Wardogs kassiert heftige Kritik, weil der PvP-Shooter den Fortschritt seiner Spieler löschen will, aber es gibt starke Gründe, die dafür sprechen.
Mit dem Start von Season 2 am 15. Oktober 2026 wird es in Wardogs den ersten Wipe geben. Dabei setzt der PvP-Shooter den Fortschritt aller Spieler zurück. Diese verlieren dann das im Spiel verdiente Geld, das erreichte Level und die freigeschalteten Objekte (Waffen, Rüstungen, Fahrzeuge etc.). Lediglich das angesammelte Gold bleibt erhalten.
Nach Season 2 sollen Wipes regelmäßig durchgeführt werden. Zukünftige Seasons sollen jedoch länger gehen als die erste. Diese ist bewusst kurz gehalten, damit die Entwickler im ersten größeren Update Anpassungen und Balancing-Änderungen vornehmen können, die sich aus den Daten und Spielerfahrungen der ersten Wochen ergeben.
In den sozialen Netzwerken kassiert Wardogs wegen der Wipes heftige Kritik. Viele Spieler meinen, der Grind für gewisse Freischaltungen wie den Panzer, bestimmte Waffen, das Infrarot-Fernglas und Klasse‑4-Armor/Helme etc. dauere zu lange, um den Fortschritt zurückzusetzen. Manche meckern, weil sie diese Sachen wohl nie oder nur kurze Zeit spielen werden und keine Lust haben, denselben Grind nächsten Monat zu wiederholen.
Ich bin allerdings fest überzeugt, dass Wardogs mit Wipes ein besseres Spiel ist und regelmäßige Resets sogar dringend benötigt.
Wipes sind unabdingbar für die Progression innerhalb einer Season
In Wardogs verändert sich das Gameplay und die Meta des Spiels im Verlauf einer Season, wenn die Spieler immer fortschrittlichere Objekte freischalten. Das ist ein fester Bestandteil des Spiels.
Am Anfang laufen alle mit geringer Panzerung und schlechten bis mittelmäßigen Waffen herum. Auch die guten Visiere, Griffe und Mündungen müssen erst freigeschaltet werden. Zudem sieht man für kurze Zeit nur unbewaffnete Little Birds am Himmel und die Straßen sind frei von Humvees oder Panzern. Es gibt auch noch keine Artillerie, die vom Zonen-Rand eure FOB bombardiert.
Einige Wochen später sind Panzer, Havocs und Little Birds mit Raketen in jeder Runde. Jeder zweite Spieler läuft mit Stufe-4-Rüstungen und -Helmen oder mit Infrarot-Ferngläsern herum, die jeglichen Wallhack überflüssig machen. Und Rückstoß gibt es bei Waffen wie dem M4 oder der Vektor sowieso kaum.
Mit dem Wipe können wir jede Season Wardogs nochmal so spielen, wie es sich in den ersten Stunden nach dem Early-Access-Release angefühlt hat, und uns erneut auf spätere Freischaltungen freuen. Dadurch bleibt das Spielgefühl frisch und abwechslungsreich, wie Spiele wie Escape from Tarkov seit Jahren zeigen.
Eine festgefahrene Meta gibt es dabei nur sehr eingeschränkt, bis der Großteil der Spieler den jeweiligen Konter oder die nächstbessere Option freigeschaltet hat. Und da die Entwickler weiterhin neue Inhalte und Balancing-Anpassungen nachliefern, ist es gut möglich, dass sich selbst im Early-, Mid- oder Endgame Variationen in der Meta auftun.
Wipes lösen das größte Problem von Wardogs: das Endgame
Das Endgame von Wardogs ist nicht darauf ausgelegt, dass es permanent gespielt wird. Es gibt zwar für alles einen gut funktionierenden Konter, doch schon jetzt zeigt sich, dass gewisse Spielinhalte schneller zu Frustration führen als andere.
Am vergangenen Wochenende sah ich etwa vermehrt meckernde Nachrichten von frustrierten Spielern im Ingame-Text-Chat von Wardogs, die beispielsweise über die Kampf-Helikopter oder Panzer meckerten. Andere unterstellten ihren Gegnern, dass sie cheaten würden – dabei nutzten diese Personen lediglich sehr exzessiv das Infrarot-Fernglas.
