WoW Shadowlands: Warum ihr im Schlund jede Aktion genau planen müsst

Der WoW-Entwickler Kevin Martens hat mit uns über Shadowlands gesprochen und den Schlund vorgestellt. Wir verraten, was da so alles passiert.

Die Entwickler von World of Warcraft Shadowlands arbeiten gerade fieberhaft an der Fertigstellung der nächsten Erweiterung. Dennoch hat sich der Lead Designer Kevin Martens die Zeit genommen, um im Interview Rede und Antwort zu stehen und uns einige Fragen zum Schlund zu beantworten. Wir haben dabei über den Fortschritt im Schlund, die Gefahren aber auch potenzielle Belohnungen und Faktoren der Frustration gesprochen und jede Menge Antworten erhalten.

Was ist der Schlund? Zur Erinnerung: Der Schlund ist die Endgame-Zone in World of Warcraft Shadowlands. Erst auf der Maximalstufe 60 kommen Spieler hierhin und können pro Tag eine Reihe von Aufgaben erledigen. Allerdings kann man nicht zu lange im Schlund verweilen, denn der Kerkermeister sieht alles, was dort geschieht. Wer zu viel Chaos anrichtet, der erntet den Zorn des Kerkermeisters und bekommt immer mächtigere Feinde auf den Hals gehetzt, bis man letztlich überwältigt wird. Im gleichen Gebiet steht auch der Turm Torghast, ein weiteres Endgame-Feature.

Wer spricht da? Wir haben mit Kevin Martens gesprochen, einem der Lead Designer von Blizzard. Er ist vornehmlich für die Entwicklung der neuen Gebiete in Shadowlands zuständig, wie etwa Maldraxxus oder dem Schlund. Vor World of Warcraft hat er an Diablo III mitgearbeitet und war davor sogar bei BioWare etwa an Dragon Age: Origins maßgeblich beteiligt.

WoW Lead Designer Kevin Martens
Der Lead Designer Kevin Martens hat uns viel zum Schlund verraten.

Im Schlund seid ihr stark eingeschränkt

MeinMMO: Wie genau funktioniert das Bestreiten von Abenteuern im Schlund? Bekommt man Quests und beginnt diese abzuschließen oder zieht man einfach aus und versucht ein paar Rares zu töten?

Kevin Martens: Es gibt ein paar Quests, aber nicht im klassischen Sinne. Es gibt auf jeden Fall ein paar Einführungsquests, aber die führen dich in den Gameplay-Zyklus ein. (…) Wenn ihr zum ersten Mal dort ankommt, trefft ihr auf Ve’nari, sie ist eine Verstoßene der „Broker“ und hat dort den einzigen sicheren Ort. Das dient quasi als euer Hub, aber nicht im traditionellen Sinn – es ist eine kleine Höhle, die sie mit eurer Hilfe gesichert hat. Sie gibt euch einige Einführungsquests. Aber diese Quests existieren nur, um euch in die Systeme einzuführen.

WoW The Maw Ve'nari NPC Broker
Ve’nari hat den einzigen ruhigen Ort im Schlund.

Wenn man sich unsere Experimente in den letzten Jahren anschaut in Bezug auf Outdoor-Inhalte, dann ist das, wo wir mit den Weltquests in den BfA-Patches hinwollten, etwa wie in Mechagon. (…)

Alles, was wir [von Mechagon und Nazjatar] gelernt haben, ist in den Schlund mit eingeflossen, um es zu einem großen Spielplatz zu machen.

Zusätzlich dazu haben wir versucht, es wirklich schwer zu machen. Egal was für Ziele ihr für den Tag habt, die können alleine bewältigt werden. Aber wenn ihr anderen Spielern begegnet, werdet ihr darüber froh sein und denken: „Oh, was für ein Glück, hier ist ja noch jemand.“ (…)

Aber ihr könnt nicht für immer bleiben, denn es gibt das System des „Auge des Kerkermeisters“. Das wird immer mal so sein, dass ihr denkt „Verdammt, ich habe heute nicht alles geschafft, ich werde bis morgen warten müssen, wenn ich diese andere Ecke noch erforschen will, denn der Kerkermeister ist mir schon auf den Fersen.“ Das passt gut in die Geschichte und auch in das Gameplay, um das Gebiet frisch zu halten, indem ihr nicht alles in einer Sitzung erledigen könnt.

Der Schlund sieht wenig einladend aus – das ist Absicht.

MeinMMO: Wie genau limitiert das Auge des Kerkermeisters den Spieler? Ist es ein striktes Zeitlimit oder eine gewisse Anzahl an Aktivitäten?

