Kaum ein anderes Thema wird in den Gaming-Communitys gerade so hitzig diskutiert wie KI. Die Aussagen des kreativen Chefs von Kingdom Come Deliverance 2 polarisieren dabei besonders.
Was ist der Anlass? Ihr habt es sicherlich mitbekommen: Modder haben Zugriff auf Nvidias DLSS-5-Technologie bekommen und zeigen in diversen Beispielen, wie sich das Echtzeit-Upscaling auf das Aussehen von Videospiele-Charakteren auswirken könnte. Vielen Spielern gefällt das gar nicht.
Mit Daniel Vávra gibt es jedoch auch jemanden, der die Technologie verteidigt. Auf X führt der kreative Chef von Kingdom Come Deliverance 2 an, dass das Neurale Rendering in DLSS 5 erst dabei helfen würde, die künstlerische Vision eines Artists umzusetzen. Als Beispiel führt er Vergleichsbilder aus dem Rollenspiel an, die verschiedene Charaktermodelle zeigen.
Seine Erklärung zu den Bildern:
Links sieht man einen Kopf, der vom sehr begrenzten Beleuchtungssystem der Game-Engine verunstaltet wurde – weil es Schatten, Hauttexturen und die Details von Normal Maps nicht vernünftig darstellen kann.
Rechts ist DASSELBE MODELL OHNE JEGLICHE GEOMETRIE-ÄNDERUNGEN, das genau wie ein Render aus ZBrush aussieht – wo ein 3D-Artist es modelliert hat – nur mit besserer Beleuchtung, Schatten, Hauttextur, Haaren und somit DETAILS.
Vávra betont, dass die Kopfmodelle mittels Photogrammetrie von echten Menschen 3D gescannt und dann von Artists überarbeitet wurden. KI wurde also benutzt, um das künstlerische Werk einer Person so zu optimieren, dass man am Ende die Vision des Künstlers erhält.
„Natürlich nutzt es JEDER! Jeder Einzelne!“
Was sagt Vávra noch? Der ehemalige Chef-Entwickler von Warhorse legt in einem zweiten Post auf X nach. Seiner Auffassung nach würden derzeit zwar alle betonen, keine KI für die Spiele-Entwicklung zu nutzen, doch wäre die Realität eine ganz andere:
Die Realität? Natürlich nutzt es JEDER! Jeder Einzelne! Absolut jeder Entwickler in etlichen Firmen, mit dem ich im letzten Jahr gesprochen habe, nutzt KI. Programmierer bekommen ohne sie gar nichts mehr auf die Reihe. Die meisten Entwickler bauen ihre eigenen KI-Tools für so ziemlich alles.
Sie kann hochwertige Charaktermodelle generieren, hilft Animateuren und wird von Concept Artists, 3D-Artists, Drehbuchautoren und Designern genutzt … Recherche, Schreiben, Ideenentwicklung, Konzepte … Selbst Leute, die nicht programmieren können, nutzen sie, um Tools zu erstellen, für die Programmierer nie Zeit hatten. Und sie wird für KI genutzt! Ihr wisst schon – die NPC-KI.
Laut Vávra sollen es vor allem die talentiertesten Leute aus der Branche sein, die das Potenzial von KI sehen. Bei den derartigen Summen in der AAA-Produktion solle man sich von dem Gedanken verabschieden, dass Studios auf eine Technologie verzichten würden, die signifikant die Entwicklungszeiten und -kosten senken könne. Der Entwickler endet mit einem Blick in die Zukunft:
Ich bin gespannt, was passiert, wenn die Wahrheit über all das ans Licht kommt – und wer als Erster aus dem Nähkästchen plaudert. Ich schätze, dann werden alle Spiele und Firmen boykottiert! Das wird ein Riesenspaß!
Wie fallen die Reaktionen aus? Die Community reagiert mit viel Kritik, es gibt aber genauso Kommentatoren, die Vávras Aussagen bestätigen. Hier nur eine kleine Auswahl:
- Rammy Strand schreibt etwa auf X: „Ich hoffe, du entwickelst keine Spiele mehr, wenn das deine Einstellung ist. Wir brauchen keinen verdammten KI-Instagram-Filter, durch den man in einem Videospiel 50 % der Bildrate einbüßt.“
- never ergänzt auf X: „Dadurch werden alle Spiele genau gleich aussehen, und sie werden dadurch nicht realistisch wirken. Sie werden vielmehr so aussehen, als wären sie von einer KI generiert worden. Das Ergebnis wird immer unheimlich wirken und in den meisten Fällen falsche Details vortäuschen.“
- Simone Lombardo erklärt indes auf X: „Ich arbeite als Berater. Jedes einzelne Unternehmen, auch diejenigen, die lautstark betonen, dass sie keine KI einsetzen, nutzen KI. So viele Spiele und Fernsehsendungen sind voll davon.“
- Dbfan4life hat einen Kompromisvorschlag auf X: „Okay, ich habe nichts dagegen, dass KI bis zu einem gewissen Grad eingesetzt wird, aber das bedeutet auch, dass Spiele, die darauf zurückgreifen, günstiger sein sollten. Ich bin nicht bereit, den vollen Preis für Abstriche zu zahlen.“
Wie bewertet ihr diese Aussagen? Seht ihr Bereiche, in denen KI bei der Spiele-Entwicklung sinnvoll helfen kann? Wo verläuft für euch die Grenze? Verratet es uns gern in den Kommentaren!
War da nicht was mit Daniel Vávra? Bei all dem darf man nicht vergessen, dass der ehemalige Chef-Entwickler mit seinen Äußerungen bereits in der Vergangenheit aufgefallen ist und sich Rassismus-Vorwürfe und den Vorwurf einer gewissen Gamergate-Nähe gefallen lassen musste (mehr dazu lest ihr bei den Kollegen der GameStar).
Vor dem Launch von Kingdom Come Deliverance 2 ist ihm genau das erneut um die Ohren geflogen, aber dieses Mal, weil der zweite Teil laut der rechten Ecke plötzlich „zu woke“ und Vávra eingeknickt sein soll. Mehr dazu lest ihr hier: Chef äußert sich zum Vorwurf, Kingdom Come Deliverance 2 sei woke, Vorverkäufe auf Steam brächen deshalb ein.
Im Februar 2026, knapp ein Jahr nach dem Release von KCD2, ist Daniel Vávra von seiner Position übrigens als Creative Director zurückgetreten. Er wolle sich nun einem anderen Projekt innerhalb der Reihe widmen, der Film-Adaption fürs Kino. Mehr dazu hier: Kreativer Chef von KCD2 tritt zurück, spottet: „Die Gaming-Welt ist sicher vor meinen Kontroversen“
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Kommentare
Klar wird KI fast überall in Computerspielen verwendet. Man schaue sich an wieviele Filter in Photoshop auf KI basieren. KI als Produktionsbooster nicht zu nutzen ist dämlich hoch drei. Das ist so als ob man Löcher in die Wand mit einer Handbohrmaschine reinbohren würde. Macht niemand weil man mit einer elektrischen Bohrmaschine beträchtlich schneller ist.
Was mir aber Sorgen macht ist die Aussage, dass Programmierer ohne KI nichts mehr auf die Reihe bekommen. Diese Leute sollte man sofort entlassen.