Buy2Play-Games sind verschenkte Möglichkeiten, meint Gameforge

Wer ein Spiel für 60 Dollar in den Handel bringt, ohne weitere Gebühren zu verlangen, der verschenkt ungeheure Möglichkeiten. Das zumindest meint Tim Campbell, Vice-President vom Publisher Gameforge, in einem Gespräch mit der pcgamesn.

Wenn man ein Spiel für 60 Dollar anbietet und der Spieler Tausende Spielstunden darin versenkt, dann ist es aus unternehmerischer Sicht schon verständlich, wenn man wie Campbell sagt: „Verdammt! Wir haben gerade Unmengen an Content verschenkt!“ Aus Sicht des Kunden sieht dies natürlich anders aus. Man bezahlt ein Produkt und nutzt es so lange man will. So, wie man dies auch von anderen Produkten gewöhnt ist. Tim Campbell von Gameforge steht diesem Buy2Play-Modell aber sehr kritisch gegenüber, insbesondere das Konsolen-Business hätte darunter gelitten.

Wenn die Leute dein Spiel nicht im Einzelhandel kaufen, geht es zu Gamestop und wird dort als gebraucht immer und immer wieder verkauft – als Publisher, der 30, 50 or 100 Millionen Dollar für die Entwicklung des Spiels bezahlt hat, siehst du von diesen Einnahmen im Gebrauchthandel überhaupt nichts. (…) Wie schafft man Einnahmen, die weitere coole Entwicklungen finanzieren können (…). Das war ein großes Problem, mit dem wir uns lange befasst haben.

Free2Play würde laut Tim Campbell diese Probleme lösen. Man hätte es in der Vergangenheit zwar oft übertrieben und es gab viel Kritik, doch Free2Play würde das Risiko für Entwicklerstudios und Publisher minimieren. Wenn man ein Spiel mit großem Budget für 60 Euro auf den Markt bringt und es floppt, dann hat man ein Problem. Dann landet es irgendwann für 10 Euro in einem Sale und die Spieler verbringen dann Hunderte Stunden oder mehr damit. Als Entwickler hat man dann aber nichts mehr davon. In der Tat könnte dies dazu führen, dass die finanziellen Mittel für weitere Spiele fehlen.

Entfernt man aber die Einstiegshürde, also den Kaufpreis, dann schauen sich viel mehr Spieler das Produkt an. Gefällt ihnen, was sie sehen, dann bleiben sie dabei und man kann über einen Ingame-Shop die Kosten wieder reinholen. Free2Play sei ein faires System meint Tim Campbell, denn jeder kann so viel darin investieren, wie er möchte. Manche stecken nur Zeit rein, andere dagegen auch Geld.

Tera

MMOs wie TERA können die Entwicklungskosten durch regelmäßige Shop-Einnahmen tragen. Dieses Modell soll nun auch in anderen Genres angewandt werden.


Das macht vor allem dann Sinn, wenn man die Produkte stetig weiterenwickelt, was im Bereich der MMOs regelmäßig der Fall ist. World of Warcraft macht es vor. Das MMORPG generiert einen stetigen Strom an Einnahmen – und das schon seit vielen Jahren. Doch das Abo-Modell funktioniert heutzutage nur noch bei wenigen Ausnahmen. Buy2Play- und andere Geschäfts-Modelle scheinen laut Campell ein großes Risiko darzustellen, denn sie gefährden auch die Entwicklung von weiteren Spielen. Ist Free2Play das Allheilmittel?

Andreas meint: Free2Play haftet kein guter Ruf an. Zu Anfangszeiten – und teilweise auch heute noch – wurde den Spielern einfach für Dinge das Geld aus der Tasche gezogen, die man benötigt hat, um überhaupt richtig spielen zu können. Dies hat sich inzwischen zwar gebessert, dennoch beäugen viele Gamer Free2Play-Spiele noch immer sehr kritisch. Den schlechten Ruf loszuwerden, ist eine große Aufgabe. Da ist es eher kontraproduktiv, zu sagen, dass Buy2Play ein Geschäftsmodell ist, dass kein Entwickler gerne nutzt, weil es den Kunden zu viel für zu wenig Geld bietet. Buy2Play hat ebenso seine Berechtigung auf dem Spielemarkt.

F2P MMO Aion

Natürlich möchte jedes Unternehmen möglichst viel Geld verdienen und das am besten über einen längeren Zeitraum, denn das ist der Sinn und Zweck der meisten Firmen. Allerdings muss man mit den Kunden immer fair umgehen. Dies funktioniert sicher auch mit einem Free2Play-Modell. Doch genau hier bedarf es dann umso mehr Arbeit, um den Spielern zu zeigen, dass man ihnen nicht das Geld aus Tasche ziehen will, sondern, dass man ihnen auch etwas bietet. League of Legends beispielsweise verdeutlicht, dass ein Free2Play-Modell gut funktionieren kann, wenn man offen und fair mit den Kunden umgeht. Dies müssen viele Entwickler aber erst noch lernen. Klar ist auch, dass bei diesem Lernprozess wieder einige Fehler gemacht werden.

Guild Wars 2

Buy2Play? Funktioniert bei GW2.

Buy2Play ist und bleibt aber nach wie vor das fairste Modell, denn hier bezahlt man Geld für ein Produkt und nutzt es dann in den meisten Fällen uneingeschränkt. Verkauft sich ein Spiel bei Release nicht, dann sollte man die Schuld nicht bei den Kunden, sondern bei sich selbst suchen. Im MMO-Bereich kann man argumentieren, dass die Spiele stetig erweitert werden und neue Inhalte sowie Verbesserungen hinzu kommen. Aber auch hier zeigt ArenaNet mit Guild Wars 2, dass es mit dem Buy2Play-Modell im Genre der MMOs klappen kann.

Autor(in)
Quelle(n): pcgamesn.complaymassive.de
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