EVE Online gilt als bockschwer für Einsteiger, wir fragten nach, wie das Team das lösen will

EVE Interview Titelbild

MeinMMO-Redakteurin Caro war dieses Jahr auf dem EVE Fanfest in Reykjavik dabei. Dort sprach sie mit dem Community-Chef von EVE Online, der mit ihr nicht nur über den harten Einstieg in das Weltraum-MMO diskutierte, sondern auch vermittelte: Auch für sie ist es noch nicht zu spät. Ganz im Gegenteil!

Während des EVE Fanfests 2026 war ich im Namen der MeinMMO selbst dabei, um die Community des MMORPGs sowie verschiedene Ankündigungen und Präsentationen ganz nah mitzuverfolgen. 

Vor Ort sprach ich auch mit dem Community-Manager und Lead bei Fenris Creations (ehemals CCP Games), Peter Farrell. Ich war neugierig, wie er als Community-Chef die Stimmung des Fanfests wahrnimmt, wie Fenris mit den zukünftigen Schlachten umgehen will und ob es auch für eine interessierte Anfängerin wie mich noch Hoffnung gibt, in ein MMO einzusteigen, das teils für seine einschüchternde Lernkurve bekannt ist.

Das Ergebnis stimmte mich jedoch vorsichtig optimistisch, denn: „Der beste Zeitpunkt, um mit EVE anzufangen, ist wirklich heute.“

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EVE Online: Der Staat der Caldari im Trailer

Ein Weltrekord, der weitaus mehr benötigte als nur 11 Stunden

Caro (MeinMMO): Vielen Dank für die Einladung! Haben Sie bisher eine tolle Zeit?

Peter Farrell: Absolut! Die Nerds kommen nach Island … Es fühlt sich so gut an, sie wiederzusehen. 

Caro (MeinMMO): Wenn wir an EVE Online denken, fallen uns zuerst die riesigen Schlachten ein. Das war das Erste, wovon ich gehört habe – all der Wert, der in diese Schlachten investiert wird und verloren geht. Da war dieser große Rekord, den ihr mit 10.000 Spielern in der Schlacht von Atioth gebrochen habt – also herzlichen Glückwunsch dazu! 

Es gibt kaum andere MMORPG-Erlebnisse, die damit vergleichbar wären. Wie sehen Sie diese Meilensteine, und sind Sie selbst manchmal erstaunt darüber, was im Spiel passiert?

Community-Manager und Lead Peter Farrell

Peter Farrell: Eigentlich fast immer. Bevor ich zu CCP- … bevor ich zu Fenris Creations kam [Anmerkung der Redaktion: der Versprecher passierte während des Fanfests oft, jedem Entwickler inklusive dem CEO], war ich tatsächlich selbst EVE-Spieler. Ich habe ab 2008 einige Jahre lang eine ziemlich große Allianz im Spiel geleitet.

Ich habe also eine ziemlich gute Vorstellung davon, was in den Köpfen der Spieler vorgeht, wenn sie diese Schlachten durchstehen. Aber ich hätte mir nie vorstellen können, in einem Kampf dieser Größenordnung dabei zu sein.

Die Organisationskraft, die man dafür braucht, findet man in keinem anderen Spiel. Für jedes Schiff, das dort draußen ist – wir sprechen hier von 10.000 Menschen –, musste jemand die Ressourcen besorgen, diese Schiffe bauen, sie an den richtigen Ort bringen, die ganze Ausrüstung organisieren und sie an die Leute verteilen … Es läuft da quasi eine riesige, gewaltige Maschinerie hinter den Kulissen ab, um das zu ermöglichen.

Auch wenn wir nur diese Ausschnitte einer 11-stündigen Schlacht sehen, stecken wahrscheinlich Hunderte von Arbeitsstunden an Vorbereitung darin. Es ist einfach so cool zu sehen, wie sich das auf der großen Bühne abspielt, weil niemand weiß, was passieren wird. Niemand weiß, was die andere Seite tun wird oder ob die andere Seite mit neuen Freunden auftaucht, mit denen man nicht gerechnet hat. Es ist immer aufregend, diese großen Kriege zu sehen.

