MeinMMO-Redakteurin Caro konnte vor zwei Monaten einer bestimmten Tabletop-Miniatur aus Warhammer 40.000 einfach nicht widerstehen. Nach 2 Monaten hat sie es endlich geschafft, ihren Liebling zu Ende zu bemalen, und die Arbeit mit Bildern dokumentiert.
Erst vor kurzem berichtete ich über meinen „Liebe auf den ersten Blick“-Moment mit meinem neuen Tyraniden-Sohn, einem Norn Emissary, dem ich den wunderbar kreativen Namen Norm verpasst habe. Norm und ich haben ganze zwei Monate miteinander verbracht, so wie viel Geduld, Frust und Glücksmomente, in denen ich ihm zu seinem aktuellen Glanz verhelfen durfte.
Nun ist mein Tyraniden-Schwarmbote endlich fertig – und ich bin es auch. Eine so große Miniatur habe ich zuvor noch nie bemalt. Vor allem nicht mit dem Level an Details und Mühe, das ich mir nun nicht nur zumute, sondern auch abverlange.
In diesem Artikel zeige ich euch dementsprechend den ganzen Ablauf, den ich für euch mit Bildern festgehalten habe, und am Ende auch das Ergebnis. Versprochen.
Das Bauen
Direkt nachdem ich den Schwarmboten gekauft hatte, wollte ich zumindest einmal in die Box lünkern … und habe dann prompt damit angefangen, ihn aufzubauen.

So sah der gesamte Inhalt aus: die Plastikplatten mit den Komponenten, eine recht große Base und eine Anleitung.




Die einzelnen Körperteile werden erst zusammengebaut, bevor man sie an einen Körper zusammen verbindet. Die Beinchen haben mir am besten gefallen und ich liebe die Pose, die sie wartend am Rand des Kartons einnahmen.


Der Korpus, der Schwanz und die beiden Beine wurden zuerst miteinander verbunden, wodurch der Großteil des Körpers auch schon fertig war. Darauf folgten dann die beiden großen Klingen sowie der Kopf und boom – schon stand vor mir ein komplett ausgestatteter Schwarmbote. Zwar noch sehr hellgrau, aber er war da.
Das musste ich natürlich auch gemeinsam mit meiner Katze feiern. Der Tyranid sieht dabei jedoch deutlich begeisterter aus.

Schließlich klebte ich den Kerl auf seine Basis, die man ebenso wie den Körper zusammenbauen musste, und nun musste er sich nicht mehr auf seinem Schweif abstützen, um aufrecht stehen zu können.

Das Bemalen
Für das Bemalen musste natürlich zunächst ein Primer her, damit die Farbe überhaupt an der Miniatur haften kann. Ich habe dieses Mal nicht den zuverlässigen grauen Primer zum Pinseln benutzt, denn dafür war ich deutlich zu faul. Stattdessen hab ich mir einen schwarzen Sprühprimer geholt, der schneller, flächiger und gleichmäßiger aufgetragen werden kann.
Achtung: Nutzt einen solchen Sprühprimer aus der Dose am besten im Freien und mit Abstand zu anderen Personen, Mobiliar und Autos… und möglichst mit der Windrichtung. Ich habe hier leider verpeilt, Bilder zu machen, aber ich habe den Tyraniden in einen alten Karton gestellt, angesprüht und draußen trocknen lassen, bevor ich dann mit ihm weiterarbeiten konnte.
Hier seht ihr, wie er vor dem Primen (links) und nach dem Primen (rechts) aussah, von hellgrau zu schwarz:

Ich startete mit etwas, was dem pechschwarzen Tyraniden schnell direkt etwas Farbe verpasste: ein paar pink-rote Gehirnen, denn davon hat er eine Menge.

Nach den Hirnen war ich so motiviert, dass ich mich an eine Stelle wagen wollte, die eine Miniatur entweder ruinieren, oder doch liebenswert machen kann – und zwar das Gesicht. Bei dem Schwarmboten bedeutet Gesicht vor allem: Zähne und Augen. Und ich bin froh, dass ich die kleinen Flächen doch ganz gut getroffen habe. Hier hab ich die Nail-Art-Pinsel benutzt, von denen ich bereits geschwärmt habe.

Bei den Farben wollte ich irgendein anderes Schema nehmen als das, was für die Tyraniden typisch ist. Ich habe darüber nachgedacht, ob ich den „Girlypop-Pastel-Stil“ ausprobieren sollte, wie es beispielsweise Bubblegum Angels macht, die ich bereits interviewt habe:
Stattdessen wollte ich aber lieber ein Farbschema nehmen, was mich anspricht. Obwohl ich gar nicht so ein großer Lila-Fan bin, wollte ich dem Tyraniden einen ähnlichen Vibe geben wie dem Monster „Khanivore“ aus der ersten Staffel der Animationsserie Love, Death and Robots. Die Haut ist gräulich-lila, während die Platten eher hell, beinah weiß sind. Ein bisschen, wie ein umgedrehter Tyranid, wenn man es genau betrachtet.

Das probierte ich nach dem Gesicht dann auch direkt mit etwas größeren Flächen aus, auf seiner Haut und der Panzerung.

