World of Warcraft: Wie geht es nach 6.2. weiter? Theorien zu Lore und 6.3.

Mit dem Abschlussvideo der Höllenfeuerzitadelle scheint Draenor gerettet zu sein. Aber trotzdem gibt es eine Menge unbeantwortete Fragen in World of Warcraft – und viele Gedankengänge lassen sogar vermuten, dass es mit dem Frieden dann doch nicht so wahrscheinlich ist …

Auch hier sei wieder gewarnt: Der Beitrag wird Spoiler zum aktuellen WoW-Content enthalten.

Ende gut, alles gut – oder nicht?

Es gibt viele, wilde Theorien zur Zukunft von Warcraft. Schon lange basteln Fans an eigenen Geschichten und spinnen Handlungsbögen weiter. Doch zu keinem Zeitpunkt der Geschichte gab es so viele unbeantwortete Fragen in der Lore von WoW. Ich versuche die naheliegendsten Zukunftspläne aufzuzeigen und weise auf ein paar Fehler hin, die Blizzard unterlaufen sein könnten – falls die Geschichtsschreiber nicht einen sehr genialen Plan verfolgen.

Was verrät uns das Cinematic darüber, wie World of Warcraft weitergehen könnte?

Zu allererst möchte ich Euch bitten, das Abschlussvideo des Höllenfeuerraids anzuschauen, falls Ihr es noch nicht getan habt:

Im Grunde könnte man nun annehmen, dass alles ein friedliches Ende gefunden hat. Der Erzdämon ist besiegt und Gul’dan verschwunden. Khadgar verabschiedet sich mit dem bedeutungsschwangeren Satz „Gul’dan und die Teufel, die ihn kontrollieren, sind nicht so leicht verbannt“, um in die Ferne zu fliegen – ganz ähnlich, wie Medivh damals in Warcraft III. Was bei der ersten Betrachtung wirkt, wie ein typisches Blizzard-Cinematic, indem mit einem Nebensatz noch auf mögliche Gefahren der Zukunft hingewiesen werden soll, entpuppt sich schnell als Schweizer Käse mit jeder Menge Plotholes. Wir können also entweder davon ausgehen, dass Blizzard es storytechnisch komplett vermurkst hat (was ich nicht glaube), oder das Video ganz bewusst vieles offen lässt, um zukünftige Inhalte für World of Warcraft schon mal still und heimlich anzudeuten (was ich stark hoffe!).

Einige der folgenden Ausführungen habe ich von Anne Stickney auf blizzardwatch.com aufgegriffen, ihr Originalbeitrag ist auf jeden Fall einen Blick wert.

Grommash – Das Symbol der Freiheit?

Draenei bejubeln den Henker ihrer Familien. Wie passt das zusammen?

Draenei bejubeln den Henker ihrer Familien. Wie passt das zusammen?

Jeder Liebhaber der Warcraft-Lore sollte seine Augenbrauen hochgezogen haben, als Grommash Höllschrei seine Axt in den Himmel reckt und im Brustton der Überzeugung ruft „Draenor ist frei“. Dass der alte Gromm ein Patriot ist, ist keine Neuheit. Seltsam ist aber, dass ihm Draenei zujubeln. Richtig, exakt die Draenei, dessen Propheten er auf dem Gewissen hat. Die Draenei, die ihre heilige Tempelanlage und einen Großteil ihrer Siedlungen verloren haben. Wenn man den reinen „Killcount“ betrachtet, sollte Grommash bei den Draenei einen ziemlich schlechten Ruf haben.

Selbst Yrel, die zwar eine herzensgute Frau ist, hat ihren Mentor Maraad und zahlreiche Freunde an die eiserne Horde verloren. Warum jubeln die Anhänger der Naaru also dem Orcanführer zu? Das lässt sich aktuell nicht logisch erklären. Irgendetwas muss – außerhalb der Spielersicht – vorgefallen sein, das diesen Umstand rechtfertigt.

Yrel friedlich an Seiten der Orcs. Warum ist Gromm auf einmal bei den "Guten"?

Yrel steht friedlich an Seiten der Orcs. Warum ist Gromm auf einmal bei den „Guten“?

