Twitch-Gründer eröffnet NFT-Seite, Betrüger zocken 132.000 € ab – Bedankt sich bei Hacker

Justin Kan ist ein Mitgründer des populären Streaming-Dienstes Twitch. 2007 übertrug er sein Leben live auf „Justin.tv“. Jetzt eröffnete er eine Webseite, die sich um die neue Technik NFT dreht. Die ist bekannt dafür, Betrüger anzulocken. Und tatsächlich hackten sie den Discord seiner Seite und zockten gutgläubige Kunden ab.

Wer ist Justin Kan?

  • Der 38-Jährige ist ein US-amerikanischer Internet-Pionier und Unternehmer, dem vor 14 Jahren der große Coup gelang.
  • 2007, mit 23 Jahren, eröffnete Justin Kan einen Live-Video-Feed, in dem er eine Webcam auf seinem Kopf montiert hatte und sein Leben übertrug. Diese Real-Life-„Truman Show“ ging etwa 8 Monate lang.
  • Aus dieser Idee entstand 2007 die Videoplattform Justin.tv, die nach ihm benannt wurde. Aus Justin.tv entstand wiederum 2011 die Streaming-Plattform Twitch, die 2014 von Amazon für 970 Millionen $ gekauft wurde. Man schätzt, dass jeder der 4 Gründer von Twitch damals etwa 120 Millionen US-Dollar kassierte. Kans Vermögen wird heute auf 100 Millionen $ geschätzt (via celebritynetworth).
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„Nächster Schritt im Gaming“

Das war die Idee seiner neuen Seite: Im Dezember eröffnete Justin Kan die Webseite „Fractal“, einen Handels-Platz für NFT. In einem Blogpost nannte er das den „Nächsten Schritt im Gaming“, durch NFT könne jetzt „unfassbarer Wert“ für Spieler und das Ökosystem generiert werden. (via medium)

Spieler würden durch NFT jetzt „wirklich“ den Wert ihrer Ingame-Items besitzen.

Fractal sollte in dieser neue Welt als ein Marktplatz eine wichtige Rolle spielen, es solle eine „offene Plattform“ sein, um digitale Güter frei zu handeln.

Was ging schief? Betrüger haben den Discord von Fractal gehackt und dort eine Nachricht hinterlassen. Es hieß, man hätte 3.333 NFT zu verkaufen.

Wie ein Twitch-Reporter berichtetet, hätten die Betrüger es geschafft, fast alle dieser NFTs, 3294, zu verhökern.

Fractal-Air-Drop
Diese Ankündigung war gar nicht von Fractal selbst (via twitter).

Allerdings gab es diese NFTs gar nicht, sondern das war alles ein Betrug. Der Link, den die Betrüger posteten, führte gar nicht auf Fractal, sondern auf „Fractai“.

Den Leuten ist ein Schaden von 150.000 $ entstanden, etwa 132.000 €. Es finden sich viele wütende Nachrichten von betrogenen Käufern, die ihr Geld zurückfordern

  • Ein Nutzer sagt etwa: Er habe all sein Geld verloren, was genau 1 Sol war. Der sei jetzt weg. Er wolle den Sol zurück – er sei arm.

Ein Solo (SOL) ist eine Kryptowährung, die aktuell bei 163,44 € steht.

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Kan warnte die Kunden vorm eigenen Discord.

Firma bedankt sich bei Hackern für die PR – Entschädigt Kunden

So reagiert die Firma: In einer Nachricht an die Käufer heißt es, es seien 373 Mitglieder der Community betrogen worden, die Hacker hätten 800 Sol im Wert von etwa 150.000 $ entwendet.

Es sei aber durchaus beeindruckend, dass bei 100.000 Mitgliedern der Community nur etwa 0,3% auf den Betrug reingefallen seien.

Fractal meldete früh, dass man die Situation begradigen will, und sagte später, man habe jeden Sol, der verloren wurde, ersetzt. Die Firma geht sogar noch weiter und bedankt sich bei dem Hacker. Der habe die Community nur “noch stärker gemacht.”

Außerdem sei man zweimal auf der Webseite “Techcrunch” aufgetaucht – also alles super. Das ist dann wohl “Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Limonade draus.”

