Guild Wars 3 muss ganz anders sein als die Vorgänger, sonst kannst du 2027 nicht überleben

Guild Wars 3 MMO Analyse

Guild Wars 3 soll sich deutlich von den beiden Vorgängern unterscheiden. Das liegt aber nicht nur daran, dass die drei MMOs in Zukunft nebeneinander existieren sollen. Auch die Gaming-Landschaft im Jahr 2026/2027 trägt ihren Teil dazu bei.

Warum muss Guild Wars 3 anders sein? Wir hatten bereits am 17. Juni 2026 über den neuen Blog-Artikel von ArenaNet zu Guild Wars 3 und den Plänen für das Bezahlmodell berichtet. Dabei verriet Studio-Chef Colin Johanson auch grundsätzliche Infos zur Ausrichtung des dritten Teils der Guild-Wars-Reihe.

Dass sich dieser von den beiden Vorgängern unterscheiden soll, wie es schon bei Guild Wars und Guild Wars 2 der Fall gewesen ist, hatten die Entwickler ja schon früh klar gemacht. Schließlich sollen alle 3 Spiele parallel nebeneinander existieren können.

Johanson nennt aber noch weitere Gründe, warum Guild Wars 3 zwingend anders sein muss als die beiden Vorgänger – und diese Gründe drehen sich darum, wie sich die Gaming-Landschaft, das Konkurrenzumfeld und wir Spieler in den vergangenen Jahren verändert haben.

Die MMO-Landschaft heute ist eine andere als die zu der Zeit, als Guild Wars oder Guild Wars 2 entwickelt wurde. Die Erwartungen der Spieler haben sich verändert, die Technologie hat sich weiterentwickelt und die Art und Weise, wie Leute mit Online-Welten interagieren, ist jetzt breiter gefächert und vielfältiger. 

Die Grenzen zwischen einem MMO und einem Live-Service-Spiel sind nicht mehr klar definiert. Die Zeit, die Spieler einem einzelnen Spiel widmen können, ist zurückgegangen, da ihnen eine immer größere Auswahl an Spielen zur Verfügung steht. 

Wenn wir für Guild Wars 3 einfach nur unsere bisherige Arbeit erweitern würden, ginge uns die Gelegenheit durch die Lappen, das Genre voranzutreiben; ein Genre, von dem wir immer wieder hören, dass es Innovation und Weiterentwicklung dringend nötig hat. Anstatt also einfach nur eine Fortsetzung zu entwickeln, stellen wir uns die gleiche Frage wie immer: Wie sieht hier und jetzt die nächste Evolution eines MMOs aus? 

Colin Johanson auf guildwars3.com

Oder anders formuliert: Um im Jahr 2026/2027 erneut einen MMO-Erfolg veröffentlichen zu können, muss man umdenken und Dinge ganz anders machen als noch vor 14 Jahren, als Guild Wars 2 erschienen ist.

In einem anderen Absatz geht der Chef-Entwickler noch genauer auf diesen Punkt ein:

Seit den Anfängen des Genres wird das Spielen von MMOs gern mit einem zweiten Job verglichen, bei dem Spieler lange Zeit damit verbringen, sich den Zugriff auf die interessanten Teile des Spiels zu erarbeiten, um dann endlich Spaß haben zu können. […]

Heutzutage haben Spieler mehr Optionen denn je. Und so viele moderne Spielerfahrungen erlauben es Spielern, schnell und sinnvoll einen spürbaren Gegenwert für ihre investierte Zeit zu erzielen, und zwar ohne erhebliche Hürden oder Vorbereitungen, bevor der eigentliche Spielspaß beginnt. 

Das oberste Ziel der Entwickler ist es daher, Inhalte zu schaffen, die eure Zeit wertschätzen und die einen Gegenwert für die investierte Zeit liefern – wobei es egal sein muss, ob ihr jeden Tag oder nur ein, zwei Stunden pro Woche spielt.

Video starten
Guild Wars 3 stellt euch im neuen Video die Welt von Orr vor

„Eine eigene Art von Spiel“

Was für ein MMORPG wird Guild Wars 3? Colin Johanson geht genau darauf in seinem Text ein. Laut des Studio-Chefs liegen Guild Wars Reforged und Guild Wars 2 an den entgegengesetzten Enden des MMORPG-Spektrums:

Guild Wars Reforged ist im Kern ein Spiel, das sich um eine kleine Gruppe dreht: Ein Spieler und sein Team aus Gefolgsleuten oder Helden-NSCs oder anderen Spielern, die er um sich schart, um in einem überwiegend instanziierten Spiel gemeinsam Herausforderungen zu meistern. Außer an Orten, die als sozialer Knotenpunkt dienten, traf man nie auf andere Spieler, die nicht explizit eingeladen wurden.

