Eine Firma in Schweden macht die besten Strategie-Spiele auf Steam, jetzt brennt ihnen die Bude

Eine Firma in Schweden macht die besten Strategie-Spiele auf Steam, jetzt brennt ihnen die Bude

Das Studio Paradox Interactive ist seit 20 Jahren die beste Adresse, wenn es um Strategiespiele geht. Aktuell haben die Schweden mit Hearts of Iron IV, Crusader Kings 3, Europa Universalis V, Stellaris und Victoria 3 gleich 5 herausragende Strategiespiele in den Bestenlisten auf Steam. Aber wie ein glaubwürdiger Insider-Bericht zeigt, hat die Firma jetzt Probleme. Mit dem Streichen einer großzügigen Homeoffice-Regelung sinkt die Moral der Belegschaft.

Für welche Spiele ist Paradox bekannt? Paradox ist für historische Spiele im Sub-Genre „Grand Strategy“ bekannt. In den Spielen von Paradox kann man gewaltige Imperien errichten und Geschichte nacherleben:

Ihr aktuell erfolgreichstes Spiel ist Hearts of Iron IV, ein Paradies für Modder, das erreicht auch 9 Jahre nach Release noch 62.000 gleichzeitige Spieler in der Spitze auf Steam.

Der Mix aus Rollenspiel und Strategiespiel Crusader Kings 3 ist als Geschichten-Generator beliebt und hat eine treue Fanbase, die besessen von einem Thema ist.

Ihr SF-Epos Stellaris ist heißgeliebt und hat mittlerweile Kult-Status erreicht.

Doch jetzt hat das Studio offenbar Probleme.

Paradox streicht Home Office, lässt sich nicht auf Diskussionen ein

Was für Probleme hat das Studio? Wie ein Bericht auf GameDeveloper zeigt, hat das Studio aktuelle Probleme mit der Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Das Magazin berichtet unter Bezugnahme auf anonyme Quellen bei Paradox, dass das Studio in Stockholm während der Corona-Pandemie auf eine eingeschränkte Home-Office-Regelung umgestellt hat:

  • Entwickler konnten 3 Tage die Woche im Studio arbeiten und 2 Tage von zu Hause aus
  • Doch ab Februar 2025 sollten sie wieder 4 Tage die Woche im Büro sein
  • Ab September 2025 ist es mit dem Home-Office endgültig vorbei und sie sollten wieder 5 Tage die Woche im Büro sein

Mitarbeiter reagieren mit Unmut auf Büropflicht

So kam das an: Laut dem Bericht kam die Entscheidung des Managements schlecht an und im Call, in dem die Entscheidung mitgeteilt wurde, wurde kräftig mit negativen Emojis reagiert.

Denn viele Mitarbeiter haben in den letzten Jahren das flexible Arbeiten im Home Offcie schätzen gelernt und ihr Leben danach ausgerichtet. Im Zoom-Call hagelte es negative Emotionen, wenn der Manager sprach. Wer hingegen Zweifel an der Regelung anmahnte oder Nachfragen stellte, wurde im Chat mit positiven Emojis gestützt.

Aber die Firma ließ sich auf keine Diskussion ein und beorderte die Mitarbeiter zurück ins Büro, mit der Ansage, man brauche wieder mehr Produktivität und Kontakt zueinander.

Den Verweis auf Studien, dass Home Office die Produktivität fördere, lehnte man ab. Was für andere Firmen gelte, müsse auf Paradox nicht zutreffen.

Das sagt die Firma: In einem Statement an GameDeveloper sagt Deputy CEO Mattias Lija, die Arbeit im Büro sei der erwartete Normalzustand und man erwarte, dass sich Angestellte generell daran halten.

Wen man aber abseits von Stockholm eingestellt habe, der könne auch dort bleiben. Für den gelte die Büropflicht nicht.

Die Firma gibt aber zumindest etwas Spiel und sagt, man könne für einzelne Angestellte auch individuelle Regeln je nach Umständen finden und sei bereit, die Sache noch mal zu verhandeln, wenn Paradox negative Konsequenzen spüre.

Jeder Fünfte sucht sich angeblich grade einen neuen Job

Das ist das Resultat: Laut des Berichts hat sich die Entscheidung der Firmenleitung extrem negativ auf die Stimmung der Angestellten ausgewirkt.

Die Gewerkschaft hat eine Umfrage unter den Angestellten ausgeführt und etwa 300 Antworten von Mitarbeitenden aus den vielen Unter-Studios erhalten. Laut der Umfrage:

  • Sagen 34 % der Befragten, die neue Regelung würde es wahrscheinlicher machen, dass sie sich nach einem neuen Job umsehen
  • suchen 20 % der Befragten bereits nach einem neuen Job

Laut Game Developer hätten alle Angestellten, mit denen sie gesprochen hätten, frustriert gewirkt, gerade in Bezug auf die Argumentation von Paradox, Büropflicht steigere die Produktivität.

Aus ihrer Sicht sorgt die neue Büropflicht jetzt nicht dafür, dass sie produktiver werden. Es fehle nun auch jede Motivation, sich zu verbessern:

  • Wenn die Resultate jetzt besser werden, hieße das ja, dass das Management recht habe
  • Wenn die Performance schlechter wird, heißt das zwar, dass sich das Management geirrt hat, aber im schlimmsten Fall hätte man dann keinen Job mehr und in der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt sei das schlecht

Zudem würden Gerüchte kursieren, dass Paradox den wichtigsten Mitarbeiter angeboten hätte, sie von der Büropflicht auszunehmen, das wurde aber vom Management dementiert.

