Wie mir MMORPGs noch Spaß machen, obwohl ich Job und Familie habe

MeinMMO Autor Andreas Bertits ist verheiratet, hat drei Kinder und arbeitet Vollzeit. Er erklärt, wie das zeitintensive Hobby MMORPG trotzdem klappt.

Immer mehr Spieler beschweren sich darüber, weniger Zeit für die Inhalte in zeitintensiven MMORPGs zu haben.

Wer sich dafür entscheidet, eine Familie zu gründen, der muss Kompromisse bei den Hobbys eingehen. Gerade bei MMORPGs kann das schwierig werden. Hier ist einfach Umdenken angesagt, um weiterhin Spaß haben zu können.

Ultima Online - einer der Vorreiter bei den Sandbiox-MMOs

Spielen als Teil des jugendlichen Lebens

Ach, was habe ich früher Nächte durchgezockt.

Meine ersten Schritte im MMORPG-Genre unternahm ich 1997, als Ultima Online veröffentlicht wurde. Als Fan der Ultima-Reihe musste ich den Online-Ableger einfach spielen. Das war aber zu jener Zeit alles andere als einfach. Denn Internet-Flatrates gab es noch nicht und flatterte die monatliche Telefonrechnung ins Haus, schwitzte ich das eine oder andere T-Shirt durch, weil ich befürchtete, mal wieder über meinem Budget zu liegen.

Hinzu kamen technische Probleme mit der Telefonanlage. Zwar besaßen wir bereits eine ISDN-Leitung, allerdings warf mich unsere Telefonanlage immer dann aus den Netz, wenn jemand anrief.

Nichtsdestotrotz spielte ich, so viel ich nur konnte. Everquest kam 1999 hinzu. Im selben Jahr lernte ich jedoch auch meine spätere Frau kennen. Das Zocken rückte ein wenig in den Hintergrund. Allerdings ist meine Frau ebenfalls begeisterte Spielerin, weswegen wir unser Hobby gemeinsam genießen konnten. Vor allem Diablo 2 wurde exzessiv online gespielt.

Diablo 2 Artwork

Wie Job und Familie alles verändern

2003 bekam ich das Angebot, ein Volontariat beim Computec Verlag antreten zu können. Ich ließ mich also zum Redakteur ausbilden. Vorteil war, dass ich nun sehr viele Spiele zocken „musste“, darunter auch jede Menge MMORPGs.

2004 wurde meine erste Tochter geboren. Und schlagartig änderte sich alles.

Man hört oft, dass sich das Leben mit der Geburt eines Kindes um 180 Grad dreht und denkt dann: „Ja, ja. Redet nur. Bei mir passiert das nicht!“ Doch genau diese radikale Veränderung, von der alle reden, ist eingetreten. Und zwar in vielerlei Hinsicht.

division-baby-agent

Während ich mir vorher weniger Gedanken um meine Zukunft gemacht habe und vielleicht nicht gerade der verantwortungsbewussteste Mensch der Welt war, erkannten mich Freunde und Familie nach der Geburt meiner Tochter nicht wieder.

Ein Kind bedeutet viel Arbeit, die man als Vater nicht auf die Mutter alleine abwälzen kann. Und ein Kind fordert sehr viel Aufmerksamkeit. Also rückte das Spielen immer weiter in den Hintergrund, da die Kleine beschäftigt werden wollte und immer weniger Zeit zum Zocken übrig blieb.

Auf der Arbeit konnte ich zudem nicht mehr so viele Überstunden machen, sehr zum Leidwesen der Chefs. 2008 kam meine zweite Tochter zur Welt und 2011 die dritte. Und jedes Mal kommt ein weiterer Mensch ins Leben, der Zeit und Aufmerksamkeit braucht und um den man sich kümmern muss. Es ist ein Balance-Akt, Familie, Arbeit und Freizeit unter einen Hut zu bekommen.

