Wie weit darf sich ein Spiel von der Kickstarter-Ankündigung entfernen?

Kickstarter, oder Crowdfunding im Allgemeinen, stellt eine gute Möglichkeit dar, Geld für die Finanzierung eines Computerspiels zu erhalten, ohne auf Publisher angewiesen zu sein.

Allerdings ist das System auch mit Tücken verbunden. Denn was am Ende herauskommt und ob überhaupt etwas herauskommt, steht in den Sternen. Entscheidet sich ein Entwicklerstudio zur Finanzierung des Spiels über eine Crowdfunding-Kampagne, begibt man sich auf dünnes Eis. Man hat eine Idee und stellt diese vor. Damit will man Spieler so begeistern, dass diese das angekündigte Spiel unbedingt spielen wollen und deswegen Geld für die Finanzierung geben.

Elite: DangerousWie weit darf sich ein Spiel von der Ankündigung entfernen?

Nun ist es allerdings so, dass sich Spiele während der Entwicklung verändern können. Vor allem gerade dann, wenn es sich um eine offene Entwicklung handelt und man die Spieler und Unterstützer von Anfang an am Design des Spiels beteiligt. Dies kann dazu führen, dass sich das Spiel immer weiter von der ursprünglichen Ankündigung entfernt. Als Entwickler glaubt man dann, dass dies die richtige Entscheidung sei. Denn schließlich drücken die Spieler selbst das Produkt in diese Richtung. Dabei lässt man allerdings außer Acht, dass viele Unterstützer für das ursprüngliche angekündigte Konzept Geld gegeben haben und diese nun verärgert sein könnten.

Wie weit darf sich ein Spiel also von dem entfernen, was während der Crowdfunding-Kampagne angekündigt wurde? Frontier Developments hatten mit einem heftigen Shitstorm zu kämpfen, als sie den angekündigten Offline-Modus für Elite: Dangerous gestrichen haben. Denn viele hatten sich wegen dieses Modus an der Finanzierung des Spiels beteiligt und zeigten sich schwer enttäuscht. Doch Elite: Dangerous ist nach wie vor erfolgreich. Einen herben Schlag hat diese Änderung dem Spiel also nicht versetzt.

Vom Selective-Multiplayer-Spiel mit Single-Player-Ansatz zu einem MMORPG

Ein weiteres Spiel, das sich derzeit in dieser Zwickmühle befindet, ist Shroud of the Avatar. Während der Kickstarter-Kampagne als „im Grunde ein Single-Player-Spiel, das man auch online spielen kann“ angekündigt, ist es nun ein MMORPG, das sich auf offline spielen lässt. Viele Spielmechaniken von Single-Player-RPGs und MMORPGs sind sehr verschieden. Würde man World of Warcraft offline spielen, wäre es nicht automatisch ein gutes Single-Player-Spiel. Viele aus der Community von SotA drücken das Spiel in die MMO-Nische und möchten, dass es zu Ultima Online 2 wird.

Shroud of the Avatar Kampf und PvPDabei sieht man den eigentlichen Ansatz des Spiels, das Selective-Multiplayer, inzwischen als „Bedrohung“ an. Denn ein MMORPG lebt von vielen Spielern, die miteinander interagieren. Doch viele spielen im Single-Player- oder Freunde-Modus. Denn in diesen sind sie ungestört und brauchen sich beispielsweise Rohstoffe nicht mit anderen zu teilen. Es werden inzwischen sogar schon Stimmen laut, die verlangen, dass man Single-Player- und Freundemodus aus dem Spiel entfernt. Doch damit würde man das Hauptfeature des Spiels, den Selective-Multiplayer-Ansatz, komplett streichen. Das Feature, für welches sicher sehr viele Unterstützer während der Kickstarter-Kampagne Geld gegeben haben.

Wie seht ihr das? Darf sich ein per Crowdfunding finanziertes Spiel von der ursprünglichen Ankündigung, der ursprünglichen Vision entfernen? Und falls das ok ist, wie weit dürfte es sich entfernen? Wäre es für Shroud of the Avatar beispielsweise in Ordnung, wenn es zu einem MMORPG wird und die Entwickler den Selective-Multiplayer-Ansatz streichen würden?

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