Bei Team Xbox brennt der Baum. Tausende Mitarbeiter müssen sich einen neuen Job suchen. Ein langjähriger Entwickler reagiert jetzt mit harscher Kritik, die vor allem auf die Führungskräfte zielt.
Wer reagiert mit klaren Worten? Daniel Callan arbeitet seit über 20 Jahren in der Games-Branche und hat unter anderem für Bungie und 343 Industries an Spielen wie Halo 3, Halo 4, Halo 5, Destiny 2 und Marathon gearbeitet. Nach der dramatischen Ankündigung von Team Xbox, man müsse tausende Mitarbeiter entlassen, reagiert der Branchen-Veteran mit einer persönlichen Anekdote.
Auf bsky.app führt Callan aus, dass er sich gut an einen Termin erinnern würde, bei dem er der damaligen Führung von Xbox das neue Halo 4 vorführen sollte. Mit dabei: Don Mattrick, der damalige Chef der Gaming-Sparte von Microsoft (und Vorgänger von Phil Spencer; siehe Aufmacherbild).
Eben jener Don Mattrick soll an einer Stelle der Vorführung die Hand gehoben und in die Runde gefragt haben: „Hat hier irgendjemand … Diablo 3 gespielt?“ Seine Idee war es, das Echtgeld-Auktionshaus aus dem Blizzard-Spiel in vergleichbarer Form in Halo zu integrieren, damit Spieler dort Mech-Skins handeln können.
The Elder Scrolls Online ist von den jüngsten Entlassungen leider ebenfalls betroffen.
Was ist so schlimm an der Idee? Nun, wenn es nach den anderen Führungskräften geht: nichts. Zumindest berichtet Callan, dass alle aus dem Häuschen waren und Mattrick für die absolut geniale, bahnbrechende Idee lobten. Es wurden sogar schon Pläne für Konzepte und ToDo-Listen abgemacht.
Wer das Auktionshaus-Drama damals mitbekommen hat, weiß jedoch sicherlich noch sehr gut, wie das Ding Blizzard damals um die Ohren geflogen ist. Noch Jahre später mussten sich Blizzard-Leads wie Mike Morhaime dafür rechtfertigen: Morhaime erklärt den Geburtsfehler von Diablo 3 und wie Blizzard ihn los wurde
Zu guter Letzt zieht Callan mit seiner Anekdote einen Kreis zu den jüngsten Ereignissen: „Entscheider in der Spielebranche sind und bleiben dämliche, weltfremde, geldgeile Idioten.“
Für Callan gab’s zumindest damals in gleich zweifacher Hinsicht ein Happy End. 1) Halo 4 bekam kein Echtgeld-Auktionshaus. 2) Der Termin fand an seinem Arbeitsplatz statt und es wurde für die Präsentation extra ein 60-Zoll-Plasmabildschirm am Schreibtisch montiert. Der blieb dann dort als zweiter Monitor bis zum Ende des Projekts.
Was hat die Anekdote mit den jüngsten Ereignissen zu tun? Viele Fans und Betroffene schauen derzeit besorgt auf die täglichen News zu Entlassungen, Studio-Schließungen und Projekt-Beendigungen – hinter denen stets eben jene Entscheider stehen, die laut Callan „dämlich, weltfremd, geldgeil“ sein sollen.
Viele von euch dürften sich dabei noch an die enormen Investitionen erinnern, die Unternehmen wie Microsoft in die Übernahme von Studios und Marken gesteckt haben. Diverse der während der vergangenen zehn Jahre gegründeten oder aufgekauften Unternehmen gibt es heute nicht mehr – oder sie kämpfen gerade ums Überleben.
Dieser aus der Außenperspektive oft kopflos wirkende Aktionismus ist nur schwer nachvollziehbar. Teils hatte man in Projekte, die noch vor dem Release gestoppt wurden, viele, viele Jahre und Millionen von US-Dollar gesteckt. Hier ein besonderes bitterer Fall, der bis heute nachhallt: Microsoft strich sein Traum-Spiel, obwohl sie es liebten: Ex-Chef von Elder Scrolls Online erklärt, warum er ZeniMax verlassen hat
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Die Kunden sind Idioten. Zumindest scheint das jeder Entscheidungsträger zu denken. Da vieles von deren Blödsinn funktioniert, haben sie wohl nicht ganz unrecht. Aber selbst Idioten lernen irgendwann.
Dann müssen sich künftige Studios immer gut überlegen, ob Sie sich einem übergrossen Publisher ala X-Box vertraglich dauerhaft unterjochen.
So viele Studios und so viele Nicht-Gamer-Marketing-Hirnies wussten nichts mit Ihnen geschickt anzufangen. Liessen Talent und Möglichkeiten versauern.
Spieleentwicklung ist nunmal keine INDUSTRIE. Es ist KUNST. Beweise sind jedes Jahr aufs Neue zu sehen. Siehe Expedition 33, Backrooms, Starfox (okay, semi-gutes Beispiel)
Ich sage aber: Das ist gut so auf lange Sicht, denn das Talent -nun befreit von Ketten namens XBox- formt sich neu und kann sich jetzt austoben.
Und mal ganz ehrlich: Brauchen tut man einen X-Box als Publisher heutzutage einfach nicht mehr so start wie früher.
Es ist wie mit alten Schlössern – eins mächtig und gross und wichtig, braucht man sie heutzutage nicht mehr.
Dasselbe gilt für die alten Publisher. IMO
Ist das nicht überall so? Sobald es ums Geld geht, wird die Kuh solange gemolken, bis jeder Spaß aus einem Franchise gepresst wurde. Bobby Kottick hat es als CEO ja relativ deutlich auf den Punkt gebracht: Er will den Spaß aus der Spieleentwicklung raus nehmen.