Alle sagen, Shooter haben gerade einen schlechten Stand, aber ich hab alleine 13 auf Steam zu zocken und verzweifle daran

Dariusz Witchfire

Das Internet ist sich sicher, dass das Shooter-Genre gerade richtig schlecht aufgestellt ist. MeinMMO-Redakteur Dariusz macht da jedoch eine andere Erfahrung.

„Shooter sind tot.“ Das ist der Eindruck, den ich bekomme, wenn ich in den verschiedenen sozialen Netzwerken, Foren und Communitys von Content-Creatorn unterwegs bin. Der Tenor ist immer derselbe:

  • Spiel A ist dead und die Entwickler haben es versaut
  • Spiel B ist uninteressant, weil zu bunt/ zu schnell/ zu langsam/ zu unrealistisch
  • Das kommende Spiel C floppt safe

Kurz darauf folgt das stetig wiederkehrende Gejammer darüber, dass keine neue Shooter herauskommen, die auch das Potenzial haben, Spieler über Jahre hinweg tausende Stunden zu unterhalten.

Dabei könnte es mir als Shooter-Spieler gerade nicht besser gehen.

Immer wenn ich diese Diskussionen mitbekomme, frage ich mich, ob die Leute wirklich Shooter-Spieler sind oder nur auf eine Neuauflage ihres Lieblingsspiels hoffen, das sie 7.000 Stunden gezockt und dann irgendwann das Interesse verloren haben.

Shooter-Spieler essen aktuell hervorragend, und ich bin es leid, so zu tun, als wäre es anders.

Das große Missverständnis im Shooter-Genre ist, dass sich viele Spieler verhalten, als dürften sie ein Spiel nie wieder anfassen, wenn sie es einmal beiseitegelegt haben. Sie tun so, als würden sie eine tödliche Krankheit bekommen, wenn sie Valorant spielen. Oder als würde sie ein Fluch treffen, wenn sie es wagen, mal wieder in Titanfall 2 reinzuschauen.

Hinzu kommt diese absurde Ignoranz, mit der viele Gamer entscheiden, ein Spiel nicht mal testen zu wollen, weil es im Trailer mehr Farben hat, als Braun, Grün und Grau – und das, obwohl es vielleicht sogar free-to-play ist.

Video starten
Witchfire: Das Destiny mit Hexen hat einen Trailer für den Steam-Release

Ich will mehr Spiele spielen als ich Zeit habe

Shooter sind im Gaming meine große Leidenschaft. Ich habe schon vor Jahren gelernt, mich nicht von einem Artstyle oder bunten Farben abschrecken zu lassen. Ich teste alles. Dabei ist es auch egal, ob es PvE, PvP oder PvEvP ist. So habe ich schon einige Spiele gefunden, die mich wirklich positiv überrascht haben. Und das führt mich zu meinem aktuellen Dilemma.

Ich habe eine riesige Liste von Spielen, die ich zocken will, aber kein Mensch hat die Zeit, all diese Perlen zu spielen.

Um euch nicht mit der Liste zu erschlagen, die ich in den vergangenen Wochen spielen wollte, schmeiße ich euch die Spiele in eine aufklappbare Box. Dann könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr euch den Brocken anschauen wollt.

