MeinMMO-Redakteurin Sophia Weiß ist glückliche Besitzerin eines älteren Steam Decks. Das zeigt aber langsam sein Alter. Statt sich für teuer Geld ein neues zu kaufen, moddet sie ihr bestehendes lieber und spart sich damit glücklich.
In meinem Besitz befindet sich ein LCD-Steam-Deck von 2023. Weil ich keine Lust auf zu wenig Speicher hatte, habe ich direkt in die damals große
Version mit 512 Gigabyte investiert.
Die damals 679 Euro fand ich auch angemessen. Jetzt hat Valve die Kosten für die jetzt verfügbaren Modelle um ganze 40 % angehoben: Das günstigere Modell mit 512 Gigabyte Speicher kostet 779 Euro, das teurere mit einem Terabyte ganze 919 Euro.
Das ist mir viel zu teuer, auch wenn mein Gerät langsam Alterserscheinungen zeigt. Bevor ich aber so tief in die Tasche greife, investiere ich lieber viel weniger Geld und hole das Maximum aus meinem Steam Deck raus: mit einfachen Reparaturen und Modding.
Günstige Upgrades lassen mich über die hohen Preise lachen
Ich habe mir 2023 eben das Modell mit dem größten Speicher gegönnt. Relativ schnell hat mir der aber nicht mehr gereicht. Vor allem die AAA-Games brauchen unglaublich viel Speicherplatz. Und nein, ich will mich wie am PC nicht zwischen den Spielen entscheiden müssen.
Also ging mein erster Griff nach Ablauf der Garantie zu einer neuen 1-Terabyte-SSD. Auf Basis der Kaufberatung der Kollegen von GameStar Tech zur Speichererweiterung für Steam Decks habe ich mir die Sabrent Rocket gekauft. Damals musste ich noch 92,64 Euro auf den Tisch legen. Mittlerweile liegt sie zumindest auf Amazon bei 274,20 Euro – was immer noch weniger ist, als die 919 Euro für das neue Steam Deck mit der gleichen Speichergröße.
Was die SSDs für den Handheld so teuer macht (von den aktuell unverschämt hohen Hardware-Preisen mal abgesehen) ist das Format: Ihr braucht eine Single-sided M.2 SSD im Formfaktor 2230. Herkömmliche SSDs sind doppelt so groß. Es gibt zwar im Netz Anleitungen für wagemutige Steam-Deck-Pioniere, die es möglich machen sollen, normale SSDs ins Steam Deck zu bauen. Aber das würde ich nur jemandem empfehlen, der schon viel Erfahrung mit Hardware-Modding hat.
Ich gehöre nicht zu den abenteuerlichen Handheld-Besitzern. Entsprechend gab es eben die SSD mit dem korrekten Formfaktor und eine dazu passende SSD-Abschirmfolie, die keine 5 Euro gekostet hat.
Mein Glück ist, dass mein Partner ein langjähriger Hobby-Hardware-Modder ist. Entsprechend ist unser Haushalt bereits mit allen für den Austausch benötigten Werkzeugen ausgetauscht. Deren Preis würde noch on Top kommen – für die vier notwendigen Geräte wären das rund 20 zusätzliche Euro.
Und dann kann es auch schon losgehen. Für den SSD-Tausch haben wir damals die dedizierte Anleitung von iFixit benutzt. Darin wird Schritt für Schritt erklärt, wie der Handheld auseinandergebaut wird. On top kommt eine praktische Liste mit den benötigten Werkzeugen und Bauteilen. Natürlich gibt es im Netz viele verschiedene Webseiten mit Anleitungen in verschiedensten Detailgraden. iFixit hat in diesem Fall für uns funktioniert.
Die SSD war im Handumdrehen ausgetauscht. Danach musste ich nur noch die Software neu installieren und meine Spiele frisch downloaden. Voilà – Aus 512 Gigabyte wird ein Terabyte. Für damals nur knapp 100 Euro Materialkosten. Da lache ich ja über die 919 Euro!
Und ich bin ein absoluter Tech-Noob. Wenn ich das hinbekomme, kann das in der Theorie jeder.
Speicher erweitern, neuer Display oder bessere Kühlung – Vieles könnt ihr ganz alleine fixen
Im Endeffekt könnt ihr eben mit den korrekten Materialien, Tools, einer guten Anleitung und ruhigen Händen viele der gängigen Alterserscheinungen eures Steam Decks selbst aus der Welt schaffen. Öffnet die Dropdown-Menüs im folgenden Block für mehr Informationen. Ich habe euch auch Vergleichspreise auf iFixit, Amazon und AliExpress für einzelne Teile rausgesucht.
