Overwatch beerdigt seine Zukunft und damit den besten Spielmodus überhaupt

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Der wohl beste Spielmodus in Overwatch ist tot. MeinMMO-Dämon Cortyn trauert darum – weiß aber auch, was zum Scheitern führte.

Overwatch geht es eigentlich ziemlich gut. Nachdem man die hämischen Kommentare überwunden hat, als die „2“ wieder aus dem Namen des Spiels gestrichen wurde, entwickelte sich der Helden-Shooter prächtig. Klar, immer wieder gibt es Aufreger über zu teure Skin-Preise oder Events, die viel zu viel Zeit einfordern – doch das reine Gameplay war gut.

Es gab unterschiedliche Modi und vor allem der Stadium-Modus brachte frischen Wind. Hier konnte man Items kaufen, Fähigkeiten anpassen und in kurzweiligen Runden mehr und mehr im Chaos versinken, während die Kräfte immer absurder und mächtiger wurden. Viele bezeichneten diesen Modus als „die Zukunft von Overwatch“ – eine Ansicht, die ich durchaus geteilt habe.

Die neuste Saison in Overwatch brachte die “Heldin” Shion:

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Shion, die neue Heldin aus Overwatch, macht im Trailer keine halben Sachen

Jetzt hat der Game Director Aaron Keller allerdings in einem Blog-Post klargestellt: Stadium ist gar nicht so beliebt. Nur ein Bruchteil der Spielerschaft zockt den Modus überhaupt. Die Konsequenz daraus: Die weitere Entwicklung wird eingestellt und die Entwickler werden auf andere Aufgaben verteilt.

Eine Schande, wie ich finde.

Nur 6 % spielen Stadium überhaupt

In seinem Beitrag hat Keller einige Zahlen veröffentlicht, was die verschiedenen Spielmodi und deren Beliebtheit anbelangt. Daran kann man erkennen, wie viel der täglichen Overwatch-Fans sich in welchem Spielmodus tummeln. Die Zahlen fand ich überraschend und sogar ein wenig erschreckend:

  • 57 % spielen den Rollensuche-Modus (5vs5) in der Schnellsuche.
  • 37 % spielen den Rollensuche-Modus (5vs5) in gewerteten Spielen.
  • 19 % spielen offene Rollensuche (6vs6) in der Schnellsuche.
  • 8 % spielen offene Rollensuche (6vs6) in gewerteten Spielen.

Schon da lässt sich erahnen, dass es um Stadium wohl nicht so gut steht, doch die Liste geht noch weiter:

  • Mystery Heroes in der Schnellsuche wird von 4 % gespielt.
  • Stadium (gewertet) sind noch 3 %.
  • Stadium (Schnellsuche) sind ebenfalls 3 %.

Oder ganz drastisch gesagt: Nur rund 6 % aller täglichen Spielerinnen und Spieler zocken überhaupt Stadium.

Jetpack Cat aus Overwatch
Die depperte Katze war die letzte Erweiterung des Stadium-Modus. Man könnte auch sagen: Jetpack-Cat hat den Modus gekillt.

Warum Stadium in der Beliebtheit so abgesackt ist, das kann ich nur erahnen. Aus meiner Sicht gibt es durchaus einige mögliche Gründe, doch ob die sich auf die Masse der Spielerschaft übertragen lassen – keine Ahnung. Aber lasst es mich versuchen:

Matchmaking ohne echtes Matchmaking

Das „Ranked“-System in Stadium war kompletter Müll. Denn es gab kein richtiges Matchmaking. Anstatt auf Gegner zu treffen, die dem eigenen Skill-Niveau entsprechen, war die Gegnerzuweisung im Ranked-Modus vom erreichten Rang abhängig.

Der Rang in Stadium ist aber nicht – wie sonst im Spiel – von der eigenen Leistung abhängig, sondern vor allem von einer Sache: der verbrachten Zeit im Spiel.

Das heißt: Je mehr Stadium man spielt, desto höher ist der eigene Rang, ganz unabhängig vom tatsächlichen Können. Das führte in letzter Konsequenz dazu, dass man als Person, die sehr viel Stadium spielt, aber eben nur durchschnittlich gut ist (wie ich), sehr bald gegen Leute spielt, die nicht so viel Zeit in Stadium verbringen, aber deutlich begabter und ehrgeiziger sind.

