Forscher erklären, wie ihnen eine Seuche in WoW hilft, nun Corona zu verstehen

Forscher haben vor 13 Jahren eine virtuelle Seuche im MMORPG World of Warcraft untersucht. Sie sagen, die Erkenntnisse von damals helfen ihnen nun dabei, den aktuellen Corona-Virus besser zu verstehen. Epidemien hätten eine soziale Seite.

Was war das für eine Seuche in WoW? 2005 gab es im WoW-Raid Zul’Gurub einen besonderen Endboss: Hakkar. Der konnte Spieler mit einer Blutseuche belegen, die sich auf andere Spieler ausbreitete und sie dahinraffte. Das war eine Boss-Mechanik, die eigentlich nur dort im Raid funktionieren sollte: so eine Art „Countdown.“

WoW-Hakkar
Der damalige Endboss, Hakkar.

Aber Spieler konnten diese Seuche aus dem Raid in die freie Welt schleppen. Dort infizierten sie andere mit der Seuche, die Neu-Infizierten verbreiteten die Blutseuche wiederum weiter und die Charaktere starben daran. Vor allem in den Hauptstädten wie Orgrimmar waren zehntausende Spieler von der Seuche betroffen.

Forscher schreiben schon 2007 eine Arbeit über WoW-Seuche

Diese Parallelen wurden schon 2007 gesehen: Diese virtuelle Epidemie in World of Warcraft wurde in den Jahren danach zu einem Forschungsgegenstand. 2007 verfassten die Forscher, Nina Fefferman und Eric Lofgren, einen Artikel darüber, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse man aus der WoW-Seuche ziehen kann.

Die Forscher beobachteten damals, dass sich die Seuche rasch in die dicht bevölkerten Metropolen ausbreitete und hohe Sterblichkeit hervorrief. Aber vor allem das „soziale Chaos“ sei bedeutsam gewesen.

2007 sah man im Verlauf der WoW-Seuche schon eine Parallele zu „Pandemien in der echten Welt“:

  • Das Virus begann in einem kleinen Gebiet von nur relativ geringem Interesse
  • Es wurde dann zu einer unkontrollierten Seuche, die Millionen von Amerikanern, Asiaten und Europäern zu Hause beeinflusste
WoW Corrupted Blood Hakkar incident
So ähnlich sah es damals in WoW aus, als die Seuche wütete.

Die Forscher untersuchten, wie sich Spieler verhielten:

  • So gab es „Helfer“, die Seuchenopfer heilen wollten, sich dabei mit der Blutseuche infizierten und den Virus weitergaben
  •  „Griefer“ hätten sich absichtlich infiziert, um andere bewusst anzustecken  

Die Forscher sagten damals, das Ereignis war „unvorhergesehen“, ein „Schwarzer Schwan.“

Lofgren verglich den Virus damals mit einer Influenza und sagte, auf vielen Servern waren die Infektionen so stark, dass die Hauptstädte aufgegeben werden mussten. Der Handel kam zum erliegen. Ganze Städte waren im Prinzip unbewohnbar.

Es gibt auch Griefer in der echten Welt

Das sagen die Forscher heute: PC Gamer hat die beiden Autoren der Arbeit von damals, Dr. Nina Fefferman und Dr. Eric Lofgren, befragt, welche Parallelen sie zum jetzigen Virus Covid-19, dem Corona-Virus, sehen.

Lofgren sagt, der WoW-Virus habe ihm geholfen, zu verstehen, wie sich Menschen in einer medizinischen Krise verhalten. Es sei wichtig, wie Menschen miteinander umgehen. Ob sie sich an Vorschriften der Regierung halten oder nicht halten. All diese Dinge seien chaotisch. Man könne nicht davon ausgehen, dass einfach jeder akzeptiert, jetzt unter Quarantäne zu stehen.

Damals sei kritisiert worden: Der Vergleich der Seuche in WoW zu einem normalen Virus hinke, weil es in der echten Welt keine „Griefer“ gebe, die sich den Virus absichtlich einfangen. Aber Leute, die unvorsichtig handeln und sich nicht schützen, seien ziemlich nah an Griefern dran, sagt Lofgren.