Selbst die winzigste Kleinigkeit kann eine große Wirkung haben. Während dieser Kampf lief, gab es eine andere Gruppe auf der anderen Seite der Karte, die sich dachte: „Na ja, diese Jungs sind beschäftigt, also werde ich einfach die Infrastruktur von einem der Typen sabotieren, die da kämpfen, nur um ihnen ein Dorn im Auge zu sein.“

Was letztendlich geschah, war, dass sie ein paar Tage später die Gelegenheit für einen Kampf um einen anderen Timer geschaffen haben. Bei diesem Kampf kamen in einem System etwa 8.500 Menschen zusammen. Das alles passierte nur, weil eine kleine Gruppe beschlossen hatte, dort drüben einfach nervig zu sein. Das sind meine Favoriten, das sind meine Leute.

Caro (MeinMMO): Wenn es um die ganze Infrastruktur geht: Musstet ihr angesichts der Spielermassen die technische Infrastruktur modifizieren, damit solche großen Kämpfe überhaupt möglich sind?

Peter Farrell: Ja. In den ganz frühen Tagen von EVE, wenn wir von großen Kämpfen sprachen, bewegte sich das im Bereich von Hunderten. Wenn 500 Leute auftauchten, war das sofort eine der größten Schlachten. Die Server damals vor 20 Jahren wussten einfach nicht, wie sie das bewältigen sollten. Wenn man in das System sprang, sah man unter Umständen die ganze Zeit über nur einen schwarzen Bildschirm.

Im Laufe der Zeit haben wir die Hardware angepasst. EVE läuft auf einem einzigen Node – es gibt keine Shards, also spielen alle auf demselben Server. Wir haben mehr Infrastruktur hinzugefügt, und wenn wir wissen, dass ein Kampf stattfinden wird, stellen wir dafür dedizierte Server-Hardware bereit, damit der Rest des Spiels nicht beeinträchtigt wird.

Wir haben auch dieses wirklich raffinierte System namens „Time Dilation“. Im Wesentlichen verlangsamen wir die Simulation in diesem System, während der Kampf läuft, damit der Server mit all den Befehlen Schritt halten kann. Es gibt eine kleine Anzeige, die das anzeigt. Es fühlt sich an wie die „Bullet Time“ aus Matrix.

Alles bewegt sich super langsam. Das trägt zum Sci-Fi-Flair und zur Besonderheit des Ganzen bei. Es kann die Auswirkungen einer Schlacht wirklich verändern, weil die Time Dilation zwar ein System verlangsamt, aber alle umliegenden Systeme mit normaler Geschwindigkeit laufen. Draußen sind alle superschnell, und die Leute, die kämpfen, bewegen sich in Zeitlupe.

Caro (MeinMMO): Sie haben gesagt, es gab Kämpfe mit 500 Spielern, jetzt sind es 10.000 gewesen … Das wird wahrscheinlich noch weiter eskalieren! Glauben Sie, dass das funktionieren wird? Habt ihr die Kraft, die Kapazität, um so etwas zu bieten?

Peter Farrell: Wir verschieben ständig die Grenzen des Möglichen, wohl wissend, dass die Spieler es unabhängig von unserem Tun aufs nächste Extrem treiben werden. Wir können unmöglich sagen: „Oh ja, ab jetzt läuft es für immer super.“ Die Spieler fordern uns heraus und verschieben die Grenzen immer weiter.

Unser Guinness-Weltrekord-Kampf vor ein paar Jahren lag bei 6.500 Menschen in einem System, und wir haben diesen Rekord in den letzten Wochen ein paar Mal gebrochen. Wir wissen: Bei der nächsten Verbesserung, die wir vornehmen, werden die Spieler einfach noch mehr Leute dazuholen.

Wir könnten ihnen die Teile für ein Fahrrad geben, in der Erwartung, dass sie ein Motorrad bauen, und stattdessen bauen sie ein Katapult, das Reifen auf Leute schleudert.

Peter Farell, Community Manager und Lead im Interview

Die legendäre Lernkurve – wie sollen Neulinge davor keine Angst haben?

Caro (MeinMMO): EVE wird manchmal als menschliches Experiment bezeichnet, weil es einfach so riesig ist. Als Anfängerin, die sehr neugierig ist, habe ich gehört, dass die Lernkurve „legendär“ sei – oder einfach gesagt: verdammt schwer. Wie balanciert ihr den Wunsch aus, neue Spieler für diese großen Schlachten zu begeistern, ohne den Spaß und die Komplexität für Veteranen zu opfern? Und … gibt es noch Hoffnung für mich?