Kevin Martens: Es sind Aktivitäten. Also du kannst [das Gebiet] alleine erforschen und wenn du nicht auf dich aufmerksam machst, etwa als Druide in Katzengestalt, und Kämpfe vermeidest, um das ganze Gebiet sehen zu können, dann kannst du vermutlich fast alles davon sehen.

Einige Monster können etwas weiter sehen als der Durchschnitt, weshalb du vielleicht vor einigen Kämpfen fliehen musst. Vielleicht erwischen sie dich, vielleicht auch nicht. Es ist eben gefährlich. Aber wenn du einfach Kämpfe vermeiden willst und das Gebiet erforschen möchtest, dann hindern wir dich nicht daran.

Wir möchten nicht, dass ihr all eure Ziele dort in einer einzelnen Sitzung erreicht, aber eher aus Sicht der Story – nicht aus Sicht des Gameplays. Die Idee ist, dass dies das Reich des Kerkermeisters ist und er beobachtet dich, so ähnlich wie das Auge von Sauron. Der Kerkermeister sieht die ganze Zeit zu. Er sieht alles, was dort geschieht.

Er ist immer auf der Suche nach dir oder anderen Eindringlingen und bemerkt dich, wenn du etwas Bedeutsames tust. Wenn du einen Schatz stiehlst oder einige Elite-Gegner tötest, seine Generäle und so. Dann erhöht ihr diese Anzeige und der Kerkermeister beginnt, Assassinen nach dir zu schicken, die immer stärker und stärker werden. Und am Ende wird das unvermeidlich, dass du, egal wie gut du spielen kannst, sterben wirst oder fliehen musst.

WoW The Maw Jailers Servants 1
Wer zu viele Diener des Kerkermeisters tötet, zieht seine Aufmerksamkeit auf sich.

Jeder Tod im Schlund kostet euch wichtige Ressourcen

MeinMMO: Was passiert, wenn die Streitkräfte des Kerkermeisters dich erwischen und töten? Wie wird der Spieler bestraft? Ist das einfach nur ein normaler Lauf vom Friedhof zum Körper oder verliert man tatsächlich etwas?

Kevin Martens: Es ist ein wenig anders als ein typischer Lauf zur Leiche. Es gibt diese Ressource, die ihr nur im Schlund sammeln könnt, das „Stygia“. Ihr bekommt auch normale Beute, aber fast alles gewährt Stygia, wie das Töten von Monstern, Elite-Gegnern, das Abschließen von Events und anderen Dingen, die sich regelmäßig ändern. Davon verlierst du etwas, jedes Mal, wenn du stirbst.

Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird das Auge des Kerkermeisters so überwältigend sein, dass du vermutlich nicht zurückkehren kannst, um es [das Stygia] zurückzuholen. Es gibt also diese Sache des Abwägens zwischen Risiko und Belohnung. Die Spieler haben die Kontrolle darüber, wann sie die Entscheidung fällen: „Okay, das ist genug, ich versuche jetzt hier rauszukommen.“ Man kann zu jeder Zeit fliehen.

Aber wir wollen, dass du es manchmal ein bisschen übertreibst und versuchst die Grenzen zu überschreiten. Und während du stärker wirst und den Rest des Spiels spielst, bessere Items bekommst und mit den Systemen des Schlunds vertrauter wirst, erwarten wir, dass du später auch weiter kommst. Wir werden [den Schlund] vermutlich auch im Laufe der Zeit härter machen.

WoW The Maw blue anima crystals 2
Es gibt viele, abwechslungsreiche, kleine Events im Schlund. Aber nur begrenzt Möglichkeiten, diese auch abzuschließen …

Der Schlund ist gut für Gruppen, aber es gibt keinen Zwang

MeinMMO: Du hast gesagt, dass man sich darüber freut, andere Spieler im Schlund zu treffen. Ist der Schlund mit einer Gruppe leichter zu bewältigen oder erhöht das sogar die Aufmerksamkeit des Kerkermeisters?

Kevin Martens: Ich glaube nicht, dass es basierend auf der Gruppengröße gesteigert wird, sondern eher, weil ihr mehr Aktivitäten abschließt. Ihr macht mehr Dinge, die Aufmerksamkeit erregen. Ihr schließt einfach schneller Ereignisse ab.