Man fängt an Leute zu sehen, die sagen:“ Och, für mich ist das keine große Sache. Ich werde mein Verhalten nicht ändern. Ich werde aufs Konzert gehen und meine alte Großmutter trotzdem besuchen.“

Macht das vielleicht nicht. Das ist die große Erkenntnis. Epidemien sind ein soziales System. Die Ernsthaftigkeit von etwas runterzuspielen, ist eine Form von Real-World Griefing.“

Dr. Eric Lofgren
WoW Hakkar the Soulflayer Artwork

Auch Dr. Nina Feffermann, die Mitautorin der Studie zu Corrupted Blood, sagt, die Arbeit damals helfe ihr jetzt die soziale Seite einer Epidemie zu verstehen. Sie habe seit damals viel daran gearbeitet, Modelle zu entwickeln, die Risiko-Wahrnehmung darstellen. Hierbei habe ihr die Arbeit an der Seuche in WoW geholfen.

Fefferman glaubt, ihre Arbeit fällt ihr nun leichter, weil sie damals Zeit darin investiert hat, den Diskussionen von WoW-Spielern über die Blutseuche zu folgen und zu untersuchen, wie die in Echtzeit auf diese Diskussionen reagierten.

Die Art, wie sich Spieler damals über die Seuche in WoW unterhielten, spiegele sich jetzt weder: Auf die gleiche Art werde heute in den Sozialen Medien über Covid-19 gesprochen.

Quelle(n): pc gamer, reuters , abcnews
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Herlitz
2 Monate zuvor

Wie lange hielt der Debuff eigentlich damals?
Wowhead sagt 10 Sekunden, aber das kommt mir viel zu kurz vor.

N0ma
2 Monate zuvor

Aktuell bräuchten wir in D allerdings Leute die handeln, daran mangelts leider. Atemmasken werden mittlerweile für den 100fachen Preis hier verkauft und keinen juckts. Zu sagen wir machen die Schulen dicht ist leicht, aber sich darum zu kümmern was mit den Leuten passiert überlässt man den Leuten selbst….

Bodicore
2 Monate zuvor

Es geht eben nicht darum jemand vor Corona zu schützen und eine Ansteckung zu verhindern, das ist bereits jetz schon nicht mehr möglich, sondern dafür zu sorgen dass die Leute. Ich alle gleichzeitig umfallen und das System kollabiert.
Das Ziel ist es zu verzögern deshalb wirkt das ganze auch so halbherzig. Die Wirtschaft soll weiterlaufen ein Teil siecht durch der andern Teil hält den Karren am Rollen.

N0ma
2 Monate zuvor

In China hat mans geschafft , die Ansteckungszahl ist rückläufig. Machbar ist das durchaus.

Bodicore
2 Monate zuvor

Ich nehme an es ist rückläufig weil die Leute wieder gesund werden.
Ausserdem können die es ja schlecht wissen, Tests gibt es da drüben garantiert keine mehr.

Naja ich bin auch kein Experte für das Thema smile ich gebe nur das wieder was mir ein befreundeter Arzt gesagt hat. Bei all den vielen Meinungen zu dem Thema dachte ich ich wähle seine cool

N0ma
2 Monate zuvor

Klar kann man bei chinesischen Zahlen nie ganz sicher sein. Aber bei den vielen Einwohnern die die haben wäre eine Explosion der Zahlen nicht zu verstecken.
Man hat halt frühzeitig isoliert und auch gegengesteuert durch den Bau von extra Krankenhäusern und Mundschutz Fabrikationen. Dagegen passiert hier in D nichts, null.

Es gab übrigens auf Arte eine schweizer Dokumentation über einen in Wuhan festsitzenden Schweizer. Da hatte man dann auch Chinesen interviewt die dann meinten die hätten heute nur 3 x Mundschutz bekommen. Das klang dann so ein bisschen wie Kritik aus dem Westen Richtung China. Nur wenn man dann sieht das hier gar nichts vorbereitet wird, da platzt einem die Hutschnur.

