten von CipSoft seit vielen Jahren, wie gut sie es verstehen, die Grind-Spirale ins quasi Unendliche zu ziehen.
Wie in Tibia ist übrigens auch in Persist Online das PvP ein wichtiges Thema. Vor allem in besonderen Regionen, in denen Gilden um die Vorherrschaft der Zone kämpfen, um sich so Vorteile zu verschaffen. Außerhalb dieser Zonen kann man die Möglichkeit deaktivieren, andere Spieler zu verletzten. Wer das dennoch regelmäßig tu möchte, darf das, riskiert aber Strafen bis hin zum Verstoß aus der eigenen Fraktion. Das ist aber nicht das Ende, wie Ben erklärt:
Wenn dein Karma negativ wird, hat das ab einem bestimmten Punkt Konsequenzen in der Spielwelt. Die allermeisten NPC-Fraktionen in der Spielwelt sind auf der guten Seite. […] Die eröffnen dann das Feuer, weil sie wissen, dass dein Charakter böse ist, weil er ein schlechtes Karma und zu viele Spieler getötet hat. Wenn du dann stirbst, spawnst du an einem anderen Ort, bei einer Fraktion, die auch böse ist und nichts anderes tut als Jagd auf Überlebende zu machen.
Benjamin Zuckerer im Interview mit MeinMMO
Wer sein Karma aufbessern will, muss sich auf einen längeren Grind einstellen und haufenweise Zombies erledigen.

Schritt für Schritt ans Ziel
Laut Ben sind alle wichtigen Kern-Systeme in Persist Online integriert und man arbeitet nun daran, das Feedback der Spieler umzusetzen. Gerade erst gab es beispielsweise eine umfassende Anpassung der Charakterprogression und der Starterfahrung. Im kommenden Playtest sollen die durchgeführten Änderungen auf Herz und Nieren geprüft werden.
Erst wenn all diese grundlegenden Systeme passen, nehmen sich die Entwickler Detail-Bereiche wie das noch ausbaufähige Treffer-Feedback oder die teils noch unrunden Animationen vor. Was aber übrigens schon jetzt funktioniert: die Trefferzonen. Headshots verursachen mehr Schaden!
Wer die Entwickler bei den kommenden Playtests unterstützen will, kann sich für diese auf der offiziellen Webseite anmelden oder den Kontakt auf dem Discord-Kanal von Persist Online suchen.
Wer die umkämpften Sektoren der Spielwelt einnehmen möchte, braucht eine starke Gemeinschaft. In Persist Online könnt ihr Gilden gründen, diese sukzessive aufleveln und so für eure Gemeinschaft nützliche Vorteile freischalten. Die Maximalgröße einer Gilde soll bei 50 Spielern liegen, damit es nicht zu übermächtigen Massengemeinschaften kommt, die alles dominieren.
Das erste Fazit
Persist Online lässt bereits in den ersten Stunden einen motivierenden Spielfluss aufkommen, der mich positiv auf den Release schauen lässt. Das im MMO-Genre noch sehr frische Zombie-Setting und der schicke Cel-Shading-Look unterstützen meine Vorfreude.
Meine größte Sorge betrifft aktuell noch die Kampferfahrung, weil vor allem den Nahkampfwaffen in der aktuellen Version jede Form von Wucht und Treffer-Feedback fehlt. Aber auch meine Schrotflinte könnte mehr Wumms vertragen. Wenn die Entwickler das so hinbekommen, dass die Kämpfe Spaß machen, dürfte es sich Persist Online lange auf meiner Festplatte gemütlich machen.
Beachtet dabei, dass Persist Online stark auf Grind setzt und euch abseits der Kämpfe respektive vom Farmen von Rohstoffen wenig Abwechslung bietet. Das hier ist kein bunter Themenpark mit Story-Fokus, abwechslungsreichen Quests im Stil von The Secret World oder zahllosen Nebenaktivitäten wie Haustierkämpfen oder instanziierten PvE- oder PvP-Modi.
Fans von belohnendem Grind, ausgefeilten Ausrüstungs-, Crafting sowie Skill-Systemen und Gildenkonflikten um Territorien sollten Persist Online jedoch auf jeden Fall im Auge behalten.
Einen konkreten Zeitraum für die Veröffentlichung oder offene Beta-Tests gibt es übrigens noch nicht. Das Team möchte sich über Playtest langsam, aber sicher einem Zustand annähern, der es sinnvoll macht, eine größere Menge von Spielern auf die Server loszulassen. Ich bin dann auf jeden Fall mit am Start. Was sonst noch beim Grindfest 2026 auf MeinMMO passiert, erfahrt ihr hier.
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