Ich fliege euch in Wardogs jetzt mit einem richtigen Steuerknüppel in den Tod, aber ereignisloses Gameplay hat noch nie so viel Spaß gemacht

Dariusz Pilotenbrille mit HOTAS

MeinMMO-Redakteur Dariusz hat sich einen Steuerknüppel gekauft, um damit in Wardogs Helikopter zu fliegen. Nach holprigen Anfängen berichtet er euch nun von seinen ersten Flugversuchen.

Ich habe mir im September einen sogenannten HOTAS gekauft, das steht für „Hands On Throttle And Stick“. Das ist also ein Steuerknüppel, der mit den Händen bedient wird. Die Funktionsweise ist dabei ähnlich wie in echten Helikoptern:

  • Stick nach vorn = Nase runter
  • Stick nach hinten = Nase hoch
  • Stick nach links = Rolle nach links
  • Stick nach rechts = Rolle nach rechts

Außerdem sind an dem Stick verschiedene Knöpfe, auf die sich Funktionen wie Schießen, Nachladen, Waffe wechseln, Push-to-talk, Gegenmaßnahmen, Freelook oder das Aussteigen legen lassen. Es gibt auch einen Schubregler, der den Kollektivhebel eines realen Helikopters ersetzt und den Auftrieb für Steig- oder Sinkflüge regelt.

Dabei habe ich mich für einen „VKB Gladiator NXT EVO“ entschieden. Ich kann euch hier aber keine Kaufberatung anbieten, da ich selbst kompletter Neuling auf dem Gebiet bin. Meine eigene Kaufentscheidung fiel aufgrund von kurzer Recherche und Fremdmeinungen im Internet. Mein Ersteindruck ist aber sehr positiv. Alles wirkt wertig, funktioniert einwandfrei und die Montage sowie Einrichtung war auch relativ simpel.

Dariusz der federlose Bruchpilot

Das Fliegen in Wardogs ist mit einem Steuerungsknüppel anders als mit anderen Eingabemethoden. Ganz anders. Meine ersten Flugversuche endeten tragisch, in Flammen und Metallschrott. Abheben, ein paar Meter fliegen und grob eine Richtung einschlagen ging ganz gut, aber präzise Hindernissen ausweichen oder gar landen war ein Problem.

Der Stick gab mir viel mehr Kontrolle über das Verhalten des Helikopters, aber er verlangte mir dann auch ab, dass ich ihn führte. Plötzlich merkte ich jede Bewegung und musste die Ausrichtung meines Fluggeräts durchweg anpassen. Und da es für mich eine völlig neue Art der Steuerung war, verlief das bei weitem nicht so intuitiv, wie wenn ich einen Controller oder meine Maus und Tastatur nutzte.

Und dann machte der neugierige Dariusz einen Fehler.

Ich kann meinen Stick auf zwei verschiedene Arten nutzen. Mit oder ohne Federn. Die Federn sind standardmäßig installiert und bewirken, dass sich der Stick automatisch in die zentrale Ausgangslage zurückbewegt. Das soll – wie ich gelesen habe – bei Helikoptern allerdings nicht realistisch sein. Deshalb könne man diese Federn ausbauen, um ein noch echteres Gefühl beim Fliegen zu bekommen. Ich dachte mir: „Es ergibt doch Sinn, das dann direkt richtig zu lernen.“

Ich schraubte also die Basis meines Sticks auf und entfernte die Federn. Anschließend musste ich die Dämpfer einstellen, damit der Stick nicht einfach wahllos in alle möglichen Richtungen fällt. Er sollte quasi in der Position bleiben, in der ich ihn loslasse, und weder in eine Richtung kippen noch ins Zentrum zurückkehren.

Anschließend wurden Helikopter zerstört.

Über 2 Stunden lang bin ich auf dem Schießstand von Wardogs meine Trainingsflüge geflogen. Jeder einzelne Versuch endete dabei mit einer Explosion. Die ersten Male habe ich es nach dem Abheben kaum geschafft, den Spawnbereich zu verlassen. Ich kippte, raste auf den Boden zu, verlor die Kontrolle oder umarmte unfreiwillig nahegelegene Bäume, Masten, Türme und Gebäude.

Selten habe ich mich beim Gaming so unfähig gefühlt, wie bei den Versuchen, ohne Federn einen Helikopter zu fliegen.

Nach mehreren Stunden der Übung schaffte ich es zumindest gelegentlich, bis in den Bereich der Map zu fliegen, in dem in richtigen Matches die Zone wäre. Hierbei musste ich jedoch durchgehend oberhalb der Häuser aufhalten, was in einem richtigen Match sofort zu einem schnellen Flammentod führen würde. Die Anti-Air-Maßnahmen würden aus mir schlichtweg Gulasch machen.

Langsam verließ mich die Motivation. Ich merkte in den Stunden des Trainings kaum Fortschritt, und so ließ der Spaß stetig nach, während die Frustration stieg.

