Schwuler LoL-Profi verlässt türkisches Team – Sagt, Mitspieler beleidigten ihn

Ein türkischer „League of Legends„-Spieler hat sein Profi-Team verlassen, weil es dort zu Beleidigungen gegen ihn und seine Homosexualität kam. Seine Mitspieler bestreiten dies jedoch.

Was ist passiert? Mustafa Kemal „Dumbledoge“ Gökseloğlu, der 2015 als Supporter ein First Blood gegen Superstar Faker holte und damit Bekanntheit errang, erhebt schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Mitspieler des türkischen Teams Papara SuperMassive.

So soll sich ausgerechnet sein Bot-Lane-Partner Berkay „Zeitnot“ Aşıkuzun schwulenfeindlich verhalten haben. Bereits 2017 verließ er deshalb kurzzeitig das Team. Damals war jedoch noch nicht offiziell bekannt, dass Dumbledoge homosexuell war.

Dies teilte der Support-Spieler jedoch im April 2018 mit der Öffentlichkeit. 2019 zog es ihn dann wieder zurück zu SuperMassive. Dort soll es im Februar 2020 erneut zu Beleidigungen gekommen sein, woraufhin Dumbledodge das Team verließ und ein Statement verfasste (das auf reddit ins Englische übersetzt wurde).

Dieses Bild zeigt Dumbledoge beim MSI 2017, bevor die Probleme begannen (Quelle: Flickr)

Was sagen seine Team-Mitglieder? Sein Bot-Lane-Partner Zeitnot bestreitet die Vorwürfe auf Twitter. So soll nicht er der „Zeitnot“ aus den geteilten Screenshots sein. Außerdem habe er sich nie diskriminierend geäußert.

Er bestätigt jedoch, dass es zu Auseinandersetzungen mit Dumbledoge und auch zu „unhöflichem Verhalten“ seinerseits nach einem enttäuschenden Jahr 2019 gekommen sein soll. Darum habe es auch vom Team eine Strafe gegeben.

Beleidigungen begannen bereits 2017

Wann begannen die Probleme? Dumbledoge geht in seinem langen Statement bis zu dem Zeitpunkt zurück, an dem er das erste Mal SuperMassive verlassen hatte. Dabei betonte er, dass sich die Organisation immer gut um ihn gekümmert habe. Auch mit den drei anderen Mitspielern habe es keine Probleme gegeben.

2017 habe er kurz vor dem Ausscheiden im MSI Screenshots von jemandem bekommen, den er nicht näher benennen möchte. Darin sollen sich eSport-Persönlichkeiten schwulenfeindlich geäußert haben. Auch sein Mitspieler Zeitnot war in dem Chat.

Bild von Dumbledoge, Übersetzungen von Invengobal

Einige dieser Personen blockte Dumbledoge daraufhin in den sozialen Medien. Doch Zeitnot, seinem Mitspieler, mit dem er seit 5 Monaten zusammenwohnte und den er als Freund sah, konnte er nicht entgehen.

Daraufhin beschloss er das Team zu verlassen.

In diesem Dialog werden Witze darüber gemacht, Dumbledoge mit Özgür „Scatz“ Yüksel, einem weiteren Spieler, zu „verkuppeln“ (Invenglobal).

Was passierte nach dem Weggang? Aus vertraglichen Gründen konnte Dumbledoge für kein anderes Profi-Team in der TCL starten. Nachdem er in Brasilien ebenfalls kein neues Team gefunden hatte, trat er einem Team in der Academy League bei.

2018 trat er dann dem Team Royal Youth bei. Dort kam es jedoch zu einigen komischen Ereignissen, die dazu führten, dass Dumbledoge das Team verließ. Danach kehrte er 2019 zu SuperMassive zurück, weil er das Team als eines der stärksten der Liga ansah und nur mit ihnen Erfolg erwartete.

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Neue Attacke im Februar 2020

Wie kam es zum zweiten Abgang? Im Spiel gegen Fenerbahçe soll Dumbledoge seinem Coach und den Mitspielern die Wahl gelassen haben, welchen Support-Champion er im Match spielen soll. Daraus interpretierten seine Mitspieler Zeitnot und Pades, dass er kein Interesse an einem koordinierten Spiel und gemeinsamen Austausch habe.

Im nächsten Match wiederum kommunizierte Dumbledoge deutlich, welchen Champion er spielen wolle. Doch auch das soll nicht gut angekommen sein.