Intern habe man das erste Guild Wars daher ein CORPG („cooperative online RPG“, also ein kooperatives Online-Rollenspiel) getauft. Doch hat sich dieser Name nie durchgesetzt. Stattdessen gab es gleich mehrere „MMO des Jahres“-Preise.

Guild Wars 2 ist das genaue Gegenteil. Im Kern ist es ein Spiel, das sich um gigantische Spielerfahrungen in einer weitläufigen offenen Welt dreht. Spektakuläre Kämpfe gegen Weltbosse, kartenweite Meta-Events und großangelegtes PvP sind das, wofür Guild Wars 2 bekannt ist, auch wenn das Spiel eine große Vielfalt an verschiedenen Spielerfahrungen bietet.

Guild Wars 3 soll genau in der Mitte dieses Spektrums liegen, was auch besser zu den neuen Bewegungs- und Kampfsystemen passen soll:

Es passt deutlich besser zur MMORPG-Definition als Guild Wars Reforged, aber es versucht nicht, das großangelegte Gameplay zu replizieren, das Guild Wars 2 so einzigartig macht.

Konkrete Einzelheiten dazu soll es in den kommenden Monaten geben. Was die Entwickler bereits angekündigt haben: Euch erwartet eine nahtlosere Welt mit weniger Ladebildschirmen als in vorherigen Guild-Wars-Spielen. Das Erkunden der Welt soll erneut eine wichtige Rolle einnehmen und sich belohnend anfühlen. Es soll sich in Guild Wars 3 jedoch sehr viel mehr lohnen, an bereits entdeckte Orte zurückzukehren, da ihr dort „völlig neue Erfahrungen vorfinden könnt.“

Video starten
Guild Wars 3 hat jetzt einen Trailer und kündigt Beta-Start an

Wie bewertet MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz den Plan? Im vergangenen Jahr hatte ich für das Grindfest beleuchtet, warum es so schwer ist, erfolgreich ein MMORPG fortzusetzen. Die Guild-Wars-Reihe nannte ich dort als ein Positivbeispiel, eben weil sich die beiden Spiele so deutlich voneinander unterscheiden.

Allein aus dem Grund finde ich es von ArenaNet clever, diesen Weg weiterzudenken und Guild Wars 3 erneut einen einzigartigen Fokus zu geben.

Dazu kommt, wie Johanson richtig schreibt, das aktuelle Gaming-Umfeld. MMORPGs konkurrieren heute nicht mehr nur mit anderen Online-Rollenspielen, sondern mit Service-Games aller Couleur. Und mit Social Media; mit YouTube, Twitch, Instagram und TikTok. Mit Netflix, Disney Plus und Amazon Prime. Mit all den Angeboten, die um unsere freie Zeit buhlen.

Viele aktuelle und kommende MMORPGs haben dafür einen vergleichbaren Lösungsansatz gefunden: Weniger Fokus auf das „Massively“ und dafür einen größeren Schwerpunkt auf Inhalte für Solisten, kleine Gruppen und Story-Enthusiasten.

Diese moderne Ausrichtung hin zum MMO Lite trifft bei Guild Wars 3 auf die sinnvoll ergänzenden Eigenheiten der Reihe:

  • das Buy2Play-Modell mit Ingame-Shop, aber ohne Abos, Battlepässe oder Saisons
  • eine horizontale Charakterprogression, durch die es keine ständig ansteigende Item-Spirale gibt

Beides versorgt die Spieler vor allem mit einer Sache: Flexibilität. Pausen sind jederzeit möglich. Man hat nicht ständig das Gefühl, etwas zu verpassen. Das Wiederkehren fällt vergleichsweise einfach. All das ist in der heutigen Gaming-Landschaft Gold wert und könnte Guild Wars 3 zu einem perfekten MMO für die heutige Zeit machen. Die Aussagen von Colin Johanson passen übrigens zu meiner Vermutung, dass Guild Wars 3 in die Richtung „MMO Lite“ gehen könnte: Guild Wars 3 verspricht moderne Evolution des MMOs, unser Experte ahnt bereits, was das bedeuten könnte

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
0
Sag uns Deine Meinungx