3 Paare erzählen von ihrer gemeinsamen Zeit in The Elder Scrolls Online
World of Warcraft Warlords of Draenor

Spielen funktioniert noch, aber anders

Und doch ist es mir nach wie vor wichtig, zu spielen. Es ist ein Teil von mir, den ich nicht aufgeben möchte. Die Zeiten, zu denen ich jede Minute Freizeit am Computer in anderen Welten verbracht habe, sind allerdings vorbei. Dennoch bleibt noch Zeit zum Spielen übrig. Diese will dann sinnvoll genutzt werden.

Stundenlange Raids, die früher in World of Warcraft an der Tagesordnung standen, sind zur Seltenheit geworden und müssen genau geplant werden – und selbst dann kommt oft was dazwischen. Zu versuchen, der mächtigste Spieler des Servers zu werden oder zumindest, mit anderen Spielern mitzuhalten, ist im Grunde unmöglich geworden.

Nun könnte man sich natürlich gewisse Booster in Ingame-Shops kaufen, doch als Familienvater stelle ich mir dann die Frage, ob ich das Geld nicht irgendwie sinnvoller ausgeben könnte. Mit einem Kinobesuch beispielsweise, der bei einer 5-köpfigen Familie heutzutage richtig ins Geld geht.

Dennoch spiele ich noch MMORPGs. Allerdings anders als früher. Es ist mir nicht mehr wichtig, zu versuchen, mit anderen Spielern mitzuhalten. Ich begebe mich nicht mehr auf die Jagd nach allen Set-Items, ich grinde nicht gerne oder versuche, die Spielmechaniken zu analysieren, um den besten Build zu bekommen. Ich spiele nach meinem eigenen Rhythmus.

Elder Scrolls Online Argonier kampf

Man muss seinen eigenen Spaß finden

Mir geht es darum, in der Zeit, die ich in einem MMO verbringen kann, so viel Spaß wie möglich zu haben. Und das funktioniert bei mir meistens über die Story und über Quests. Und über das Erkunden der Spielwelt.

Besonders dankbar bin ich den Entwicklern, die auch mal kürzere Quests in ein Onlinespiel einbauen. Missionen, die sich mal schnell in 15 Minuten erledigen lassen. Natürlich spiele ich weiterhin längere Quests.

Es ist eben die Möglichkeit, zwischendurch mal schnell was erledigen zu können und ein Erfolgserlebnis zu genießen, was ein MMO für mich attraktiv macht. Während andere dies nicht so gut finden, freue ich mich darüber, dass immer mehr Entwickler Inhalte für Spieler wie mich anbieten.

final fantasy xiv blaumagier cast

Ich habe nach wie vor großen Spaß in Online-Rollenspielen und probiere gerne mal neue Titel aus.

Wenn ich mal den Auftrag bekomme, ein MMORPG zu testen, dann genieße ich diese Zeit besonders, da ich dieses Spiel dann ja intensiver spielen „muss“. Das erweckt dann die Erinnerung an frühere Zeiten.

Doch generell in meiner Freizeit hat es sich aufgrund von Job und Familie stark verändert, wie ich spiele. Kürzere Spielsitzungen sind angesagt, die so spannend wie möglich sein sollten und in denen ich trotz der kurzen Zeit Erfolgserlebnisse genießen kann.

neverwinter ps4 2

Manche mögen das vielleicht schade finden, ich habe mich damit arrangiert und finde es gut so. Man verändert sich eben mit der Zeit und andere Dinge finden ihren Weg ins Leben, um die man sich zusätzlich kümmern muss. Das hat auch die Spieleindustrie erkannt und bietet entsprechend Inhalte für Spieler mit weniger Zeit an.

Da bin ich froh, mein Hobby trotzdem noch auf meine Weise ausleben zu können. Und genau das ist doch das Gute an Computerspielen und in diesem Fall an Onlinegames. Man hat oft die Möglichkeit, die Spiele auf seine ganz eigene Weise genießen zu können.

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Lygras Hypocrit

Mir geht es ähnlich, mit der Zeit nimmt der try hard mode den man in der Jugend noch hatte deutlich ab. Ich versuche meine Zeit in Onlinespielen deshalb so effizient wie möglich zu gestalten was leider immer schwieriger wird. Es lässt sich kaum noch wirklich gezielt auf etwas hinarbeiten dank omnipräsentem und nicht minder schwachsinnigem RNG überall.