Anhand dieses Tyraniden-Pos war mir dann klar: Ja. Doch. Doch doch, das find ich cool. Also blieb ich bei meiner Idee. Ich arbeitete mich dann den ganzen Schwarmboten entlang, von Kopf bis Fuß, bis Norm schließlich schon richtig Gestalt annahm:

Details
Auch wenn mir das Farbschema gefiel, wusste ich: Der braucht definitiv noch Farbe. Irgendwelche Farben, die ihm so richtig schöne Hingucker verleihen. Vor allem bei den Klingen bot sich das perfekt an.
Ich wollte irgendwie ein bisschen Wärme schaffen, auch bei einer Präzisionskillermaschine wie dem Norn Emissary. Aber wer zu diesem Zeitpunkt dieses Artikels noch glaubt, dass ich ihn wie ein Monster betrachte und nicht wie ein süßes Ding, den kann ich glaube ich auch nicht mehr abholen.
Ich entschied mich für ein Rot, ähnlich wie das bei den Hirnen, das jedoch – je dünner die Klinge oder Panzerung wird – einen schönen Verlauf erhalten soll.



Als ich zunächst die Klingen an der sonst so weißen Kopfpanzerung rot anmalte, war mein erster Gedanke: Mist. Ich habe ihn ruiniert. Das Rot sah einfach wirklich angepinselt aus, ganz und gar nicht natürlich oder scharf. Als ich dann jedoch die scharfen Seiten mit einer helleren Farbe versah und mit vielen dünnen Layern eine Art Verlauf probierte, war ich doch tatsächlich sehr zufrieden. Glück gehabt.
Auch die Hirne verdienten etwas mehr Liebe. Mit einer ähnlichen Technik setzte ich ein paar Highlights und mit einem dunkelroten Wash konnte ich die kleinen Hirnfalten betonen, um ihnen mehr Tiefe zu verleihen. Hier könnt ihr den Unterschied sehen:


Base
Nicht nur Norm, sondern auch die Base, auf der er steht, sollten gut aussehen. Deswegen machte ich mich daran, ähnlich wie beim Tyraniden, zunächst die Basefarben aufzutragen.

Recht unspektakulär, ich weiß. Um es aber schicker zu machen, nutzte ich die Drybrushing-Technik für Highlights und versuchte, möglichst viel von der winzigen, fleischigen Struktur mit roter Farbe zu erwischen.
Drybrushing ist übrigens auch die Grundlage für den Slap Chop
, mit der Kollege Benedict seine erste Figur bemalt hat.
Gemeinsam mit den fleischigen Stellen am Rand der Base sah selbst der Boden unter den Füßen des Schwarmboten cool aus.



Das Ergebnis
Nachdem ich seinen ganzen Körper und die Base bemalt und mit einem Coat versiegelt hatte, war er schließlich fertig. Nach 2 Monaten und vielen kleinen Feierabend-Sessions konnte ich endlich aufatmen: Norm lebt! Und auf das Ergebnis bin ich doch recht stolz.


Mein Fazit
Ich hatte eine wirklich tolle Zeit den Tyraniden zu bauen, und habe mich mit jedem Schritt gefreut, wie er immer besser und besser aussah. Ob ich mich direkt noch so einem Brocken widmen würde? Das kann ich aber noch nicht so enthusiastisch mit Ja beantworten.
Ich glaube, ich habe mich wirklich in Tyraniden verliebt, besonders in die größeren. Doch ich habe gemerkt, wie sehr ich die Ruhe der kleinen Figuren schätze. Während das Bemalen der kleinen Miniaturen wie meiner D&D-Charaktere wie eine Art Runterkommen auf mich wirkt, entwickelte sich die Arbeit an dem Tyraniden wirklich zu … Nun ja – Arbeit.
Während ich in meinen 1–2 Stündchen im Feierabend, die ich dem Bemalen von kleineren Minis widme, mit ganz viel Ruhe und Zeit arbeiten kann, hatte ich das Gefühl, dass ich mit dem gleichen Tempo bei der großen Miniatur niemals fertig werden würde.
Bei kleinen Miniaturen kann ich mir dementsprechend bei den Details mehr Zeit lassen, schöner highlighten und durch jeden kleinsten Punkt und Strich schicke Akzente setzen.
Auch wenn ich Norm liebe – und das tue ich wirklich, er ist die vermutlich hübscheste und coolste Miniatur, die ich besitze –, sehne ich mich nach der Entspannung, die ich durch das Bemalen von kleinen Miniaturen erfahre. Mein Hobby soll sich nicht anfühlen wie ein Job, weil ich doch endlich mal fertig werden will. Das hat eine so hübsche Miniatur und ein so großartiges Hobby nicht verdient.
Habt ihr selbst ähnliche Erfahrungen mit euren Miniaturen gemacht? Habt ihr euch selbst an eine große Miniatur gewagt, die euch richtig herausgefordert hat? Lasst es mich gern in den Kommentaren wissen!
Für meine etwas kleineren Miniaturen habe ich endlich einen Ort gefunden, an dem sie wirklich besser zur Geltung kommen als in einer Plastikbox. Für Norm ist da leider kein Platz, doch er darf daneben stehen und trotzdem supi aussehen: Ein Ikea-Hack für 6 Euro rettet meine Miniaturen aus der Tupperdose
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