MeinMMO-Redakteurin Caro war als Teenager beim Start von Pokémon GO vor 10 Jahren direkt ab Tag 1 mit am Start. In ihrem Dorf, wo sie damals aufgewachsen ist, gab es nur wenige Spieler und umso weniger Konkurrenz … bis auf eine tägliche Gefahr, vor der sich die bestehende Spielerschaft fürchtete.
Ich erinnere mich gerne an den Sommer 2016 zurück, wo für mich zu dem Zeitpunkt nicht viel wichtiger sein konnte als Pokémon GO. Das Spiel schlug ein wie sonst nichts, und ich durfte endlich mit Freundinnen über Pokémon sprechen, die sich sonst einen Dreck um meine Lieblingsmonster geschert haben.
Damals lebte ich noch in dem Dorf, in dem ich von klein auf aufgewachsen bin. Als das Spiel gerade heiß wurde, kam es oft vor, dass meine Freundinnen und ich – zum Schock meiner Eltern – freiwillig nach draußen gegangen sind, um Pokémon zu fangen, Pokéstops zu drehen und Arenen einzunehmen.
Da ich ziemlich am Arsch der Welt lebte, gab es nicht viel Konkurrenz. Die meisten, die spielten, waren in meinem Alter, weshalb wir meistens zusammengearbeitet haben. Team Rot war zum Glück eine beliebte Wahl.
Trotzdem erstrahlte mein Dorf in der App fast durchgehend in Gelb. Denn es gab eine Gruppe, mit der es niemand aufnehmen konnte: die hochmotivierte, spaziergangsfreudige und Pokémon-begeisterte Großfamilie.
Gegen sie hatte niemand eine Chance
Während es unter uns Jugendlichen kaum Stress gab, beinah sogar eine unausgesprochene Balance von roten und blauen Arenen, war unsere Arbeit gefundenes Fressen für die mehrköpfige Familie, die sich täglich mit Powerbanks und Gleichschritt auf den Weg machte, um alles einzunehmen, was nicht in grausigem Gelb erstrahlte.
Die Familie war dafür bekannt, innerhalb eines Tages alle Arenen im gesamten Dorf zurückerobert zu haben, was wir uns hart und fair Hand in Hand erkämpft haben. Wenn man sie von Weitem sah, wusste man: Wenn wir hier weitergehen, bringt das gar nichts. Keine Chance.
Vater, Mutter, Kinder und sogar eine Oma gehörten zu dem 9- oder 10-köpfigen Team, das Angst und Schrecken verbreitete. Wir staunten jedes Mal, wie die Familienarmee für vielleicht 30 Sekunden anhalten musste, um eine ganze Arena zu leeren und neu zu besetzen. Wir hätten gestaunt, wären wir nicht so verärgert.
Aufregen konnten wir. Den Mund aufmachen? Weniger
Allerdings waren wir auch alle zu ängstlich und schüchtern, um auch nur eine Person von ihnen anzusprechen. Wir regten uns lieber still und heimlich auf und verzogen dann kein Gesicht, wenn sich der Weg mal kreuzte.
Ich frage mich manchmal, ob die Familie bis heute, ganze 10 Jahre später, immer noch spielt. Beim nächsten Besuch im Dorf werde ich es überprüfen müssen.
Pokémon GO war damals ein absolutes Phänomen, das Jung und Alt abgeholt hat, um gemeinsam kleine digitale Monster zu fangen und laut zu schreien, wenn irgendwo mal ein Glurak spawnt. Ein Spieler sagt jedoch anhand eines Jubiläums-Events in New York: Das ist heute ganz anders: Während Influencer zum Jubiläum von Pokémon GO ein heftiges Mewtu kriegen, bleibt das dem gemeinen Volk vorenthalten – und die sind sauer
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