Nachdem er mitgeteilt hatte, dass er mit seiner Champion-Combo alle Schlagabtausche mit Xayah und Rakan (die Champions der Gegner) gewinnen könne, bekam er eine fiese Antwort von seinem Mitspieler:

  • „Deshalb habe ich dich in den Playoffs in den Arsch gefickt.“

Diese Antwort beschäftigte Dumbledoge. Als er dann noch Zeitnot nach dem Spiel schlecht über andere und auch über ihn selbst reden hörte, stellte er seinen Mitspieler zur Rede.

Dabei soll es zu weiteren Beleidigungen gekommen sein. Dabei soll Zeitnot auch auf ihn zugegangen und dann von Pades aufgehalten worden sein. Nach diesen Beleidigungen entschied sich Dumbledoge dann, das Team SuperMassive erneut zu verlassen.

Abschiedspost zu Dumbledoge von seinem Team (Quelle: Twitter)

Kein Statement vom Team, aber Entschuldigungen von anderen

Wie reagierte das Team? SuperMassive hat bisher nur bekanntgegeben, dass sich die Wege des Teams und von Dumbledoge getrennt haben. Ein Statement zu den Anschuldigungen gibt es bisher nicht.

Abgesehen von Zeitnot, der die Anschuldigungen bestreitet, haben sich die anderen Mitspieler nicht geäußert.

Dafür gab es jedoch andere Entschuldigungen.

Wer hat sich entschuldigt? Einige Teilnehmer aus dem oben verlinkten Chat haben sich gemeldet. Şükrü „Uthenera“ Şentürk, früherer Coach von Dark Passage, teilte via Twitter mit, dass er sich für seine Aussagen von damals schäme.

Eine Entschuldigung dafür hat Dumbledoge anscheinend schon vor längerer Zeit bekommen.

Auch der frühere Top-Laner von Royal Youth, Kaan „Elwind“ Atıcı, meldete sich. Er habe sich bereits 2018 bei den Rift Rivals bei Dumbledoge für den damaligen Chat entschuldigt.

Wie geht es weiter? Nach eigener Aussage ist sich Dumbledoge nicht sicher, ob er als professioneller Spieler weitermachen kann.

Zudem hat sich auch Riot Turkey noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Es wäre möglich, dass noch Konsequenzen folgen. Dies war auch in Korea der Fall, als zu Problemen um das Team Griffin kam:

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Antiope
1 Monat zuvor

Sexualität sollte natürlich keine Rolle spielen. Für diese angefeindet zu werden ist einfach nur mittelalterliches Verhalten. Und dass das 2020 immer noch ein Thema ist, ist einfach nur traurig. Leben und leben lassen!

PS: Sein Nachname enthält übrigens ein Easteregg: Gökseloğlu spricht man GökseLOLu aus, womit er League of Legends im Namen trägt, da das Ğ stumm ist. Zumindest nach meinem stark limitiertem Verständnis des Türkischen.

Oldboy
1 Monat zuvor

Traurig, dass das im Jahr 2020 noch ein Thema ist…!

exelworks
1 Monat zuvor

Sowas ist natürlich ziemlich peinlich. Klar können bei einem kompetitiven Turnier oder ähnlicher Dinge innerhalb der Grupppe mal Sätze fallen die für aussenstehende etwas hart klingen aber jenseits davon, gerade für die Auswirkung als Team, darf sowas nicht passieren.

Die Gamingszene sollte eigentlich ein Aushängeschild dafür sein, dass dort jeder (zumindest fast jeder) einen Platz findet.

Irina Moritz
1 Monat zuvor

Uff, wünsche dem Mann alles Gute. Man kann sich oft gar nicht vorstellen, wie schlimm das ist, wenn es einen selbst nicht betrifft.

TapTrix
1 Monat zuvor

Also die englischen Übersetzungen sind noch verharmlost btw, die Beleidigungen sind eigentlich viel persönlicher.
Aber mal real talk, Türken sind nicht grade für ihre Tolleranz bekannt und damit meine ich die breite Masse.
Es ist für viele Homosexuelle Türken bereits schwer genug diese Situation in ihrer Familie zu klären, da habe ich ehrlich gesagt kein Verständnis für irgend welche Trash-Andys die mit ihren Fingern auf alles zeigen müssen und sich drüber lustig machen.

Wenn bloß die Cybermobbing Gesetzte etwas fortgeschrittener wären…

Antiope
1 Monat zuvor

Trashandys? Schlechte Erfahrung mit Leuten gemacht die Andreas/Andrew heißen, oder wie?

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