Ein MMO hat Gaming so verändert, dass seine Nachmacher gnadenlos scheitern

WWM Grindfest Cedric

Where Winds Meet hat den chinesischen Markt im Sturm erobert und lockt jetzt lauter schlechte Kopien an, die nicht verstehen, was den Titel so genial macht. Für unsere Grindfest-Themenwoche 2026 beleuchtet MeinMMO-Autor Cedric das genauer.

Wenn ich wissen will, wohin sich die Zukunft der Open-World-Games entwickelt, blicke ich seit Jahren fast nur noch nach Asien. Und dort zieht gerade ein Titel einsam seine Kreise, an dem man nicht mehr vorbeikommt: Where Winds Meet. Das ist der Titel, der das traditionelle Kampfkunst-Genre Wuxia entstaubt und auf den Kopf gestellt hat.

Die Zahlen hinter dem Hit grenzen an Wahnsinn: Schlanke 15 Millionen registrierte Spieler in den ersten vier Wochen in China, die nach zwei Monaten auf über 30 Millionen explodierten. Allein im ersten Quartal 2025 spülte das Game plattformübergreifend rund 190 Millionen Euro in die Kassen von NetEase (Quelle: finance.sina.com.cn).

Bei so viel Geld dauert es natürlich nicht lange, bis die Konkurrenz versucht, den Erfolg nachzumachen. So sprießen seit dem Release die Klone von Where Winds Meet geradezu aus dem Boden und scheitern zeitgleich eindrucksvoll.

Wer schreibt hier? Cedric Holmeier ist Asia-Experte für MeinMMO und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Asia-Markt. In Spielen wie Tarisland, Throne and Liberty, Swords of Legends Online, Jade Dynasty, Metin 2 und Co. hat er tausende Spielstunden verbracht. Vor allem nach China blickt er gerne und sieht dort in letzter Zeit lauter Kopien von Where Winds Meet.
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Where Winds Meet kündigt seine erste große Erweiterung an, zeigt drei neue Gebiete im Trailer

Where Winds Meet ist eine geniale Geldmaschine

Was macht WWM so erfolgreich? Die Entwickler haben eine verlockende Gameplay-Schleife erfunden, die Spieler erst glücklich macht und dann nie wieder loslässt:

Ihr startet in einer gewaltigen, über 150 Stunden langen Singleplayer-Kampagne. Das Geniale: Ihr könnt die Story komplett für euch genießen und braucht keine anderen Spieler. Ihr beendet das Spiel also mit einem richtig guten Gefühl – aber genau dann schnappt die Falle zu.

Statt das Spiel nach den Credits von der Festplatte zu werfen, gleitet ihr fließend in einen unendlichen Multiplayer-Sandbox-Modus hinüber. Dort gibt es noch viel mehr Inhalte, die Abwechslung und Spaß bringen.

Das Grindfest vom 29. Juni bis 5. Juli 2026
In dieser Woche erwarten euch jeden Tag spannende Artikel rund um das Thema MMORPG. Mit dabei: nostalgische Rückblicke, spannende Analysen namhafter Branchen-Veteranen, Ausblicke auf kommende Online-Rollenspiele und launige Streams.

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Die Monetarisierung verzichtet dabei komplett auf dreistes Pay-to-Win. Stattdessen werdet ihr durch extrem billige Minimal-Ausgaben häppchenweise zur Kasse gebeten. Richtig schicke Premium-Skins kosten in China oft umgerechnet gerade einmal 13 bis 78 Cent. In Deutschland gibt es sie ab einem Euro.

Das tut niemandem weh, summiert sich bei Millionen von Spielern aber zu gigantischen Bergen an Mikrotransaktionen. Währenddessen ballern die Entwickler Updates und neue Inhalte gerade so raus, dass bloß keine Langeweile entsteht.

Für stinkreiche Hardcore-Gamer (Whales) gibt es reine Statussymbole wie ein protziges Serverschiff für schlappe 36.000 Euro. Das bringt spielerisch null Vorteile, sichert dem Studio aber unverschämt hohe Einnahmen.

Die Klon-Kriege

Dieses geniale Geschäftsmodell hat die Konkurrenz in China völlig verrückt gemacht. Wenn ich den chinesischen Markt in den letzten Monaten beobachtet habe, wurde eines klar: Jeder will sein eigenes Where Winds Meet bauen.

Doch statt packender Welten liefern die Publisher meistens nur seelenlosen Content-Brei ab, der in uralte, nervige MMORPG-Muster verfällt.

Hier mal zwei besonders krasse Beispiele, wie man Millionen Euro im Rekordtempo verbrennt:

39-Millionen-Euro für „Resteessen“

Unter dem Namen Sword and Fairy World schickte Starry Studio einen Klon ins Rennen, der mit einem Budget von über 39 Millionen Euro und 240 Entwicklern das unendliche Spielglück erzwingen wollte (Quelle: i.ifeng.com). Das Ergebnis war ein Desaster.