Peter Farrell: Die gute Nachricht ist – es gibt noch Hoffnung! Der beste Zeitpunkt, um mit EVE anzufangen, ist wirklich heute. Weil man nie weiß, welchen Einfluss man auf das Spiel haben wird. Bei den großen Schlachten werden überall Ressourcen benötigt.

Sie alle brauchen jemanden, der einen bestimmten Teil beiträgt, um das Ganze zum Leben zu erwecken. Und du weißt nicht, wer diese Person sein wird. Es könnte jemand sein, der gerade erst anfängt, oder jemand, der schon seit einigen Jahren dabei ist, aber nie wirklich seine Berufung gefunden hat.

EVE hat viele komplexe Systeme, und wir fügen viele verschiedene Mechaniken hinzu. Wenn wir ein Feature ins Spiel bringen, haben wir eine Vorstellung davon, wie die Spieler damit interagieren könnten, aber wir sind uns nie sicher. Wir könnten ihnen die Teile für ein Fahrrad geben, in der Erwartung, dass sie ein Motorrad bauen, und stattdessen bauen sie ein Katapult, das Reifen auf Leute schleudert.

Wir können uns nicht darauf verlassen, was sie tun werden, also müssen wir ihnen einfach Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie ihre eigenen Geschichten erzählen können.

Was den Einstieg angeht, funktioniert EVE so, dass man nicht wirklich grinden muss, um jemanden einzuholen. Wenn du dich auf eine Sache spezialisierst, die dir gefällt, kannst du innerhalb eines Monats in dieser einen Sache genauso gut sein wie jemand, der seit 15 Jahren spielt. Vielleicht bist du sogar besser als sie.

Das eigentliche Problem, das wir haben, ist die Entscheidungslähmung. Wenn du anfängst, sagen wir dir: „Du kannst alles tun!“ Und das ist wirklich cool, aber was bedeutet „alles“? Wir müssen erklären, was dieses „alles“ ist.

Zum Glück haben wir in der Erweiterung [„Cradle of War“] ein paar Tools, die dabei helfen. Wir werden alle neuen Spieler, die anfangen, in ein Startersystem namens „Exordium“ stecken. Es liegt im Zentrum der Karte und es gibt dort viele miteinander verbundene Systeme. Die Idee dahinter ist, dass die Leute von anderen auf dem gleichen Skill-Niveau umgeben sind. Sie werden sich an einem sicheren Ort gegenseitig bei Dingen helfen können, der einem die Kernmechaniken des Spiels beibringt.

Caro (MeinMMO): Also wie ein kleines Kinder-Planschbecken?

Peter Farrell: Genau! Sie würden es wahrscheinlich hassen, wenn ich es Planschbecken nenne, aber es ist eine Art sicheres Planschbecken. Und dann schubsen wir dich einfach in den Ozean – aber nicht direkt ins ganz tiefe Ende zu den Haien, sondern wir werfen dich in einen Bereich, der immer noch ziemlich sicher ist. Von dort aus ist die Idee, dass du dich wohl genug fühlst, um fundierte Entscheidungen zu treffen und bewusste Risiken einzugehen, anstatt einfach aus Versehen in eine dunkle Gasse abzubiegen.

Unsere Veteranen-Spieler haben daran auch ein berechtigtes Interesse. Sie wollen, dass mehr Leute das Spiel spielen, weil sie wissen: Wenn mehr Leute da sind, gibt es mehr Aktivität. Alle größeren Gruppierungen haben eigene Ausbildungsorganisationen für neue Spieler. Sobald du deine Leute gefunden hast, wirst du im Spiel hängenbleiben. Sie werden dir den Weg zeigen, ganz egal, was für Guides wir herausbringen oder so etwas.

Nichts ist besser, als einfach mit jemandem zu sprechen, der diese Erfahrung schon gemacht hat, und der sagen kann: „Oh ja, das Spiel sagt dir, du sollst das tun, aber mach das nicht. Mach es so, und dieses Schiff sieht zwar cool aus, aber das hier ist das, welches du wirklich willst“ – ihnen also diese Fähigkeiten beizubringen.