Dariusz’s Gaming-To-Do-Liste
  • Overwatch – Spiele ich jeden Abend 1-2 Stunden mit Freunden und will das auch nicht missen. (Ab August auf Steam)
  • Gray Zone Warfare – Hat mich nach dem 0.4-Update im April und Mai komplett gefesselt und ich will es unbedingt weiter grinden. (Über Steam spielbar)
  • Rainbow Six Siege – Das ist mit Abstand mein meistgespieltes Spiel und alle paar Monate bekomm ich Bock, mal wieder paar Runden zu drehen. (Auf Steam verfügbar)
  • ARC Raiders – Ein tolles Spiel mit einzigartigen Momenten, vor allem, wenn man im Voice-Chat mit völlig Fremden interagiert. (Auf Steam verfügbar)
  • KovaaKs – Ein Aim-Trainer, den ich regelmäßig spiele/ spielen will, um einerseits besser bzw. nicht schlechter zu werden und andererseits, weil es mit guter Musik eine entspannende Wirkung auf mich hat. (Klassischer Steam-Titel)
  • The Division 2 – ARC Raiders und der zwischenzeitlich eingefügte Hardcore-Modus von The Division 2 haben mir richtig Lust gemacht, nach Jahren der Pause wieder zu grinden und meinen Build zu verfeinern. (Auf Steam verfügbar)
  • Battlefield 6 – Es gibt immer wieder Tage, an denen ich denke: „Jo, jetzt ein paar Runden Battlefield.“ (Auf Steam verfügbar)
  • Valorant und Counter-Strike 2 – Beide Spiele reizen meinen Ehrgeiz und ich will sie eigentlich mal richtig spielen und herausfinden, wie gut ich darin werden kann. (Riot Games vertreibt den Taktik-Shooter auf dem PC weiterhin exklusiv über den eigenen Riot Launcher und dem Epic Games Store)
  • Borderlands 4 – Ich bin mit meinem Build noch unzufrieden und will weiter grinden, aber ich muss auch noch ein paar Nebenmissionen abschließen und andere Vault Hunter hochspielen, die ebenfalls noch starke Builds benötigen. (Nicht auf Steam)
  • ReturnalEin unfassbar gutes Spiel, das ich Jahre nach Release angefangen habe und meine Leidenschaft für Shooter mit dem Gameplay-Loop von Roguelites kombiniert – die ich ebenfalls gerne spiele. (Gibt es für den PC auf Steam)
  • Warframe – Seit Jahren will ich es mehr spielen, und wenn ich es dann endlich aktiv zocke, kommt irgendwas dazwischen. Meistens ein brandaktueller Release. (Seit Jahren ein Dauerbrenner auf Steam)
  • Call of Duty Zombies – Erst kürzlich habe ich Lust auf den Zombie-Modus bekommen, aber kam nur an 2 Abenden dazu, ihn für je eine Stunde zu spielen. Dann benötigten andere, aktuellere Games meine Aufmerksamkeit. (Die modernen CoD-Teile inklusive aller Zombie-Modi laufen wieder voll über Steam)
  • Witchfire – Das habe ich mir für einen Artikel auf MeinMMO angeschaut und würde es gerne weiterspielen, denn es hat wirklich Potenzial und ich will sehen, was dort noch auf mich wartet. (Regulär auf Steam).
  • Remnant 2 – Das liegt noch auf meinem Pile of Shame. Ich will es unbedingt spielen, aber das gilt halt auch für die anderen Spiele auf dieser Liste. (Auf Steam verfügbar)
  • Marathon – Aktuell mein liebster Extraction-Shooter (sorry ARC Raiders) und spätestens mit Season 2 werde ich ihn auch wieder spielen. Eigentlich hab ich meine To-Do-Liste für Season 1 noch nicht ganz beendet, aber die Zeit. (Auf Steam verfügbar).

Das sind übrigens nur die Shooter, die ich aktuell installiert habe und irgendwann im vergangenen Monat zocken wollte. The Finals und Apex Legends hatten keinen Platz mehr auf der Festplatte. Letzteres reizt mich besonders, weil ich Battle Royale eigentlich hasse, aber wenigstens in einem Battle Royale gut sein will.

Ich will Spaß haben, nicht E-Sportler sein

Die meisten dieser Spiele sind nicht neu, aber viele von ihnen bekommen regelmäßig Updates und machen mir dann wieder für ein paar Stunden Spaß, wenn ich zurückkehre – vor allem, wenn es lange her ist, dass ich sie das letzte Mal gespielt habe. Andere Games habe ich verpasst oder nur kurz angespielt und will sie ordentlich nachholen. Und dann gibt es die Spiele, die ich einfach gerne immer wieder spiele, je nach Lust und Laune.

Ihr erkennt wahrscheinlich mein Dilemma.

Ich möchte viele Spiele spielen und auch gut in ihnen sein, aber das erfordert teilweise viel Zeit. Zeit, die ich nicht habe. Aber hier liegt die große Erkenntnis, die ich hatte und auch euch empfehlen kann:

Ich will die genannten Shooter nicht tausende Stunden spielen, jede Mechanik oder jeden Helden perfektionieren und den höchsten Rang erreichen.

Diesen Ehrgeiz hatte ich, als Rainbow Six: Siege noch mein Main-Game war und ich nichts anderes spielte. Heute will ich „nur“ ein solides Niveau erreichen und in erster Linie Spaß haben. Ich kann jetzt einfach in Overwatch reingehen, 400 Stunden eine gute Zeit habe und zum nächsten Game wechseln. Nichts hindert mich daran.

Es gibt keine Pflicht, die euch dazu zwingt, ein Main-Game zu finden und dann für 7.000 Stunden nichts anderes zu spielen. Ihr könnt einfach ein Spiel starten, es spielen, bis ihr keine Lust mehr habt, und es wieder deinstallieren.