Welche Auswirkungen hat das für Spieler? Das wird darauf ankommen, wie Paradox mit der Situation umgeht. Wir haben bei einigen großen Studios erlebt, dass sich um eine charismatische Führungsfigur eine Reihe von unzufriedenen Mitarbeitern geschart hat und das Studio gemeinsam verlassen haben, um dann – oft in derselben Stadt – ein Studio zu gründen, das familiärer funktioniert.

Gerade im Zuge der Corona-Pandemie ist das häufiger passiert, wobei von diesen Studios bislang noch nicht viel gekommen ist, die meisten stecken noch in der Entwicklung. Wir wissen also nicht, ob das letztlich für Spieler eine gute Entwicklung ist oder nicht:

  • Ghostcrawler hat Riot Games verlassen, um ein eigenes MMORPG zu entwickeln
  • Mike Morhaime hat Blizzard verlassen, um in kleinerem Rahmen Spiele zu entwickeln
  • Ben Brode ist von Blizzard weg und hat mit Marvel Snap einen Hit gelandet
  • Harold Ryan hat Bungie verlassen und „Probably Monsters“ direkt in Seattle gegründet, da kam bislang aber lediglich der Riesen-Flop Concord raus

Ein solcher Exodus an erfahrenen Mitarbeitern wäre sicher für Paradox der Worst Case, dass man sich da die eigenen Top-Talente zu Konkurrenten macht und mit denen künftig um Talente und Aufmerksamkeit konkurriert.

Warum hat Paradox so Schwierigkeiten? Obwohl die eigenen Strategiespiele von Paradox gut laufen und über DLCs konstant monetarisiert werden, hatte Paradox als Publisher eine Reihe von Flops, darunter finanzielle Misserfolge wie City Skylines 2 oder Lamplighter League. Zudem wurden eine Reihe von Projekten eingestellt, wie zuletzt Life by You. Neues Spiel der Strategie-Genies aus Schweden kostete 28 Millionen Euro, ist dennoch für Publisher „eine große Enttäuschung“

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Pille

Anstatt das sie hoi einfach auf Konsole Releaseen oder Europa universalis hatten sie wenigstens für kleinen Aufwand erstmal bissi Geld stellaris läuft doch super gerne auch mit Maus und Tastatur Steuerung die fehlt ja leider bei atellaris

Berndiso

Richtig so, wer Geld verdienen will soll gefälligst auf Arbeit gehen, und nicht zu Hause arbeiten. Corona ist schon lange vorbei.Und er kein bock hat kann ja zu Hause bleiben und wird gekündigt, gibt genug Programmierer die nen job suchen.

quick.n.dirty

Warum soviel Hass?
Ich glaube viele Probleme heute kommen daher, dass Menschen anderen Menschen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. “Menschen dürfen nicht homosexuell sein oder sie dürfen kein Cannabis konsumieren! Und sie dürfen kein Homeoffice machen!” Es beeinflusst dich absolut 0, aber aus Prinzip! Traurig.

Winter

Gibt leider immer Leute die sich beschweren und denken Home Office oder ähnliches wäre keine richtige Arbeit.

Home Office kann so sehr die Motivation stärken, das sowas eher förderlich ist. Gerade in Firmen wo man sicher eh nichts vor Ort hat, weswegen der Gang zum Büro wichtig ist, außer zum Team Zusammenhalt. Und am Ende ist es doch egal ob jemand allein in seinem Büro Zimmer sitzt und arbeitet oder Zuhause im Zimmer und die selbe Arbeit macht.

Und 2 Tage von Zuhause aus ist jetzt nichtmal so viel. Wenn das reicht damit die Glücklich sind und bessere DLC (das ist ja Paradox Hauptgeschäft) erschaffen, warum nicht?

Roan

Bzgl der 2 Tage Home-Office die Woche fand ich die Bemerkung über die “großzügige” Home-Office Regelung im Artikel doch sehr merkwürdig. Großzügig ist es, wenn jeder Mitarbeiter frei entscheiden kann, wann und wie viel Home-Office er macht, sofern keine wichtigen betrieblichen Gründe dagegen sprechen (für Teamzusammenhalt kann man ja regelmäßig Termine vereinbaren wo dann das ganze Team im Büro ist). 2 Tage die Woche Home-Office ist meiner Meinung nach nicht großzügig, das ist gerade so noch das Minimum wo man noch ein kleines bisschen Flexibilität hat, bei 1 Tag die Woche gibt es kaum noch einen Unterschied zu gar kein Home-Office.

Auf dämliche Neiddebatten braucht man gar nicht eingehen, und zwar völlig egal um welche Berufsgruppe es geht, ob man nun Lehrer um die angeblich viele Freizeit beneidet, Beamte um die tollen Privilegien oder eben Softwareentwickler wegen Home-Office, sowas ist jedes Mal lächerlich und jedes Mal denke ich mir da nur, dass doch generell jeder die Möglichkeit hat in diesen berufen zu arbeiten, wenn es doch so toll sei.

Mithrandir

This!

Diese: “Arbeit muss hart und unangenehm sein, ihr Weicheier!!!”-Attitüde habe ich noch nie verstanden.

Wünschen solche Leute dann auch allen schlechte Chefs, nur weil manche Leute schlechte Chefs haben? Und sollen wir wieder Kinder in Kohlenminen schicken?

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