Ardyn
2 Monate zuvor

Was willst du erwarten?
In Asien würde eine ganze Stadt in einen Monat stehen um da die Kranken „einzulagern“ (Hört sich Kacke an wäre aber so) & hier in DE bräuchte man für ein Krankenhaus schon 1 Jahr…
Man muss sich einfach mal das bei der Kreuzung in Fukuoka anschauen nach einer Woche läuft da wieder alles als wäre nie was gewesen hier bräuchte man Monate dafür

Drachenberg
Drachenberg
2 Monate zuvor

Nicht nur das. Bei uns in Deutschland hat es ja schon lange gedauert bis überhaupt mal die Idee aufkommt das wir etwas unternehmen müssen! Und, im gegensatz zu den meisten anderen EU-Ländern, sind bei uns auch immer noch die Grenzen offen (so wie immer!).

Sanix
2 Monate zuvor
Sanix
2 Monate zuvor

Die Zahlen in China sind nur in der Stadt Wuhan rückläufig. Virologen sagen, sobald das Alltags leben wieder in Wuhan weiter geht, gehen sie davon aus das sich wieder dutzende erneut an dem Corona Virus anstecken werden. Sie gehen von einer „Wellen“ verlauf aus.
Was für mich Sinn ergibt und wovon ich auch denke das es zutrifft.

hier da Video dazu auf das ich mich bezogen habe mit meiner Aussage.

N0ma
2 Monate zuvor

Ist nicht gesagt in Taiwan zB hat mans geschafft, das Virus komplett rauszuhalten.
Was anderes ist natürlich mit Ganz China da können auch weitere Herde entstehen.

Sanix
2 Monate zuvor

Ja Taiwan war auch nicht so belastet. Die haben von Anfang an angefangen es einzudämmen und nicht erst noch Wochen Bürokratie durch gemacht.
Gesagt ist es nicht das stimmt auf jedenfall. Aber ich halte es für sehr Wahrscheinlich das es passiert. Ich hoffe natürlich nicht.
Die Auswirkungen merken wir ja jetzt schon alle. Sei es auf der Arbeit selbst oder in den Lebensmittelläden, aber auch schon bei den Hardwarepreisen und Öl preisen etc.

Jabba
2 Monate zuvor

Was schlägst du denn vor die Kinder zu betreuen wenn die Schulen schließen? Nicht schließen? Alles weiter laufen lassen bin die Krankenhäuser wie in Italien kollabieren und alle über 80 Jahre abgewiesen und zum Sterben zurück gelassen werden? Der Grund für die hohe Todesrate in Italien. Es geht nur um die Verzögerung das genau das nicht geschieht.

Was man der Regierung momentan vorwerfen kann ist das sie zu spät reagiert haben, meiner Meinung danach hätte z.B. Karneval abgesagt werden müssen, das hat in Heinsberg die Katastrophe überhaupt erst ausgelöst.

Bodicore
2 Monate zuvor

Meine Frau ist Logopädin und in der Schweiz sind die Schulen geschlossen aber wer seine Kinder nicht unterbringen kann gibt sie trotzdem da ab. Die Kinder werden einfach nur betreut in Keinstgruppen.

Zb. Meine Frau hate bisher maximal 2 Kinder im Unterricht jetz hat sie 5
Es geht einfach nur darum das ganze zu verzögern und zu verlangsamen.

Der Schulbetrieb ist offiziell eingestellt. Bedeutet soviel wie „Es gibt keine Busse fürs daheimbleiben“ und es gibt zb keine wechsel der Klassenräume und Lehrpersonen innerhalb des Schultag.

N0ma
2 Monate zuvor

Zb Notfall Krankenhäuser einrichten. Wenn man jetzt nicht damit anfängt wird man genauso überrascht werden wie Italien. Italien ist übrigens ein Sonderfall weil dort wohl sehr viele Chinesen arbeiten. Das kann man nicht 1:1 der italienischen Regierung anlasten.
Und 2. die Produktion von medizinischen Mitteln ankurbeln.
Mal ebend zu sagen wir schliessen die Schulen, ist zwar richtig, aber dafür muss man als Politiker nichts machen ausser einer Unterschrift. Das reicht einfach nicht, darum gehts. Übrigens könnte man für die Kinder Alternativen anbieten, da macht man auch nichts.

Oder wie siehts aus mit einem Service der Leute die zu hause bleiben versorgt. Damit hat China gute Erfahrungen gesammelt. ??

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