Speicher
Wenn ihr mehr Speicherplatz haben möchtet, muss es auch nicht sofort eine neue SSD sein. Ihr könnt euch mit einer einsteckbaren Micro SD je nach Wunschkapazität sogar teilweise bis zu zwei Terabyte Speicher holen. Der Haken hier ist, dass dadurch, dass Micro SD Karten schlicht langsamer sind als SSDs.
Wenn euch ein schnelles Steam Deck wichtig ist, würde ich zum SSD-Tausch raten. Wenn es nur um mehr Speicherplatz geht, reicht auch die Micro SD. Damit ihr die korrekte einkauft, solltet ihr euch den entsprechenden Absatz im Ratgeber von GameStar Tech durchlesen. Das Steam Deck ist nämlich etepetete und arbeitet nicht mit jeder dahergelaufenen Speicherkarte. Außerdem solltet ihr schauen, ob die Micro SD in der Wunschgröße nicht sogar teurer ist, als eine vergleichbare SSD.
Wichtig: Achtet beim Kauf der SSD auf den Formfaktor! Lest euch dazu am besten nochmal den GameStar-Tech-Ratgeber durch.
Bildschirm
Bei mobilen Gerätschaften wie eben einer Handheld-Gaming-Konsole kann es auch schnell passieren, dass der Bildschirm Kratzer bekommt oder gar komplett splittert. Aber auch hier müsst ihr nicht sofort den Geldbeutel für ein neues Gerät zücken: Steam-Deck-Bildschirme sind wie die SSDs austauschbar.
Wenn ihr einen Ersatzbildschirm kauft, achtet darauf, dass dieser mit eurem Modell kompatibel ist.
Auf iFixit könnt ihr zum Beispiel den originalen Valve-OLED-Bildschirm einzeln für 94,95 Euro kaufen oder direkt im Kit mit allen benötigten Tools für 104,95 Euro. Alternativ gibt es zum Beispiel auf AliExpress einen Off-Brand-OLED-Bildschirm für 83,99 Euro. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, einen Third-Party-Bildschirm einzubauen, die teilweise von sich behaupten, besser als das Original zu sein. Zum Beispiel gäbe es die DeckSight-Bildschirme ab 128,31 Euro (149 US-Dollar), die 2025 via Crowdsupply gefundet wurden.
Kühlung
Dass das Steam Deck bei hoher Belastung schnell heiß wird, ist bekannt. Das beobachte ich bei meinem ebenfalls. Aber sollte es ungewöhnlich heiß werden, kann es sich lohnen, die Wärmeleitpasten oder gar den ganzen Kühlkörper des LCD-Geräts auszutauschen.
Auf Reddit berichtet Nutzer Acorn283 davon, dass er durch den Tausch der Wärmeleitpaste seines Steam Decks die CPU-Temperatur im Schnitt um 7 Grad Celsius senken konnte. Zudem nutzt sich Wärmeleitpaste ab: Sie wird trocken und zersetzt sich. Das verschlechtert die Kühlung, was sich wiederum negativ auf die Bauteile des Handhelds auswirkt.
Wenn euch auffällt, dass euer Steam Deck massiv heißer wird beim spielen als früher, lohnt sich die Erneuerung der Wärmeleitpaste.
Mit dem Tausch von Kühlkörpern habe ich selbst keine Erfahrung und zumindest auf Reddit schreiben die Nutzer, dass meist ein Tausch der Wärmeleitpaste reicht. Wenn es aber sein muss: Mit der passenden Anleitung und Ersatzteil sollte aber auch das absolut machbar sein. iFixit bietet hier wieder beides an, allerdings nur für die LCD-Version. Dort kostet der Kühlkörper 19,95 Euro.
Batterie
Die Batterie lässt sich natürlich ebenfalls tauschen, wenn die eingebaute an Power verliert oder sich gar aufblähen sollte. Das originale Bauteil für die OLED-Version bei iFixit kostet 59,95 Euro. Wenn ihr zur Version mit allen Werkzeugen greift, seid ihr bei 64,95 Euro. AliExpress bietet die Batterie ebenfalls an, die Preise schwanken zwischen 30 und 130 Euro. Auf Amazon hingegen finde ich Preise zwischen 52,99 Euro und 62,79 Euro.