Caro (MeinMMO): Alles klar, also von einem Veteranen wie Ihnen an einen lenkbaren Neuling: Was ist denn das beste Schiff?

Peter Farrell: Mein Lieblingsschiff – ein Spieler hat mir tatsächlich einen Anstecker dafür geschenkt – heißt „Megathron“. Es ist ein Gallente-Schiff, es sieht aus wie ein Roadster und hat einfach die coolste Ästhetik.

Ich suche mir Schiffe danach aus, wie sie aussehen, und versuche dann, meinen Spielstil auf dieses Schiff zu zwingen. Aber die Megathron ist meiner Meinung nach definitiv das Coolste. Ich denke, das ikonischste für EVE ist die „Rifter“. Das ist das kleine Schiff, das in der Eröffnungszeremonie zu sehen war.

Startbereich in Cradle of War
Der Startbereich in Cradle of War

Eine Community, die errichten und genauso schnell zerstören kann

Caro (MeinMMO): Wenn Sie das Fanfest so sehen und wie EVE Online das Spielerlebnis über Jahrzehnte hinweg geprägt hat: Was ist das wichtigste Ziel, um sicherzustellen, dass wir in 10 Jahren immer noch das Fanfest haben und immer noch über rekordverdächtige Schlachten sprechen?

Peter Farrell: Also, wenn es ums Fanfest geht: Wir stecken viel Mühe in die Präsentationen, die die Leute halten, und in das Teilen cooler Infos über das Spiel, aber woran sich die Spieler wirklich erinnern werden – und das kann ich als jemand, der das Fanfest schon als Spieler erlebt hat, mit Zuversicht sagen –, ist einfach das Treffen mit Freunden, den Leuten, mit denen sie zusammen fliegen. Und wir haben Leute hier, die seit 23 Jahren dabei sind.

Es ist wirklich die Community, die die Leute zusammenhält, und die Geschichten, die sie erzählen. Die Tatsache, dass ich im Spiel etwas tun kann, das für alle permanent ist … So nach dem Motto: Jeder muss es miterleben, egal was passiert. Die Geschichte zählt wirklich, und die Tatsache, dass jeder diese Geschichte mitgestalten kann, ist supercool.

Es ist absolut „EVE Forever“, das ist definitiv das Ziel, das wir vor Augen haben, und alles, was wir tun, ist darauf ausgerichtet.

Caro (MeinMMO): Also, nach dem, was ich aus diesem Gespräch entnehmen kann, ist die Community von EVE Online eine Community, wie man sie nicht in jedem Spiel sieht. Sie haben gesagt, dass Spieler sehr einladend sind und neue Spieler gewinnen wollen. Im Vergleich zu anderen Games kann das ganz anders aussehen. In einigen anderen Spielen trittst du bei, und weil du der unerfahrene Neuling bist, hassen dich alle. Ist EVE da wirklich so anders?

Peter Farrell: Ja, es ist wirklich genau so. Und das ist mein Lieblingsding, weißt du? Jeder hat diesen Spießrutenlauf hinter sich, EVE Online zu lernen. Alle wissen, wie schwer es ist. Wenn es also jemand schafft, ist es, als wäre man in einer Gemeinschaft von Leuten, die eines der schwersten Spiele überlebt haben.

Und die Leute? Die Spieler sind so nett, ich kann es gar nicht … Es ist schwer zu beschreiben, wie großartig sie sind. Wenn man da unten [am Veranstaltungsort] auch nur fünf Minuten verbringt, kommt jemand auf einen zu, fragt, wie es einem geht, und vor allem, mit wem man fliegt. Und selbst wenn man quasi ein Feind ist, sagen sie: „Ah, ist schon gut, hier bist du mein Freund, lass uns was trinken gehen, lass uns über dein Lieblingsschiff reden.“

Caro (MeinMMO): Waffenstillstand auf dem Fanfest!

Peter Farrell: Ja, ja, ja, genau! Es gibt da eine Art Waffenstillstand, weil es Gruppierungen gibt, die im Spiel erbitterte Feinde sind. Aber wenn sie hier sind, erkennen sie das an, was wir alle gemeinsam haben, nämlich die Liebe zum Spiel.

