Wie bei Game of Thrones – Destiny 2 ist kein neues Spiel, nur neue Staffel

Der Gameplay-Reveal von Destiny 2 hat manche irritiert. Das ist doch kein neues Spiel! „Ja, das stimmt. Damit hat aber auch keiner gerechnet“, glaubt unser Autor Schuhmann. Im Vertriebsmodell ähnelt die Destiny-Franchise einer TV-Serie wie Game of Thrones eher als einer „klassischen Spiele-Serien.“

Beim Gameplay-Reveal zu Destiny 2 konnte man gut sehen, wer Destiny lange gespielt hat und wer nicht:

  • Es gab jene, die den nächsten Schritt sehen wollten, den ihr Lieblingsspiel macht.
  • Und es gabe die, die reingeschaut haben, um die Spielvorstellung eines großen neuen AAA-Games zu erleben.

Eine Gruppe von denen saß am Ende mit einem seligen Grinsen da. Die anderen zuckten mit den Achseln und konnten nicht verstehen, was der ganze Aufriss sollte. Der Begriff „Destiny 1.5“ machte die Runde.

Fans feiern Destiny 2 – neutrale Zuschauer wundern sich

Fans im Saal und Youtuber, die den Shooter seit Jahren begleitet haben, brachen bei der Präsentation in Jubel aus. 400.000 sahen bei Twitch zu. Auf reddit feierten die Moderatoren jedes Detail, jede Neuerung. Änderungen an einzelnen Fähigkeiten wurden wohlwollend registriert. Die Fans freuten sich darüber, wenn alte Bekannte zu sehen waren. Szenenapplaus ertönte für eine Waffe, die in Destiny 1 nur als Phantom in der Datenbank existiert hat.

Was bei anderen nur Fragezeichen auslöste: „Wer ist der Typ und warum ist er blau?“, wärmte dem Hardcore-Destiny-Fans das Herz: Da ist mein Chef, Zavala, und der war mal genauso ein Noob wie ich!

Als dann Gameplay zu sehen war, rieben sich neutrale Zuschauer die Augen: Das sind doch dieselben Gegner wie in Jahr 1? Dieselbe Grafik, dasselbe Prinzip? Sogar dieselben Klassen sind das! Was soll denn da neu sein? Warum ist das ein neues Spiel und keine Erweiterung?

Neue Staffel in erfolgreicher TV-Serie

Sie haben mit den Fragen völlig Recht.

Destiny 2 ist kein neues, innovatives Spiel. Destiny 2 verhält sich zu Destiny nicht so wie sich Nachfolge-Titel in einer Serie normalerweise zu ihrem Vorgänger verhalten, wie sich ein Diablo 2 zu Diablo 1 verhält oder gar ein Guild Wars 2 zu einem Guild Wars 1.

Sondern Destiny 2 ist wie die nächste Staffel in einer erfolgreichen TV-Serie.

Es gibt einige Änderungen an der Grundformel, aber viel ändert sich nicht: Es sind dieselben Schauspieler, dieselben Kulissen, dieselben Themen.

destiny-2-amandaDas war gut! Davon will ich mehr!

Und genau das haben die Fans erwartet. Denn der erste Teil von Destiny hat sich „unfertig“ angefühlt, weil Destiny wie eine TV-Serie aufgebaut war, in der das Ende gefehlt hat. Und von Serien will man immer mehr.

Niemand denkt doch nach der ersten Staffel von Game of Thrones „Gut, das reicht mir jetzt aber! Schön, dass ich mir das angeschaut habe. Ich bin gespannt, was die Produzenten Neues machen!“, sondern sie sagen: „Das war gut! Davon will ich mehr! Wie geht’s weiter? Wann geht’s weiter?“

Es hatte niemand in Destiny 1 das Gefühl: „Jetzt ist es zu Ende.“ Das Gefühl war „Das war jetzt der Anfang. Ich will mehr.“

Und genau das will ihnen Destiny 2 liefern.

