Ich habe 1.000 Stunden lang solo ein MMORPG gespielt – Es war großartig

MeinMMO-Autor Maik Schneider kommt MMORPG-technisch aus einer anderen Zeit und konnte lange nichts mit der „WoW-Generation“ anfangen. Doch ein starker Franchise-Titel zog ihn in den Strudel, aus dem er über 1.000 Stunden nicht mehr heraus kam – Fast komplett als Solo-Spieler.

Persönliches Computer-Logbuch Captain Schneider der „USS Hau Drauf“, Sternzeit 67091,97 – Die Dateien des taktischen Simulation-Programms der Sternenflotte stehen endlich nicht mehr nur dem „Red Squad“, sondern auch normalen Offiziers-Anwärtern zur Verfügung. Zeit für ein bisschen Weltraum-Action.

So oder so ähnlich klangen meine ersten Gedanken, als am 17. Januar 2012 „Star Trek Online“ (STO) auf sein Free2Play-Modell umstieg. Ich wusste direkt, das ist was für mich. Captain Janeway und andere Brücken-Größen des „Star Trek“-Franchise begleiteten mich schon, als man mich noch „Rotzbengel“ nannte und begründeten sogar ein bis heute andauerndes Interesse an der Wissenschaft.

Selbst ein Raumschiff-Captain zu sein, war buchstäblich ein Traum von mir. Nicht nur einmal. STO lieferte genau das und ich übernahm unzählige Stunden die Kontrolle eines selbst-bemalten Raum-Kreuzers. Mehr als 1.000 Stunden, um genau zu sein, und das zumeist als Solo-Spieler.

star trek online maiks 1000 stunden schiff
Die meiste Zeit in STO war ich mit einer der vielen Varianten der „Enterprise D“ unterwegs – Einer Galaxy-Klasse.

Star Trek Online beamte mich hoch und ich blieb ewig auf der Brücke

Wie konnte das passieren? Solo ein MMO zu spielen, ist gar nicht so unüblich. In einer MeinMMO-Umfrage fanden wir mal heraus, dass fast 10 % der Teilnehmer so gut wie immer solo unterwegs sind. Wir haben sogar eine Liste mit den 6 besten MMOs für Solo-Spieler.

Doch 1.000 Stunden allein durch die Weite des Alls zu fliegen, wirkt dann doch schon happig. Für mich war es zu dem Zeitpunkt aber absolut logisch, denn ich erwartete eigentlich etwas anderes von einem MMORPG.

Als ich angefangen habe MMOs zu spielen, begann die Session meist mit einem aufdringlichen Pfeifkonzert aus dem Router. Das war Ende der 90er-, Anfang der 2000er-Jahre ein Teil der Verbindung mit dem Internet. Große MMORPGs wie „World of Warcraft“ mit 3D-Grafik sollten noch Jahre bis zum Release brauchen und statt eines Battle.net-Launchers hatte ich bloß meinen Internet-Explorer – Denn mein erstes MMO war ein Browser-Game.

Diesem folgten einige weitere Browser-Spiele, bis ich zu „Galactix-Online“ kam, dem Game, das ich am meisten gezockt habe. Hier saß man gemeinsam mit 19 anderen Spielern in einer von vielen Galaxien. Man baute seine Basis, Flotte und Forschung aus und ging auf Raubzüge nach Ressourcen-Asteroiden der Feinde. Hinterhältige Angriffe auf die eigenen Ressourcen-Speicher gehörten ebenfalls dazu. Alle paar Monate gab es einen Reset, der einen Runden-Sieger festlegte und den Fortschritt für die nächste Runde zurück auf 0 setzte.

„GO“ gibt es heute nicht mehr, doch ihr könnt es euch ganz ähnlich vorstellen, wie das deutlich größere OGame. Der deutsche YouTuber „Aeonitas“ stellt euch das Browser-Game in seinem Video vor:

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Als ich bei „Galactix-Online“ einstieg, gab es schon feste Strukturen innerhalb der Spieler-Gemeinschaft. 2 große Allianzen, geführt von wenigen Galaxien, steigerten sich zum Ende der Runden in einen großen Krieg und der Sieger entschied meist auch die ganze „Season“ für sich. Die großen Allianzen bestanden aus extrem aktiven Spielern, die kaum eine Nacht durchschliefen, ohne zu schauen, ob es ihren Schiffen und Asteroiden noch gut geht.

Diese Spieler waren dauernd auf der Suche nach Nachwuchs und scouteten die Punktelisten nach neuen Soldaten, die im Dienst der Allianz ihre Freizeit gaben. Sie waren also auf der Suche nach mir. Durch das Konzept mit den 20 Spielern in einer Galaxie, die alle in einem Boot saßen und sich ein Forum teilten, bildete sich schnell aus einer unbekannten Truppe ein lustiger Haufen. Als „Diplomat“ unserer „Gala“ kam ich auch bei aktiveren Galaxien ins Gespräch und stieg dann von Runde zu Runde auf.