Das führte nach einer Weile dazu, dass meine Freunde und ich mit Fortschreiten einer Saison immer häufiger unangespitzt in den Boden gerammt wurden und wir uns schon manchmal fragten, ob wir überhaupt das gleiche Spiel spielen wie unsere Kontrahenten.

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Helden wie Moira waren in Stadium ein großer Spaß.

Stadium erfordert Zeit

Ein weiterer Punkt dürfte sein, dass eine Stadium-Partie schlicht mehr Zeit erfordert. Während normale Overwatch-Matches in aller Regel in 10 bis 15 Minuten abgeschlossen sind, kann eine Partie Stadium auch gerne mal 30 oder 40 Minuten dauern – je nachdem, wie ausgeglichen die Teams eben sind.

Stadium ist einfach kein Modus, den man kurz zwischendurch einschiebt. Man muss sich gezielt Zeit dafür nehmen.

Doch Zeit braucht man nicht nur für den Modus selbst, sondern auch, um ihn überhaupt zu begreifen. Immerhin gibt es Dutzende Gegenstände und Fähigkeiten, die man erst einmal lernen und verstehen muss. Richtig zu verstehen, warum der Reaper in Geisterform so viel Schaden macht oder wieso die Orisa alle Schüsse reflektieren kann und dabei auch noch fliegt – das braucht Zeit. Man muss die Kombinationen lernen und wissen, welche Gegenstände und Kräfte man kaufen muss, um andere zu kontern.

Mit Reinhardt konnte man in Stadium besonders viel Spaß haben.

Was bleibt von Stadium?

Keller hat klargestellt, was sich am Stadium-Modus ändern wird – und das ist bedauerlich wenig. Denn Stadium wird noch im Spiel bleiben und erhält weiterhin Balance-Anpassungen, Rang-Zurücksetzungen und saisonale Belohnungen, aber der Modus wird nicht mehr erweitert. Keine neuen Helden werden in den Spielmodus übertragen und neue Maps gibt es auch nicht mehr.

Das heißt im Umkehrschluss auch, dass es keine großen Reworks der Helden mehr geben wird. Bisher war es so, dass jede Saison im Stadium eine Menge frischer Neuerungen mit sich gebracht hat. Viele neue Fähigkeiten, die Helden maßgeblich verändert haben. Die Meta wurde jedes Mal ordentlich durchgerüttelt und die Entwickler konnten sich kreativ austoben und richtig abgefahrene Sachen machen. Das wird es künftig nicht mehr geben.

Overwatch stirbt für mich schon wieder

In erster Linie bin ich ziemlich traurig. Wenn ich mit den anderen hier in der Redaktion geredet habe, dann war Stadium für viele das, was sie als die Zukunft von Overwatch angesehen haben. Der potenziell beste Spielmodus mit jeder Menge frischer Ideen und schier endlosen Möglichkeiten, um die Helden anzupassen und einfach abgedrehte, coole Kombinationen zu ermöglichen.

Nur wenig ist so lustig wie ein Reinhardt, der 20 Sekunden am Stück seinen Ansturm benutzen, dabei fliegen und mehrere Gegner gleichzeitig aufsammeln kann. Kaum etwas fühlt sich so stark an, wie mit Moira gleich 4 fiese Kugeln auf die Feinde zu schleudern. Nichts ist so frustrierend, wie von einer Mei gejagt zu werden, die sich in Form eines rollenden, immunen Eisballs unerbittlich nähert und dabei noch einen Blizzard mit sich führt.

Immerhin eine Tradition bleibt damit wohl gewahrt: Overwatch stirbt für mich ein weiteres Mal. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das der Community anlasten kann, die einfach das Potenzial dieses Modus nicht erkannt hat oder aber den Entwicklern, die es nicht geschafft haben, die teilweise genialen Ideen so aufzubereiten, dass eine breitere Masse angesprochen wird.

Aber wie seht ihr das? Habt ihr Stadium gemocht? Oder seid ihr mit dem Modus nie warm geworden? Lasst es uns doch in den Kommentaren wissen.

In diesem Sinne: Danke, Overwatch Stadium. Du warst das Beste, was dem Spiel in den letzten Jahren passieren konnte und hast mir viele schöne Stunden beschert. Auch wenn es dich wohl noch weiterhin gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis du in Vergessenheit gerätst und klammheimlich aus den Menüs des Spiels verschwindest. Schade. Wirklich schade.
Naja. Vielleicht bekommen wir bald zumindest eine Overwatch-Netflix-Serie. Denn dafür gibt es einige Hinweise. Das dürfte mich trösten.

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