Die legendäre Questreihe in World of Warcraft

Ein weiteres unzufriedenes Brummen löst die legendäre Questreihe aus. Die verlangt in ihrer finalen Phase, dass wir 33 Bücher aus der Höllenfeuerzitadelle erbeuten. Dies bedeutet für die meisten Spieler, dass sie das Cinematic bereits gesehen haben. Wir können es also als „bereits geschehen“ betrachten.

Aus einem Entwicklerblog wissen wir, dass im Anschluss an das Büchersammeln ein Kampf gegen Cordana ansteht, um im letzten Schritt „Gul’dan aufzuhalten“. Diese Aufgabe wäre schlicht und ergreifend absurd, wenn wir seine „Vernichtung“ doch bereits mehrfach nach dem Erschlagen Archimondes gesehen haben. Das ist entweder ein grober Schnitzer der Entwickler oder die versteckte Aussage: Da kommt noch was.

Die Verbannung Gul’dans

Gul'dan wehrt sich - doch Archimonde oder sein Pakt zwingen ihn in das Portal.

Gul’dan wehrt sich – doch Archimonde oder sein Pakt zwingen ihn in das Portal.

Das Besiegen von Archimonde setzt einen ungeheuer wichtigen Prozess in Gang. Der geschlagene Eredar greift Gul’dan mithilfe von Felmagie und schleudert ihn zusammen mit der Drohung „Du bist einen Pakt eingegangen!“ durch das Portal. Da Archimonde selbst durch dieses Portal kam, ist davon auszugehen, dass es in den Nether (oder nach Argus) führt. Warum windet sich Gul’dan vor Angst, als er in den Nether geschleudert wird?

Ein Hexenmeister, der mit einer einzigen Handbewegung Archimonde beschwören kann (das hat in Warcraft 3 mehrere Stunden gedauert und benötigte mächtige Artefakte), sollte kein Problem haben, aus dem Nether zurückzukehren – es sei denn, jemand oder etwas hindert ihn daran. Was könnte Archimondes Zauber also noch bewirkt haben? Es gibt viele Hinweise, die zu wilden Theorien führen.

  1. Archimondes Augen erlöschen direkt nach der Verbannung. Das könnte „nur“ sein Tod sein (wobei Dämonen nur im Nether richtig sterben können, er ist also höchstens temporär besiegt), oder aber eine größere Bedeutung haben. Vielleicht hat er einen Teil seiner Essenz in Gul’dan eingepflanzt, wie Sargeras es einst bei Aegwynn getan hat. Dies würde Gul’dans Angst erklären, denn er könnte dadurch einen Teil seines eigenen Willens an den Dämon verlieren (oder gar seine ganze Persönlichkeit).
  1. Der Stab löst sich auf - in felmagischem Grün. Ein Zeichen für weitere Dämonenmagie?

    Der Stab löst sich auf – in felmagischem Grün. Ein Zeichen für weitere Dämonenmagie?

    Gul’dans Stab löst sich nach der Verbannung auf. Warum? Gegenstände verlassen eine Welt nicht, nur weil der Besitzer in eine andere Welt übergeht. Das erkennt man an der Garnison der Spieler oder auch an den Plänen, die Garrosh aus Azeroth mitgebracht hat. Es wäre also möglich, dass Archimonde in seinem letzten Atemzug Gul’dan ab diesem Zeitpunkt vollkommen von der Zeitlinie Draenors gelöscht hat und somit auch seine Rückkehr in diese Welt unterbindet. Das Ziel der Legion ist nach wie vor die Vernichtung von Azeroth – vielleicht kann Gul’dan also nur noch nach Azeroth, um seinen Auftrag zu Ende zu führen?

  1. Gul’dan könnte auf der anderen Seite des Portals erwartet worden sein und wurde in einen „vollwertigen“ Dämonen verwandelt. Wie wir aus den früheren Hexenmeister-Quests wissen, hat man eine gewisse Kontrolle über Dämonen, sobald man ihre Namen oder Gegenstände von ihnen besitzt. Daraus könnte man schlussfolgern, dass bei einer Transformation in einen Dämon alte Besitztümer vernichtet werden.

In jedem Fall ist es sicher zu sagen, dass Gul’dan nicht tot ist. Ob er noch in diesem Addon wieder auftauchen wird, ist fraglich – zumindest die legendäre Questreihe deutet es an.

