Technik, die begeistert
Ich war skeptisch, ob der Detailgrad und die Größe der Spielwelt unschöne Nebeneffekte auf den Feinschliff oder die Performance haben wird.
Auf meinem AMD Ryzen 7 5800X 8 Core mit 32 GB RAM und einer GeForce RTX 3080 Ti läuft Crimson Desert auf Ultra (zweithöchste Einstellung) sowie mit einer Auflösung von 2560X1440 jedoch rundum geschmeidig. Störende Einbrüche der Bilder pro Sekunde konnte ich zu keinem Zeitpunkt feststellen – auch nicht in großen Belagerungsschlachten mit zahllosen NPCs.
Kaum noch ins Auge gefallen sind mir aber auch im Hintergrund aufploppende Umgebungstexturen oder Figuren. Das war in frühen Anspielversionen noch ein Problem. Und auch Bugs gab es bei mir kaum. An einer Stelle hing ein NPC in einem Felsen fest, in einem anderen Moment hatten sich zwei Pferdekutschen miteinander verknotet, was urkomisch aussah.
Loben möchte ich die Entwickler zudem, weil sie bereits beim Review-Prozess auf das Feedback auf dem zugehörigen Discord eingegangen sind. Ein Beispiel: In der ersten Fassung war das Inventar-Management noch eine regelrechte Qual, weil es viel zu wenig Platz für viel zu viele Items gab.
Jetzt startet Kliff nicht nur mit deutlich mehr Stauraum, er kann sich bei Händlern auch zusätzliche Slots für wenig Geld kaufen. Gern geschehen!
„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“ – das Fazit
Das bringt mich zum Zitat vom Anfang zurück und lässt mich eine Schleife um Crimson Desert binden. Euch erwartet ein besonderes Open-World-Abenteuer, mit einer der schönsten, immersivsten Spielwelten, die ich bislang erkunden durfte – das hier ist quasi ein „Best of“ aus den Open-World-Meilensteinen der letzten 15 Jahre, wie The Witcher 3, die beiden Zeldas, Spider-Man oder Red Dead Redemption 2.
Dazu kommen das wuchtige Action-Kampfsystem und die unzähligen abwechslungsreichen Inhalte. In Pywel wird das Erkunden und Herumexperimentieren definitiv belohnt. Langweilig ist es dort nie.
Gleichzeitig fühlt sich das Spiel an vielen Stellen aber auch nach Arbeit an. Der Schwierigkeitsgrad kippt teils von herausfordernd zu frustrierend unfair, was die komplexe, oft unintuitive Steuerung nur noch verschlimmert. Zudem ist viel zu oft unklar, was Crimson Desert eigentlich gerade von einem will.
Die vielen abwechslungsreichen Aktivitäten, Sammelsachen und Quest-Arten vermitteln mir das Gefühl einer Art Singleplayer-MMO-Erfahrung, die wirklich Spaß macht und Crimson Desert zu einem perfekten Feierabendspiel machen könnte – wären da nicht ein paar Schattenseiten.
Der nur durch aufwändigen Aufwert-Grind anpassbare Schwierigkeitsgrad ergänzt sich „wunderbar“ mit der unnötig überladenen und hakeligen Steuerung, sodass es hier schnell zu Fallstricken kommt, die einen gut und gerne Stunden kosten und frustrieren können. Hitboxen sind je nach Boss schwer ersichtlich, da hilft es dann auch nicht, das Moveset auswendig zu lernen.
Und auch die Welt mit ihren Aktivitäten verliert etwas an Zauber, je länger man Zeit in ihr verbringt. Denn vieles wirkt irgendwann nach dem Gleichen in Grün, nur um oberflächlich für Varianz zu sorgen, wie etwa drölfzig verschiedene Fleisch-, Gemüse- und Kräutersorten, die zu ein- und denselben Gerichten führen.
Und auch die NPCs wirken nach einer Weile generisch. Viele gesprochene Sätze wiederholen sich schnell und fallen teils so unpassend aus, dass sie die Immersion brechen. Nach dem 100. Typen, der mir in kurzer Zeit erzählt, dass er mit seinen Kindern Pilze sammeln geht, glaube ich, dass da eine Mafia hinterstecken könnte.
Auch eine gut erzählte Geschichte und spannende Charaktere sucht man in Crimson Desert vergebens. Viele Figuren haben das Charisma eines Stücks Brot und zumindest ich konnte weder eine persönliche Verbindung zu ihnen noch zur Welt aufbauen.
