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The Elder Scrolls Online

Gefahren und Verlockungen im RP

Dein Charakter steht und du hast auch schon deine ersten Gehversuche im Rollenspiel unternommen? Gut! Heute wollen wir uns den Gefahren und Versuchungen widmen, denen jeder RPler im Laufe seiner Abenteuer immer wieder ausgesetzt ist und dich davor wappnen, diesen trügerischen Verlockungen zu erliegen!

Power-RP und die Unsterblichkeit

Immer wenn ein Charakter von einem anderen Charakter in eine Handlung gezwungen wird, auf die er nicht mehr reagieren kann, dann spricht man von Power-RP. Beispiel gefällig?

“Cortyn schlägt Remson mit der rechten Faust ins Gesicht, so dass dieser zurückgeschleudert wird, sich drei Mal in der Luft überschlägt und mit gebrochenen Beinen an der Wand landet.”

Bei einem solchen Emote hat das Gegenüber (in diesem Fall “Remson”) keinerlei Gelegenheit auf den Angriff zu reagieren und wird durch die bereits abgeschlossene Tat mehr oder weniger dazu gezwungen, dieses Ereignis als gegeben hinzunehmen. Weil das zum einen ungerecht ist und zum anderen dazu führt, dass niemand mehr mit uns spielen will, gibt es einen leichten Trick diese Problematik zu umgehen: Wir verwenden keine Power-Emotes.

Stattdessen formulieren wir unsere Sätze um, so dass die Absicht klar wird und unser Mitspieler reagieren kann:

“Cortyn holt mit der rechten Hand aus und lässt diese dann auf Remsons Gesicht zuschnellen.”

In diesem Fall kann unser Gegenüber selbst entscheiden, was passiert. Er kann versuchen auszuweichen oder aber sich treffen lassen – die finale Entscheidung liegt aber nicht bei uns.

Aus dieser Tatsache ziehen viele Spieler leider den falschen Schluss und sagen sich: “Wenn ich bestimmen kann, was mit meinem Charakter passiert, dann bin ich unbesiegbar!”

WildStar

Das stimmt in gewisser Weise, denn nur der Spieler entscheidet, wann der Charakter zu Schaden kommt oder gar stirbt, aber: Dein Charakter weiß nicht, dass ihm nichts passieren kann, wenn du das nicht willst. Dein Charakter wird Angst haben, wenn er von vier Stadtwachen mit Schwertern umzingelt wird oder jemand einen Blaster auf ihn richtet und das sollte man auch zeigen. Letztendlich ist ein Charakter viel interessanter, wenn er mal getroffen wird, nicht jedem Hieb ausweichen kann oder die Ohrfeige von der Dame kassiert, die er gerade aufreißen wollte.

Gedanken-Emotes

Eine andere Form des Power-RPs sind die sogenannten “Gedanken-Emotes”, wenngleich sie nicht so starke Auswirkungen haben, wie das oben erwähnte Beispiel, so sind sie doch störend. Auch hier wieder ein Beispiel für ein Gedankenemote:

“Alara findet, dass sich die Leute hier komisch benehmen und dass der Mann vor ihr eine seltsame Haarfarbe hat, ob er wohl die neusten Trends verpasst hat?”

Kopfgeldjäger in SW:TOR

Hat dieser Kopfgeldjäger den Haar-Trend verpasst?

Nur die wenigsten Leute können Gedanken lesen und deswegen solltest du auch niemandem die Gedanken deines Charakters aufzwingen. Stattdessen beschreibe was genau der Charakter gerade anstellt:

“Alara runzelt die Stirn und hebt beide Augenbrauen weit an, sie schnaubt leise, als der Blick über die anderen Leute wandert.”

In diesem Fall wurden niemandem irgendwelche Gedanken aufgezwungen und dennoch ist grob ersichtlich, was der Charakter gerade fühlt oder denkt – die absolute Gewissheit gibt es aber nicht.

RP mit NPCs – Was geht und was geht gar nicht?

WildStar

Nicht jede Aufgabe ist im Rollenspiel auch von einem Spieler besetzt, in diesem Fall kann es notwendig sein, einen NPC dafür zu erfinden und zu verwenden. Möglich wäre hier zum Beispiel ein Barkeeper oder ein Taxifahrer, den du in deine Emotes einbinden kannst. Achte aber darauf, dass du nicht übertreibst! Denn selbst wenn kein Spieler hinter diesem NPC steht, so kann es die anderen RPler massiv stören, wenn du einem NPC mehr Relevanz zuordnest als notwendig gewesen wäre. Auch hier erst wieder ein Negativbeispiel:

“Raston schnippst dem Barkeeper eine Münze zu, dieser springt auf den Tisch und, gibt einen wilden Tanz zum Besten und singt eine kurze Balade, bevor er das Bier zapft.”