Sticks, Steuerkreuz und Knöpfe
Wenn die Sticks eures Steam Decks schlapp machen sollten und die Knöpfe nicht mehr sauber auslösen, könnt ihr auch hier selbst Hand anlegen. Zum Beispiel kostet der linke Analogstick für das OLED-Steam-Deck bei iFixit 34,95 Euro, Amazon bietet die nötige Elektronik für 29,98 Euro an und bei AliExpress finde ich Pakete mit dem jeweils linken und rechten für zum Beispiel 10,67 Euro.
Wollt ihr die eingebauten Knöpfe oder das Steuerkreuz austauschen, geht das natürlich auch. Ersatzteile findet ihr entsprechend ebenfalls, zum Beispiel auf iFixit, Amazon und AliExpress.
Gehäuse
Solltet ihr in die Verlegenheit kommen, das Gehäuse eures Steam Decks austauschen zu müssen, gibt es auch eine Vielzahl an Anbietern: iFixit hat die Rückenabdeckung für 34,95 Euro und die Front für 19,95 Euro im Shop. Auf Amazon findet ihr wiederum verschiedenste Anbieter und Preisklassen: JSAUX, bibuks oder auch eXtremeRate.
Neben normalen schwarzen Gehäusen bieten viele Anbieter aber auch knallige Farben oder durchsichtige Cases an. Hier könnt ihr, wenn ihr denn möchtet, das Steam Deck individualisieren.
Gedankenexperiment: Sagen wir, ich möchte jetzt mein OLED Steam Deck updaten
. Ich möchte eine 1-Terabyte-SSD, brauche einen neuen Bildschirm, eine neue Batterie, und bei der Gelegenheit erneuere ich direkt die Wärmeleitpaste. So könnten meine Kosten aussehen, wenn ich mich an die originalen Bauteile von iFixit halte und schon alle Tools zuhause habe:
| Bauteil | Kosten |
|---|---|
| 1 TB SSD Sabrent 2230 M.2 NVMe Gen 4 | 274,20 Euro |
| Steam Deck OLED Akku | 59,95 Euro |
| SSD-Abschirmfolie | 3,95 Euro |
| Bildschirm | 94,95 Euro |
| Arctic MX-6 Wärmeleitpaste | 6,25 Euro |
| Gesamt | 439,30 Euro |
Für den Vergleich habe ich den aktuellen Preis der von mir auf Basis der von GameStar Tech empfohlenen SSD von Sabrent gehalten. Auch damit liegen wir mit 439,20 Euro Endpreis immer noch weit unter 779 Euro für das günstigere aktuelle Steam Deck, das nicht mal ein Terabyte Speicher hat.
Die 274,20 Euro für die SSD sind auch nicht gesetzt. Toms Hardware und Rock Paper Shotgun empfehlen die Corsair MP600 Mini E27T 1TB für 239,99 Euro. Wer nicht unbedingt Peak-Performance braucht, findet sicher auch noch günstigere SSDs.
Alles, was über diese zeitweise notwendigen Arbeiten am Gerät hinausgeht, driftet schon in das Thema Hardware-Modding ab. Wer möchte, kann natürlich ein aufwendiges Case für spezielle Anwendungszwecke oder einfach eins in der Lieblingsfarbe kaufen. Es gibt Joysticks, die die Eingabe noch präziser und angenehmer machen, als die Originalen. Wer seinen LCD-Bildschirm pimpen will, wird sicher in der Crowdfunding- und Liebhaber-Szene fündig.
Und dann gibt es noch das Software-Modding: Steam Decks sind eigentlich nur kompakte PCs. Wer will, kann die Festplatte komplett löschen und neu aufsetzen. Es gibt Third-Party-Software, die Dual-Boot ermöglichen – also das gleichzeitige Installieren von zwei verschiedenen Betriebssystemen auf dem gleichen System. Ich habe zum Beispiel eine eigene Partition auf meiner neuen SSD, auf der Windows 11 läuft. Damit spiele ich Final Fantasy XIV bei stabilem Wlan jetzt schon mobil. Und das kratzt nur an der Oberfläche der Möglichkeiten – von Overclocking haben wir noch gar nicht gesprochen.
Schreibt es mir aber doch gerne einmal in die Kommentare: Liebäugelt ihr damit, einfache Reparaturen oder Bauteile austauschen, selbst zu machen? Oder seid ihr schon tief in der Hardware-Modding-Szene drin? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen und Fragen zum Thema.
Deine Meinung ist uns wichtig!
Gefällt dir der Artikel? Hast du irgendwelche Kommentare? Sag uns, was du denkst!
Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.