Hogak

Dem kann ich nur Zustimmen.
Jeder muss für sich den besten Weg finden und der ist bei jedem anders.

Finde es aber am schönsten zu lesen, wenn von Menschen Tipps gegeben werden, die selber nicht in der Situation sind aber glauben zu wissen wie es geht.

IchhassePvP

Erinnere mich noch gut an einen Satz einer Mitspielerin an einem sehr, sehr weit zurückliegenden Raid-Abend, “meine sind es nicht, die sind im Bett wie sich das gehört”, sagte genannte Mitspielerin seiner Zeit als via TS im Hintergrund gegen 22 Uhr plötzlich Kinderstimmen zu hören waren.
Warum gibt es denn z.B. sogenannte Nachtraids, die meist gegen ca. 23 Uhr starten und häufig um ca. 2 Uhr enden?
Ich würde mal vermuten weil zu dieser Zeit die Kinder im Bett sind, wo sie um diese Uhrzeit auch hingehören, und diese Uhrzeit wohl den Kompromiss mit “der bessere Hälfte” darstellt.
Ich denke daher dass das Zauberwort Zeitmanagement lautet, woran es denke ich bei vielen Leuten mangelt.

Hogak

Ich vermute keine Kinder und keinen Job der es verlangt regelmäßig zu einer bestimmten Zeit z.B. 0800 Uhr (wenn dann noch Kindergarten/Schule davor steht, steht man um 0530 auf) vor Ort zu sein, ansonsten würde man sowas nicht schreiben.

IchhassePvP

Falls es dich interessiert, mein Arbeitsbeginn wechselt wöchentlich von 6, auf 22 hin zu 14 Uhr.
Und selbst wenn ich um 6 Uhr anfangen muss bin ich teils noch um 2 Uhr Morgens am Rechner.
Da ich keine Kinder habe kann ich mich schließlich nach Feierabend die ein oder andere Stunde hinlegen.

Aber wer meint seine 8 Stunden Schlaf zu brauchen der wird natürlich nicht mit 2-4 Stunden Schlaf zur Arbeit gehen, ob mit oder ohne Kinder.

Es liegt also anscheinend doch am Zeitmanagement.

Phinphin

Zeitmanagment mit Kleinkindern. Hab mal laut gelacht.
Wenn deine Dreijährige um 22 Uhr mitten im Raid auf der Matte steht und nicht schlafen kann oder sonst ein “Problem” hat, nützt dir auch das Zeitmanagement nichts.

Bermuda

Schlafen ist ein lebensnotwendiges Grundbedürfnis, zocken nicht. Wenn du zocken über schlafen stellst, ist das kein Indikator für gutes Zeitmanagement sondern eher Hinweis auf eine latente Suchtproblematik…

Hogak

Ich will hier nicht streiten, aber reden wir weiter wenn du Kinder hast. Dann ist es nichts mehr mit nach Feierabend kurz hinlegen.
Und das Zeitmanagement mit Familie würde ich nicht unterschätzen.
Nur so als Denkanstoss:
Man urteilt erst, wenn man ein paar Kilometer in den Schuhen des anderen gegangen ist. (ich kenn die Schuhe ohne/mit Kinder, du nur einen Teil davon)

IchhassePvP

Also ich bin knapp 40, auf halbwegs absehbare Zeit sind keine Kinder in Planung, zugegeben kann das auch ungeplant bzw. unverhofft passieren, nur denke ich aus heutiger Sicht nicht dass es bei mir noch jemals Kinder geben wird.
Für mich sind Kinder einfach kein sonderlich erstrebenswertes Lebensziel.

