Weil ein Mann Milliarden mit Schuhen gemacht hat, erwartet euch jetzt im Kino ein einmaliges Fantasy-Meisterwerk

Bald startet der Film „Wildwood“ in den deutschen Kinos. MeinMMO-Autorin Linda Baumgartl hat ihn bereits gesehen und ist begeistert. Finanziell war er jedoch eher ein Desaster und nur aufgrund von Turnschuhen möglich.

Was ist das für ein Film? Am Donnerstag, den 6. November 2026, startet Wildwood in den deutschen Kinos. Es handelt sich um den inzwischen sechsten Film von „LAIKA Studios“. Das Animationsstudio ist für seine aufwendig produzierten Stop-Motion-Filme bekannt, darunter auch „Coraline“ aus dem Jahr 2009.

Statt gruseligen Knopfaugen gibt es in Wildwood vor allem klassische Fantasy-Abenteuer. Die 12-jährige Prue muss mit ansehen, wie ihr kleiner Bruder von einem Schwarm Krähen entführt wird. Um ihn zu retten, begibt sie sich in einen düsteren Wald, der sich als magischer Ort voll sprechender Tiere und anderer Mysterien entpuppt.  

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Wildwood zeigt im Trailer seine wunderschön handgemachte Welt

Ein handwerkliches Meisterwerk

Wie alle Werke des Animationsstudios ist auch Wildwood ein Stop-Motion-Film. Bild für Bild wurden aufwendig hergestellte Puppen und Kulissen fotografiert, um die Illusion von Bewegung zu erzeugen. An sich ist diese Technik zwar nicht neu. Wildwood setzt sie jedoch in einer Größenordnung ein, die absolut einzigartig ist.

  • Mit knapp 130 Minuten Spielzeit handelt es sich um den längsten Stop-Motion-Film aller Zeiten.
  • Für den Film wurden über 236 Puppen hergestellt. Das sind knapp doppelt so viele wie in LAIKAs letztem Film, Mister Link.
  • Über 1.000 Menschen arbeiteten an dem Projekt, das vom ersten Konzept bis zur Veröffentlichung knapp 16 Jahre in Anspruch nahm. Die tatsächliche Produktion dauerte etwa 6 Jahre.

Wildwood beeindruckt aber nicht bloß durch solche Zahlen. Auch in seiner technischen Umsetzung setzt er völlig neue Maßstäbe. Bekannte Techniken von Stop-Motion und dem damit verbundenen Modellbau wurden weiterentwickelt, um ein noch lebendigeres Gefühl zu erzeugen. Zum Beispiel kann der Brustkorb der Modelle per Stellschraube leicht angehoben werden, wodurch es aussieht, als würden die Puppen atmen.

Generell kann ich nur empfehlen, vor dem Kinobesuch ein paar Making-Offs (zum Beispiel vom offiziellen YouTube-Kanal „LAIKA Studios“) anzuschauen. Viele Feinheiten hätte ich sonst nie wahrgenommen, die mich jetzt absolut begeistert haben. Wenn euch vor allem die handwerklichen Aspekte weiter interessieren, kann ich außerdem dieses Video von Spezialeffekt-Experten Adam Savage wärmstens empfehlen, der dem Studio einen Besuch abgestattet hat.  

Fantasy mit erstaunlich düsterer Note

Wie ist der Film inhaltlich? So schön die optische Aufbereitung auch ist – natürlich muss auch der Inhalt interessant sein. Insgesamt ist Wildwood ein klassisches Fantasy-Abenteuer: eine junge Heldin muss den Tag retten und alle im Kampf gegen das Böse vereinen. Dabei macht der Film nicht unbedingt viel neu, setzt Bekanntes aber gut um.

Ich habe mich irgendwie an die Narnia-Filme erinnert gefühlt, was vermutlich an den sprechenden Tieren, aber auch der Antagonistin samt Opferdolch liegt. Wer Narnia mochte und Lust auf eine ähnliche Grundstimmung hat, kann mit Wildwood auf jeden Fall nichts falsch machen.

Wie düster ist der Film? Da ich den Film in einer „Family-Preview“ gesehen habe, bin ich von einer eher seichten Kinder-Geschichte ausgegangen. Umso überraschter war ich, als der Film direkt mit einer Suizid-Szene startete. Das setzte auch Ton der weiteren Handlung, in es durchaus zu Gewalt, tragischen Momenten und richtigen Schlacht-Szenen kommt.

Diese düstere Note gefiel mir besonders gut. Sie bildet einen guten Kontrast zum sonst sehr schönen und märchenhaften Film. In Deutschland hat Wildwood eine entsprechende FSK-Freigabe von 12 Jahren erhalten.

Finanzieller Flop, der nur durch Sportschuhe möglich ist

Wie gut kommt der Film an? In den USA startete Wildwood bereits am 23. Oktober in den Kinos. Obwohl er überwiegend sehr positive Bewertungen erhielt (auf IMDb aktuell 8,7/10 Sternen) erwies er sich als finanzielles Desaster.

  • Die Kosten des Films beliefen sich auf mindestens 100 Millionen US-Dollar.
  • Laut Branchen-Insider Jeff Snider könnte es sich sogar um den teuersten Animationsfilm jemals, mit Kosten von 400 bis 700 Millionen US-Dollar handeln (via theinsnider.com). Diese Gerüchte sind jedoch nicht bestätigt.
  • Der bisher teuerste Animationsfilm war „Rapunzel – Neu Verföhnt“ mit 260 Millionen.

Mit solch hohen Kosten ist es absehbar, dass Wildwood ein ordentliches Verlust-Geschäft wird. Zum Start-Wochenende spielte der Film in den USA etwa 12 Millionen Dollar ein (via boxofficemojo.com). Das ist sogar weniger als andere Filme des Studios wie „ParaNorman“ (14 Millionen) oder „The Boxtrolls“ (17 Millionen). Weltweit beliefen sich die Einnahmen dieser Titel langfristig auf je 100 Millionen. Um zusätzliche Ausgaben – zum Beispiel an die Kinos – zu decken, muss ein Film jedoch rund 2,5 mal so viel einbringen, wie er gekostet hat. Dass Wildwood das schaffen wird, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Warum ist das trotzdem möglich? Finanzielle Misserfolge sind bei langwierigen Stop-Motion-Produktionen tatsächlich keine Seltenheit. Dass LAIKA Studios trotzdem weiter geführt werden kann, liegt daran, dass es von der Familie des Nike-Mitgründers Phil Knight finanziert wird. 2005 übernahm der Millionär das Unternehmen „Will Vinton Studios“ und benannte es in LAIKA um. Sein Sohn, Travis Knight, ist inzwischen CEO des Studios und arbeitet dort außerdem als Regisseur.

Im Grunde haben wir es also nur dem Erfolg der berühmten Laufschuhe zu verdanken, dass wir jetzt ein neues Fantasy-Meisterwerk in den Kinos bewundern können.

Was sagt ihr zu Wildwood? Wollt ihr euch den neuen Stop-Motion-Film im Kino anschauen? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen! Ebenfalls neu in die Kinos kommt Godzilla Minus Zero, der einen besonderen Meilenstein darstellt: Der beste Godzilla kehrt in wenigen Tagen zurück, ist ein neuer Meilenstein für Japan

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