Was heißt das jetzt für euch?

Ich will euch mit dem Artikel nicht dazu bewegen, beispielsweise Overwatch oder Valorant zu zocken, wenn ihr mit dem Artstyle oder mit dem Hero-Shooter-Prinzip nichts anfangen könnt. Vielmehr hoffe ich darauf, zeigen zu können, dass wir Shooter-Spieler eigentlich eine riesige Auswahl an Spielen haben, die stetig neue Inhalte bekommen, und wir vielleicht sogar Spaß an Spielen haben, von denen wir uns eigentlich sicher waren, dass sie uns nicht gefallen.

  • Ich liebe realistische, düstere Shooter mit rauem Setting und idealerweise 1-Shot-Headshots, aber als ich mich auf Overwatch und Valorant eingelassen habe, hatte ich überraschend viel Spaß.
  • Noch vor wenigen Jahren betonte ich, dass ich Extraction-Shooter nicht leiden kann. Jetzt stehen gleich 3 Stück auf meiner Liste mit Spielen, die ich zocken will.
  • Spiele wie The Division 2 haben mich vor Jahren verloren, aber das heißt, dass ich umso mehr Content nachholen kann und auch das erneute Spielen von Missionen sich inzwischen nicht mehr repetitiv anfühlt – eben weil so viel Zeit vergangen ist.

Wenn euer ehemaliges Lieblingsspiel euer Interesse verloren hat und ihr das Gefühl habt, dass bei Shootern gerade nichts los ist, dann zockt einfach mal etwas, das ihr bislang aus irgendeinem Grund komplett gemieden habt. Vielleicht überrascht es euch ja.

Habt ihr schon mal Gefallen an einem Shooter gefunden, von dem ihr zuvor dachtet, der kann euch auf gar keinen Fall Spaß machen? Schreibt es gerne in die Kommentare!

Falls ihr euch beim Lesen des Artikels gefragt habt, wieso ich neben beruflichen Verpflichtungen nicht so viel Zeit habe, all diese Spiele zu spielen: Ich hoste nebenbei einen Server in Conan Exiles und stecke viel zu viel Zeit in Forza Horizon 6. Aber dazu habe ich immerhin auch einen Test auf MeinMMO veröffentlicht: Forza Horizon 6 im Test: Die besten Momente hatte ich, als ich die Rennen links liegen ließ und es wie GTA spielte

Bitte lies unsere Kommentarregeln, bevor du kommentierst.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
3 Kommentare
Neueste
Älteste Meisten Abstimmungen
Inline Feedback
Alle Kommentare anzeigen
frautrallafitti

Marathon will ich mir auch unbedingt mal anschauen, Division 2 reizt mich weiterhin sehr. Battlefield 6 geht immer. Ich schaue sogar zwischendurch auch in Black Ops 7 rein, um ein paar Runden Nuketown zu spielen 😀
Warframe wollte ich mir auch irgendwann mal ansehen, da kenne ich nur ein paar Bilder von 😀
Und zu Valorant bekommt mich nix mehr, ich find das unfassbar langweilig und viele Spieler (mit denen ich zu tun hatte) nur nervig.

VonGestern

Eine Runde DeepRockGalactic geht immer.

Gummipuppe

Alle? Shooter sind tot? Weil man sich über den kläglichen Abgesang von Destiny 2 und die Schwemme an Extraction Shootern mokiert, mit den Sony den Markt flutet, weil sie auf das nächste groß Ding hoffen und größtenteils floppen? Weil ein paar Twitch Streamer öffentlichkeitswirksam meckern? Schon derbe überspitzt formuliert oder? Wie du selbst formulierst, kommen diese Wut-Gamer Peaks meistens nur aus einer Richtung, bestimmten Social Media Kreisen.

Ich selbst kenne aus meinem befreundeten Zockerkreis niemanden, der Shooters für tot erklären würde, die meisten spielen Saros, Pragmata, Cyberpunk, etliche immer noch Division 2, ich selbst hatte mich die letzten zwei Monate durch den gesamten First Descendant Content geackert, dazu gibt es mit der Doom Reihe, Dying Light und Stalker und viele mejr immer wieder gutes Gaming-Futter.

Ich denke, das abseits der üblichen Streamer-Verdächtigen und einen Teil derer Zuschauer, die meisten einfach ihre Games zocken und gute Shooter, die in der Anzahl nicht weniger geworden sind, auch immer gezockt werden.

3
0
Sag uns Deine Meinungx