Alle feiern, nur Khadgar hat es eilig

Ein Siegerlächeln sieht anders aus. Khadgar weiß mehr, als er uns mitteilt.

Ein Siegerlächeln sieht anders aus. Khadgar weiß mehr, als er uns mitteilt.

Khadgar ist der Miesepeter auf der Feier, denn er freut sich nicht so wirklich über den Sieg. Er verabschiedet sich von Yrel, die ihm im Gegenzug verspricht „Hier zu sein“, wenn man sie und ihre Leute braucht. Das klingt mehr als nur ein bisschen nach „Draenor ist sicher, die Geschichte endet“. Seine Augen weiten sich (vor Schrecken oder Erkenntnis?), als Gul’dans Stab sich auflöst. In jedem Fall hat Khadgar eine ungefähre Ahnung von der Gefahr, die jetzt aufzieht, aber er ist noch nicht bereit, seine Bedenken zu teilen. Er gibt keine feierliche Rede zu den Siegern, keine ermutigenden Worte, nichts. Er verwandelt sich in einen Raben und verschwindet. Wohin weiß man nicht. Zurück in seinen Turm? Oder gar … zurück nach Azeroth?

Ich persönlich halte es durchaus für möglich, dass Draenor jetzt „komplett“ ist. Aber Blizzard hat bereits angekündigt, noch weitere Spielinhalte für die Erweiterung zu bringen. Und das führt mich zu meinem letzten Gedanken …

Spielt 6.3 nicht in Draenor?

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass der nächste Patch nicht mehr in Draenor spielen wird. Die Weltkarte als solches ist vollständig, die großen Festungen der eisernen Horde sind besiegt, die Elementarmächte von Nagrand befriedet und selbst die Dämonen der Legion bezwungen – für den Moment. Blizzards großer Plan war seit der Blizzcon Grommash den „letzten Boss“ von WoD sein zu lassen, und das ist durchaus noch möglich – allerdings nicht mehr auf Draenor.

Was wäre, wenn Grommash mit einer kleinen Truppe seiner noch treuen Leute nach Azeroth reist (unter dem Deckmantel des Friedens, der momentan scheinbar herrscht). Auf interessante Weise würde er dasselbe wie sein Sohn machen – nur in die andere Richtung. Wie viele Orcs oder Mitglieder anderer Völker würden sich der lebenden Legende Grom Höllschrei anschließen?

Die Heimatwelt von Archimonde, Argus, wird von vielen Fans schon seit Jahren erwartet.

Die Heimatwelt von Archimonde, Argus, wird von vielen Fans schon seit Jahren erwartet.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Gul’dan Azeroth oder Draenor aus dem Nether angreift. Aus seinem Ehrgefühl heraus würde Gromm der Horde und Allianz beistehen. Um auf diesen Angriff zu reagieren, könnten die Spielerfraktionen selbst eine Invasion in die Dämonenwelt planen: In einem letzten Aufgebot seiner Kräfte würde der einstige Anführer der eisernen Horde den legendären Satz aus dem Intro „Wir werden Eroberer sein!“ wahrmachen und Truppen in eine neue Welt führen: Zum Beispiel die Heimatwelt der Legion, Argus.

Von der Verderbnis befallen könnte Grommash, wie so viele Orcs vor ihm, zum Widersacher werden. Oder der letzte Patch in Warlords of Draenor führt nur in den Nether und läutet das nächste Addon ein, welches dann nach Argus führt.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, was im nächsten Patch und im folgenden Addon von World of Warcraft passieren kann. Sylvanas war ausgesprochen ruhig, es wäre eigentlich an der Zeit, mal nach der Macht zu greifen. Auch Azshara lauert noch in den Tiefen der Meere und wartet seit über 10.000 Jahren darauf, das Versprechen einzulösen, welches sie einst mit der Finsternis schloss.

Letzten Endes sind all dies aber nur Theorien – wir werden sehen, wie Blizzard die vielen Fragen, die das Cinematic aufgeworfen hat, lösen wird. Habt Ihr vielleicht eine eigene Theorie?

Autor(in)
Quelle(n): blizzardwatch.com
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