Das Vertriebsmodell von Spielen wie Destiny oder The Division, „Games-as-a-service“, ähnelt eher dem einer TV-Serie als dem eines Films. Und das ist die logische Konsequenz: Ein Destiny 2 fühlt sich nicht wie ein neuer Film an, sondern wie die neue Staffel einer Fernsehserie.

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Richtungsweisend war schon König der Besessenen in 2015

So wie Destiny bei Release war, hat das Spiel nicht funktioniert: Die Formel war fehlerhaft. Deshalb wurde die Formel schon mit der ersten Erweiterung „König der Besessenen“ im September 2015 angepasst. Mit diesen Änderungen:

  • mehr MMO-Elemente
  • mehr Story
  • mehr Quests
  • mehr zu tun.

Den wegweisenden Schritt ist Bungie also schon 2015 gegangen und geht diesen Weg mit Destiny 2 nun weiter.

Es kommen keine großen Innovationen mit Destiny 2, weil keine notwendig sind. Das Spiel funktioniert – und was nicht kaputt ist, muss auch keiner reparieren.

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Destiny muss sich nicht neu erfinden

Der Weg von Destiny ist seit 2015 klar vorgezeichnet, er muss jetzt nur gegangen werden. Das Problem der letzten Jahre war es, dass keine Schritte in die richtige Richtung gemacht wurden. Es kamen keine Spielinhalte mehr. Die Richtung war aber klar zu erkennen.

Im Gaming gibt es einige Spieleserien, die erschöpft sind und die sich nach zahllosen Teilen dringend selbst neu erfinden müssen. Aber: Destiny gehört NICHT zu diesen Spiele-Serien. Destiny muss sich nicht neu erfinden, weil’s keiner mehr sehen kann, sondern bei Destiny rufen die Fans seit 2 Jahren nach „Zugabe.“

Und mit Destiny 2 kommen diese Schritte, es kommt die Zugabe. Das sehen die Fans und sie freuen sich darüber. Einige Änderungen braucht die Formel dennoch dringend und die kommen wohl.

Änderungen an der Grundformel an der Spielmechanik – aber auch Sorgen

Interessant ist jetzt zu beobachten, wie Bungie genau die Formel ändert:

Das alles ist positiv zu bewerten.

Aber dicke Probleme gibt es derzeit mit den „technischen Details.“

  • Sorgen macht den Fans vor allem, dass Bungie sich nicht dazu entschlossen hat, dedicated Server springen zu lassen.
  • Auch das Cap auf 30 FPS bei PS4 und XBox One in 2017 lässt so manchen Fan hart schlucken
  • und dass der PC-Port noch kein Release-Datum hat, sondern später als die Konsolen-Versionen kommen soll, ist Grund zum Ärger

Das ist aktuell für die Hardcore-Fans ein viel größeres Problem, als dass sich Destiny 2 nicht „wie ein neues Spiel“ anfühlt.

Mara-Sov-DestinyBungie muss bei Destiny nun auch mit den Nachteilen einer TV-Serie leben

Allerdings, wenn Bungie wie eine TV-Serie bewertet werden will, müssen sie auch die Nachteile des Modells in Kauf nehmen.

Auch wenn jetzt der Neueinstieg dank des Reboot-Charakters funktioniert, wird’s immer schwieriger werden, neue Spieler zu finden. Dann wird Bungie darauf angewiesen sein, die bestehende Spielerbasis zu halten.

Die Frage ist, ob es Bungie gelingt, die Content-Armut nach dem Release langfristig zu lösen, ob sie Destiny 2 bedeutsam weiterentwickeln können. Um beim Serienbild zu bleiben: Der Release von Destiny 2 ist nur eine erste starke Folge, danach müssen weitere gute Episoden kommen, bevor man sagen kann: „Das war eine gute Staffel.“

Außerdem: Wenn eine Staffel mal in die Hose geht und überhaupt nicht funktioniert, dann ist die Zukunft der ganzen Serie gefährdet.


Mit dem Prinzip, dass Destiny wie eine TV-Serie funktioniert, haben wir uns hier beschäftigt:

Destiny, The Division: 1000 Stunden Spielzeit und trotzdem enttäuscht

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