Ich weiß nicht genau, was es mit den EVE-Spielern auf sich hat, aber wir haben so viele Gemeinsamkeiten – und offensichtlich bin ich ja selbst einer der EVE-Spieler –, aber ja, ich weiß nicht. Es scheint einfach alles Sinn zu machen. Es ist einfach dieser ganze Sci-Fi-Spaß. Die Leute nehmen die Dinge ernst, aber sie wissen auch, wann sie sich selbst zu ernst nehmen.

Caro (MeinMMO): Gibt es etwas, das Sie an Ihrer Community als Ganzes wirklich schätzen, besonders aus der Perspektive des Community-Leads?

Peter Farrell: Eine meiner Lieblingssachen, die EVE-Spieler tun, ist, dass sie Charity-Livestreams veranstalten, wann immer es einen guten Zweck gibt, den die Spieler unterstützen. Und manchmal ist das auch ein wenig tragisch. Wenn man an ein Spiel denkt, das 23 Jahre alt ist, denkt man nicht daran, dass man es mit dem Tod eines Spielers zu tun bekommen kann – das ist nichts, womit man rechnet.

Deshalb haben die Spieler dieses Monument im Spiel geschaffen, an dem man eine kleine Flagge oder einen kleinen Container abwerfen und einen Namen darauf schreiben kann, im Sinne von „Ruhe in Frieden, mein Freund Soundso“ – mit ihrem EVE-Namen. Und wir haben das in ein echtes Denkmal im Spiel verwandelt, das Spieler besuchen können.

Wir haben einige Strukturen darum herum platziert, damit niemand es beschädigen kann und damit die Container niemals verschwinden. Und allein die Tatsache, dass wir eine Gedenkstätte in einem Videospiel haben und dass die Spieler diejenigen waren, die damit angefangen haben – ich finde, das sagt so viel über sie aus.

Caro (MeinMMO): Ich meine, nach dem, wie Sie es beschreiben, bietet ihr den Spielplatz mit all diesen großartigen Dingen und Möglichkeiten, und die Spieler machen es sich einfach zu eigen.

Peter Farrell: Und sie machen alles kaputt! [Er lacht]

Caro (MeinMMO): Sie gestalten es und dann zerstören sie es!

Peter Farrell: Ja, ja, und wir könnten ihnen jedes erdenkliche Werkzeug geben – egal, was wir ihnen geben, wir wissen, dass sie es irgendwie kaputt machen werden.

Caro (MeinMMO): Das mag eine wirklich dumme Frage sein – sie steht nicht einmal auf meinem Interviewzettel hier –, aber was für eine Art von Spieler zieht EVE an, dass diese so engagiert sind, Hunderte von Stunden in den Aufbau von etwas zu stecken … um es dann zu zerstören? Und sich darüber zu freuen und an dem Verlust Spaß zu haben, anstatt um ihre Arbeit zu trauern?

Peter Farrell: Ja, ich denke, dafür braucht es einen bestimmten Typ Mensch. Aber sobald man ein bestimmtes Level im Spiel erreicht hat und viele Dinge gebaut hat, muss einem klar werden, dass man laut der Lore des Spiels dieser unsterbliche Kapselpilot ist. Du kannst nicht sterben, weißt du?

Wenn deine Kapsel zerstört wird, wird dein Bewusstsein automatisch in einen neuen Körper übertragen. Im Grunde sind die Schiffe, die du fliegst, also dazu da, zerstört zu werden. Und das ist irgendwie der Spaß an der Sache.

Und sobald man diese erste Hürde überwunden hat, öffnet sich das Spiel auf eine neue Art und Weise. Und es gibt Spieler, die einfach nichts mit PvP zu tun haben wollen. Wir reden die ganze Zeit über die großen Schlachten, aber auf jede große Schlacht kommen hundert Leute, die einfach ihr eigenes Ding im Spiel machen und das Universum am Laufen halten.

Da bewegt jemand etwas, jemand baut Material ab, jemand stellt etwas her, und wieder jemand anderes schießt einfach auf NPCs und patrouilliert auf den Weltraumrouten. Es gibt wirklich so viele verschiedene Dinge, die man tun kann. Und die Tatsache, dass das alles auf eine seltsame Art und Weise zusammenarbeitet, ist supercool.

