Die besten Momente hatte ich in Forza Horizon 6, als ich die Rennen einfach links liegen ließ und es wie GTA spielte

Dariusz Forza Horizon 6

MeinMMO-Redakteur Dariusz hat Forza Horizon 6 schon über 40 Stunden gespielt und festgestellt: Das Rennspiel gibt ihm ein Gefühl, das er eigentlich nur von GTA kennt.

Auf einmal war es 03:00 Uhr, mitten in der Nacht. Eigentlich wollte ich schon vor 2,5 Stunden schlafen gehen, aber irgendwie haben mein Kumpel Jacob und ich uns brutal verquatscht. Eben spielten wir noch „unsere letzte Mission“ vorm Schlafengehen, dann schwelgten wir plötzlich in Erinnerungen aus der Schulzeit und ich erzählte, wie ein Mitschüler versuchte, mit einer Gabel das Schloss eines Klassenraums zu knacken.

„Alter, es ist 3 Uhr. Wir wollten vor 2 Stunden off“, sagte ich und unterbrach unseren Late-Night-Deep-Talk. „Ich fahre auch die ganze Zeit nur sinnlos durch die Gegend.“

Solche Abende hatte ich in meinem Leben einige, mit verschiedenen Freunden, aber oftmals im gleichen Spiel: GTA Online. Das Action-Game hat mich viele Stunden begleitet, wenn ich eigentlich gar nicht mehr richtig gezockt habe, aber trotzdem im Spiel blieb. Ob bei Deep-Talks, Podcasts, dem Hören von Musik oder dem Schauen einer Serie: Ich liebe es, gelegentlich einfach durch die Gegend zu fahren und nichts zu tun.

Forza Horizon 6 ist seit GTA 5 das erste Spiel, das dieses Bedürfnis perfekt erfüllt.

Wenn ich also davon spreche, dass ich FH6 wie GTA spielte, denke ich dabei nicht an fliegende Motorräder und Raketenautos, sondern an das Cruisen. Ich stellte beim Spielen fest, dass ich einige Male gedanklich versunken war und durch die Gegend fuhr, ohne etwas Sinnvolles zu machen. Wie früher in GTA.

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Xbox Showcase zeigt Einblicke in Forza Horizon 6

Ein Setting, das einfach zum Cruisen einlädt

Natürlich ist es auch in den Vorgängern möglich, den Kopf einfach abzuschalten und ziellos durch die Gegend zu fahren, aber weder Forza Horizon 4 noch 5 haben mir dieses Gefühl ebenbürtig vermittelt. Und das fängt schon beim Setting an und geht beim Fahrverhalten weiter:

  • Die Map von Forza Horizon 4 war schön und ich mag auch das Setting, aber den Straßen fehlte es an dem Gameplay-Fluss, den mir die Highways des fiktiven Bundesstaates San Andreas vermitteln.
  • Ich fühlte mich in England nie angekommen und kann heute auch keine prägnanten Punkte mehr auf der Map benennen.
  • In Forza Horizon 5 – damit mache ich mich jetzt vielleicht unbeliebt – fühlte sich das Cruisen nicht nach einer entspannten Spazierfahrt an, sondern wie der Weg zu einer Dschungelsafari.
  • Ich habe super wenig Berührungspunkte mit Mexiko und fand das Setting leider nie sonderlich spannend.

Anders sieht es im Japan von FH6 aus.

Ich heize mitten in der Nacht mit meinem Skyline über die Shibuya Crossing, die ich dutzende Male in „Fast and Furious: Tokyo Drift“ gesehen habe, und bestaune die bunten Neonlichter der Reklametafeln. Dann sause ich am helligsten Tag am Tokyo Tower vorbei, dessen Rot im Sonnenlicht besonders strahlt, und stelle wenige Minuten später fest, dass ich schon wieder bis zum Mount Haruna gefahren bin. Und jedes Mal, wenn ich außerhalb der Stadt Richtung Westen fahre und in einer Lichtung mal wieder Mount Fuji auftaucht, denke ich: „Boah, sieht das geil aus.“

Bestärkt wird das Gefühl des „einfach mal bisschen durch Japan cruisen“ durch das Fahrverhalten. In Forza Horizon 6 habe ich das Gefühl, dass die Autos tendenziell eher übersteuern. Dadurch fühlt sich das Spiel zwar nicht realistisch an, eher im Gegenteil, aber dafür machte es mir umso mehr Spaß, einfach durch die Gegend zu fahren.