Das große Problem war deutlich: Ich bekam es nicht hin, den Helikopter beim Fliegen kontrolliert zu balancieren. Einfach ruhig und gerade zu hovern, geschweige denn zu fliegen, war für mich nicht möglich. Das machte das Manövrieren extrem schwierig. Ich konnte nicht mal sicher sagen, ob ich den Stick beim Kalibrieren perfekt zentral ausgerichtet habe.

Irgendwann gab ich es auf, schraubte die Basis des Sticks ein weiteres Mal auf und setzte die Federn wieder ein. Das war etwas Fummelarbeit, aber schnell erledigt.

Jetzt sollte erst das richtige Training beginnen.

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Mit den Federn verliefen meine Flugversuche direkt deutlich besser. Ich kam durchgängig bis zur Zone und konnte schon bald kontrolliert zwischen Gebäuden herfliegen, mich im Tiefflug unterhalb der Baumkronen einer Landezone nähern und insgesamt deutlich besser die Bewegungen des Helikopters steuern.

Bevor ich mich jedoch in öffentliche Lobbys wagte, musste die Landung sitzen – schließlich möchte ich weder dutzende Helikopter schrotten und Geld verschwenden, noch meine Passagiere in den Tod führen. Beim Versuch zu landen bemerkte ich jedoch den Unterschied zu realen Helikoptern:

Der Schubregler zur Kollektiv-Steuerung.

Der Schubregler sitzt an der Basis des Sticks mittig auf der Vorderseite. Diesen mit der linken Hand zu bedienen, während ich den Stick mit der rechten bewegte, fühlte sich komisch und unnatürlich an – vor allem bei der sogenannten J-Hook-Landung, bei der ich eine Kurve fliege, um schnell Geschwindigkeit zu verlieren. Echte Helikopter haben hierfür einen Hebel neben dem Sitz, der mit der linken Hand bedient wird.

Nach kurzer Eingewöhnungszeit blieb das Landen reine Übungssache. Die Schwierigkeit lag in erster Linie darin, relativ gleichmäßig den Schub zu verringern und sanft aufzusetzen, ohne zu kippen.

  • Verringerte ich meine Höhe zu schnell, beschädigte ich den Helikopter oder kippte um.
  • Verringerte ich sie zu langsam, schwankte der Helikopter wie ein Boot bei starkem Wellengang. Dann ist mit dem Stick viel Arbeit notwendig, um ihn wieder zu fangen, wenn ich noch im selben Anflug landen will. Leichter war es dann oftmals, erneut an Höhe zu gewinnen und einen zweiten Landeanflug zu initiieren.
  • Und hatte ich den Heli nicht passend ausgerichtet, bevor er aufsetzte, kippt er ebenfalls schnell um

Mit dem Little Bird war das alles jedoch schnell gemeistert. Mit dem Lakota, einem großen, schweren Transporthelikopter, sah das anders aus.

Der Lakota fliegt sich wie eine Badewanne, die bis zum Rand gefüllt ist und im offenen Meer ohne Ruder umhertreibt. Jede Bewegung führt dazu, dass er hin und her schwingt. Neigt man ihn mit der Nase zu sehr nach unten, kann er einen unbeabsichtigten Salto machen und unkontrollierbar abstürzen. Fliegt man eine Kurve zu schnell und rollt ihn dabei zu stark in eine Richtung, droht ebenfalls der Tod. Und wenn er erstmal Tempo aufgenommen hat, ist das Manövrieren sowieso nur noch sehr schwerfällig möglich – eben wie eine Badewanne auf hoher See.

Da er obendrein groß und sperrig ist, stellte das Landen in relativ engen Gebieten oder auf unebenen Flächen eine Herausforderung dar. Komischerweise kippt dieses tonnenschwere stählerne Riesenvieh nämlich schneller um als ein Kartenhaus im Wind. Er darf beim Aufsetzen also auf GAR KEINEN FALL auch nur minimal unausbalanciert sein, was mit dem Stick stetige Korrekturen erforderte.

Als ich auch den Lakota meisterte, fehlte nur noch eine Sache: Combat.

Wieso ausgerechnet Wardogs?

Das Fliegen in Wardogs ist tatsächlich richtig cool und ein wichtiger Bestandteil des Spiels. Man muss als Pilot nicht nur kämpfen, sondern kann auch Passagiere in die Zone oder Nachschublieferungen zu unseren Basen fliegen. HOTAS-Systeme werden zudem nativ unterstützt und – ganz wichtig – Wardogs hat einen Schießstand, auf dem ich in Ruhe ohne andere Spieler üben kann.

Nachdem ich mich mit der Steuerung von den Helikoptern in Wardogs vertraut machte und immer besser wurde, entschied ich mich dazu, mein Gameplay auf die nächste Stufe zu bringen und mir einen HOTAS zu kaufen.