Ein Abschluss mit (wichtigen) Tipps

Caro (MeinMMO): Okay, das ist die letzte Frage. Denken Sie dran, ich bin neu. Ich habe hier alles gesehen und ich möchte spielen. Ich möchte unten im Venue herumlaufen und brauche einen Plan, bevor ich für irgendeine Allianz rekrutiert werde. 

Jetzt ist also Ihre Chance, im Vorfeld einzugreifen: Welcher Fraktion sollte ich mich anschließen? Welche ist die beste? Sie haben mir bereits vom „besten“ Raumschiff erzählt. Jetzt muss ich einer Fraktion beitreten und vielleicht einer Allianz, wer weiß. Jetzt bin ich noch formbar.

Peter Farrell: Exzellent! Also, die Fraktion – sie ist wichtig, aber sie ist auch egal, weißt du? Unabhängig davon, welchen Charakter du wählst, startest du im selben Startgebiet wie alle anderen und hast mehr oder weniger die gleichen Anfangsskills. Das Erlebnis wird sich nicht sonderlich verändern.

Caro (MeinMMO): Aber es ist Flavor? Flavor zählt.

Peter Farrell: Ich habe meine Entscheidung rein nach der Ästhetik getroffen. Die Gruppe, die diese Schiffe im Spiel herstellt [er zeigt auf seinen Anstecker der Megathron, die er vorhin erwähnt hat], heißt Gallente-Föderation. Und ich mag einfach den Stil ihrer Raumschiffe, also dachte ich mir: Ich werde Teil der Gallente!

Aber den nächsten Charakter, den ich erstellt habe – weil ich im Laufe der Jahre ein paar Charaktere gemacht habe –, da habe ich die Caldari gewählt, einfach weil sie zu der Zeit bessere Werte hatten. Es gab mir also … wir reden hier von etwa 30 Minuten Ersparnis im Laufe eines Monats durch all die Boni. Ich finde die Caldari sehr cool, aber die Gallente sind mein Favorit, absolut die Besten.

Caro (MeinMMO): Ja, wenn es ums Auswählen geht, bin ich auch eher für Stil statt für das, was theoretisch stärker ist. Ich brauche Flair.

Peter Farrell: Ja, ja, ja, ich bin quasi ein Gefangener der Ästhetik und mag einfach den gesamten Vibe, deshalb liebe ich die Gallente-Charaktere einfach. Und ihre Geschichte im Spiel ist ziemlich cool. Wir hatten die Gallente-Wahlen, bei denen die Spieler den neuen Präsidenten für die Ingame-Fraktion wählen durften, und es hat wirklich Spaß gemacht, ihnen dabei zuzusehen.

Also ja, sie sind meine Favoriten. Und ihr Weltraumgebiet ist auch ein bisschen grün, und ich mag Grün. Jedes Weltraumgebiet hat seine eigene kleine Farbpalette. Die Caldari haben viel Blau, die Minmatar viel Rot und die Amarr viel Gelb und Gold. Aber ich dachte mir: Die Gallente haben das Grün und Türkis, das spricht mich einfach an.

Caro (MeinMMO): Türkis ist meine Lieblingsfarbe. Schön! Okay, ich kenne mein Schiff, ich kenne meine Fraktion. Vielleicht trete ich einer Allianz bei, sobald ich unten bin. Wir werden sehen. Ich denke, ich bin vorbereitet! Vielen Dank!

Peter Farrell: Oh, vielen Dank! Das war ein tolles Gespräch!

Nach dem Interview mit Peter Farrell begab ich mich weiter durch das EVE Fanfest, um selbst herauszufinden, ob die Community von EVE wirklich so offen und hilfsbereit ist, wie er es mir versprach.

Neben verschiedenen Ankündigungen, auch zu der genannten Erweiterung „Cradle of War“, sprach ich auch mit Spielern, darunter einem, der für das Fanfest sogar seinen Wohnort gewechselt hat. Mehr zu meinen Eindrücken zum Fanfest und der Einstiegsfreundlichkeit des Weltraum-MMOs findet ihr hier: Auf dem EVE Fanfest habe ich verstanden, warum die Community das Weltraum-MMO so liebt

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