Im Vorgänger neigten mir zu viele Fahrzeuge zu stark zum Untersteuern. Dadurch fühlten sich selbst wendige Sportwagen irgendwie schwerfällig an – und ich bevorzuge es einfach, versehentlich zu driften, statt mit der Wendigkeit eines Kreuzfahrtschiffes durch die Kurve zu schießen.

Schreibt mir unbedingt in die Kommentare, sobald ihr selbst spielen konntet, ob ich mir das stärkere Übersteuern der Autos in Forza Horizon 6 nur einbilde oder ihr das genauso empfindet.

Mehr Forza, mit den bekannten Stärken …

Ich habe echt viel Spaß mit Forza Horizon 6 und wenn dieser Artikel rausgeht, darf ich endlich über meine Eindrücke reden und meine Freunde davon überzeugen, sich das Spiel trotz des heftigen Preisschilds von 70 Euro zu kaufen, damit wir zusammen durch Japan heizen können.

Es gibt vieles, das für das Spiel spricht. Eines der Hauptargumente: mehr Forza Horizon.

Es gibt die bekannten Rennen, actionreich inszenierte Story-Events, Open-World-Aktivitäten wie Blitzer und Drift-Zonen etc. Außerdem habe ich schon während der Testphase coole Interaktionen mit völlig fremden Spielern erlebt, darunter eine Art Mini-Tuningtreff auf einem Parkplatz und Drag-Rennen mit kuriosen Gefährten. Trotzdem habe ich nach über 40 Stunden noch haufenweise zu tun, denn jeder Forza-Fan weiß:

Nach der Story geht’s erst richtig los, das Auto-Sammeln beginnt!

Forza Horizon 6 Rennen Schnee

Der Fuhrpark bietet zum Release 392 verschiedene Fahrzeuge – eine gewohnt große Auswahl, die ich natürlich noch nicht in ganzer Fülle testen konnte. Die Auswahl selbst finde ich aber gut. Es gibt alles, was ich mir gewünscht habe – auch wenn richtige Auto-Fanatiker da vielleicht noch ein paar Modelle im Hinterkopf haben, die fehlen.

Beim Sound der Autos scheiden sich ja bekanntlich die Geister. Ich finde ihn nicht schlecht und man merkt, dass sie versuchen, nah am jeweiligen Original zu sein – allerdings fehlt das Kernige mancher Motoren. Forza wirkt teilweise zahmer als die Realität.

Obendrein hat das Spiel trotz unfassbar schöner Grafik eine echt solide Performance. Ich habe auf dem PC mit einer RTX 3070 rund 70 FPS in 1440p auf „Ultra“-Settings. Das ist gut, denn mein System ist nicht mehr das jüngste.

Dariusz’ Gaming-Möhre:
  • Mainboard: Gigabyte X570 GAMING X CPU:
  • CPU: AMD Ryzen 7 3700X 8-Core-Processor, 3593 MHz, 8 Kern(e), 16 logische(r) Prozessor(en)
  • GPU: NVIDIA GeForce RTX 3070

Dennoch muss ich auch einiges kritisieren.

… und den nervigen Schwächen der Vorgänger

Die Story ist wie gewohnt nicht tiefgründig und die Charaktere belanglos – bis zu einem Grad, an dem mich die Dialoge nerven, weil sie mir über meine Musik quatschen. Die deutsche Synchronisation der gesprochenen Texte ist dabei besonders grauenhaft, weshalb ich jetzt lernen muss, wie die Tuning-Begriffe und Bauteile auf Englisch heißen. Denn mit dem Ändern der Sprachausgabe ändert sich auch die Sprache der Menüs.

Mein größter Kritikpunkt sind aber die 9 verschiedenen Schwierigkeitsgrade und damit verbunden das Verhalten der NPCs.

Es ist nahezu unmöglich, einen festen Schwierigkeitsgrad zu finden, auf dem man bleibt. Das eine Rennen gewinne ich locker auf „Expert“ (Stufe 7 von 9) mit mehreren Sekunden Vorsprung und soll laut Forza doch eine Stufe hochschalten. Das nächste verliere ich selbst auf „Überdurchschnittlich“ (Stufe 5 von 9) deutlich und lande nur auf Platz 6 oder 7.

Mein fahrerisches Können spielt dabei keine Rolle. Egal wie gut ich fahre, die führenden Fahrzeuge sind viel schneller und machen keine Fehler. Wenn ich die Schwierigkeit runterstelle, machen sie immer noch keine Fehler, fahren aber langsamer. Alternativ kann ich mein Auto wechseln oder tunen, dann gewinne ich auch auf der höheren Stufe. Ich muss nur schneller fahren, nicht besser.

