Nerdhobbies: Pen&Paper-Rollenspiel und die Role Play Convention

Nachdem ich euch eine ganze Weile Ruhe vor meinen Kolumnen gegönnt habe, kommt ihr jetzt in den Genuss (oder den Schmerz?), den dritten Teil der „Nerdhobbies“-Reihe zu lesen.

Von mir durftet ihr schon eine Menge zum Thema „Rollenspiel in MMOs“ erfahren, aber dieses Hobby geht natürlich noch weiter:

  • Auch abseits der Serverwelten von SW:TOR oder WoW kann man Rollenspiel betreiben und oft sind die Erlebnisse hier noch deutlich interessanter, da man keine Welt strikt vorgegeben hat, sondern sich komplett auf die Fantasie verlassen muss – und auf die „kleinen“ Regelwerke.

Die Rede ist vom „Pen&Paper“-Rollenspiel, das seinen Namen passenderweise trägt, weil man im Grunde nicht mehr als Zettel, Stift und ein paar Würfel braucht, um loslegen zu können. Im folgenden versuche ich euch diese Art des Rollenspiels schmackhaft zu machen und will euch eine kurze Beschreibung bieten.

Pen&Paper Einführung

Nun gut, bei den benötigten Dingen habe ich vielleicht ein wenig verschwiegen. Ihr braucht natürlich auch noch 3-4 Mitspieler, bzw. eine Person, die das ganze leitet, sofern man das nicht selber tun will. Den Spielleiter kann man sich wie einen Erzähler vorstellen: Er gibt die Rahmenhandlung der Geschichte vor, baut Aufgaben, Belohnungen und Feinde in die Handlung ein, sorgt für die Einhaltung der Regeln und übernimmt die Rolle sämtlicher NPCs – also jeder Charakter, der nicht von einem Mitspieler dargestellt wird.

The Elder Scrolls Online
Der Spielleiter entscheidet! (Bild aus The Elder Scrolls Online)

Grundsätzlich braucht es für das Pen&Paper nur eine einzige Regel: Der Spielleiter hat immer recht. Egal was irgendein Regelwerk besagt, egal was das Würfelergebnis anzeigt: Im Zweifelsfall ist der Spielleiter Gott und kann sich über alles hinwegsetzen.

Alle anderen übernehmen die Rolle eines Charakters – entweder, der Spielleiter erstellt mit jeder Person einzeln einen Charakter und achtet darauf, dass alles zusammen passt oder der Leiter erstellt eine eigene Auswahl an Charakteren. Gerade wenn man neue Spieler begeistern will, bietet es sich an, ihnen fertige Charaktere zu geben, damit sie sich gleich in das Geschehen stürzen können. Für die Erstellung solcher Charaktere gelten im Prinzip die gleichen Grundsätze, wie für die eines Rollenspielcharakters in einem Onlinespiel.

Was genau euer „Held“ kann, wird auf dem Charakterbogen festgehalten, das werden die meisten schon aus MMOs kennen: Jeder Charakter hat Werte wie „Stärke“, „Ausdauer“ und „Willenskraft“. Pen&Paper geht hierbei aber noch weiter ins Detail, für fast jede mögliche Handlung gibt es einen eigenen Wert: Schlösser knacken, Fährten lesen, Lügen oder Tarnen, fast alles wird durch einen Wert dargestellt.

Wie ist der genaue Ablauf?

Jeder Spielabend ist im Grunde eine interaktive Geschichte. Die Spieler entscheiden, was sie mit ihrem Charakter machen wollen, etwa die Taverne aufsuchen, irgendwo einbrechen oder einfach ihren Alltag leben. Dialoge werden dabei von den Spielern geführt, die sich entweder miteinander oder über den Spielleiter mit den NPCs unterhalten.

Natürlich könnten die Spieler auch versuchen, der Handlung des Leiters zu folgen – aber auch hier gibt es eine goldene Regel: Wenn man Spielern Möglichkeit A, B und C gibt, dann werden sie sich für E entscheiden – die anleitende Person hat oft eine schwierige Aufgabe, weswegen man bei „frischen“ Spielleitern das Nachsehen haben sollte.

Die Macht des Würfels

Würfel Pen&Paper

Die Werte des Charakters kommen immer dann zum tragen, wenn irgendeine gravierende Handlung unternommen wird. Ein einfaches Beispiel: Halgrim der Zwerg möchte versuchen ein Schloss zu knacken. Der Spielleiter legt als Schwierigkeit einen Wert von 25 fest. Halgrim hat auf seinem Charakterbogen einen Wert im Schlossknacken von 12. Nun muss Halgrim einen W20 (einen 20-seitigen Würfel) benutzen. Er würfelt eine 15, diese wird nun mit seinem Wert von 12 im Schlossknacken addiert, ergibt also eine 27.

Da die 27 über der Schwierigkeit von 25 liegt, gelingt der Versuch und das Schloss öffnet sich, so dass die Spieler erforschen können, was auch immer hinter der Türe lag.

