Für viele Studios ist der Game Pass von Xbox ein klares Verlustgeschäft. Daher wird er wohl verlieren, was ihn eigentlich so beliebt macht.
Der Xbox Game Pass ist für viele eine feine Sache. Zu einem festen Preis zwischen 9 € und 21 € pro Monat gibt es eine breite Palette von Spielen zum Zocken. Darin sind Klassiker enthalten, aber auch viele Neuerscheinungen, die bereits ab Tag 1 spielbar werden. Doch genau das ist vielen Entwicklern wohl ein Dorn im Auge, denn ihre Spiele werden dadurch entwertet. Die großen Einnahmen fehlen und eine Weiterentwicklung des Studios ist kaum noch möglich.
Die naheliegende Vermutung: Der Game Pass wird viele der „Day 1“-Games bald verlieren und sie kommen dann erst nachträglich dazu.
Eines der Opfer es ‘Massakers’ bei Xbox ist das Team von The Elder Scrolls Online:
Wer stellt die Vermutung auf? Die Annahme kommt von Jason Schreier. Der hat in einer neuen Ausgabe des Podcasts „Tripe Click“ über die Zukunft des Game Pass gesprochen. Schreier ist Journalist und berühmt für seine vielen Kontakte in die Industrie. Immer wieder deckt er Missstände in der Gaming-Industrie auf oder erkennt zuverlässig Trends, bevor sie eintreten.
Spiele werden entwertet, Game Pass rechnet sich nicht
Was genau sagt Schreier? Auf den Game Pass angesprochen erklärt Schreier:
Ich glaube, dass sie ihn beibehalten werden, aber irgendwann in der Zukunft werden sie einfach die Tag-1-Spiele entfernen, weil die keinen Sinn mehr ergeben.
Als Beispiel nennt er das Spiel „South of Midnight“. Das sei jetzt kein überragendes Spiel mit supervielen positiven Rezensionen, aber eben ein Spiel, das von einer kleinen Community gemocht wird, die es sehr liebt. Das würde sich wahrscheinlich rechnen, wenn die das Spiel einzeln kaufen – aber eben nicht, wenn es einfach Teil des Game Pass sei. Hinzu kommt, dass von den Spielen eben auch erwartet wird, dass sie auch die Abo-Zahlen erhöhen. Ein zusätzlicher Druck, den manche gar nicht erfüllen könne und der zu Frust bei den Studios führe:
Ich glaube, das ist vielen Spielen passiert und da sind viele Personen in den Führungsebenen der Studios bei Xbox, die den Game Pass komplett verabscheuen und denken, dass es den Wert ihrer Spiele zerstört hat oder glauben, dass es den Wert aller Spiele reduziert hat. Es hat der Spiele-Industrie geschadet und den Wert von Spielen geschmälert.
Schreier sieht dabei übrigens Unterschiede zu anderen Abo-Modellen, wie etwa Netflix:
Netflix ist da eine etwas andere Sache, denn du kannst das meiste Zeug auf Netflix nicht einfach separat kaufen.
Dass hier derzeit ein Umdenken notwendig ist, scheint auf der Hand zu liegen. Immerhin gab es bei Xbox erst vor wenigen Wochen die Ankündigung, dass ganze 3.200 Mitarbeiter gehen gelassen werden. Das ganze Modell der Xbox-Studios und damit auch des Game Pass steht aktuell infrage. Den Game Pass sehen ohnehin viele als gescheitert an.
Wie seht ihr den aktuellen Zustand des Xbox Game Pass?
Was ist die Folge davon? Für viele ist gerade die „Verfügbarkeit an Tag 1“ eines der Argumente, warum der Game Pass überhaupt bezahlt und abonniert wird. Wenn immer mehr Spiele aus diesem System fliegen und erst nachträglich im Abo landen, dann könnte die Anzahl der Abonnements weiter abnehmen. Allerdings dürfte es auch weiterhin eine große Gruppe Interessenten geben, die Spiele gar nicht unbedingt an Tag 1 zocken will und einfach die große Palette an (halbwegs) aktuellen Spielen und Klassikern zu schätzen weiß.
Ob der Game Pass „stirbt“ dürfte also wohl bezweifelt werden. Aber er dürfte künftig eine ganz andere Zielgruppe ansprechen, als das noch bisher der Fall ist. Zumindest dann, wenn Jason Schreier recht behalten sollte. Es bleibt aber ohnehin abzuwarten, wie es mit Xbox weitergeht, wenn die zahllosen Kündigungen erst durch sind.
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Kommentare
Microsoft rechnete damit, dass der Gamepass +77 Millionen Nutzer haben müsste um profitabel zu sein. Und die kamen nie über 40 Millionen. Kein Wunder, dass Asha Sharma hier die Axt ansetzt und das zurecht. Ein weiteres Problem vom Gamepass war, er war für die Studios so eine Art bedingungsloses Grundeinkommen. Kohle gab es immer, egal was die Studios daher wurschtelten. Und das war wohl auch der Grund warum Studios wie Compulsion Games nach dem Kauf von Xbox nichts auf die Reihe bekommen haben.
Day 1 = FOMO
So einfach ist das
Zur Familie gehört auch diese “Pre Alpha Zugänge”. Nur um “Erster” zu sein?
Naja, Fomo gab es durch den GP ja nicht da du die Spiele auch zum normalen Preis kaufen und spielen konntest.
In Sachen Pre Alpha stimme ich dir zu, das ist definitiv Fomo…
Mir war von Anfang an klar, dass das gerade für die Day1-AAA-Titel das reinste Verlustgeschäft wird. Immerhin kontest du damit für nicht mal 25€ im Monat so ziemlich alle +40€ Titel komplett durch spielen. Und jedem sollte klar sein, dass bei den Entwicklern schlussendlich auch nur ein kleiner Teil der ganzen Abo-Einnahmen ankommt…