Nach der Übernahme von Electronic Arts durch vor allem Saudi-Arabien befürchten ehemalige und aktuelle Mitarbeiter jetzt spürbare Veränderungen zum Schlechten. Die aktuelle Situation der Branche verschlimmert die Situation.
Wie ist der aktuelle Stand? Anfang August ging sie durch, die Übernahme von Electronic Arts durch den Public Investment Fund (PIF) aus Saudi-Arabien (93,4 Prozent der Anteile) und weitere Investoren. 55 Milliarden US-Dollar hat der Spaß gekostet. Es gibt nur einen anderen Deal in der Gaming-Geschichte, der größer war: die Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft, für knapp 70 Milliarden US-Dollar.
Die gute Nachricht: EA hat dadurch die Börse verlassen, ist ein privates Unternehmen und muss sich nicht mehr gegenüber den Shareholdern rechtfertigen. Die schlechte Nachricht: Man gehört jetzt de facto einem repressiven Regime, das Menschenrechte unterdrückt, mit der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung gebracht wird (via bbc.com) und Inklusion sowie Vielfalt stark einschränkt.
Der sehr sicher nächste Hit für EA – das neue EA FC:
„Sportswashing“, nur mit Games
Wie blicken die Mitarbeiter darauf? In vielen Fällen mit großer Sorge und Bauchschmerzen. Das zeigen derzeit Berichte von gamedeveloper.com oder pcgamer.com, die mit ehemaligen oder aktuellen EA-Angestellten über die Übernahme gesprochen haben.
Trick Weekes, seines Zeichens ehemaliger Lead-Autor bei BioWare, befürchtet in Zukunft beispielsweise eine klare Zensur durch die neue Führung, sobald es nicht um „Waffen und Fußball“ geht. Ein anonymer EA-Mitarbeiter befürchtet das ebenfalls, aber nicht durch eine klar offen kommunizierte, anti-inklusive Agenda.
„Projekte werden einfach nicht abgesegnet werden, weil sie nicht explizit mit den Wünschen der saudi-arabischen Regierung übereinstimmen.“ Oder sie werden von den Leads bei EA gar nicht erst vorgeschlagen, um so potenziellen Konflikten mit dem neuen Eigentümer aus dem Weg zu gehen.
Bauchschmerzen haben die Mitarbeiter aber auch, weil allen klar ist, was Kronprinz Mohammed bin Salman mit dieser Investition erreichen möchte: Man möchte durch positive Schlagzeilen in anderen Bereichen von dem ablenken, was im eigenen Land passiert, um so nach und nach im Westen einen besseren Ruf zu erhalten.
Lange Zeit hat Saudi-Arabien dafür vor allem in beliebte Sportarten wie Fußball oder den Rennsport investiert. So entstand der Begriff vom „Sportswashing“; man möchte sich durch tolle Sporterfolge von seinen Taten reinwaschen. Das gibt der Kronprinz übrigens sogar offen zu, in einem Interview mit Fox News aus 2023: „Wenn Sportswashing mein BIP um ein Prozent steigert, werde ich weiterhin Sportswashing betreiben“ – via pcgamer.com.
Teils kritisieren die Mitarbeiter dabei deutlich (aber anonym) die EA-Führung: „Wenn EA eine Kultur mit auch nur dem Hauch eines moralischen Rückgrats hätte, würde man sich nicht mit einem Prinzen ins Bett legen, der von der sexuellen Orientierung und der ethnischen Herkunft vieler seiner derzeitigen Angestellten angewidert ist.“
Warum trotzdem bei EA bleiben? Auch darüber sprechen aktuelle Mitarbeiter. Viele würden sich sofort einen neuen Job in der Games-Branche suchen, wenn es offene Stellen geben würde. Aktuell wird überall jedoch eher gekündigt als eingestellt. Einer sagt etwa: „Mir wird schlecht, wenn ich nur daran denke, aber es gibt nirgendwo anders etwas. Ich würde gerne gehen, aber es gibt keine Jobs und ich muss Rechnungen bezahlen.“
Immerhin hat manch ein Angestellter mit Aktienanteilen an EA durch die Größe des Deals einen schönen Geldregen erhalten. Das betrifft aber nur einen kleinen Teil der Belegschaft. Zudem befürchten aktuell alle eine massive Entlassungswelle und die Einstellung diverser Projekte sowie Spiele, um die Kosten des Unternehmens spürbar zu senken.
Was glaubt ihr: Wie wird sich die Übernahme durch Saudi-Arabien auf EA auswirken? Verratet es uns gern in den Kommentaren!
Die Stimmung bei den EA-Teams soll derzeit – wenig überraschend – ähnlich düster sein wie bei den Entwicklern unter Xbox. Denn auch dort stehen in den kommenden Monaten noch umfassende Entlassungen an. Mehr dazu erfahrt ihr hier: Blizzard-Entwickler müssen ein Jahr in Angst leben
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Kommentare
Ich weiß, dass es von nun an mit EA nur bergab gehen kann.
Aber der Scherzbold in mir möchte glauben, dass EA nur gekauft wurde, weil ein reicher Supergamer endlich wieder gute Spiele haben will und es nun selbst in die Wege leiten kann.