Fortnite in den Medien: Früher Killerspiel, heute Ehekiller

Bei Fortnite kursiert gerade eine News: Fortnite soll der Grund für Scheidungen sein. Das mag stimmen, in erster Linie ist es aber eins: Verdammt gute PR für eine britische Scheidungs-Seite, meint unser Autor Schuhmann.

Was ist passiert? Schon am 7.September erschien ein Blog-Post auf der Firmenseite von „Divorce-online.co-uk.“ Das ist eine Seite, die ihr Geld damit verdient, „Scheidungen abzuhandeln.“ Selbst nennt man sich stolz: „Der Online-Scheidung-Dienst, dem die Briten am meisten vertrauen.“

fortnite-rio

Die Firma freut sich also über Kunden und kostenlose PR. Dafür unterhält man auch einen Firmen-Blog.

Wer hat den ursprünglichen Artikel verfasst? Der Blog-Post ist von einem „Marketing-Experten“ verfasst worden, der auch den Firmenblog der Seite betreut.

Was steht im Artikel? Der Post heißt: Wird Fortnite zu einem Beziehungs-Zerstörer? (via divorce-online)

In dem Blogpost heißt es: Die Firma hätte ihre Daten durchsucht und in 200 Fällen sei „Fortnite“ in der Begründung für die Scheidung genannt worden.

Sucht.-Online

Zudem spricht man darüber, dass in digitalen Zeiten neue Scheidungs-Gründe dazu kommen wie Online-Pornos, Online-Gaming und soziale Medien. Durch „digitale Süchte“ würden Probleme verursacht.

Ist Fortnite wirklich der Scheidungsgrund? Es werden keine weiteren Details angegeben, wie genau Fortnite in die Scheidungen mit hinein spielt. Es heißt nur: Fortnite würde als „Teil“ der Gründe genannt, warum jemand eine Scheidung einreicht.

Es könnte also sein, dass es 50 Gründe in so einem Bericht gibt und der Grund Nummer 48 ist dann „Er spielt auch zu viel Fortnite.“ Die Daten sind nicht einsehbar und nicht überprüfbar.

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News verbreitet sich, wird immer dramatischer

Was ist mit der News passiert?

  • Erstmal relativ wenig, die News erschien am 7.9. auf dem Firmen-Blog
  • Am 11.9. griffen die News dann erste US-Gaming-Seiten auf, die spezifisch über Fortnite berichten – der Tenor war hier neutral „Fortnite trägt zu Scheidungen bei“
Fortnite-divorce
  • Am 12.9. berichteten kleinere US-Mainstream-Seiten über Fortnite als Beziehungs-Killer. Hier wird’s schon dramatischer: „Fortnite wird beschuldigt, Dutzende Scheidungen verursacht zu haben“
  • Am 15.9. landete die News dann bei den großen US-Seiten wie AV-Club und von da bei der Gaming-Seite Kotaku – hier wieder halbwegs neutral
  • Am 17.9. kam die News dann mit Wucht in Deutschland an. Bei uns berichten dann Seiten wie Heise, die FAZ oder der Focus über „Fortnite als Beziehungskiller“ – hier ist nicht mehr die Rede von „Trägt dazu bei“, sondern gleich „Scheidungsgrund“ (FAZ), „Beziehungskiller“ (Express), „Liebestöter“ (Focus)
Fortnite-Scheidungen

Boulevard-Blatt schreibt: Fortnite zerstört 4500 Ehen im Jahr

Die härteste News dazu: Das UK-Blatt „The Sun“ hat über die News am 17.9. ebenfalls berichtet. Bei ihnen wird aus der Story „Fortnite zerstört 4500 Ehen im Jahr.“ Da hat man die Zahlen einfach hochgerechnet und verallgemeinert.

Eine US-Seite wiederum nimmt diese News der Sun und rundet gleich auf 5000 auf.

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Das steckt dahinter: Es kann schon sein, dass Fortnite zu Scheidungen beiträgt. Aber das Beispiel hier zeigt, wie PR funktioniert.

Die News und ihre weltweite Verbreitung sind ein gelungener PR-Coup der UK-Scheidungs-Seite. Das zeigt wie man mit minimalem Aufwand gewaltige Wellen schlägt, um die eigene Marke bekannter zu machen, indem man sich an einen aktuellen Trend hängt. Wollte man so viel Werbung buchen, würde das wahrscheinlich ein Vermögen verschlingen.

Früher waren es Killer-Spiele, heute Beziehungs-Killer

Interessant ist, wie die News dann immer dramatischer wird – das funktioniert nach dem Muster von „stille Post“. Die Verbreitung der News ist hier ähnlich wie schon bei der „Jemand hat vor den Fortnite-Stand bei der Gamescom gekackt“-Geschichte.

Die News passt zu dem, was viele über Fortnite glauben und wird daher gerne verbreitet.

Zeichneten Berichte über Action-Spiele früher Games wie Fortnite noch als „Killerspiel“, wird es heute als ein „Ehekiller“ dargestellt.

Fortnite-Score

Fortnite ist mittlerweile so groß, dass auch solche News riesige Wellen schlagen. Gerade in Großbritannien wird Fortnite gerne genutzt, um damit Stimmung gegen das Gaming und seine furchtbaren Einflüsse zu machen:

UK-Blatt schürt Panik um Fortnite mit Sucht-Story samt Suizid-Versuch
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Lp obc
Lp obc
1 Jahr zuvor

Also bei mir war Destiny der Scheidungsgrund xD

Stephan
Stephan
1 Jahr zuvor

Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.

Nora mon
Nora mon
1 Jahr zuvor

Wieviel Ehen WoW wohl im Laufen der Jahre geknackt hat?

Stephan
Stephan
1 Jahr zuvor

Oder Uno…

gehweg
gehweg
1 Jahr zuvor

kann diesen hype um dieses belanglose substanzlose und „Handy-Spiel“ ( ja da sist es für mich auch am PC) eh nicht nachvollziehen, das ist irgendwie Lady Gaga oder Taylor Twist der Videospiele, ganz böser Mainstream-Schrott

ChunkSloth
ChunkSloth
1 Jahr zuvor

Hmm und dann wundern sich die Medien das die Leute den Medien nicht mehr vertrauen

Joss
1 Jahr zuvor

„den Medien“

Könnte auch an mangelnden Kompetenzen liegen, mit „den Medien“ umzugehen. Fängt schon mit unzulässigen Verallgemeinerungen an und endet damit, dass viele nicht mal mehr zwischen Agenturmeldung und Kommentar unterscheiden. Geschweige denn die Leute, die da schreiben, kennen. Medien, die sich nicht allein auf Quote und Klickzahlen einschießen, kennen sehr genau den Unterschied zwischen dem Experten und dem Quotenbringer. Als Konsument wäre es hilfreich, so etwas zu reflektieren, dann bekommt auch der Begriff Vertrauen einen anderen Anstrich. Und dabei halte ich es auch für zunehmend wichtiger, Werbung zu erkennen und entsprechend zu rastern. Der Artikel liefert ein gutes Beispiel dafür. Gewiss haben Medien dabei auch ihre Verantwortung, das gilt aber auch für den Konsumenten. Letztere wird gerne vergessen.

terratex 90
terratex 90
1 Jahr zuvor

bin ich froh dass ich fortnite nicht mehr spiele, die 2 stunden pro woche haben meine ehe wirklich auf die probe gestellt grin

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