N811 Rouge

Stören dich eigentlich nicht auch diese vielen Leute im Internet, die von sich selber zu glauben am besten zu Wissen, wie der Hase laufen müßte? ;-))

Nebenbei, für keinen Zock der Welt würde ich dauerhaft auf meine 6-8 Stunden Schlaf pro Nacht verzichten wollen. Dafür schlafe ich einfach zu gern 🙂

IchhassePvP

Wieso liest du bitte Kommentare von anderen Nutzern wenn dich offensichtlich deren Meinung stört?
Übrigens sind mehr wie 7 Stunden Schlaf pro Nacht wissenschaftlich erwiesen gesundheitsschädlich.
Den ein oder anderen Tag in der Woche geht es zumindest bei einigen in meinem Bekanntenkreis und bei mir selbst auch mit deutlich unter 7 Stunden Schlaf.
Ein Sprichwort besagt dass man schlafen kann wenn man tot ist, zwar nicht gerade meine Devise, aber gibt offensichtlich Leute die ihrem Schlaf weniger Priorität einräumen als du.

Bermuda

Ich glaube er riuge hat das auf die Mitspielerin bezogen die du in deinem Kommentar erwähnt hast und nicht auf deinen Kommentar per se.

Das mit den 7 Stunden Schlaf…hast du da Belege für? Die Studie die das belegen soll würde ich mir gerne anschauen.

Ich glaube nicht, dass nachts raiden bei Vollzeitjob und Familie zu Regelarbeitszeiten möglich, geschweige denn Gesund ist. Ich bringe meine Kinder ins Bett um habe dann um ca 21.00 uhr ne Stunde Zeit zum zockeln. Dann muss ich schlafen ????

Soldier224

Ich denke halt es hängt mit der eigenen Einstellung zusammen. Viele Sachen die lang dauern muss man nicht an einem Stück durchhetzen. Man muss lernen sich das eben einzuteilen. Dann dauerts zwar noch länger aber man hat auch mehr davon. Gerade das mit dem eigenen Rythmus empfinde ich als sehr wichtig.

Letztlich muss deswegen aber nichts gekürzt werden vom Spiel her. Man sollte auch bedenken um so schneller man etwas hat was man anstrebt, umso eher weiß man nicht mehr was man dann noch tun soll. Klar verstehe ich dennoch wenn manche hier und da mal frustriert sind weil etwas länger dauert, aber das Konzept eines MMorpgs beruht nicht darauf es schnell durchzuspielen sondern eher darauf den Spieler am spielen zu halten. Und es ist einfach nicht möglich jeden Tag ein Addon mit einem neuen Gebiet und neuen Quests zu bieten. Daher braucht es Grind und daher braucht es schwierige Inhalte.

GestiefelterAffe

Amen Bruder!

Keragi

Für mich persönlich wären kinder jetzt nichts^^ aber sonst sehr schön geschrieben dein artikel man erkennt die Leidenschaft.

barkx_

Guter Text ????

Rico

Es ist immer wichtig einen Job zu haben, aber deswegen auf ein Hobby, niemals, man braucht einen ausgeleich, egal ob es Computerspiele sind oder Fitnesstudio.
Bei einer Familie, sollte man sich mit seiner Partnerin/Partner absprechen, ich denke man findet immer eine Lösung, aber natürlich hat die Familie immer vorrang.

Rico

verzichten hab ich vergessen^^

Sina Tyler

klasse geschrieben! und passt mit “..man muss seine eigene weise finden…”

SVBgunslinger

Top Artikel! Kann ich mich gut mit identifizieren ^^
2 Kinder und Vollzeitjob erfordern aber auch mal einen Ausgleich. Ich hab mit meiner Frau, die nichts mit Games am Hut hat, da klare Strukturen.
2-3 feste Abende in der Woche wird mit den Jungs gezockt sobald die Kids im Bett sind und die restlichen Abende gehören halt der Familie und RL-Freunden.

Jedoch messe ich mich immernoch am liebsten im PVP. Klar bin ich nicht einer der oberen 3% aber umso mehr freue ich mich wenn ich trotz wenig Zeit oben mithalten kann und behalte dennoch einen gewissen Anspruch an mein Team und mich.

Beim Grind bin jedoch auch sehr auf Effizienz bedacht.

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