Doch trotz der teils starken Schattenseiten schafft es Crimson Desert, mich zu halten und immer wieder nach Pywel zu ziehen. Denn der Entdeckergeist und das MMO-Gefühl bleiben und wiegen für mich schwerer, als die ganzen Negativpunkte. Ich für meinen Teil werde vermutlich also noch etliche Stunden in Crimson Desert verbringen, auch wenn ich dabei immer wieder fluchen werde.
Dazu kommen Kleinigkeiten, die zunehmend nerven und die ich teils noch gar nicht erwähnt habe. Etwa die Masse an unterschiedlichen Fleischsorten und Mahlzeiten-Varianten, die nicht nur das Inventar zumüllen, sondern auch den Koch-Prozess unnötig in die Länge ziehen. Kochen muss man jedoch oft, weil man in den Bosskämpfen einen großen Vorrat an Heilmitteln verbraucht.
Ein derart umfangreiches, herausforderndes Spiel sollte solche sich ständig wiederholenden Handgriffe aus meiner Sicht möglichst komfortabel und zeitsparend gestalten. Hoffentlich liefern die Entwickler auch hier noch ein Update nach.
Unterm Strich ist Crimson Desert aus meiner Sicht daher vor allem ein Spiel für erfahrene Action-Abenteurer, die a) kein Problem damit haben, sich in die komplexe Steuerung reinzufuchsen und knackige Herausforderungen anzugehen, und die b) viel Zeit haben, um das Ende der Story in einer halbwegs absehbaren Zeit zu sehen. Wer davon nicht abgeschreckt ist, findet hier alles Wichtige zum Release von Crimson Desert.
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Quasi ein “Offline MMO”? Ich denke das ist was für mich. Sofern ich die Steuerung meistern kann. Da war ich noch nie gut. Ich scheitere schon an der Steuerung wenn ich zwei Spiele im selben Zeitraum spiele. Dann drücke ich oft schon bei einfachen Manövern den falschen Button. Weil er im anderen Spiel eben darauf belegt wurde
Quasi ein “Offline MMO”?
Von der Größe und vom Umfang der Systeme und Features her auf jeden Fall. Und man findet sehr viele Elemente, die man schon aus Black Desert kennen könnte, etwa das Parcours-System, das Zähmen von Pferden, Begleiter, die looten und und und.
Ich habe jetzt mehre Reviews gesehen, was gibt’s denn jetzt tatsächlich in der Open world zu entdecken?
Außer mehr vom gleichen in einer noch größeren Welt?
Huhu, danke für deine Fragen, ich geb das mal an unsere Anspieler weiter!
Ich möchte aber darauf hinweisen, dass wir für genau solche Fragen gerade eine kleine Q&A-Runde laufen haben <3
In allen Regionen von Pywel entdeckt man unter anderem:
Neue Fraktionen, Questgeber, Aufgaben auf Schwarzen Brettern, Missionen für die Graumähnen-NPCsSchnellreisepunkte, Abyss-Rätsel, Versiegelte Abyss-ArtefakteFeindliche Lager, Camps und Befestigungen, die man von Feinden säubern kann, um die Region drumherum zu befriedenWeitere Möglichkeiten/Stützpunkte für den Handel von Waren (mit einer Pferdekutsche, die Preise schwanken von Ort zu Ort)Zahllose Points of Interests mit optionalen Bossen, Rätseln, Geheimnissen (beispielsweise eine Burg voller Spinnen und einer komplexen Maschine, die man wieder zum Laufen bringen kann)
Das liest sich teils wie mehr vom Gleichen, fühlt sich aber ganz oft nicht so an, da man auch nach dutzenden Stunden noch neue Funktionen und Systeme freischaltet, die dann in den Aufgaben der offenen Welt zum Tragen kommen (beispielsweise in Rätseln und Quests). Auch Besonderheiten wie den steuerbaren Mech gibt es nicht überall, sondern sie gehören fest zu bestimmten Regionen der Spielwelt.
Ich hoffe, diese Ausführungen konnten deine Frage beantworten. 🙂
Die Antwort ist auch in unserem Q&A-Artikel gelandet, weil sicherlich noch mehr Leser mehr zur Open World erfahren möchten. Vielen Dank für die Frage!
Klingt wie ein Skyrim Klon nach der Ubisoft Formel.
Und nichts von dem was ich gehört oder gesehen habe klingt besonders gut.
Dann ist es vielleicht nichts für dich. Für mich klingt das genau nach dem Spiel das ich erwartet habe. Falls die Story nicht so einschlägt kann man sie ja noch reworken. Wichtig wäre das die Aktionäre dem Spiel mal etwas Zeit geben..
Sehr ausführlicher Artikel! Der macht Lust auf mehr!