In der Theorie kann ich kämpfen, in der Praxis … nicht so

Wie ich meinen Helikopter in Kampfsituationen bewege, kenne ich bereits aus verschiedenen anderen Spielen. Jetzt muss nur noch die praktische Umsetzung mit dem Stick klappen.

Ich suchte mir auf dem Schießstand also Dächer von Gebäuden und Türmen, auf denen in Online-Matches oftmals einzelne Spieler hocken, und übte, diese unter Beschuss zu nehmen. Hierbei waren mir vor allem zwei Vorgehensweisen wichtig:

  1. Das Kreisen um die Gegner herum
  2. Kurze, schnelle Strafing-Runs

Beim Kreisen kam es mir vorrangig darauf an, währenddessen möglichst durchgängig mit dem Fadenkreuz auf meinem Ziel bleiben zu können und parallel durch Veränderung der Flughöhe auch Hindernissen auszuweichen. Mir kam dabei zugute, dass ich das grundlegende Prinzip schon mit anderen Steuerungsgeräten beherrschte. Besonders größere Ziele wie Spawnfahrzeuge oder die Artillerie, die oftmals stationär sind, konnte ich schon nach kurzem Training erfolgreich zerstören.

Dann ging es endlich auf richtige Server.

Selten hatte ich so viel Spaß an ereignislosem Gameplay

Nach über 20 Stunden auf dem Schießstand habe ich mich endlich mit dem Stick auf die Online-Server in Wardogs gewagt. Die freudige Nachricht zuerst:

Ich habe nicht ein einziges Teammitglied durch pure Inkompetenz ermordet.

Tatsächlich lief das Fliegen insgesamt ziemlich gut. Zunächst habe ich mich für ein Match auf den Little Bird beschränkt und Passagiere in die Zone geflogen. Dabei war ich jedoch nur wenig gefordert, denn viele Spieler sind mit dem Fallschirm rausgesprungen, ehe ich landen konnte.

Es gelang mir aber richtig gut, im Tiefflug zwischen den Bäumen die Anti-Air-Maßnahmen zu vermeiden und sicher in die Zone zu gelangen sowie zum Hauptquartier zurückzukehren. Dort ist das Landen ohnehin super einfach – und wenn doch mal was passiert, verliert niemand seine Ausrüstung und der Heli wird repariert.

Mit dem Lakota ging es genauso erfolgreich weiter. Hier war ich jedoch deutlich vorsichtiger und nahm bei meinen Anflügen auf befreundete FOBs frühzeitig Tempo raus, um mich dem Zielort kontrolliert zu nähern und die Nachschubpaletten abwerfen.

Das sollte kurz darauf über Stunden meine Beschäftigung sein. Immer wieder flog ich zwischen HZ und FOBs hin und her und lieferte Nachschub aus. Dabei war ich selten in Gefahr und finanziell durchgängig im Plus. Stress spürte ich keinen. Während die Infanteristen meines Teams in der Hotzone schwitzend um ihr Leben kämpften, machte ich mir Musik an und saß singend in meinem Helikopter.

Es war ein entspanntes, nahezu ereignisloses Gameplay und trotzdem hatte ich unheimlich viel Spaß.

Das Fliegen des Helikopters mit dem Stick fühlt sich einfach extrem gut an. Es macht Spaß und beschäftigt mich als Spieler, weil durchgängig Eingaben und Kurskorrekturen erforderlich sind. Gleichzeitig ist es immersiver als die Steuerung mit Maus und Tastatur und präziser als ein normaler Controller.

Ich habe noch nie eine Flugsimulation gespielt und werde das ohne Combat wohl auch nie tun. Trotzdem bin ich außerordentlich zufrieden mit meinem Kauf und bereue ihn nicht. Der Einstieg erforderte etwas Übung, war aber angenehmer und (zumindest mit Federn) deutlich leichter als befürchtet. Ich werde das Gerät noch viele Stunden nutzen und mir voraussichtlich noch einen separaten Schubregler kaufen, den ich mit der linken Hand steuern kann – da warte ich allerdings noch auf ein Angebot. Bis dahin fliege ich mit meiner aktuellen Ausrüstung.

Habt ihr schon mal überlegt, einen HOTAS zu kaufen und damit in Shootern zu fliegen, oder besitzt sogar schon einen? Wie sind eure Erfahrungen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!

Wardogs kann man aber tatsächlich auf viele verschiedene Wege spielen und daran Spaß haben. Ich kämpfe mich auch gerne als Infanterist durch die Hotzone und nehme feindliche Basen ein. Wie eine solche Runde verlaufen und zu einem fulminanten Comeback führen kann, erzähle ich euch in diesem Artikel auf MeinMMO: Wenn ich Wardogs nicht schon lieben würde, hätte mich eine einzige Runde zum Fan gemacht

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