Besonders der starke Kampf-Helikopter „Havoc“” war immer wieder ein Thema. Wenn ein guter Pilot mit dem schwerbewaffneten Ungetüm fliegt, beherrscht er die Map.
Reine Infanterie-Server mit ausschließlich Transport-Fahrzeugen sind jedoch auch nicht die Lösung, da beispielsweise Passagiere mit Granatwerfern aus Little Birds oder Humvees herausschießen können – unabhängig davon, dass der bewaffnete Humvee auf Infanterie-Servern ohnehin erlaubt ist.
Insgesamt ist das Frust-Potenzial im Endgame von Wardogs viel größer als im Early-Game.
Das größte Problem des Endgames ist aber nicht, dass dort die Fahrzeuge, Waffen, Gadgets und die Ausrüstung insgesamt viel stärker sind. Das größte Problem ist die geringe Masse an spielbaren Inhalten.
Viele Spieler haben 3 Wochen nach Release mehrere Millionen in Wardogs erspielt und Level 100 schon lange überschritten. Einen Havoc, Panzer oder ein Highend-Loadout zu kaufen, ist für sie kein riskantes Investment mehr, sondern eine alltägliche Anschaffung. Wie ein Maler, der Farbe kauft.
Ohne einen Wipe würden die Ersparnisse ins Unermessliche steigen. Irgendwann müsste niemand mehr auf sein Geld achten. Jeder kann durchgehend das teuerste und beste Gear kaufen. Es würde sich extrem schnell eine Meta festigen und jegliche Abwechslung ginge verloren.
Während Wardogs in den ersten Tagen nach Release ein halbwegs realistischer Shooter mit Anleihen einer Militärsimulation und relativ niedriger TTK war, bliebe dann nur noch der Kampf gegen Juggernaut-Rüstungen und Havocs, die normale Infanteristen härter auseinandernehmen als jeder Boss in Elden Ring es könnte.
Sogar die Gelegenheitsspieler würden Endgame-Freischaltungen spammen, bis ihnen das zu langweilig wird und sie dem Spiel den Rücken kehren.


Ihr sollt nicht jede Klasse maxen
Bevor ich darauf eingehe, weshalb Wipes auch für Casual-Spieler gut sind und diese davon am meisten profitieren, gibt es einen kurzen Exkurs zum Thema Endgame und dem Fortschritt-System:
Gelegenheitsspieler sollen in Wardogs nicht jede Klasse maximieren.
Ihr müsst für euch selbst erkennen, welche Klassen ihr gerne spielt und diese dann gezielt leveln. Ihr könnt auch mehrere Klassen leveln, aber es ist nicht gedacht, dass ihr mit 5-10 Spielstunden pro Woche in jeder Rolle über Level 35 erreicht.
- Wenn ihr am liebsten mit dem Defibrillator eure Mitspieler wiederbelebt, levelt den Sanitäter
- Seid ihr leidenschaftliche Panzerfahrer, levelt den Fahrer
- Habt ihr im Infanterie-Kampf am meisten Spaß, fokussiert euch auf den Sturmsoldaten
- Fühlt ihr euch als Sniper am wohlsten, erfüllt eure Aufgaben als Aufklärer
- Liebt ihr es, Helikopter zu fliegen, spielt Runden über Runden den Piloten
Ich spiele jede Rolle gerne, inklusive des nicht in der Aufzählung erwähnten FOB-Baumeisters. Das heißt auch, dass ich keine Klasse in vollem Potenzial ausnutze, aber das habe ich mir so ausgesucht. Es ist kein Fehler des Fortschritt-Systems und auch kein Gegenargument gegen Wipes. Das ist meine Entscheidung, meine Spielweise und somit auch mein Fehler.
Casuals profitieren am meisten von den Wipes
Ein großer Diskussionspunkt rund um die Wipes ist die Rolle der Casual-Spieler. Es gibt zwei Aspekte, die genannt werden, weshalb das Löschen des Fortschritts für diese Spieler schlecht sei:
- Sie haben aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit, Familie, anderen Hobbys etc. keine Zeit oder Lust, den mühseligen Grind von Wardogs zu wiederholen.
- Sie seien gegen Vielspieler im Nachteil, weil sich diese das Highend-Gear jede Season erspielen, während Casual-Spieler befürchten, es gegebenenfalls innerhalb einer Season nicht zu schaffen, sich alles freizuschalten.