Es ist oftmals keine richtige Schwierigkeitseinstellung, sondern die Wahl, ob ihr mit einem ungetunten Serienfahrzeug oder einem hochgezüchteten Tuningboliden fahren wollt.

Ich sag’ ganz ehrlich: Ich fände das noch nicht mal schlimm, wenn ich im Rennmenü variabel zwischen den Autos wählen könnte, schließlich stehen mir davon fast 400 zur Auswahl. Um das Auto zu tunen, muss ich jedoch das Rennen beenden, zur Garage reisen, Leistungstuning kaufen und zurück zum Rennen reisen.

Wenn das verbesserte Fahrzeug immer noch nicht zum Sieg reicht, hab ich halt Pech gehabt. Dann muss ich das Rennen wieder beenden und ein anderes Fahrzeug wählen – und das gegebenenfalls wieder in der Garage tunen.

Immerhin: Die Schnellreisen sind jetzt zu jeder Zeit kostenlos.

Noch ein abschließender Kritikpunkt: Nein, es gibt kein krasses optisches Tuning entsprechend der japanischen Auto-Kultur. FH6 hat größtenteils die gleichen Optionen wie der Vorgänger. Erwartet da also nicht zu viel.

Forza Horizon GTR

Wie fährt sich Forza Horizon 6 mit dem Lenkrad?

Für ein paar Stunden habe ich Forza Horizon 6 auch mit Lenkrad und Pedalen getestet, genauer gesagt dem MOZA R5 Racing Set (R5 DD Wheelbase, ES Wheel und SR-P Lite Pedale). Das hat prinzipiell sehr gut funktioniert: kurz eingestöpselt, Spiel gestartet, Knöpfe belegt (gab leider keine Presets) und dann konnte es schon losgehen.

Das Fahren mit dem Lenkrad macht definitiv Spaß, war aber ebenso frustrierend. Beim Cruisen ist es eine coole Erfahrung, aber in Rennen war es für mich als Lenkrad-Noob fast unspielbar. Als wäre es nicht schon hart genug gewesen, die übersteuernden Fahrzeuge mit dem Lenkrad zu kontrollieren, fuhren mir ständig die NPCs hinten in die Seite und drehten mich.

Gegen ein PIT-Manöver kann ich einfach nicht viel machen, dafür bin ich zu schlecht.

Ich muss mich aber auch nochmal hinsetzen und versuchen, mehr aus dem Force-Feedback rauszuholen. Das war mir definitiv zu schwach und hätte erfahrungsgemäß geholfen, durchdrehende oder blockierende Reifen und Ähnliches schneller zu erkennen und darauf beim Fahren reagieren zu können.

In der Regel werde ich also weiterhin zum Controller greifen. Das ist in Forza Horizon einfacher und insgesamt gemütlicher – vor allem, weil ich problemlos meinen 8Bitdo Ultimate nutzen konnte und nicht gezwungen war, einen Xbox-Controller zu verwenden.

Das Lenkrad werde ich aber immer mal wieder rausholen, zum Cruisen, wenn ich ganz entspannt durch Japan fahren möchte.

Fazit: Ein tolles Rennspiel, aber nicht perfekt

Forza Horizon 6 ist eines der Spiele, das ich nach der Testphase definitiv noch viele Stunden weiterspielen werde. Es liefert genau das, was ich von der Reihe erwarte – auch wenn dazu ebenso die altbekannten Schwächen gehören. Durch das neue Setting und das – meines Empfindens nach – geänderte Fahrverhalten habe ich aber mehr Spaß als im Vorgänger und genieße es sehr, durch Japan zu cruisen und den Kopf abzuschalten.

Zwar hätte ich mir insgesamt mehr von den klassischen Straßenrennen gewünscht und finde es schade, dass es so wenig bedeutende Neuerungen oder Verbesserungen alter Schwächen gibt, aber wenn ich das Gesamtbild betrachte, hatte ich doch eine gute Zeit.

Forza Horizon 6 wurde in den vergangenen Tagen zu meiner Abendroutine. Ich habe nach der Arbeit ein paar Stunden gespielt, bin dann mit Freunden in Overwatch gegangen und zum Abschluss noch für ein halbes Stündchen in Forza Horizon durch die Gegend gefahren – zum Runterkommen, denn obwohl die NPCs zu den Schwächen des Spiels gehören, sind sie immer noch besser als unsere Random-Mates in Blizzards Shooter.

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