Anstatt eigene Ideen zu liefern, haben die Macher einfach die Rosinen aus anderen Hits geklaut: Das Kampfsystem wurde aus Genshin Impact kopiert und mit einem Monster-Zähm-System vermischt, das eins zu eins aus Palworld oder Pokémon stammt.

Als ich das erste Mal von diesem bizarren Gameplay-Cocktail gehört habe, musste ich ungläubig den Kopf schütteln. Und ich war nicht allein: Den Spielern in China ging es ganz genauso. Auf der Plattform TapTap hagelte es vernichtende Kritiken. Die Community taufte das Game genervt ein „lieblos zusammengewürfeltes elektronisches Resteessen“ (Quelle: finance.sina.cn).

Die riesige Welt war gähnend leer und glänzte durch fünfminütiges Fliegen in eine Richtung, um dort dann für drei Sekunden Spaß zu haben. Dazu gab es ein aggressives Gacha-Bezahlsystem, das auch für den Asia-Markt zu viel Geld wollte.

Die Quittung: Während Where Winds Meet im gleichen Zeitraum Millionen scheffelte, ging Sword and Fairy World komplett unter. Kurz darauf folgte eine brutale Entlassungswelle, bei der 80 % des gesamten Entwicklerteams vor die Tür gesetzt wurden. Doch ein anderes Spiel kann das noch steigern (Quelle: finance.sina.com.cn).

Wer spielt noch mit Puppen?

Noch skurriler lief es bei The Legend of the Condor Heroes. Hier versuchte ein internes Team von NetEase im Grunde, den eigenen Hit Where Winds Meet zu übertreffen. Man steckte sechs Jahre Arbeit, 600 Mitarbeiter und ein absurdes Mega-Budget von über 130 Millionen Euro in das Projekt (Quelle: news.pedaily.cn).

Der absolute Genickbruch war eine Design-Fehlentscheidung, deren verheerende Auswirkung ich als Asia-Experte nur zu gut nachvollziehen kann: Statt auf die epische, erwachsene Grafik von WWM zu setzen, verpassten die Entwickler den Charakteren einen großen niedlichen Puppenkopf-Stil („Ball-Joint-Doll“).

Die erwachsene Wuxia-Zielgruppe suchte schockiert das Weite. Dahinter versteckte sich zudem wohl ein stinklangweiliges MMO der alten Schule mit automatischen Gameplay-Loops. Das ist auch in China längst out und lebt dort nur in einer Nische für Mobile weiter.

Als das Marketing-Team dann auch noch anfing, auf Social Media giftige Schlammschlachten gegen die Konkurrenz anzuzetteln, war der Titel am Ende. Das Spiel verlor im ersten Monat 80 % seiner Spieler (Quelle: tmtpost.com).

NetEase zog die Notbremse, nahm das Spiel komplett vom Markt und feuerte die Chefetage. Ein Rettungsversuch floppte grandios: Auf iOS dümpeln die Einnahmen mittlerweile bei peinlichen unter 4.600 Euro im Monat herum.

Where Winds Meet hat auch unsere Experten begeistert:

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MeinMMO im GameStar Talk: Unser MMORPG-Experte zieht ein Fazit zum chinesischen Rollenspiel Where Winds Meet

„How to WWM“-Killer

Das Scheitern der Klone zeigt: Die Zeiten, in denen man Spielern einfach eine riesige Karte mit einer bekannten Marke vorsetzen konnte, sind im Jahr 2026 endgültig vorbei.

Für mich steht fest: Die Gamer durchschauen leblose Kulissen, hinter denen sich nur gierige Pay-to-Win-Mechaniken verbergen, heute schneller als je zuvor. Wenn Entwickler Where Winds Meet wirklich gefährlich werden wollen, müssen sie ganz andere Kaliber auffahren.

Man braucht ein echtes, eigenständiges Spiel. Titel wie Crimson Desert zeigen, wie es geht: Sie fesseln die Spieler tief mit einer bombastischen Singleplayer-Erfahrung. Die Spieler wollen gar nicht mehr aufhören zu spielen und verlassen selbst nach hunderten Spielstunden das Startgebiet nur äußerst ungern.

Einige kommende Spiele haben das verstanden und greifen genau die richtigen Elemente an. Ein heißer Kandidat ist das Open-World-MMORPG Honor of Kings: World, das demnächst auch im Westen erscheinen soll.

Die Macher versprechen eine packende Singleplayer-Welt, die man komplett allein erkunden kann – mit einem optionalen MMO-Teil für alle, die danach noch mehr wollen.

Wer Where Winds Meet vom Thron stoßen will, darf die Open World nicht als hübsches Pflaster für veraltete Abzock-Mechaniken missbrauchen. Spielerische Freiheit, eine Welt, die physikalisch auf euch reagiert, und eine faire Monetarisierung müssen eine Einheit bilden. Bis die Konkurrenz das kapiert hat, bleibt WWM der unangefochtene König im Ring. Warum Honor of Kings: World das nächste WWM werden könnte, erfahrt ihr hier: In China spielen alle gerade das größte neue MMORPG 2026 und ich habe mich für euch auf die Server geschlichen

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