Zu Punkt 1: Pech gehabt. „Keine Lust“ ist kein Grund, das Spieldesign im schlimmsten Fall für alle Spieler zu verschlechtern. Die Entwickler sollten hierbei schlichtweg ihrer Design-Philosophie treu bleiben.
Zu Punkt 2: Casual-Spieler profitieren von den Wipes am meisten.
Vielspieler sind bereits 2-3 Wochen nach Release mit der besten Ausrüstung unterwegs. Casuals erreichen das gleiche Level erst mehrere Wochen später. Bis dato sind sie stark im Nachteil, verlieren zwischenzeitlich vielleicht sogar aufgrund von Panzern, Havocs und Endgame-Rüstung die Lust und machen eine Pause oder zocken andere Spiele. Der Unterschied zwischen Vielspielern und Casuals wächst dabei immer weiter an.
Wenn jemand beispielsweise 1,5 Monate nach Release noch nicht Wardogs-Level 60 erreicht hat oder neu mit Wardogs anfängt, hat dieser in normalen Infanterie-Kämpfen gegen die viel besser ausgerüsteten Vielspieler keine Chance – von den mächtigen Fahrzeugen mal ganz abgesehen.
Durch den spielerischen Nachteil levelt der besagte Casual oder Neueinsteiger langsamer und verliert mehr Geld, da er vergleichsweise öfter stirbt. Er ist mit deutlich schwächerer Panzerung viel leichter totzukriegen.
Ein Wipe löscht diesen Unterschied zumindest für eine kurze Zeit.
Bessere Ausrüstung erhöht NICHT eure Chancen, gegen Vielspieler zu überleben
Außerdem müssen sich Gelegenheitsspieler eingestehen, dass sie mit dem Endgame-Gear noch lange nicht mit den Vielspielern mithalten können. Die bessere Ausrüstung verringert den Skill-Gap nicht, sie vergrößert ihn, da die Time-to-Kill teilweise höher wird und ihr präziser schießen sowie mehr Treffer landen müsst, als mit leichter Rüstung.
- Vielspieler greifen beispielsweise zur HG-Munition und schießen auf Beine oder Achseln, um die starke Panzerung zu umgehen.
- Sie können mit dem Havoc oder Little Bird deutlich besser umgehen und zerstören eure Fahrzeuge in wenigen Sekunden.
- Sie kennen die Maps und Ausrüstung viel besser und wissen, wo sie etwas auf welche Weise einsetzen, um nicht so leicht gekontert zu werden.
Im Endgame bekommt Wardogs viele verschiedene Schichten hinzu, die das Gameplay erweitern. All das sind Systeme, mit denen man lernen kann, gut umzugehen oder sie zu kontern und ihre Schwächen zu nutzen. Casuals investieren jedoch meistens nicht die Zeit, sich außerhalb des Spiels dieses Wissen anzueignen. Dadurch gehen sie trotz gleicher Ausrüstung mit großen Nachteilen in jeden Kampf. Doch je simpler die verwendete Ausrüstung ist, desto weniger Wissens- oder Skill-Unterschiede gibt es.
Der Elefant im Raum
Ich verstehe vollkommen, wenn Spieler wütend sind, weil sie nicht von den Wipes wussten. Die Entwickler des Shooters hätten die Tatsache, dass es Wipes geben wird, deutlich sichtbarer kommunizieren müssen. Es wurde zwar irgendwann frühzeitig in einem Video vor dem Early-Access-Release erwähnt, aber nicht jeder Gamer schaut sich all diese Videos an und hat diesen Fakt gegebenenfalls verpasst.
Es hätte mindestens auf Steam stehen müssen, damit Spieler, die Wipes generell nicht mögen, hätten sagen können: „Okay, gut, dann kauf ich Wardogs halt nicht.“
Ich verstehe wiederum nicht, wenn sich Spieler, die von den Wipes wussten, Wardogs kauften und jetzt fordern, dass diese abgeschafft werden. Dann kauft euch doch bitte einfach kein Spiel, das Wipes hat.
Für alle aber vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Entwickler haben bereits an verschiedenen Stellen gesagt, dass sie sich das Fortschrittssystem anschauen und gegebenenfalls sogar ändern, über welchen Abschnitt etwas freigeschaltet wird. Falls ihr beispielsweise Panzer fahren wollt, kann es sein, dass ihr in Season 2, 3, 7, 12 oder so nicht mehr den Fahrer leveln müsst.
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