Solche und ähnliche Handlungen werden in allen Spielbereichen immer mal wieder durch den Einsatz eines Würfels entschieden, sodass immer ein gewisser Zufallsfaktor über Erfolg und Misserfolg entscheidet – oder die allumfassende Gewalt des Spielleiters.

Für wen ist das was?

wildstar
Pen&Paper in der Welt von WildStar? Alles möglich!

Im Pen&Paper gibt es kaum Grenzen, abgesehen von der eigenen Fantasie. Da es für fast jede größere Fantasiewelt ein eigenes Regelwerk gibt, kann man auch jeden Geschmack bedienen. Egal ob Warcraft, Star Wars oder „Vampire – The Masquerade“, die möglichen Spielwelten sind unbegrenzt, denn mit relativ wenig Aufwand kann man auch jede andere Welt bespielen. Zum Beispiel könnte man mit dem „Pathfinder“-Regelwerk auch eine Welt wie jene von TERA oder WildStar darstellen.

Dank dem Internet ist es sogar möglich, eine Spielrunde komplett über Skype abzuhalten, wenn die entsprechenden Freunde nicht in der Nähe sind – Online-Würfelprogramme machen das und vieles mehr real. Zahlreiche Regelwerke für Einsteiger sind kostenlos im Internet verfügbar oder „Einsteigerkits“ mit vorgefertigten Charakteren und einem kurzen Abenteuer können ausprobiert werden.

Also lasst eurer Fantasie freien Lauf, schnappt euch ein paar Raidkollegen und startet eure eigene Pen&Paper-Kampagne! Und glaubt mir: Was am Anfang noch schwierig und umständlich wirkt, wird nach wenigen Spielabenden eine Sucht, da man sich immer stärker mit seinem Charakter identifiziert.

Die RPC 2014: Ein Tag unter Nerds – so wie du und ich!

Role Play Convention

Wer am kommenden Wochenende noch nichts vor hat und in Reichweite von Köln lebt, der sollte sich zwei Tage Abstinenz vom Rechner gönnen und die alljährliche „Role Play Convention“ auf dem Kölner Messegelände besuchen. Sowohl Samstag als auch Sonntag kann man ganztägig Neuigkeiten aus dem Themengebiet „Rollenspiel“ erleben und ausprobieren: Darunter fallen Table-Top-Spiele, LARP, Pen&Paper, Brettspiele und auch eine Menge Cosplayer werden vor Ort sein. Natürlich zählen auch die Computerspiele thematisch dazu und der ein oder andere Hersteller wird ebenfalls mit einem Stand und PCs zum Ausprobieren vertreten sein.

Darüber hinaus ist auch ein großes Areal für den Mittelalterjahrmarkt vorhanden und der „Gamer-Musiker“ Jan Hegenberg („Die Horde rennt“) wird wieder ein Konzert geben.

Wer es lieber etwas makaber mag, den sei gesagt, dass zeitgleich auch der „Zombie-Walk“ in Köln stattfindet, der auch über die RPC zieht. Mehr als 1000 Leute werden sich als Zombies verkleiden und rund um den Dom pilgern.

Das Programmheft der RPC könnt ihr hier einsehen, um euch einen Überblick über die zahllosen Aktivitäten zu verschaffen.

Die Karten können im Regelfall auch noch kurzfristig vor Ort gekauft werden, so dass auch spontane Besucher eine Gelegenheit bekommen, sich alles anzusehen.

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Für mich ist es inzwischen die fünfte RPC, also lasst euch gesagt sein: Es lohnt sich!


Schon meine letzten Kolumnen gelesen?
Nerdhobbies Teil 1: Game of Thrones.
Nerdhobbies Teil 2: Anime.

Quelle(n): Titelbild und weitere Informationen zur RPC in Köln
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N0ma

oder Teamspeak

gibt auch gute Onlinetools die das unterstützen zB:
https://app.roll20.net/sess

da kann man würfeln und zeichnen mit Bodenraster

Antiklimax

Achja, das gute alte P&P. Erlebt in letzter Zeit ja ein kleines Revival, hat man den Eindruck. Aber über Skype? Auf so eine Idee wäre ich im Leben nicht gekommen *g*

Cortyn

Es funktioniert deutlich besser als anfänglich erwartet und vor allem eröffnet es viele Möglichkeiten. Einzelne Spieler können mit dem Spielleiter Dinge während des Spiels absprechen, ohne dass die anderen Spieler davon erfahren – das schließt Metagaming (auch das unbewusste) einfach kategorisch aus.

Ich will die regelmäßigen Skype-Runden nicht mehr missen! ^.~

Antiklimax

Das gemütliche Zusammensitzen bei „Bier und Brezeln“ (soll keine ‚Dungeonslayers‘-Werbung sein), war für mich immer ein wesentlicher Teil der Veranstaltung. Mag sein das ist so weil ich zu Zeiten mit P&P angefangen habe, als es sowas wie Skype noch gar nicht gegeben hat (wir hatten bloss ICQ ^^). Aber genau das würde ich bei möglichen P&P-Runden nicht missen wollen 😉

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