MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes guckt eigentlich keine Dating-Shows, aber ausgerechnet Netflix hat ihn mit einer überrascht. Obwohl er sie nur angefangen hat, weil sich Leute im Trailer geprügelt haben, steckt dahinter viel mehr.
Ich bin kein großer Freund von Dating-Shows. Ich finde sie faszinierend, vor allem in Kombination mit Social-Media, aber anschauen hätte ich sie mir nie – eigentlich. Aus unerfindlichen Gründen stieß ich auf den Trailer zur 1. Staffel von Badly in Love. Das ist eine japanische Dating-Show, in der Delinquents (kann man mit Draufgängern, Bad Boys oder jugendlichen Straftätern übersetzen) die große Liebe finden wollen.
Dafür werden eine Gruppe verschiedener Frauen und verschiedener Männer in eine umgebaute Schule gebracht, um da Aktivitäten durchzuführen, die von Schulkram inspiriert sind. Hier muss ich aber auch zugeben, dass mich nicht die Prämisse dazugebracht hat, reinzuschauen, sondern eine Szene im Trailer, in der sich 2 der Typen nur anschauen und dann gegenseitig schubsen – ja, da wurde wohl eine Drama-Ader getroffen.
Diese Szene tut der Serie aber unrecht, denn in Badly in Love steckt viel mehr als nur eine überdramatische Dating-Show.
Den Trailer (die Serie gibt es auch auf Englisch oder mit deutschen Untertiteln) könnt ihr hier sehen:
Die Liebe ist nur zweitrangig
Direkt bei der ersten Folge versucht die Serie, eine feindselige Stimmung zu erzeugen. Als sich zwei Typen etwa zu Beginn treffen, bricht es in Schubserei auf. Da hat man meist das Gefühl, dass es geskriptet und überdramatisiert ist. Das sind Elemente, die ich eigentlich nicht mag.
Schnell entsteht aber eine andere Dynamik zwischen den Figuren, die das reine Liebe suchen
durchbricht. Es entstehen Freundschaften, und statt sich zu freuen, wenn jemand das Haus verlassen muss, entsteht Trauer und das Versprechen, dass man sich wieder sieht.
Nicht die Liebe steht im Vordergrund, sondern die Freundschaft. Abseits der überdramatisierten Momente erschafft Badly in Love eine Show über Vergebung, eigene Traumata und sich endlich zu Hause zu fühlen.
Auch wenn man den Protagonisten nicht immer abnimmt, dass sie so harte Gangster sind, wie sie erzählen, entsteht oft eine zutiefst ehrliche Atmosphäre. Man merkt, wie die Kandidaten sich langsam wohler fühlen und Menschen gefunden haben, die ähnliche Probleme und Erfahrungen durchlebt haben.
Man nimmt Badly in Love die gefundenen Freundschaften mehr ab als die gefundenen Beziehungen, und genau das macht die Serie so positiv. Ich hatte an vielen Stellen Gefühle wie bei Superman oder A Knight of the Seven Kingdoms. In einer Welt voller schlechter News war die Serie die perfekte Form von Ablenkung. Deshalb hat mich die Ankündigung einer 2. Staffel noch mehr gefreut als der erste Trailer zu Avengers: Doomsday.
Aber das Potenzial wird nicht ganz ausgeschöpft.
Die typischen Elemente einer solchen Show sind (leider) trotzdem da
Es gibt trotz meiner sehr positiven Gefühle für die Serie einige Kritikpunkte. So schadet die Überdramatisierung den schönen Momenten, vor allem weil sie oft geskriptet wirken. Auch die Kommentatoren, die zwischendurch unnötigen Kram von sich geben, stören mehr, als dass sie witzig sind.
Negativ aufgestoßen ist mir auch der Umgang mit Oto-San. Was sie alles erzählt und was sie macht, ist schon heftig und tragisch. Da hat die Serie mir zu sehr einen Fokus drauf, Drama zu erzeugen. Vielleicht hätte man sie ab einem bestimmten Punkt sogar aus der Serie packen müssen.
Auch die anderen Geschichten werden natürlich dramatisiert, aber abseits von Oto-San fand ich das bei den anderen nicht so gravierend.
Ein großes Highlight hingegen, ist Shunya Tsukuhara, genannt Tsu-chan. Er pfeift auf alles, was in Dating-Shows üblich ist, und genießt einfach nur die Zeit in der Show. Dabei flirtet er nicht mal aggressiv. Obwohl er sich anfangs als größter Gangster gibt, ist er einer der angenehmsten Teilnehmer, für den man einfach mitfiebert.
Trotz der Kritikpunkte habe ich die Serie schnell durchgebingt und freue mich jetzt sehr auf die 2. Staffel, die am 04.08. auf Netflix gestartet ist. Und selbst wenn ihr kein Interesse am Genre habt, schaut gerne mal in die 1. Staffel rein, denn man weiß nie, wie gut man sowas dann doch findet.
Habt ihr schon Erfahrungen mit Serien und Shows gemacht, bei denen ihr dachtet, ihr würdet sie niemals mögen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Eine klassischere, aber ziemlich gute Serie findet ihr hier: 21 Millionen Views in einer Woche: Eine neue Action-Serie dominiert zurecht die Netflix-Charts
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