Und etwas Ähnliches habe ich damals auch von „echten“ MMORPGs erwartet. Doch die Realität sah anders aus – Niemand kam vorbei und nahm mich mit. Die Verbundenheit der gesamten Community war viel geringer, nicht allein, weil es auch deutlich mehr Spieler gab, als in meinem kleinen Browser-Game, das irgendwann wegen sinkender Spielerzahlen aufgeben musste.

star trek online deep space nine spieler
Überall sind Spieler, doch kaum jemand spielt zusammen. Fand ich erst komisch …

Wie kamen dann aber 1.000 Stunden zusammen? Aufgrund dieser falschen Erwartungen dachte ich nie daran, einer größeren „Gilde“ beizutreten, die in STO natürlich „Flotten“ heißen. So trottete ich allein durch die Aktivitäten und Star Trek Online schaffte es trotzdem, mich über Jahre hinweg immer wieder in den Bann zu ziehen und so habe ich etliche Spielstunden auf meinem Konto gesammelt.

Die ersten paar Hundert Stunden noch mit einem Kumpel, ging es spätestens nach meinem ersten Comeback nur noch solo ran. STO war für mich wirklich genau das Richtige:

  • Klasse Fan-Service
  • Aussicht auf mehr Content
  • Raumschiff-Grafik bis heute angenehm
  • Starke Raumschlachten im MMORPG-Stil
  • Grind, Grind, Grind

Mir fiel es schwer zu verstehen, dass mal einer der Serien-Darsteller von „Deep Space Nine“ erzählte, er habe viele MMOs gespielt, aber nie Star Trek Online.

Ich konnte stundenlang auf meiner Tastatur die Befehle zur Energie-Verteilung, Kurs-Änderungen oder zum Feuern einhacken. Die Raumschiff-Schlachten im MMORPG-Stil waren ein Riesen-Spaß, an die 40 Fähigkeiten galt es gleichzeitig zu managen. Man verteilt durchgehend Buffs, De-Buffs, weicht aus, zieht das Feuer auf sich und die Zeit rennt in den Gefechten – Es war großartig. Der Fan-Faktor spielte bestimmt auch eine gewisse Rolle.

Irgendwann konnte man dann sogar mit seiner „Flotte“ eine Sternenbasis bauen. Das Ding verschlang unfassbar viel „Dilithium“ (eine der sammelbaren Premium-Währungen) und ich musste meine lange inaktiven Kumpels regelrecht anflehen, um hier nochmal ein bisschen mitzumachen.

Für dieses Ding hab ich mit einer solchen Leidenschaft gegrindet, dass die Basis des „Kampf-Kommandos“ bis heute für meinen unermüdlichen Einsatz in Videospielen steht. Und als Mahnmal, es auch irgendwann sein zu lassen.

Falls ihr mehr von Star Trek Online sehen wollt, schaut bei dem deutschen YouTuber „Teddykrieger“ vorbei. Er begann vor einem Monat nach 4 Jahren wieder mit STO und stellt in seinen Lets-Plays das Spiel mit genügend Hintergrundwissen vor:

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Persönliches Computer-Logbuch Admiral Schneider, Kommandant der „Schnitzelbasis“, Sternzeit 84141,21 – Mein altes Schiff die „Hau Drauf“ dockt für technische Aufrüstungen ein paar Tage bei uns an. Unfassbar, dass die alte Mühle tatsächlich noch Einsätze fliegt. Dasselbe könnte man aber über mich sagen. Ich werd mal schauen, ob „Frachtraum 3“ immer noch eine Tribbles-Brutsätte ist.

Warum hast du aufgehört? Neue Spiele, neue Freunde, neue Herausforderungen. Star Trek Online hat mir lange Spaß gemacht und es versucht auch jetzt, 10 Jahre nach Release, immer noch spannend für seine Fans zu sein. Doch die Luft war dann doch raus. Ziemlich genau mit Abschluss der Sternenbasis, für die ich mehrere Monate jeden Dilithium-Asteroiden in Reichweite auspresste.

Aktuell bin ich vor allem in der Call of Duty: Warzone unterwegs und generell Shooter stehen bei mir im Mittelpunkt. Star Trek Online bleibt für mich aber etwas ganz Besonderes und es wird nie wieder ein Spiel geben, dass ich so lange solo zocke – Auch wenn es eine Zeit lang richtig großartig war.

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Ich hatte auch viele Jahre STO gespielt. Allerdings habe ich ab einem gewissen Punkt gewünscht, das Spiel würde endlich sterben um einem Nachfolger platz zu machen.

