Alle Big Player fokussieren sich auf ihre Mega-Franchises, der größte Branchen-Experte erklärt, warum das der Weg ist

Jason Schreier Blizzard

In seinem neuen Video beleuchtet Branchen-Experte Jason Schreier die Strategien großer Spielefirmen wie Xbox, EA sowie Sony, und warum kleine Spieleperlen dort kaum eine Rolle spielen.

Wer ist Jason Schreier? Der Branchen-Journalist von Bloomberg hat sich in den vergangenen Jahren durch seine diversen Investigativberichte einen Namen gemacht. Es gibt kaum einen anderen Insider, der so gut in der Games-Branche vernetzt ist. Wenn irgendwo der Baum brennt, dann gehen Betroffene zu Schreier, um davon zu berichten.

Auf YouTube hat Schreier vor einigen Wochen einen Kanal gestartet, um allen Interessierten tiefe Einblicke in die Games-Branche zu gewähren. Im aktuellen Video nimmt sich der Journalist der Frage an, warum die Großen der Branche – wie ein Xbox, Sony, Take-Two oder Electronic Arts – ständig diese riesigen, 500 Millionen Dollar teuren Blockbuster machen, statt das Geld in 500 Spiele zu investieren, die jeweils nur 1 Million Dollar kosten?

Die Chance, dass unter diesen 500 Spielen das nächste Stardew Valley oder Balatro schlummert, das ein Vielfaches der Kosten in die Kasse spült, dürfte doch sehr hoch sein, oder?

Seine These: Die Großen können gar nicht anders.

Xbox wird Call of Duty in den kommenden Jahren genauso melken wie Activision in der Vergangenheit:

Video starten
Modern Warfare 4 zeigt im Trailer, was euch im neuen Call of Duty erwartet

Der Zwang zur Größe

Warum sind die Großen der Größe verpflichtet? Jason Schreier liefert dafür in seinem 20 Minuten langen Video gleich mehrere Argumente:

  • Der Fokus der Großen liegt auf dem ROI, dem Return on Investment. Wenn man 500 Millionen Dollar investiert, sollen daraus am Ende nicht nur 600 Millionen Dollar werden, sondern 1 Milliarde. Kleine Spiele kosten weniger, bieten aber auch deutlich weniger Potenzial für die Maximierung vom ROI.
  • Bei riesigen Konzernen kommt dazu, dass die Spiele-Abteilungen mit den anderen Bereichen konkurrieren. Xbox konkurriert nicht nur mit PlayStation, es konkurriert auch mit Microsofts anderen Geschäftsfeldern wie Azure und Windows. Wenn dort der ROI deutlich höher ausfällt, wirkt sich das auf die Strategien für und Investitionen in Xbox aus.
  • Dieser interne Kampf findet auch bei reinen Games-Publishern statt. Wenn bei einem EA ein kleines und ein großes Spiel parallel erscheinen, dann dürfte jedem klar sein, welches der beiden Projekte den Großteil vom verfügbaren Marketing-Budget bekommt oder beim Engine-Support besser unterstützt wird. Ressourcen sind endlich und müssen mit Priorität verteilt werden.
  • Ein kleines Spiel machen und hoffen, dass es das nächste Balatro wird, das kann heutzutage fast jeder. Es gibt aber nur wenige Unternehmen, die hunderte Millionen Dollar für ein einziges Spiel in die Hand nehmen und etwas wie GTA 6 umsetzen können. Diesen Vorteil müssen Unternehmen wie ein Take Two oder EA ausspielen, um beispielsweise den erhofften Hype zu generieren und Aktionäre zufriedenzustellen.
  • Für große Spielehersteller ist es heutzutage nicht nur wichtig, dass Spieler Geld in ihre Produkte investieren. Sie sollen auch viel Zeit in ihren Spielen verbringen. Diese Art von „Engagement“ lässt sich am besten über große Franchises und Services generieren.
  • Ein hohes „Engagement“ der Community schafft wiederum eine enorme Sichtbarkeit, durch die potenzielle Kunden im besten Fall immer wieder und wieder mit dem jeweiligen Spiel in Berührung kommen – und es dann irgendwann ausprobieren. Spiele, die es schaffen, eine kritische Masse an „Engagement“ aufzubauen, sind im Normfall auch finanziell ein großer Erfolg.

Ihr könnt euch das ganze Video von Jason Schreier im Folgenden oder auf YouTube anschauen:

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Personenbezogene Daten können an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Link zum YouTube Inhalt

Was verrät der Experte noch? Tatsächlich startet das Video mit einer Anekdote zu Blizzard. Dort hatte man vor dem Start von WoW das ambitionierte Ziel, am Ende des Jahres etwa eine Million Spieler zu haben. Der größte Konkurrent EverQuest kam zu dieser Zeit auf rund 500.000 Spieler.

WoW explodierte bekanntlich und nach 12 Monaten hatte man bereits unfassbare 5 Millionen Spieler nach Azeroth gelockt. Nach einigen Jahren waren es sogar 12 Millionen zahlende Abonnenten. Dieser Erfolg machte aus der recht kleinen, aber namhaften Meilenstein-Schmiede Blizzard in vergleichsweise kurzer Zeit einen riesigen Live-Service-Konzern.

Dazu passt auch dieser Artikel:

Mehr zum Thema
Nicht Activision hat das „gute, alte Blizzard“ auf dem Gewissen, sondern der Erfolg von WoW
von Karsten Scholz
Nicht Activision hat das „gute, alte Blizzard“ auf dem Gewissen, sondern der Erfolg von WoW

Dieser enorme Erfolg von WoW wirkte sich aber nicht nur auf die Größe und Ausrichtung von Blizzard aus. Das Spiel war wie eine Art Schwarzes Loch, das innerhalb des Studios derart viele Ressourcen an sich band, dass darunter zeitweise andere Projekte wie Starcraft 2 und Diablo 3 leiden mussten.

Da es hier um Fortsetzungen erfolgreicher Reihen ging, war es allen aber klar, dass diese Spiele irgendwann fertig werden müssen. Ganz anders sah es bei einem kleinen Kartenspiel aus, das ein kleines Team für das Warcraft-Universum bauen wollte.

Hier mussten die Entwickler nicht nur immer wieder bei wichtigeren Projekten aushelfen, es gab wohl auch Druck von oben, die Arbeiten komplett einzustellen, damit die Devs an WoW und Co. Vollzeit arbeiten können. Erst nach 4 Jahren Entwicklung erhielt die Gruppe grünes Licht und damit die Sicherheit, dass sie ihr Hearthstone tatsächlich fertigstellen dürfen. Gute Entscheidung. Hearthstone wurde ebenfalls ein großer Erfolg für Blizzard.

Fun Fact: Das kleine Team hätte sich laut Schreier nach dem großen Erfolg von Hearthstone nur zu gern auf das nächste kleine Projekt gestürzt. Leider mussten die Entwickler dann aber feststellen, dass sie jetzt erstmal hier festhängen, um diesen erfolgreichen Service weiter mit Inhalten zu versorgen.

Gründe für den Fokus auf Blockbuster gibt es also einige. Würdet ihr dennoch gern mehr kleine Spiele von den Big Playern der Games-Industrie sehen? Verratet es uns gern in den Kommentaren! In seinem ersten Video hat Jason Schreier übrigens auf Bungie und Destiny geblickt: Der größte Branchen-Experte hat Destiny hunderte Stunden gespielt, analysiert Gründe für das Ende

Kommentare

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
0
Sag uns Deine Meinungx