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Twitch-Gründer schimpft auf die blöde Gaming-Presse

So reagiert Kan auf die Kritik: Die Gaming-Presse in den USA beäugt – wie viele Spieler – den aktuellen Trend zu NFTs kritisch. Vor allem die Seite Kotaku spottet immer wieder über NFT. Für sie ist es fast logisch, dass Käufer von NFT abgezockt werden. Die Autoren der Gaming-Seiten sehen vor allem die Umweltbelastung durch NFTs kritisch und ergötzen sich immer wieder daran, wenn sich ein NFT-Modell als Betrug herausstellt.

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Einen Beitrag über den Betrug auf seiner Seite quittiert Kan bitter: Die Reporter hätten nichts von Wert erschaffen und lachten jetzt über die Opfer des Hacks. Die Presse sei eine „bankrotte Institution, die niemanden mehr interessiere.“ Die Gaming-Presse sei sowieso irrelevant, die Leute würden von neuen Games über YouTube oder Twitch erfahren.

Aktuell wehren sich einige Spieler gegen “die Zukunft des Gaming”, die Kan in NFTs sieht:

Reaktion auf neue NFT-Mikrotransaktion ist so schlimm, dass Ubisoft das Video versteckt

Quelle(n): kotaku
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Sveasy

Korrigiert mich aber im Endeffekt sind NFTs doch nur Micro-DLCs. Mit dem einzigen Unterschied dass sie nach Bezahlung mir gehören und ich nicht nur die Nutzungsrechte erwerbe (sie quasi nur nur “miete”) , und ich sie demnach später für Echtgeld weiterverkaufen kann im Gegensatz zu klassischen Micro DLCs wie wir sie bislang in Spielen haben.

Caliino

Grundsätzlich richtig, NFT’s sollst du halt später weiterverkaufen können und damit wird auch geworben, ABER das klappt halt auch nur in dem jeweiligen Spiel und solange die Server laufen…

Theojin

Klingt ja fast wie gewolltes Guerillamarketing.

T.M.P.

Macht ja echt Sinn eine Handelsplattform zu schaffen auf der man derart beschissen werden kann -_-
Aber wahrscheinlich wird NFT eh kaum für was anderes genutzt als Leute schneeballsystemmässig um ihr Geld zu bringen.
Genauso wie Bitcoin halt.. hab gelesen der Gründer hat inzwischen wohl ein Vermögen von 65 Milliarden Dollar. Tja, wo kommt die Kohle wohl her?

Nudelz

Finde das Argument witzig, dass die Reporter keinen Wert erschaffen (was nun wirklich eine dumme Verallgemeinerung ist), um NFTs zu verteidigen.

Es gibt sicher coole Möglichkeiten wie einzigartige Bilder von Künstlern oder Designs als NFTs zu vertreiben. Aber für Screenshots und Clips ist das einfach nur Cashgrab-Müll.

quick.n.dirty

Ich finde auch wenn NFTs real sind und man sie kauft wurde man abgezockt.

Daniel

Das überhaupt einer NFTs in Spielen kauft, wundert mich eigentlich. Für so dumm halte ich wirklich keinen.
Davon mal ab, die Spiele würden mehr von einzigartigen Items, Skins etc profitieren, wenn es tatsächlich nur einmal im Spiel ist und man dafür richtig was tun muss. Daß bringt Online Zeit und kann sogar Spieler anlocken.
NFTs sind in den meisten Augen der Spieler nichts Wert, weil man sie einfach kaufen kann. Ist aber ein absurder Grind für etwas im Spiel notwendig, sieht die Sache das anders aus.

Zuletzt bearbeitet vor 28 Tagen von Daniel
Caliino

Die Gaming-Presse in den USA beäugt – wie viele Spieler – den aktuellen Trend zu NFTs kritisch. Vor allem die Seite Kotaku spottet immer wieder über NFT. Für sie ist es fast logisch, dass Käufer von NFT abgezockt werden.”

Natürlich ist das der Glaube der Presse/Spieler, weil es genauso ist – selbst dann wenn dabei kein echter Betrug vorkommt…

Das Ziel vom ganzen NFT-Kram ist es halt, dass sich Spieler jetzt (einzigartige) Dinge in einem virtuellen Universum kaufen und später (teurer) verkaufen können.

Was passiert denn wenn die Server in einem Jahr offline genommen werden?
Richtig, du hast dein Geld aus dem Fenster rausgeworfen, weil dir sicher kein Entwickler/Publisher das ganze rückerstatten wird….

Und im Gegensatz zu Immobilien, Gold oder Aktien hast du hier halt etwas gekauft was genau in diesem einen Spiel “etwas wert” sein könnte – und sonst nirgends.

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