Kampf gegen das MMO-Etikett – Chef von Dune Awakening klagt über eine der „größten Herausforderungen“ für Survival-Spiele

Dune Awakening Bylos MMO

Funcoms Game Director Joel Bylos sprach jetzt im Interview über einen großen Fehler, den das Team im Vorfeld der Veröffentlichung von Dune: Awakening begangen hatte und gegen den sie bis heute ankämpfen.

Was ist das für ein Fehler? Joel Bylos, der bei Funcom als Game Director die Entwicklung von Dune: Awakening zu verantworten hat, sprach im Interview mit frvr.com über die Herausforderung, ein Survival-Spiel dieser Machart mit einer starren Genre-Bezeichnung passend zu beschreiben. Er erklärt:

Ich denke, das war eine der größten Herausforderungen, die wir während der Entwicklung hatten: Wie wir es beschreiben sollen. Weil wir diese Online-Server-Struktur hatten. Es ist im Vergleich zu den meisten Survival-Spielen ziemlich kompliziert, und wir wollten mehrere Karten haben … also waren wir uns nicht wirklich sicher. Irgendwann haben wir es dann als MMO beschrieben, weil wir dachten, das sei am einfachsten.

Schließlich hat Funcom eine lange MMO-Historie, durch Spiele wie Age of Conan oder The Secret World. Und es lassen sich auch in ihren Survival-Spielen Conan Exiles und Dune: Awakening unverkennbare MMO-Elemente finden, welche die jeweilige Spielerfahrung stark beeinflussen.

Dennoch war dieser Schritt aus Sicht von Bylos rückblickend ein Fehler, weil er bei den Spielern zu Unklarheiten und Verwirrung führte. Noch vor dem Start von Dune: Awakening ging man daher dazu über, das MMO-Etikett zu streichen. Der Chef-Entwickler erklärt mit Blick auf Dune: Awakening:

Ich denke nicht, dass es ein MMO ist. Ich habe definitiv an mehreren MMOs gearbeitet, aber ich glaube, wir bewegten uns in einem seltsamen Zwischenraum, in dem wir versucht haben, etwas mehr zu machen. Wir haben diese große, vernetzte Welt, wir haben diese große, tiefe Wüste, in die sich viele Spieler gleichzeitig begeben können. Es war also ein schwer zu beschreibendes Spiel, und ich finde immer, dass die Leute eine sehr feste Vorstellung davon haben, was ein Genre ist. Deshalb ist es schwer, etwas zu beschreiben, das etwas geringfügig Neues macht.

Mein starkes Gefühl sagt mir im Moment, dass es kein MMO ist. Es ist definitiv keines.

Einen klaren Unterschied zu MMORPGs wie WoW macht Bylos beispielsweise bei der Charakterprogression fest. Die setzt in Dune: Awakening nicht auf Quests, sondern auf das Crafting.

Trotz dieses starken Gefühls räumt der Entwickler ein, dass man bis heute damit kämpfen würde, das Spiel angemessen zu beschreiben. Derzeit nutzt man auf den eigenen Produktseiten die Bezeichnung „Open-World-Survival-RPG“.

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MMOs – ein Genre, das polarisiert

Wie schätzt MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz den Konflikt ein? Ganz grundsätzlich hat Joel Bylos recht: Genre-Bezeichnungen sind sehr simpel und starr. Die Spiele-Entwicklung schreitet jedoch voran und kombiniert die unterschiedlichsten Genres und Elemente, um eine Mixtur zu finden, die bei den Spielern ankommt.

Bei Online-Games mit Service-Strukturen ist das besonders deutlich, da hier ganz oft die unterschiedlichsten Genres auf Progressionssysteme und soziale Features treffen, die man in dieser Kombination jahrelang nur aus MMORPGs kannte.

Beim Begriff MMO kommt noch dazu, dass er eine nicht genau fassbare Quantität beschreibt. Was genau bedeutet eigentlich das „Massively“ in „Massively Multiplayer Online“? Müssen dafür Hunderte oder gar Tausende Spieler in einer Online-Welt aufeinandertreffen? Was ist mit mehreren Dutzend Spielern? Und muss das überall möglich sein oder reicht es auch, wenn die Massen in speziellen Bereichen aufeinandertreffen?

Über die genaue Definition streiten Teile der Community bereits, seitdem es den MMO-Begriff gibt.

Seit einiger Zeit kommt ein weiterer Faktor dazu: Entwickler neigen immer häufiger dazu, den Begriff des MMOs für ihr Spiel aktiv zu vermeiden. Besonders oft kommt das vor, wenn das Projekt auch auf den Konsolen erscheinen soll.

Beobachten konnten wir das beispielsweise bei New World Aeternum: Plötzlich machte Amazon Games aus dem MMORPG ein Online-Action-RPG. Genauso beschreiben auch Kakao Games und XL Games ihr ArcheAge Chronicles, das dieses Jahr für PC und die Konsolen erscheinen soll.

Wir hatten die koreanischen Entwickler vergangenes Jahr gefragt, warum sie diesen Schritt gehen. Die sehr umfangreiche Antwort findet ihr in diesem Artikel:

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Die Kurzfassung: Chronicles soll kein traditionelles MMORPG sein, aber es ist ein ständig online spielbares Spiel mit sinnvollen Mehrspielersystemen. Der Fokus liegt auf Story sowie Inhalten für Solisten und kleinen Gruppen. Die persistente Welt, Mehrspielersysteme und Spielerinteraktionen sind quasi ein Bonus.

Anfang 2026 hatte ich zudem die Möglichkeit, Entwickler-Urgestein Jack Emmert zu fragen, ob es eine zunehmende Abneigung gegen den MMO-Begriff gibt – vielleicht aufgrund der vielen Fehlschläge in den vergangenen Jahren. Seine Antwort:

Ich kann mir aber vorstellen, dass manch einer fälschlicherweise glaubt, dass der MMORPG-Begriff negativ belastet ist. Durch Sachen wie Grind oder dass man sich für eine lange Zeit an ein MMO binden muss. Gerade der enorm erfolgreiche Launch von New World hat aber bewiesen, dass auch heutzutage viele Spieler das MMO-Genre lieben. Warum sollte man sich also davon distanzieren?

Das vollständige Interview mit Jack Emmert findet ihr hier.

Mit Blick auf Dune: Awakening glaube ich aber nicht, dass der MMO-Begriff ein Problem war. Das Survival-Abenteuer konnte sich zum Launch über enorme Spielerzahlen freuen. Kritisch war eher die Art und Weise, wie PvE- und PvP-Inhalte ausbalanciert waren beziehungsweise wie die erste Version der Tiefen Wüste funktioniert respektive nicht funktioniert hat. Im Prinzip arbeiten die Entwickler bis heute daran, den Konflikt zwischen PvE- und PvP-Fans so aufzulösen, dass beide Spielergruppen zufrieden sind. Mehr dazu erfahrt ihr hier: 10 Monate nach dem Release trifft Dune: Awakening die richtige Entscheidung, trennt seine Streithälse von einander

Quelle(n):
  1. frvr.com

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