Es ist schlecht gealtert, der Bodenkampf hat mir noch nie zugesagt, ab einem gewissen Punkt war das PVP nur noch Grütze und das Monetarisierungsmodell fand ich schon immer zum Kotzen. Die nervigen Lootboxen mit 0,01 % Wahrscheinlichkeit.

Es war schön, aber schöne Dinge enden auch.

Andy

Also ich bin totaler Trekkie Fan, lch habe alle Serien geschaut, auch die Schlechten wie Picard und Discovery(Staffel 1) und war total fanatisch nach dem Spiel,aber die Raumschlachten waren für mich der totale Abturner. Habe es über die Jahre immer wieder einmal versucht,aber mit diesen Weltraumkämpfen kann ich absolut nichts anfangen. Wäre STO im Grunde so ein spiel geworden wie SWtor oder wenigstens so wie Neverwinter Online ich glaube ich würde es heute noch spielen.

Philipp

Warum beantwortet der Autor wichtige Fragen nicht – Kirk oder Picard? Lieber einen Klingonen oder Remulaner daten? Und wer ist Q? Würde mir da schon Antworten wünschen

Benedict Grothaus

Picard – Ryker war einfach der bessere Sidekick.
Klingonen – Sind trinkfester.
Q ist der Buchstabe nach P.

Leya Jankowski

Wenigstens einer, der die wichtigen Fragen hier stellt! Picard, Klingonen, ein Spielkind

Gwildor

Oder wie viele Toiletten sind laut Sternenflottenvorschrift zu installieren, benutzen alle Spezies einen Typ Toilette?
Und warum gab`s nie eine Schalldusch-Szene mit Seven of Nine?

Todesklinge

Bei Star Trek Online bin ich auch noch am zocken und das macht echt noch spass!
Wer Interesse hat soll da mal ruhig reinschauen. Super nette Community im deutschen allgemein Chat (GerSTO).

Die ganzen Episoden (story lines) sind echt nett gemacht!

Das Spiel merkt man das alter schon an, Bodenkämpfe sind noch etwas verbugt… ihr merkt das schon ^^
Die Raumkämpfe sind dafür echt super!

Sein Zeug sammeln, aufwerten usw. Ne richtige Motivation!

Spiele nur als Klingone und da kommt aktuell auch mehr Inhalt (Zeit der Klingonen Update).
Ansonsten etwas PayToWin ist dabei (Shop-Lootboxen), weil da eben die viel besseren Gegenstände sind, aber es geht auch ohne.
Ich z.B habe keine Kisten gekauft und auch nichts vom Lobi-Laden (da gibs das richtig geile Zeug) und kann prima die ganze Story auf schwer spielen, Solo natürlich!

Habe den K6 Flotten-Mogh Schlachtkreuzer (mein einziges Schiff) und das Teil ist einfach perfekt und sieht noch prima aus. Man braucht dafür diese Flottenmodule (gibts om Shop 5 Stück als Paket).
Als Waffen 5x schwere delphische Dualkanonen + 3x Turm füe hinten und der rest auf Schaden und Wendegeschwindigkeit gemacht. Ne echte DPS Maschine.

Es gibt natürlich bessere Schiffe aber das sieht von allen am wenigsten beschissen aus ^^

Apo

Wer interessiert sich für Solospieler in MMOs? Leider viel zu viele!
Haut ab, ihr hab das Genre zerstört 🙁

K-ax85

Haut ab, ihr hab das Genre zerstört

Damit kann ich leben – ich freue mich darüber, dass viele MMO-Spiele heutzutage auch Solo spielbar sind – es gibt meist deutlich mehr zu tun als in Single-Player Spielen. Die meisten MMOs sind RPGs oder Shooter – des entspricht ebenfalls meinen Vorlieben. Wenn ich will kann ich in einem MMO schnell in eine Gruppe einsteigen, muss ich aber Gott sei dank nicht mehr zwingend, da die meisten modernen MMOs auch als Solo-Spieler gut spielbar sind und ich als Feierabend-Zocker/“Gamer Dad“ auch gar nicht die Zeit habe mich aktiv an irgendwelchen Gilden zu beteiligen.

Ja – ich hab Freunde. Mit denen zocke ich regelmäßig Tarkov, Sea of Thieves und Destiny 2 – aber die sind oft schwer für anderes zu begeistern.

Deleane

ich spiele auch WoW fast nur alleine weil mir die community zu asozial geworden ist…

Kruppchan

Fühl ich

Knockaround

En wirklich großartiger Artikel, hat Spaß gemacht, diesen zu lesen, obwohl ich mit Star Trek überhaupt nichts anfangen kann!

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