Wie in vielen Bereichen von WoW finden wir es spaßiger, wenn ihr mit anderen Leuten spielt, mit wenigen Ausnahmen. (…)

Wir wollen nicht, dass ihr mit anderen Leuten spielen müsst, aber wir wollen euch immer dazu ermutigen. Und der Schlund ist der Ort, wo wir das anders herum angehen. Wir geben dir niemals ein Ziel, das du nicht alleine absolvieren kannst, aber, verdammt, es ist toll jemand anderen dabei zu treffen! Dann muss man nicht mehr ganz so vorsichtig sein. Ihr müsst dann nicht mehr warten, um Feinden auszuweichen, sondern könnt direkt hineinstürmen und mehr erledigen. Ihr müsst dafür nicht einmal in einer Gruppe sein. Es kann schon hilfreich sein, einfach andere Spieler zu haben, die auf die gleichen Feinde mit einprügeln.

WoW The Maw Jailers Servants 3
Nicht alles ist blau und finster – es gibt offenbar auch eine Menge „heißer“ Orte.

Weniger Zufall bei den Belohnungen

MeinMMO: Glaubst du, dass es eine Möglichkeit der Frustration für die Spieler gibt, wenn ihr die Menge an möglichen Aktionen im Schlund einschränkt? Etwa für Spieler, die Rare-Mobs, Spielzeuge oder Reittiere farmen.

Kevin Martens: Das Belohnungs-System wird überarbeitet, wie auch die ganze Herangehensweise an Belohnungen im Spiel, geleitet von der Idee, dass du ein bisschen bestimmter sein kannst und weniger farmen musst. Das ist Teil dieses Systems.

Wir haben das mit einem neuen System namens Ansehen [„Renown“] und einer neuen wöchentlichen Kiste gemacht. Wir wollen, dass du in der Lage bist, das zu tun, was dir Spaß macht und nicht mehr „Ich wähle diese eine Aktivität und farme die, bis ich alle Belohnungen habe“.

Dieses Mal ist das etwas lockerer. Ich kann eine ganze Menge tun, um mein Ansehen zu sammeln und dann bekomme ich am Ende beides: Einige zufällige Belohnungen aber auch welche, auf die ich hinarbeiten kann. Selbst im PvP haben wir den Händler für Eroberungspunkte wieder zurück, also kann man gezielter vorgehen.

Eine gewisse Menge von „Oh, toll, ich habe etwas bekommen, das ich nicht erwartet habe“ ist immer spaßig. Aber zu viel davon und es wird frustrierend und fühlt sich einfach zufällig an. Da suchen wir immer nach einer Balance.

Wir teilen deine Sorge hier und hoffen, dass viele Spieler das in der Beta ausprobieren und uns ihr Feedback dazu geben, sodass wir es entsprechend anpassen können. Aber wie mit jedem Live-Spiel ist das ein andauernder Prozess. Das ist nicht fertig, selbst wenn das Spiel live geht und einige Hotfixes hatte, wir achten immer auf sowas.

Und die Spieler finden immer neue Wege, um an solche Dinge heranzugehen und damit auch neue Quellen der Frustration zu finden. Wir versuchen da immer aufmerksam zu sein und die Dinge in Echtzeit anzupassen.

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Größere Feinde, wie dieser Elite-Gegner, sollten besser mit einer Gruppe bekämpft werden.

MeinMMO: Ändert sich der Schlund und die Aktivitäten jeden Tag, wie in Mechagon, oder bauen die Dinge eher aufeinander auf?

Kevin Martens: Wir experimentieren damit gerade noch. Aktuell ändert es sich häufiger als täglich. Wenn du am Morgen spielst und dann noch einmal am Abend, dann siehst du verschiedene Dinge im Schlund. Vielleicht machen wir das aber zu einem täglichen Reset, denn auch das Auge des Kerkermeisters wird aktuell täglich zurückgesetzt. (…)

Wir wollen, dass sich das anders anfühlt als im Rest der Außenwelt. Was auch immer in Revendreth, im Ardenwald oder in Bastion geschieht, das soll sich anders anfühlen als das, was im Schlund geschieht. (…)

Der Schlund soll sich anders anfühlen, jeder einzelne Aspekt davon soll sich ein bisschen von den anderen Gebieten unterscheiden.

Wann sehen wir mehr aus dem Schlund? Schon bald startet WoW Shadowlands in die Beta und dann sollen auch die Endgame-Features wie der Schlund spielbar sein – zur Beta anmelden könnt ihr euch hier. Spätestens dann sollten wir neue Informationen erhalten und uns selbst einen ersten Eindruck vom Schlund und seinem Spielgefühl machen können.

Habt ihr Lust auf den Schlund bekommen? Oder seid ihr von diesem Gebiet noch nicht so überzeugt?

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