Natürlich ist dieser Fall absolut überspitzt – aber er zeigt deutlich, was man vermeiden sollte. Deutlich besser wäre dies hier:

“Raston schnippst dem Barkeeper eine Münze zu, dieser fängt sie, nickt lächelnd und reicht dem Mann dann seinen Krug.”

Auf der anderen Seite darf man NPCs auch nicht vollkommen ignorieren. Wenn zum Beispiel durch die Menschenstadt Sturmwind über 200 Stadtwachen laufen, dann ist es eine schlechte Idee auf der Straße eine Prügelei anzufangen oder etwas von verbotener Dämonenmagie zu faseln. Berücksichtige solche NPCs, es sei denn, mit allen Rollenspielteilnehmern ist etwas anderes besprochen worden (etwa wenn man ein Haus bespielen will, aber alle 20 Minuten kommt ein NPC auf Patrouille herein).

Mehrere Charaktere und die Abhängigkeit voneinander

Charakter in Star Trek Online

Du wirst zwar mehrere Charaktere erstellen können, doch werden die sich in einem Online Rollenspiel nie wirklich begegnen.

Nach einer Weile kann es vorkommen, dass du keine Lust mehr auf deinen bisherigen Charakter hast, oder aber du gerade nicht weiterspielen kannst, weil die wichtigen Mitspieler im Augenblick nicht online sind. In solch einem Fall ist es verlockend, einfach einen neuen Charakter zu erstellen und diesen eine Weile im RP zu spielen. Das ist vollkommen legitim und jeder RPler hat das wohl schon gemacht, aber auch hier gibt es eine Gefahr, die du ausschließen solltest: Lasse deinen Zweitcharakter in keinem relevanten Bezug zu deinem Erstcharakter stehen! Er sollte also kein Familienmitglied, guter Freund oder gar Gegenspieler deines anderen Charakters sein, denn das kann zu vielen unangenehmen Momenten führen. Die beiden werden sich niemals treffen können – außer in deiner Vorstellung.

Alle anderen Spieler, die vielleicht von Charakter A gehört haben, wie toll Charakter B doch ist, werden niemals sehen können, wie die beiden sich begegnen und in gewisser Weise ist es auch immer ein “Armutszeugnis” an den Rollenspieler, der es nicht geschafft hat, andere Leute dazu zu begeistern, so eine Rolle einzunehmen. Wenn ein wichtiger Teil der Geschichte sich zwischen deinen eigenen Charakteren abspielt – warum sollten andere Leute dann einsteigen wollen?

Das böse eRP

Es ist ein schwieriges Thema und gerade im deutschsprachigen Raum ist es schwierig, es anzusprechen ohne gleich seltsame Blicke oder Verachtung zu ernten. Es geht um das “eRP” oder ausgeschrieben “erotisches Rollenspiel”.

Im Grunde ist es nur logisch, dass Charaktere auch ein Liebesleben haben und dennoch wird es oft verteufelt. Wenn der Charakter die Köpfe von Orcs sammelt oder einem Drachen das Herz herausschneidet, dann ist das in Ordnung, aber eine Affäre mit der Kellnerin, das ist zu viel für die meisten und oft wird damit eine Grenze überschritten.

Aion Screenshot

Welche reale Person verbirgt sich hinter diesem Charakter?

Charaktere verlieben sich und so manch ein “harter Mann” hat vor dem PC schon Tränen geweint, wenn die Liebe seines Charakters in die Brüche geht. Gewalt ist in Ordnung, wo ist also das Problem, wenn die Charaktere Sex haben? Hier ist das Problem: Das Gesetz und die Anonymität des Internets.
Du kannst dir nur in den wenigsten Fällen sicher sein, wer hinter dem Charakter sitzt, mit dem du gerade spielst. Und mit einer großen Portion Pech sitzt hinter der freundlichen Twi’lek, die den ganzen Abend mit deinem Charakter flirtet, gar nicht die 24-Jährige Frau, sondern das 13 jährige Mädchen.

Deswegen hier der einfache Rat: Kein Sex im Rollenspiel. Wir wissen, wie prüde das klingt und dass so etwas in unserer Gesellschaft, wo jede Werbung mehr nackte Haut als Produkte zeigt, nicht mehr zeitgemäß ist, aber die Rechtslage ist da eindeutig. Nicht alles muss ausgespielt werden und man kann sich auch OOC einfach absprechen, dass die beiden Charaktere dann wohl einen schönen Abend zu zweit haben werden ohne irgendein Risiko einzugehen.

Cortyn

Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!